Seit 15:30 Uhr Tonart

Mittwoch, 19.09.2018
 
Seit 15:30 Uhr Tonart

Kulturnachrichten

Mittwoch, 19. September 2018

Lwiw will russischsprachige Kultur untersagen

Krimkonflikt als Ursache für Parlamentsentscheidung

Bücher, Filme oder Theaterstücke auf Russisch - das könnte in Zukunft im westukrainischen Gebiet Lwiw verboten sein. Das Regionalparlament beschloss nach Medienberichten ein "Moratorium für den öffentlichen Gebrauch russischsprachiger Kulturprodukte", um den Einfluss russischer Kultur zurückdrängen. Der Beschluss sei lediglich eine Empfehlung, sagte eine Sprecherin des Gebietsparlaments der Deutsche Presse Agentur. Mit der Regelung sollen Spannungen in der Gesellschaft vermieden werden und die Folgen der sprachlichen Russifizierung aus sowjetischen Zeiten überwunden werden. Ukrainisch ist die Amtssprache der Ukraine, doch bei der Volkszählung im Jahr 2001 gaben noch 30 Prozent der Ukrainer Russisch als ihre Muttersprache an. Auch darum garantiert die ukrainische Verfassung den Gebrauch des Russischen. In Lwiw, dem Zentrum des ukrainischen Nationalismus, gelte die Empfehlung, solange Russland ukrainisches Gebiet besetzt halte.

Bisky wird Jury-Vorsitzender bei Leipziger Buchmesse

Neue Mitglieder für Buchpreisentscheidung stehen fest

Jens Bisky übernimmt den Jury-Vorsitz für den Preis der Leipziger Buchmesse. Der Autor folgt auf die bisherige Vorsitzende Kristina Maidt-Zinke, wie die Leipziger Messe mitteilte. Alle drei Jahre findet ein Wechsel für den Vorsitz des Entscheidungsgremiums statt. Neu in der Jury für den renommierten Literaturpreis sind auch Elke Schmitter, Katrin Schumacher, Marc Reichwein und Tobias Lehmkuhl. Weiterhin dabei sind Gregor Dotzauer und Wiebke Porombka. Der mit insgesamt 60 000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse wird jährlich in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung vergeben. Aus rund 400 eingereichten Büchern kürt die Jury die Gewinner.

Deutscher Theaterpreis für Aribert Reimann

Komponist wird für sein vielfältiges Schaffen geehrt

Der Berliner Komponist Aribert Reimann erhält den Deutschen Theaterpreis "Der Faust" 2018 für sein Lebenswerk. Der 82-Jährige habe ein zahlreiche Gattungen und Formen umfassendes Gesamtwerk vorgelegt, teilte der Deutsche Bühnenverein mit. Neben Kammermusik, Orchesterwerken und Opern schrieb Reimann auch Gesangskompositionen für Solisten und Chöre. Die undotierte Auszeichnung wird unter anderem von der Kulturstiftung der Länder und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste gefördert. Die Preisverleihung findet am 3. November im Theater Regensburg statt.

Ai Weiwei mag seine Kunst nicht

Eigene Bewertung sei unwichtig

Der chinesische Politkünstler Ai Weiwei hat offenbar ein gespaltenes Verhältnis zu seinen Werken. Er präsentiere seine Kunst niemals selbst, denn er habe sie noch nie gemocht, sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". "Meine Berufsauffassung ähnelt der eines Bauern. Der beurteilt auch nicht jede seiner Kartoffeln danach, wie er sie findet." So habe er auch kein Interesse, seine Arbeiten anderen zu zeigen. "Wenn irgendwann keine Galerie oder kein Museum mehr bei mir anfragt, höre ich sofort damit auf, sie auszustellen", sagte der 61-jährige Konzeptkünstler. Ai lebt seit 2015 in Berlin. Er ist Schirmherr des am Donnerstag in der Hauptstadt beginnenden Human Rights Film Festivals. Dort wird auch Ais Film "Human Flow" über die globale Flüchtlingskrise gezeigt.

