Seit 23:05 Uhr Fazit

Dienstag, 31.03.2020
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Kulturnachrichten

Dienstag, 31. März 2020

Bayreuther Festspiele werden verschoben

Die Bayreuther Festspiele werden in diesem Jahr wegen der Corona-Krise nicht stattfinden. Die nachfolgenden Festspieljahrgänge müssten dadurch umdisponiert werden, teilten die Festspiele am Abend mit. Die für diese Saison geplante Neuproduktion "Der Ring des Nibelungen" könne voraussichtlich erst im Jahr 2022 Premiere feiern. Die bereits für dieses Jahr gekauften Karten bleiben für die Festspiele 2021 gültig. Bayerns Kunstminister Sibler nannte den Ausfall einen herben Verlust für das kulturelle Leben.

Immer mehr Studenten ohne Abitur

In Deutschland haben 2018 rund 62 000 Menschen ohne Abitur studiert - ein Rekord. Das waren 2,2 Prozent aller Studierenden. Im Vergleich zum Jahr 2013 hat der Anteil der Studenten ohne Abitur bundesweit um 35 Prozent zugelegt. Das geht aus einer Berechnung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hervor. Möglich ist ein Studium ohne Abitur für Menschen, die sich im Beruf hoch qualifiziert haben, zum Beispiel durch einen Meistertitel im Handwerk. So ersetzt etwa die Note aus der Meister- oder Fachwirtprüfung die Abinote. Eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung sind Voraussetzung. Beliebteste Fächer sind bei den Studienanfängern ohne Abitur Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Es folgten Ingenieurwissenschaften und Medizin/Gesundheitswissenschaften. Die meisten Studienanfänger ohne Abitur gab es 2018 in Hamburg (5,8 Prozent), Nordrhein-Westfalen (4,0) und Hessen (3,8).

Stefan Raab möchte Alternative zu ESC veranstalten

Stefan Raab veranstaltet eine Alternative für den wegen der Corona-Krise abgesagten Eurovision Song Contest. Sein "Free European Song Contest" solle am 16. Mai und damit an dem eigentlich für das ESC-Finale geplanten Tag live aus Köln gezeigt werden, teilte der Privatsender ProSieben mitteilte. Ob Raab, der seine Karriere als Fernsehmoderator 2015 beendet hatte, selbst wieder vor die Kamera tritt, blieb offen. Raab ließ sich mit den Worten zitieren: "Besondere Herausforderungen brauchen besondere Lösungen - an diesem Abend kommt Europa auf besondere, einzigartige Weise zusammen." Dem Sender zufolge ist Raab Produzent der Show, zur Moderation gab es keine Angaben.

Verband: Zahl der Stiftungen steigt weiter

Die Zahl der Stiftungsneugründungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr weiter leicht gestiegen. 2019 erhielten 576 Stiftungen eine entsprechende Anerkennungsurkunde, das waren 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen in Berlin mitteilte. Auf 100.000 Bundesbürger kämen damit aktuell 28 Stiftungen. 95 Prozent der Stiftungen verfolgen dem Verband zufolge gemeinnützige Zwecke und fördern zum Beispiel Bildungsangebote oder setzen sich für die Erforschung seltener Krankheiten ein. Die meisten Stiftungen (88,6 Prozent) haben ihren Sitz in den westlichen Bundesländern. Beim Zuwachs führt allerdings Sachsen mit 4,9 Prozent Neugründungen im vergangenen Jahr die Tabelle an. Hamburg bleibt das Bundesland mit den meisten Stiftungen im Verhältnis zur Zahl der dort lebenden Menschen: 78 Stiftungen gibt es dort pro 100.000 Einwohner.

Astrid-Lindgren-Preis für Südkoreanerin Baek Hee Na

Der renommierte Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis geht in diesem Jahr an die südkoreanische Kinderbuch-Illustratorin Baek Hee Na. Sie erhalte den Preis für ihr außerordentliches Gefühl für Materialien, Gesichtsausdrücke und Gestiken, mit denen sie Geschichten über die Einsamkeit, Begegnungen und Gemeinschaft von Kindern in Szene setze, teilte die zuständige Preisjury in Stockholm mit. Die Geehrte ist in Europa eher unbekannt, zählt in Südkorea aber zu den berühmtesten Kinderbuch-Künstlerinnen des Landes. Der nach der 2002 verstorbenen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren benannte Preis gilt als wichtigste Ehrung für Kinder- und Jugendliteratur weltweit. Dotiert ist die Auszeichnung mit einem Preisgeld von fünf Millionen schwedischen Kronen (rund 455 000 Euro).

Deutsch-dänische Grenze soll Kulturerbe werden

Deutschland und Dänemark haben das Zusammenleben der Minderheiten in ihrer Grenzregion offiziell für die Aufnahme in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen. Ein Beschluss zur Aufnahme wird im Jahr 2021 gefällt, wie die deutsche Unesco-Kommission erklärte. Das deutsch-dänische Minderheitenmodell in der Grenzregion gilt international als Vorbild friedlicher Koexistenz. 100 Jahre nach der Grenzziehung würdigen die beiden Nachbarländer ihr Verhältnis derzeit mit einem gemeinsamen kulturellen Freundschaftsjahr. Die Minderheiten im Grenzgebiet haben nach dänischen Angaben bereits seit 2016 auf die Unesco-Nominierung hingearbeitet. 15.000 Deutsche leben heute im dänischen Nordschleswig, die dänische Minderheit im deutschen Schleswig umfasst rund 50.000 Menschen.

Literaturpreis für Hans Pleschinski

Der Schriftsteller Hans Pleschinski wird in diesem Jahr mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung geehrt. Seine Erzählungen, Übersetzungen sowie Brief- und Tagebuch-Editionen aus dem Zeitalter Voltaires" verlebendigen eine zivilisierte Gesprächskultur", begründete die Jury ihre Entscheidung. Wegen der Corona-Pandemie ist die traditionell im Juni in Weimar stattfindende Preisverleihung noch unsicher. Die Stiftung vergibt ihren mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreis seit 1993 an Autoren, "die der Freiheit das Wort geben". Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen Sarah Kirsch, Walter Kempowski, und Herta Müller.

Nobelpreisträgerin Tokarczuk: Die EU hat kapituliert

Für die polnische Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk hat die Corona-Pandemie die Schwäche der Idee einer Europäischen Gemeinschaft offenbart. "Die EU hat im Grunde kapituliert und es den Nationalstaaten überlassen, in dieser Krisenzeit Entscheidungen zu fällen", schrieb sie in einem Beitrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Die Schließung der Grenzen halte ich für die größte Niederlage in diesen schlechten Zeiten". Tokarczuk rechnet damit, dass die Welt nach dem Virus eine andere sein wird: "Vor unseren Augen verfliegt, verraucht ein Paradigma der Zivilisation, das uns über die letzten zweihundert Jahre geformt hat. Es lautete: Wir sind die Herren der Schöpfung, wir können alles, und die Welt gehört uns. Jetzt kommen neue Zeiten." Olga Tokarczuk erhielt 2019 den Literaturnobelpreis für das Jahr 2018, der damals wegen eines Skandals bei der Schwedischen Akademie ausgefallen war.

Experte warnt vor Zunahme von Computerspielsucht

Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat wegen der Coronakrise vor einer Zunahme von Computerspielsucht unter jüngeren Menschen gewarnt. "In Niedersachsen spielt jeder vierte männliche Jugendliche jeden Tag viereinhalb Stunden und mehr - das ist ein Problem, das sich jetzt durch Corona noch einmal verschärft", sagte der ehemalige Chef des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Quote der Intensivspieler dürfte im Zuge der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen "beträchtlich anwachsen". Damit gehe auch eine erhebliche Suchtgefahr einher. So könnten sich viele junge Menschen an das sehr häufige Spielen gewöhnen und dies auch nach einer Normalisierung fortsetzen.

PEN: Inhaftierte Journalisten in der Türkei freilassen

Die deutsche Sektion der Schriftstellervereinigung PEN hat angesichts der Corona-Krise die Freilassung von inhaftierten Journalisten und Menschenrechtsaktivisten in der Türkei gefordert. "Wir fordern die türkischen Behörden auf, alle Personen, die allein wegen der Ausübung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung und friedliche Versammlung angeklagt oder verurteilt wurden, unverzüglich und bedingungslos freizulassen", erklärte PEN-Vizepräsident Ralf Nestmayer. Einen türkischen Gesetzentwurf, durch den angeblich bis zu 100.000 Gefangene freigelassen werden sollen, begrüßte das PEN-Zentrum. Überfüllte und unhygienische Gefängnisse seien bereits jetzt eine ernsthafte Gesundheitsbedrohung für die fast 300.000 Inhaftierten sowie die Gefängnismitarbeiter in der Türkei. Die Coronavirus-Pandemie werde diese Situation noch verschärfen, befürchtet die Organisation.

Verband: 100 Millionen Euro Soforthilfe für Zoos nötig

Der Verband der Zoologischen Gärten hat wegen der Corona-Krise ein Soforthilfe-Programm in Höhe von 100 Millionen Euro für die Zoos in Deutschland gefordert. In einem Brief wandte sich Verbandschef Jörg Junhold, selbst Zoodirektor in Leipzig, auch an Kanzlerin Angela Merkel und wies auf die Notwendigkeit sofortiger Unterstützung hin. "Anders als andere Einrichtungen können wir unseren Betrieb nicht einfach runterfahren - unsere Tiere müssen ja weiterhin gefüttert und gepflegt werden." Nach Junholds Worten arbeiten Zoos derzeit ohne Einnahmen, aber mit gleichbleibend hohen Ausgaben weiter. Ein einzelner Zoo müsse in der aktuellen Krise einen wöchentlichen Umsatzverlust von etwa einer halben Million Euro verkraften. Insgesamt werden 56 deutsche Zoos vom Verband mit Sitz in Berlin vertreten. In den Einrichtungen werden mehr als 180.000 Wirbeltiere gepflegt und gezüchtet. Viele von ihnen sind bedrohte Arte.

