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Kulturnachrichten

Samstag, 29. Februar 2020

Goldener Bär für "Es gibt kein Böses"

Der Episodenfilm "Es gibt kein Böses" des iranischen Regisseurs Mohammed Rassulof hat den Goldenen Bären der 70. Berlinale gewonnen. Das gab die Jury in Berlin bekannt. Der Filmemacher erzählt darin vier Kurzgeschichten, die sich mit der Todesstrafe im Iran beschäftigen. Die Jury zeichnete das Filmteam allerdings in Abwesenheit des Regisseurs aus, der selbst keine Reiseerlaubnis bekam. Der Film "Never Rarely Sometimes Always" von der US-Amerikanerin Eliza Hittman erhielt den Großen Preis der Jury. In ihrem Film erzählt Hittman von einer ungewollten Schwangerschaft. Eine 17-Jährige macht sich mit ihrer Freundin auf nach New York, um dort eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Den Silbernen Bären für die beste Darstellerin erhielt die deutsche Schauspielerin Paula Beer für ihre Rolle in Christian Petzolds Film "Undine".

Silberner Bär für Elio Germano

Der italienische Schauspieler Elio Germano wurde bei der Berlinale mit einem silbernen Bären als bester Darsteller ausgezeichnet. Germano spielt im Künstlerdrama "Hidden Away" einen Maler, der lange aus Ausgestoßener lebte. Der Südkoreaner Hong Sangsoo gewann den Silbernen Bär für die beste Regie: In seinem Film "Die Frau, die rannte" unternimmt eine Frau erstmals wieder etwas ohne ihren Mann. Die italienischen Brüder Fabio und Damiano D'Innocenzo erhielten den Silbernen Bären für das Drehbuch zum Drama "Bad Tales". Ausgezeichnet wurde auch der deutsche Kameramann Jürgen Jürges. Er erhielt den Silbernen Bären für seine Arbeit an "DAU. Natasha". Ein Sonderpreis zur 70. Berlinale ging an die französische Komödie "Delete History".

Schriftsteller Hans Eichhorn gestorben

Der österreichische Dichter und Schriftsteller Hans Eichhorn ist im Alter von 64 Jahren nach längerer Krankheit gestorben, wie seine Familie mitteilte. "Seine Gedichte sind von visueller Kraft geprägt, von großem Feingefühl für die minutiöse Beobachtung von Dingen, Menschen, sozialer Ausgrenzung und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen", hieß es über Eichhorns Dichtung bei der Verleihung des Georg-Trakl-Preises im Jahr 2019. Seine Texte beschäftigten sich oft mit der Natur seiner österreichischen Heimat, im Nebenerwerb war Eichhorn Fischer am Attersee im Salzkammergut. Seine letzte Veröffentlichung war die in diesem Jahr erschienene Prosa-Sammlung "Ungeboren".

Redaktion von "Cahiers du Cinéma" zurückgetreten

Die komplette Redaktion der französischen Filmzeitschrift "Cahiers du Cinéma" ist nach einem Eigentümerwechsel zurückgetreten, weil sie um ihre redaktionelle Unabhängigkeit fürchtet. "Zu den neuen Aktionären gehören acht Produzenten, wodurch ein Interessenkonflikt für eine weiterhin kritische Veröffentlichung entsteht", werden die 15 Journalisten im britischen "Guardian" zitiert. "Egal welche Artikel nun veröffentlicht werden, es besteht der Verdacht auf Einmischung." Letzten Monat wurde die Zeitschrift an 20 Anteilseigner verkauft, die von Grégoire Chertok, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Bank Rothschild & Co, angeführt werden, darunter besagte Produzenten.

Berlinale: Weitere Nebenjury-Preise vergeben

Auf der 70. Berlinale erhielt der Film "Effacer l'historique" ("Delete history"), in dem Benoît Delépine und Gustave Kervern humorvoll von drei Underdogs im Kampf gegen die Allmacht von Internet und Konsumterror erzählen, den Publikumspreis der "Berliner Morgenpost". Den Filmpreis der deutschen Sektion von Amnesty International bekam "Welcome to Chechnya". Der neue Preis AG Kino Gilde 14plus ging an "Jumbo" von Zoé Wittock über die Liebe einer jungen Frau zu einem Fahrgeschäft in einem Vergnügungspark. Der Internationale Verband der Filmkunsttheater Cicae zeichnete "Digger" von Georgis Grigorakis aus, der einen Vater-Sohn-Konflikt thematisiert, sowie Song Fang für ihren Film "Ping jing" ("The Calming") über das Leben einer Chinesin nach ihrer Trennung. Den Preis des "Tagesspiegels" konnte sich Alex Piperno aus Uruguay sichern, der in "Chico ventana también quisiera tener un submarino" ("Window Boy Would Also Like to Have a Submarine") Geschichten zu einem filmischen Labyrinth verbindet.

