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Sonntag, 12.07.2020
 
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Kulturnachrichten

Sonntag, 12. Juli 2020

Münchner Kammerspiele mit Performance zum Lilienthal-Abschied

Zum Ende der Intendanz von Matthias Lilienthal gab es für die Münchner Kammerspiele die wohl größte Bühne der Stadt: Im Münchner Olympiastadion zeigte das Ensemble am Samstag die Performance "Opening Ceremony" von Toshiki Okada. Das Stück kreist um "ein globales Event", vielleicht die Olympischen Spiele in Tokio, die dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten. Im Stadion pflegen Arbeiter den Rasen für das Ereignis, von dem aber keiner weiß, wann und ob es überhaupt kommt. Nur ein ominöser Super Mario, so wie der aus dem Videospiel, weiß vielleicht etwas. Und während alle warten, erobern Pflanzen, Vögel und Insekten das Stadion. Münchens Kulturreferent Anton Biebl erinnerte an den schwierigen Start, den Lilienthal in München hatte, weil sein Theater viele zunächst befremdete. Inzwischen genieße er aber die Liebe und Anerkennung des Publikums.

Griechenland droht der Türkei nach Hagia Sophia-Entscheidung

Die Umwidmung der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee stößt außerhalb der Türkei auf deutliche Kritik. Die EU, Russland und die USA nannten die Entscheidung bedauerlich. Die russisch-orthodoxe Kirche zeigte sich entsetzt. Griechenland hat seinem Nachbarn nun Konsequenzen angedroht. Der türkische Präsident Erdogan habe einen historischen Fehler begangen, erklärte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas. Auf diese Beleidigung der christlichen Welt müsse es eine entsprechende Antwort geben. Details nannte er nicht. Der griechische Regierungschef Mitsotakis hatte zuvor schon erklärt, dass der Beschluss Folgen für die Beziehungen der Türkei zur EU haben werde. Griechenland und der Nachbar der Türkei streiten sich ohnehin schon um Erdgasvorkommen im Mittelmeer und über verschiedene Migrationsthemen. Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte gestern den Status der einstigen Kirche als Museum aberkannt. Kurz danach ordnete Präsident Erdogan an, das Gebäude für das islamische Gebet zu öffnen. In dem am Samstag für Besucher geschlossenen Wahrzeichen begannen bereits die Vorbereitungen für die Umwidmung.

Vier Jahre Haft für versuchten Diebstahl der Magna Charta

Weil er versuchte, eine von wenigen Exemplaren der mittelalterlichen Magna Charta zu stehlen, muss ein Mann in Großbritannien für vier Jahre ins Gefängnis. Das entschied ein Gericht in der Stadt Salisbury im Südwesten Englands. Der 47-Jährige hatte im Oktober 2018 mit einem Hammer das Sicherheitsglas einer Vitrine in der Kathedrale von Salisbury zertrümmert. Bevor er das wertvolle Dokument stehlen konnte, wurde er von Mitarbeitern und Besuchern gestoppt und überwältigt. Seinem Anwalt zufolge zweifelte der Mann die Echtheit des Magna-Charta-Exemplars an. Die Magna Charta gilt als eine der ältesten Verfassungsurkunden. Sie wurde im Jahr 1215 von König Johann Ohneland unter dem Druck der englischen Barone unterzeichnet und garantierte die Rechte von Adel und Kirche gegenüber der Krone.

Festnahmen nach Mord an Sänger in Äthiopien

Nach dem Mord an dem äthiopischen Sänger und politischen Aktivisten Hachalu Hundessa, dessen Tod Massenproteste auslöste, hat die Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Die beiden Männer, die für seine Ermordung verantwortlich gemacht werden, seien Mitglieder der Oppositionsbewegung TPLF, berichtete das lokale Nachrichtenportal Borkena. Die Regierung warf der TPLF vor, mit dem Tod des Musikers bewusst Konflikte anstacheln zu wollen. Hundessa war Ende Juni ermordet worden. Er unterstützte mit seinen Liedern die Proteste der Oromo-Bevölkerungsgruppe für mehr Unabhängigkeit von der Regierung in der Hauptstadt Addis Abeba. Bei den Unruhen nach seinem Tod wurden mindestens 239 Menschen getötet.

Bischof Stäblein: Kulturbranche in Corona-Krise retten

Der Berliner Bischof Christian Stäblein hat zur Rettung von Kultureinrichtungen aufgerufen. "Kaum Publikum, große Einbußen, unklare Perspektiven. Ob Theater, Chöre, Festivals - eine ganze Branche droht womöglich zur Hälfte zu sterben", sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz im RBB-Hörfunk. Kunst und Kultur seien durch die Corona-Pandemie derzeit ungeheuer gefährdet. Die Gesellschaft sei "ohne ihre Kultur eine andere, undenkbar eigentlich", sagte Stäblein weiter. "Gerade hier realisiert sich ja die Freiheit, um die es geht, hier wird sie spürbar." Dies bedeute: "Nicht nur Wirtschaft und Produktion dürfen uns etwas kosten, Kultur ist auch nicht umsonst." Die ersten staatlichen Hilfsprogramme für Künstler und Einrichtungen würden nicht reichen, sagte der evangelische Bischof.

Sigmund Jähns Geburtsort will Wissenszentrum werden

Zehn Monate nach dem Tod von Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im All, plant sein sächsischer Heimatort Morgenröthe-Rautenkranz den Ausbau zum Raumfahrerdorf. Vom nächsten Sommer an könnte der Bau einer zusätzlichen Halle die bisherige Deutsche Raumfahrtausstellung ergänzen und für Raumfahrtkongresse und zur Wissensvermittlung bereitstehen, sagte Bürgermeister Jürgen Mann der Deutschen Presse-Agentur. 3,2 Millionen Euro Bundesmittel wurden für das Projekt zugesagt. Eine aktuelle Sonderschau zum Leben Sigmund Jähns, neue Exponate in der Deutschen Raumfahrtausstellung sowie eine Pension namens "Weltraumbahnhof" stärken laut Mann bereits den Ruf als Raumfahrerdorf.

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