Klaus Walter erhält International Music Award

Ehrung für seine Vermittlung der Popkultur

Auf dem Hamburger Reeperbahnfest ist Klaus Walter heute als bester deutschsprachiger Musikjournalist des Jahres mit dem International Music Award ausgezeichnet worden. Die Jury ehrte ihn als großen, popkulturellen Vermittler und Erklärer der seit rund vier Jahrzehnten das allgemeine Popgeschehen in seiner Vielfalt unermüdlich verfolgt und kommentiert hat. Die do-it-yourself Haltung der Punk- und New Wave Kultur sei sein Auslöser für die Beschäftigung mit dem Schreiben über Musik gewesen, sagte er bei Deutschlandfunk Kultur. Walter stellt in zahlreichen Sendungen seit Jahrzehnten Musik vor - auch jenseits des Mainstreams - wie etwa das Format Mixtape von der taz und dem Webradio ByteFM. Klaus Walter ist im Beirat für Musik des Goethe-Instituts und schreibt zur Popkultur für Tageszeitungen und Musikmagazine, u.a. für Rolling Stone und Spex.

Unesco: Museums-Wiederaufbau in Rio dauert 10 Jahre

Brand hat fast alle Exponate zerstört

Rund zehn Jahre könnte der Wiederaufbau des Nationalmuseums von Rio de Janeiro dauern. Zu dieser Schätzung komme die Unesco durch Vergleiche mit anderen Katastrophen, sagte die Vertreterin der Organisation, Marlova Jovchelovitch Noleto der staatlichen Nachrichtenagentur von Brasilien: "Es ist eine Arbeit von vielen Jahren. In diesem Moment gibt es keine magische Lösung, die erlauben würde, das Museum innerhalb einiger Monate zu rekonstruieren". Beim Brand vor drei Wochen waren rund 90 Prozent der Sammlung des bedeutendsten Museums von Südamerika zerstört worden. Die Ursache des Feuers ist weiter unklar. Die Unesco beteiligt sich seit mehreren Tagen an den Bergungsarbeiten.

Nach Ruhrtriennale: Landtag verurteilt BDS-Kampagne

Landesparlamentarier bewerten Bewegung als antisemitisch

Künftig keine Unterstützung für die BDS Bewegung ("Boycott, Divestment and Sanctions") - darauf haben sich parteiübergreifend die Landespolitiker in Nordrhein-Westfalen festgelegt. In einer Resolution fordern CDU, FDP, SPD und Grüne die Einrichtungen des Landes auf, der BDS-Kampagne keine Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und keine ihrer Veranstaltungen zu unterstützen. "Die BDS-Bewegung ist in ihren Methoden und Zielen nicht nur antiisraelisch, sondern klar antisemitisch", heißt es in der Resolution. Klar sei aber auch, dass Kritik an der israelischen Regierungspolitik in Deutschland erlaubt sein müsse. Hintergrund der Resolution ist die umstrittene Ruhrtriennale-Einladung der Band "Young Fathers", die die BDS-Kampagne unterstützt. Dadurch war die neue Intendantin des Festivals, Stefanie Carp, politisch unter Druck geraten. Aus Protest hatte NRW-Regierungschef Armin Laschet u.a. seine Teilnahme an der Premiere abgesagt.

M100-Medienpreis für Deniz Yücel

In seiner Rede kritisiert Yücel Erdogans Staatsbesuch in Deutschland

Beim Empfang eines Medienpreises hat der "Welt"-Journalist Deniz Yücel den bevorstehenden Deutschland-Besuch des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisiert und der Bundesregierung "Verrat" vorgeworfen. Es scheine, "als würde sich die Bundesregierung anschicken, ein weiteres Mal all jene Menschen in der Türkei zu verraten, die sich nach einer freiheitlichen, demokratischen und säkularen Gesellschaft sehnen", hieß es in einem vorab verbreiteten Redetext zur Ehrung Yücels mit dem Medienpreis M100 Media Award in Potsdam. Yücel, der für die "Welt" als Türkei-Korrespondent gearbeitet hatte, war bis zu seiner Freilassung im Februar ein Jahr lang in Istanbul inhaftiert. Nach seiner Entlassung reiste er aus. Sein Prozess wegen des Vorwurfs der Terrorpropaganda und Volksverhetzung geht jedoch weiter. Yücel erhielt den M100 Media Award für seine mutige und unbestechliche Arbeit, wie es hieß. Der Preis geht an Persönlichkeiten, die sich für Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen.

