Freitag, 30.10.2020
 

Kulturnachrichten

Freitag, 30. Oktober 2020

Elbphilharmonie: Teil-Lockdown prinzipiell richtig

Der Intendant der Hamburger Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter, hat Verständnis für den Teil-Lockdown und den damit einhergehenden weitgehenden Stillstand des kulturellen Lebens geäußert. "Es ist zwar schade um die vielen schönen Konzerte im November, aber ich halte die Entscheidung prinzipiell für den richtigen Weg, um die Pandemie in den Griff zu bekommen", sagte Christoph Lieben-Seutter der Deutschen Presse-Agentur. Nach Angaben seines Hauses fallen in den vier Wochen vom 2. November an 146 Veranstaltungen in der Elbphilharmonie und in der Laeiszhalle aus, "viele davon waren ausverkauft". Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hatte zuvor im ARD-Fernsehen gesagt, er halte etwa die Schließung der Elbphilharmonie für nicht zielführend. "Es ist aus meiner Sicht, aus virologischer Sicht, nahezu unvorstellbar, dass dort massenhaft Infektionen aufgetreten sind."

Greenwald steigt bei "The Intercept" aus

Der US-Journalist Glenn Greenwald ist im Streit aus dem von ihm mitbegründeten Journalismus-Projekt "The Intercept" ausgestiegen. Die Redaktionsspitze der Investigativ-Website habe sich geweigert, einen Artikel über den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden mit kritischen Abschnitten zu veröffentlichen, erklärte Greenwald. "The Intercept" wehrte sich gegen die Vorwürfe und warf Greenwald vor, "zweifelhafte Behauptungen" der Kampagne von US-Präsident Donald Trump wiederzugeben. Greenwald wollte nach eigenen Angaben einen Artikel veröffentlichen, in dem er Nachrichtenredaktionen eine positive Voreingenommenheit gegenüber Biden vorwirft. Konkret sei es um die distanzierte Berichterstattung über Korruptionsvorwürfe gegen Bidens Sohn gegangen. Glenn Greenwald hatte 2013 die von Edward Snowden weitergegebenen Geheiminformationen über die NSA-Überwachungsprogramme publiziert und war dafür mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden.

Auch Museen müssen im November schließen

Die Kultusminister der Bundesländer haben verfügt, dass auch Museen in den nächsten vier Wochen geschlossen bleiben. Das geht laut der Deutschen Presse-Agentur aus einem Beschluss hervor, den die Ressortchefs in einer Konferenzschaltung fassten. In der Vereinbarung von Bund und Ländern zur Verschärfung der Corona-Einschränkungen wurden die Museen bislang nicht explizit erwähnt. Vorgesehen ist offenbar auch, dass der Probebetrieb in den Theatern weitergehen kann. Damit soll ermöglicht werden, dass der Spielbetrieb im Dezember auch wieder aufgenommen werden kann. Bibliotheken, Archive und Musikschulen dürfen geöffnet bleiben.

Internationaler Hochhauspreis geht nach Schweden

Als weltweit innovativster Wolkenkratzer sind die Doppel-Türme "Norra Tornen" in der schwedischen Hauptstadt Stockholm ausgezeichnet worden. Das Wohngebäude erhielt in Frankfurt am Main den Internationalen Hochhauspreis. Die Jury hob die kastenartigen Betonfertigteilelemente hervor, mit denen die Fassaden der bis zu 125 Meter hohen "Nördlichen Türme" rings herum bestückt sind. Es handele sich um zeitlos-wegweisende Architektur, die einen Beitrag zu einem stimmigen Stadtgefüge leiste. Im Finale war auch ein Neubau im Frankfurter Bankenviertel, der "Omniturm" des dänischen Architekten Bjarke Ingels. Das Gebäude mit seinem charakteristischen Hüftschwung gehört damit nach Ansicht der Jury immerhin zu den fünf besten Wolkenkratzern der Welt. Der Hochhauspreis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird seit 2004 alle zwei Jahre von der Stadt Frankfurt, dem Deutschen Architekturmuseum und der DekaBank vergeben.

Reformplan für Stiftung Preußischer Kulturbesitz bis Sommer

Die Reformkommission für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) will bis zum Sommer 2021 eine Entscheidung zur künftigen Ausrichtung vorlegen. Darauf haben sich die Mitglieder auf ihrer ersten Sitzung verständigt. Das teilte Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Berlin mit. Es sei ihr wichtig, dass in die Reformdebatte nicht nur die Leitung der SPK und die Länder, sondern auch die Direktorinnen und Direktoren der Einrichtungen und die Mitarbeiter aktiv eingebunden würden, erklärte Grütters. Gemeinsames Ziel sei es, die Stiftung modern und zukunftsfähig zu gestalten, damit die Museen und Kultureinrichtungen ihr Potenzial besser entfalten können. Anfang Juli hatte der Wissenschaftsrat der Institution dringenden Reformbedarf attestiert und deshalb deren Auflösung in ihrer jetzigen Form empfohlen. Die einzelnen Häuser sollen künftig bei personellen, finanziellen und strukturellen Belangen eigenständiger werden.

New Yorker Brooklyn Museum versteigert Werke

In der Corona-Krise hat das New Yorker Brooklyn Museum zahlreiche Werke versteigert, darunter ein Esstisch des italienischen Designers Carlo Mollino. Wie das Auktionshaus Sotheby's mitteilte, brachte die Versteigerung insgesamt umgerechnet rund elf Millionen Euro ein. Das Museum hatte die Werke freigegeben, um in der Corona-Krise die Instandhaltung der restlichen Sammlung gewährleisten zu können. Das Baltimore Museum zog seine Werke dagegen nur wenige Stunden vor der Auktion wieder zurück. Medienberichten zufolge hatten zuvor einflussreiche Unterstützer des Museums mit dem Stopp von Spenden gedroht.

Goncourt-Akademie will Literaturpreis verschieben

Nach den neu verhängten Ausgangsbeschränkungen in Frankreich behält sich die renommierte Académie Goncourt vor, ihren begehrten Literaturpreis zu verschieben. Sollten die Buchhandlungen zum Zeitpunkt der Bekanntgabe geschlossen bleiben, werde man aus Solidarität zu ihnen den Prix Goncourt verschieben, teilte die Akademie mit. Der Preisträger der prestigeträchtigen Literaturauszeichnung soll am 10. November bekanntgegeben werden. Im Kampf gegen die zweite Corona-Welle soll in Frankreich ab Freitag bis zum 1. Dezember wieder ein landesweiter Lockdown gelten. Nur wichtige Wirtschaftszweige, der öffentliche Dienst und Schulen bis zur Mittelstufe sollen geöffnet bleiben. Der Prix Goncourt ist zwar nur mit symbolischen 10 Euro dotiert, kurbelt vor allem aber die Verkaufszahlen an.

Kunstbiennale "Manifesta" in Marseille schließt vorzeitig

Die Kunstbiennale "Manifesta 13" in Marseille muss wegen der französischen Corona Restriktionen vorzeitig beendet werden. Die Veranstalter teilten mit, dass die Ausstellung für zeitgenössische Kunst heute um 18 Uhr geschlossen wird. In den nächsten Tagen sollen Pläne für ein digitales Format bekannt gegeben werden. Ursprünglich sollte die "Manifesta 13" bis zum 29. November für Publikum geöffnet sein. Sie ist die zweitgrößte Kunstbiennale in Europa und findet nomadisch alle zwei Jahre in einer anderen Stadt statt.

Experiment zeigt: Konzerte in Hallen sind möglich

Kultur- oder Sportveranstaltungen können unter bestimmten Voraussetzungen auch in einer Pandemie in großen Hallen mit Publikum stattfinden. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher in einer Studie unter dem Motto "Restart 19", deren Ergebnisse in Halle vorgestellt wurden. Grundlage für die Studie war ein Konzert-Experiment im Sommer in der Arena Leipzig mit Tim Bendzko und 1.400 freiwilligen Teilnehmern. Das A und O sei eine gute Belüfttechnik, die die Luft regelmäßig austausche, so der Studienleiter Stefan Moritz von der Universitätsmedizin Halle. Unabdingbar sei außerdem die strenge Einhaltung von Abstandsregeln, eine Maskenpflicht während der gesamten Veranstaltung und Sitzplätze. Die Zahl der Besucher müsse dem aktuellen Infektionsgeschehen angepasst werden.

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