Berlinale: Kirchenpreis für "Es gibt kein Böses"

Der Film "Es gibt kein Böses" des iranischen Regisseurs Mohammad Rasoulof hat auf der Berlinale den Hauptpreis der Ökumenischen Jury der Kirchen erhalten. Den Preis in der Sektion Panorama erhielt "Otac" ("Vater") von Srdan Golubović; "Saudi Runaway" von Susanne Regina Meures erhielt in der gleichen Kategorie eine lobende Erwähnung. In der Sparte Forum wurde "Seishin 0" ("Zero") von Kazuhiro Soda ausgezeichnet, wie die Jury am Samstag in Berlin mitteilte. Laut Jury ist "Es gibt kein Böses" herausragend erzählt, von großer filmischer Qualität und mit überzeugenden darstellerischen Leistungen. Der Film zeige "eine grundsätzliche Kritik der Todesstrafe im Allgemeinen und des repressiven iranischen Systems im Besonderen". Der Episodenfilm dreht sich um die Wichtigkeit des Gewissens in den Geschichten von vier jungen Männern, die die Todesstrafe vollstrecken sollen, und ihres Umfelds.

Berlinale: Panorama-Publikumspreise vergeben

Gewinner des 22. Panorama-Publikumspreises ist der serbisch französische Film "Otac". Regisseur Srdan Golubović erzählt die Geschichte eines Vaters, dem seine beiden Kinder nach dem Selbstmordversuch ihrer Mutter weggenommen werden. Das Sozialamt in dem kleinen serbischen Dorf entscheidet, er sei zu arm, um sie zu versorgen. Der beharrliche Vater legt sich mit den Behörden an und zeigt ihnen, wie weit er zu gehen bereit ist für seine Kinder. Der bereits mit dem Teddy Activist Award ausgezeichnete Film "Welcome to Chechnya" ist als bester Dokumentarfilm vom Publikum gewählt worden. Der US-amerikanische Filmemacher und Investigativ-Journalist David France begleitet LGBT-Menschen bei ihrer Flucht aus Tschetschenien. In einer koordinierten Aktion verhafteten tschetschenischen Behörden 2017 zahlreiche homosexuelle Menschen. Sie wurden in illegalen Haftanstalten gefoltert und ermordet.

Historisches Ereignis wegen Coronavirus verschoben

Erstmals seit 1535 hätte am Samstag wieder ein katholischer Gottesdienst in der reformierten Kathedrale Saint Pierre in Genf stattfinden sollen. Doch das Coronavirus machte den Veranstaltern in der Stadt von Reformator Johannes Calvin einen Strich durch die Rechnung. Am Freitag wurden in der Schweiz Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern verboten, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Das Verbot gilt zunächst bis zum 15. März. In der Schweiz gibt es laut Medienberichten bislang mindestens 15 Coronavirus-Fälle; mehr als 100 Personen befinden sich in Quarantäne.

Mit neuem Kunstpreis Grenzen überwinden

Es gibt einen neuen hochdotierten Preis für Kunst, die Gattungs- und Genregrenzen überwindet: "Hannes Malte Mahler - it is art" ist nach dem Universalkünstler benannt, der 2016 bei einem Fahrradunfall gestorben ist. Der Preis soll künftig am 29. Februar in Hannover vergeben werden - also alle vier Jahre, und ist mit 15.000 Euro dotiert. Darüber hinaus gibt es ein Budget von bis zu 105.000 Euro für ein künstlerisches Projekt. Das teilte der Verein Feinkunst mit, der den Preis ins Leben gerufen hat. Der erste Preisträger soll ausnahmsweise am 18. Juli 2021, dem fünften Todestag Mahlers, bekanntgegeben werden - im Rahmen eines Benefizkonzertes des Pianisten Igor Levit. Bewerbungen können vom 1. April bis zum 30. September 2020 eingereicht werden, eine Jury entscheidet über die Vergabe.

Michelin sagt Sterneverleihung wegen Coronavirus ab

Der Restaurantführer Guide Michelin hat die für Dienstag geplante Sterneverleihung in Hamburg wegen des Coronavirus abgesagt. Als Grund nannte Michelin Europe North in einer Mitteilung die gesundheitlichen Risiken für die Teilnehmer. Die Auszeichnung der Restaurants erfolge in einer "digitalen Pressekommunikation".

Umstrittener Filmemacher Polanski gewinnt César

Ungeachtet heftiger Proteste im Vorfeld ist der umstrittene Filmemacher Roman Polanski in Paris mit dem César ausgezeichnet worden. Er erhielt den höchsten französischen Filmpreis in der Kategorie "Beste Regie". Im Vorfeld der Gala hatte sich unter anderem Frankreichs Kulturminister Riester gegen eine solche Auszeichnung für den mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontierten Polanski ausgesprochen. Der 86-Jährige war bei der Preisverleihung nicht anwesend. Unmittelbar vor der Gala gab es nahe des Veranstaltungsortes wütende Demonstrationen gegen ihn. Der César für den besten Film ging an "Die Wütenden" von Regisseur Ladj Ly.

Gare de Lyon wegen Ausschreitungen geschlossen

Im Südosten von Paris ist es rund um ein Konzert eines kongolesischen Sängers zu Ausschreitungen gekommen. Flammen und eine große schwarze Rauchwolke stiegen nach Angaben von Korrespondenten am Bahnhof Gare de Lyon auf. Der Bahnhof wurde evakuiert und geschlossen. Laut Polizei hatte es zuvor in sozialen Netzwerken Aufrufe zu Protesten gegeben. Exil-Kongolesen werfen dem Musiker vor, dem ehemaligen Präsidenten Kabila und dessen Nachfolger Snahe zu stehen.

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