Anhörungen im Vergewaltigungs-Skandal um Akademie

Mehrere Vorwürfe gegen 71-jährigen Franzosen wegen sexueller Übergriffe

Im Vergewaltigungs-Skandal um die Schwedische Akademie, die für die Vergabe des Literatur-Nobelpreises zuständig ist, beginnen heute in Stockholm die Anhörungen. Der Ehemann eines langjährigen Akademiemitglieds steht wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung einer Frau in zwei Fällen vor Gericht. Der Umgang mit dem Skandal sorgte innerhalb der Akademie für großen Streit. Sechs der insgesamt 18 Mitglieder legten ihre Ämter nieder. Die Vergabe des Literatur-Nobelpreises für das Jahr 2018 wurde daraufhin verschoben. Im November war der 71-jährige Jean-Claude Arnault im Zuge der #MeToo-Kampagne von 18 Frauen wegen sexueller Übergriffe beschuldigt worden. Nach Recherchen der Zeitung "Dagens Nyheter" soll Arnault über Jahre hinweg weibliche Mitglieder der Akademie, Mitarbeiterinnen sowie Frauen und Töchter von Akademiemitgliedern sexuell belästigt oder missbraucht haben.

Kinder aus Krisenländern gehen seltener zur Schule

Unicef-Studie sieht Bildungschancen durch Kriege und Katastrophen eingeschränkt

Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerkes Unicef haben Kriege und Katastrophen gravierende Auswirkungen auf die Bildungschancen von jungen Menschen. Laut einem Bericht von Unicef besucht jedes dritte Kind in Krisen- und Konfliktländern nicht die Schule. Das betrifft weltweit mehr als 100 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren. Am schlimmsten sei die Lage in Niger, der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan und in Eritrea. Alle zehn am stärksten betroffenen Länder liegen der Studie zufolge in Afrika. Unicef-Direktorin Fore erklärte, die verlorenen Unterrichtsjahre ließen sich nur selten nachholen. Langfristig seien die Kinder und die Länder, in denen sie leben, wiederkehrenden Armutszyklen ausgesetzt.

Morddrohung wegen Satire-Video

Blogger Schlecky Silberstein erhält antisemitische Morddrohung

Nach dem Dreh eines satirischen Videos über die Vorfälle in Chemnitz hat der Berliner Blogger Schlecky Silberstein eine antisemitische Morddrohung erhalten. Seine Produktionsfirma erklärte, sie habe deshalb rechtliche Schritte eingeleitet. Für das Video, produziert für die Online-Comedyshow Bohemian Browser Ballett vom SWR, hatte Schlecky Silberstein alias Christian Brandes am 7. September einen AfD-Infostand nachgestellt und verkleidete "Skinheads" einen dunkelhäutigen Menschen jagen lassen. Die AfD postete daraufhin ihrerseits ein Videoclip von dem Dreh. Sie warf den Filmemachern vor, sie mit einem "Fake-Video" in Misskredit bringen zu wollen. Zudem klingelte ein AfD-Politiker bei Schlecky Silbersteins Geschäftspartner und veröffentlichte die Adresse im Internet.

Der Architekt und Philosoph Paul Virilio ist tot

Medienkritiker starb mit 86 Jahren

Der französische Architekt, Schriftsteller und Philosoph Paul Virilio ist tot, wie seine Familie und die Fondation Cartier mitteilte. Virilio gilt mit seinen Schriften als Kritiker der Mediengesellschaft. Virilio war ab 1969 Professor und seit 1973 Studiendirektor an der École Spéciale d'Architecture in Paris. Seit den 1970er Jahren beschrieb er den Ablauf und die Gesetze der Menschheitsgeschichte als Beschleunigungs-Prozess, der heute, im Zeitalter gigantischer Informationsnetzwerke, auf seinen Endpunkt zurase. Diesen Zustand begriff er als rasenden Stillstand einer Gesellschaft, die zwar Zeit und Raum hochtechnologisch beherrscht, aber damit an der Auslöschung ihrer selbst arbeite. 1987 erhielt er den Französischen Nationalpreis der Architekturkritik, 1992 gewann er Siemens-Medienkunstpreis. Paul Virilio starb mit 86 Jahren in Paris.

Springer-Chef kommt in Netflix-Verwaltungsrat

Mathias Döpfner entscheidet somit über die Strategie von Netflix

Der Chef des Medienkonzerns Axel Springer, Mathias Döpfner, zieht in den Verwaltungsrat des Videostreamingdienstes Netflix ein. Die US-Firma erhoffe sich davon "wertvolle Perspektiven und wichtige Einblicke für den Ausbau und die kontinuierliche Verbesserung unseres weltweiten Angebots", erklärte Gründer und Chef Reed Hastings. Der Verwaltungsrat spielt in US-Unternehmen eine deutlich größere Rolle als die deutschen Aufsichtsräte und bestimmt unter anderem die Strategie mit.

Kulturnachrichten hören

März 2017
MO DI MI DO FR SA SO
27 28 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31 1 2

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur