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Kulturnachrichten

Samstag, 22. Februar 2014

Ethnologe Kaschuba: Tabus und Moral unterliegen dem Wandel der Gesellschaft

Tabus und Moral entwickeln sich innerhalb der Gesellschaft - Kirchen oder Politik reagieren nur darauf.

Dieser Meinung ist Wolfgang Kaschuba von der Berliner Humboldt-Universität. Der Ethnologe sagte im "Deutschlandradio Kultur", der Fall Sebastian Edathy habe eine der zentralen Tabuzonen unserer Gegenwartsgesellschaft durchbrochen. Laut Kaschuba haben zwar alle Gesellschaften moralische Grundsätze. Die komfortablen Lebensverhältnisse ermöglichten es aber, umso mehr über Tabus und Moral zu diskutieren. Vergangene Gesellschaften hätten Sexualität und Kinderschutz deshalb weniger thematisiert. Und Debatten wie etwa über gesunde oder vegetarische Ernährung seien in Schwellenländern kaum denkbar. Dort seien andere Probleme vordringlicher, erklärte Kaschuba.

New York: Streit um Vortrag von Rashid Khalidi

An der jüdischen Ramaz-Hochschule in New York gibt offenbar es Streit um einen palästinensisch-amerikanischen Gastprofessor.

Wie die "Jerusalem Post" berichtet, hatte die Fachschaft Politik den Historiker Rashid Khalidi zu einem Vortrag eingeladen - die Hochschulleitung untersagte seinen Besuch aber. Daraufhin starteten Studenten eine Online-Petition. Darin kritisieren sie die Absage an den Professor der Columbia University und fordern die Hochschule auf, einen offenen Dialog zu fördern, statt ihn einzuschränken. Die Hochschulleitung teilte laut Zeitungsbericht mit, sie halte Khalidi als Gesprächspartner für Studenten für ungeeignet. Es gehe nicht grundsätzlich darum, keine anderen Meinungen zuzulassen.

Soziologin Karakayali: Eine gute Schule muss sich an allen Kindern orientieren

Wie gut eine Schule ist, hat für die Soziologin Juliane Karakayali nichts mit dem Anteil der Migranten zu tun.

Die Professorin von der Evangelischen Hochschule Berlin sagte der "Tageszeitung", das deutsche Bildungssystem diskriminiere Kinder mit Migrationshintergrund und aus armen Haushalten. So würden die - wie sie sagte - Herkunftsdeutschen immer als bildungsnah betitelt, alle andere seien bildungsfern. Das führe teilweise dazu, dass Klassen nach Herkunft getrennt eingerichtet würden. Die Soziologin fordert stattdessen einen Unterricht, der sich an allen Kindern orientiert. Dabei gehe es auch darum, mit Mehrsprachigkeit respektvoller umzugehen, sagte Karakayali.

Maidan, Taksim, Tahrir: SZ über Plätze als Synonyme des Widerstands

"Maidan, Taksim, Tahrir -

es ist auffällig, wie unglaublisch schnell jeweils der Name des zentralen Platzes, an dem die Demonstranten ihr Hauptquartier aufgeschlagen haben, zum Synonym der Geschehnisse wurde." Das schreibt die "Süddeutsche Zeitung" über die regierungskritischen Proteste in Ägypten, der Türkei und aktuell der Ukraine. Die Plätze hätten immer auch eine Geschichte, an die die Demonstranten mit der Wahl des Ortes bewusst anknüpften, heißt es weiter. So erinnere der Maidan in Kiew auch an die Orangene Revolution von 2004. Im übrigen steckt laut SZ eine gewisse Ironie in den Geschehnissen. Denn die Plätze seien von den Herrschenden eigentlich oft als architektonische Inszenierung der eigenen Macht angelegt worden.

Schriftsteller Babtschenko: Ukraine hat ihre Wahl längst getroffen

Arkadi Babtschenko bezeichnet die Zustände auf dem Maidan in den vergangenen Tagen als Krieg.

Der russische Schriftsteller und Reporter berichtet von den Kämpfen auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Er sagte der Zeitung "Die Welt", er selbst trage dabei zeitweise eine kugelsichere Weste. Objektiv zu bleiben, sei ihm bei der Berichterstattung nur schwer möglich, gibt Babtschenko zu. Allerdings gehe es beim Journalismus vor allem darum, so tief wie möglich in den Dreck hineinzukriechen. Wichtig sei, die Dinge selbst zu erleben. Für den Autor ist die Ukraine bereits ein Teil Europas. Wichtig sei nicht, wann Präsident Viktor Janukowitsch abtrete. Vielmehr zähle der Umschwung im Bewusstsein.

New York: Sammler klagen gegen Keith Haring Foundation

In New York hat eine Gruppe von Kunstsammlern Klage gegen die Keith Haring Foundation eingereicht.

Die Kläger werfen der Stiftung vor, sie habe 90 Bilder Harings als Fälschungen bewertet, ohne dies beweisen zu können. Dadurch sei den Kunstsammlern ein Schaden von umgerechnet knapp 30 Millionen Euro entstanden. In der Klage heißt es, das Prüfungskomitee der Stiftung arbeite seit Jahren im Geheimen und bewerte die Kunstwerke oft, ohne sie selbst begutachtet zu haben. Laut den Klägern will die Foundation mit ihrer Arbeit lediglich die Zahl der Haring-Bilder auf dem Markt gering halten, um damit den Wert ihrer eigenen Werke des Künstlers in die Höhe zu treiben. Ein Anwalt der Stiftung bezeichnete die Vorwürfe als unhaltbar.

Staatssekretär Hasenpflug: Dorny konnte sich nicht auf großes Sparten-Theater einlassen

Zum sofortigen Vertragsende des designierten Intendanten der Dresdner Semperoper habe es keine Alternative gegeben.

Das meint der Staatssekretär im Kunstministerium Sachsen, Henry Hasenpflug. Er sagte im Deutschlandradio Kultur, Serge Dorny sei nicht bereit gewesen, sich auf die Prozesse einzulassen, die an einem großen Sparten-Theater nun einmal existierten. Dabei gehe es darum, auch Entscheidungen abgeben zu müssen. Dorny selbst hatte nach der Auflösung seines Vertrages vor allem den Dresdner Chefdirigenten Christian Thielemann für sein Scheitern verantwortlich gemacht. Hasenpflug sagte, Thielemann habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, sondern sei vielmehr immer wieder als Vermittler aufgetreten. Das Land Sachsen hatte gestern Dornys Vertrag aufgelöst, noch bevor er sein Amt im September überhaupt antreten konnte. Seit Oktober hatte er bereits die kommende Spielzeit in Dresden vorbereitet.

Kardinal Woelki: verurteilt aktive Sterbehilfe für Kinder

Nach Ansicht des Berliner Kardinals Rainer Maria Woelki sollte kein Parlament über ein Gesetzgebungsverfahren die Erlaubnis zu aktiver Sterbehilfe geben.

Woelki kritisierte im RBB-Hörfunk die Zulassung aktiver Sterbehilfe für Kinder in Belgien. Stattdessen sollten Parlamente die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass niemand alleine oder schlecht versorgt sterben müsse, sagte Woelki. Kinder in einer Situation mit unerträglichen Schmerzen ernst zu nehmen, könne nicht bedeuten, genau das zu machen, was sie sagten. Einfache Lösungen gebe es in dieser Frage nicht. - Belgiens Abgeordnetenkammer hatte in der vergangenen Woche dem Gesetz zur Sterbehilfe für Minderjährige zugestimmt.

Serge Dorny : Christian Thielemann will nur alleine arbeiten

Serge Dorny ist der Meinung: Dirigent Christian Thielemann trägt die Schuld für sein Scheitern in Dresden.

Dornys Vertrag war gestern noch vor seinem Amtsantritt als Intendant der Dresdner Semperoper aufgelöst worden. Als Ursache dafür sieht der Belgier ein Kompetenzgerangel. Er habe feststellen müssen, dass Thielemann nicht gewillt sei, an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten, sondern allein auf seine Unabhängigkeit und die der Staatskapelle Dresden bedacht sei. Zudem kritisierte Dorny Sachsens Kunstministerin Sabine von Schorlemer und unterstellte ihr fehlende politische Courage und Weitsicht. Der 52-Jährige sollte im September sein Intendantenamt in Dresden antreten.

Ukrainischer Schriftsteller vermutet Einflussnahme des russischen Geheimdienstes

"Wer hat die Scharfschützen beauftragt, zu schießen?"

Das fragt der ukrainische Journalist und Schriftsteller Mykola Rjabtschuk im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er sieht Hinweise darauf, dass der russische Geheimdienst in Kiew im Einsatz ist. Rjabtschuk berichtet von Videoaufnahmen, auf denen zu sehen sei, dass Scharfschützen sowohl auf Demonstranten als auch auf Polizisten schossen. Er erwartet deshalb, dass auch nach der Einigung zwischen Regierung und Opposition in Kiew gezielte Provokationen durch den russischen Geheimdienst erfolgen. Moskau habe bereits in der Vergangenheit extremen Druck auf die Ukraine ausgeübt - sowohl diplomatisch als auch wirtschaftlich.

Kurator Hoffmann: Nacktbilder von Kindern sollten im geschützten Raum eines Museums gezeigt werden dürfen

Sollen Museen Nacktbilder von Kindern und Jugendlichen zeigen dürfen?

Felix Hoffmann, Hauptkurator der Galerie C/O Berlin, meint: ja - vorausgesetzt, sie werden auch angemessen eingeordnet. Im Deutschlandradio Kultur sagte Hoffmann, das Museum müsse ein Ort bleiben, an dem öffentliche Diskussionen geführt würden, die an anderen Orten nicht mehr möglich seien. Die Wirkung von Bildern sei immer abhängig vom Kontext, betonte der Kunstwissenschaftler. Bilder nackter Kinder im Museum seien keine Pornografie oder Pädophilie. Statt dessen gehe es um eine Auseinandersetzung, eine Debatte oder Diskussion.

Kurt-Weill-Fest in Dessau: "Künstler ist bis heute permanent präsent"

"Wir wollen zeigen, dass das Fest kein klingendes Museum ist sondern die Musik von Weill bis heute unter uns lebt."

Das sagt der Intendant des Kurt-Weill-Festivals in Dessau, Michael Kaufmann. Zentrales Thema der Veranstaltung, die gestern eröffnet wurde, ist das Verhältnis des Komponisten zu Medien. Unter anderem ist eine "Tweetfonie", ein Konzert über den Kurznachrichtendienst Twitter geplant. Dabei kann jeder per Mausklick eine eigene kleine Komposition einreichen. Diese werden dann von professionellen Komponisten zu 45-Sekunden-Stücken verarbeitet und von der Anhaltinischen Philharmonie im Bauhaus Dessau aufgeführt. Bis zum 9. März gibt es insgesamt mehr als 50 Veranstaltungen.

Kurt Weill wurde 1900 als Sohn eines jüdischen Kantors in Dessau geboren und starb 1950 in New York. Sein bekanntestes Werk ist die Musik für Bertolt Brechts Stück "Die Dreigroschenoper".

Gouverneurin Brewer: Religionsgesetz in Arizona sehr kontrovers

Ob Jan Brewer die umstrittene Regelung wirklich unterzeichnet, weiß sie noch nicht.

Die republikanische Gouverneurin des US-Bundesstaats Arizona äußerte sich bei CNN zum geplanten Religionsgesetz. Es soll Geschäftsleuten de facto erlauben, homosexuelle Kunden aus religiösen Gründen abzuweisen. Brewer sagte, es handele sich um ein "sehr kontroverses Gesetz". Sie werde deshalb erst in der kommenden Woche darüber entscheiden. Das Parlament hat den Entwurf bereits verabschiedet. Bürgerrechtler kritisieren die Regelung als diskriminierend. Laut der Bürgerrechtsorganisation ACLU steht Arizona damit als intolerant und nicht gastfreundlich da. Unterstützer des Gesetzes meinen dagegen, es schütze Bürger davor, zu Handlungen gezwungen zu werden, die gegen ihren Glauben verstoßen.

Papst Franziskus erhebt 19 Bischöfe in den Kardinalsrang

Die scharlachrote Kappe und der Ring sind ihr Erkennungszeichen.

Papst Franziskus ernennt heute bei einer Messe im Petersdom in Rom 19 Bischöfe zu Kardinälen. Unter ihnen ist auch Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation. Müller ist der zehnte deutsche Kardinal. Neun der neuen Würdenträger stammen aus Lateinamerika, Afrika und Asien. Damit sinkt der Anteil der traditionell überrepräsentierten Europäer im Kardinalskollegium. Es wird künftig insgesamt 218 Mitglieder haben, von denen 122 unter 80 sind und damit einen neuen Papst wählen dürften.

Olympia-Schlussgala inszeniert von Schweizer Theaterregisseur Finzi Pasca

Anna Netrebko wird auch bei der Schlussfeier der Olympischen Winterspiele in Sotschi wieder singen.

Die russische Sopranistin steht wie schon bei der Eröffnung im Mittelpunkt des Programms. Geplant ist ein Auftritt mit Star-Dirigent Waleri Gergijew und einem riesigen Kinderchor. Regie führt dabei der Schweizer Theaterregisseur Daniele Finzi Pasca. Er war auch für die Abschlusszeremonie der Winterspiele 2006 in Turin verantwortlich. Zum offiziellen Teil gehört eine Ansprache von IOC-Präsident Thomas Bach und die Übergabe der Olympischen Flagge von Sotschi an das südkoreanische Pyeongchang, Ausrichter der Winterspiele 2018. Die deutsche Fahne bei der Schlussfeier wird am Sonntag Rodel-Olympiasieger Felix Loch tragen.

New York: Erste Solo-Ausstellung für Christoph Schlingensief

Christoph Schlingensief bekommt posthum eine Ausstellung in den USA.

Wie das New Yorker Museum MoMA PS1 mitteilte, werden Filme, Installationen und Inszenierungen des Aktionskünstlers und Film- und Theaterregisseurs ab dem 9. März zu sehen sein. Damit widmet sich erstmals eine Solo-Schau in den USA dem radikalen und vielschichtigen Werk des Künstlers. Schlingensief war vor vier Jahren im Alter von 49 Jahren an Lungenkrebs gestorben. - Das PS1 gehört zum New Yorker Museum of Modern Art und gilt als eines der renommiertesten Museen für zeitgenössische Kunst.

Snoopy, John Lennon und Steve Jobs wohl bald auf US-Briefmarken

Was haben Snoopy, John Lennon und der US-Homosexuellenaktivist Harvey Milk gemeinsam?

Sie alle könnten schon bald auf Briefen aus den USA kleben. Das berichtet die "Washington Post" und beruft sich auf eine bislang geheime Planungsliste der Post. Darin sind neben den Köpfen der "Peanuts"-Comicreihe und des Beatles-Musikers Lennon unter anderem auch Sondermarken mit dem legendären US-Musiker Jimi Hendrix und Apple-Mitbegründer Steve Jobs vorgesehen. Einige der Marken seien bereits für 2014 oder 2015 bestätigt. Mit den Neuerscheinungen will die finanziell angeschlagene US-Post dem Bericht zufolge eine neue Sammlergeneration ansprechen.

Buzzfeed will in Berlin Büro eröffnen

Die Webseite Buzzfeed ist bekannt für seichte Inhalte wie Tierbilder oder skurrile Ranglisten - und ist damit in den USA äußerst erfolgreich.

Mittlerweile setzt die Seite auch auf seriöse Berichterstattung. Jetzt will das Unternehmen in den deutschen Online-Markt vordringen. Buzzfeed teilte mit, es werde ein Büro in Berlin eröffnen und zunächst mit drei bis vier Mitarbeitern beginnen, um eine deutsche Ausgabe zu gestalten. Journalistische Inhalte hätten zunächst keinen Vorrang - in Deutschland solle die "unterhaltsame Seite von Buzzfeed" im Vordergrund stehen.

Nach Angaben des Unternehmens wird die Internetseite monatlich von 120 Millionen Menschen gelesen - in Deutschland sollen es eine Million sein.

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