Der Bachmann-Preis findet nun digital statt

Der aufgrund der Coronavirus-Pandemie ursprünglich abgesagte Ingeborg-Bachmann-Preis findet nun doch statt. Unter dem Arbeitstitel "Bachmannpreis digital" werde der ORF in den kommenden Tagen das Konzept eines digitalen Bachmann-Preises ausarbeiten, teilte der öffentlich-rechtliche Sender mit. Die "Tage der deutschsprachigen Literatur" wanderten ins Internet ab - mit Schaltungen, digitalen Lesungen und den gewohnten Preis-Kategorien, so dass der Grundgedanke der Veranstaltung gewahrt bleibe, teilte ORF-Intendant Wrabetz mit. Die Entscheidung zur Absage des als eine der renommiertesten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum geltenden Preises war von der Mehrheit der Juroren kritisiert worden. An den Literatur-Tagen in Klagenfurt nehmen Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Diesmal sollen sie am 17. Juni beginnen.

Direktorin Perren verlässt Bauhaus Dessau

Die Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, Claudia Perren, wird die Stiftung nach sechs Jahren an der Spitze verlassen. Sie werde zum 1. August Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel, teilte sie mit. Sie blicke auf sechs sehr intensive und interessante Jahre zurück. Die Ziele, die man sich gemeinsam gesetzt habe, seien alle erreicht worden, so Perren. Noch vor Ablauf ihrer zweiten Amtszeit habe sie sich bewusst für die neue Aufgabe in Basel entschieden. Unter Perrens Führung entstand das Bauhaus Museum Dessau zum Bauhausjubiläum 2019.

Van Gogh Gemälde aus Museum gestohlen

Aus dem niederländischen Museum Singer Laren bei Amsterdam ist bei einem Einbruch ein Gemälde von Vincent van Gogh gestohlen worden. Das Museum ist zur Zeit wegen der Corona-Krise geschlossen. Die Einbrecher stahlen das Gemälde "Frühlingsgarten. Der Pfarrgarten von Nuenen" von 1884. Das Werk war eine Leihgabe des Groninger Museums. Wieviel es wert ist, teilte das Museum zunächst nicht mit. Die Einbrecher waren nach Angaben der Polizei gegen 3:15 Uhr durch die gläserne Haupteingangstür eingedrungen. Dabei war der Alarm ausgelöst worden. Beamte waren sofort zu dem Museum gefahren - doch die Täter waren bereits fort. Van Gogh (1853-1890) hatte das Bild im Garten seiner Eltern in dem südniederländischen Ort Nuenen gemalt. Dort war sein Vater Pfarrer gewesen.

Theaterfestival Avignon hält an Eröffnung fest

Das Theaterfestival Avignon hält an der Eröffnung Anfang Juli fest. Das Programm werde am 8. April online auf der Festivalseite zugänglich sein, teilte die Leitung mit. Ursprünglich hätte es schon in der vergangenen Woche auf einer Pressekonferenz vorgestellt werden sollen, die aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde. Das Festival, weltweit das größte seiner Art, soll vom 3. bis zum 23. Juli dauern. Man werde alles tun, damit es stattfinde, sagte Intendant Olivier Py der Zeitung "La Provence". Nicht ganz sicher sei bislang noch die Teilnahme von fünf Künstlergruppen aus Afrika und dem Nahen Osten. In Frankreich wurde die am 17. März verhängte Ausgangssperre bis zum 15. April verlängert.

Bund: Milliarden-Ausfall im Kulturbereich

Die Bundesregierung rechnet durch die Corona-Krise mit Umsatzeinbußen der Kultur- und Kreativwirtschaft in Höhe von bis zu fast 28 Milliarden Euro. Der anhaltende Coronavirus-Stillstand in diesem Bereich lasse dieses gravierende Szenario wahrscheinlicher werden, heißt es in einer verbreiteten Berechnung des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Die als mildes Szenario bezeichneten Folgen lägen bei Einbußen von 9,5 Milliarden Euro, ein mittleres Szenario geht von 14,7 Milliarden Euro aus. In der Musikwirtschaft erwarten die Analysten bis zu 5,1 Milliarden Euro Einbußen, was 59 Prozent des jährlichen Umsatzes wären. Bei der Filmwirtschaft könnten mit bis zu 7,2 Milliarden Euro 71 Prozent des Umsatzes wegbrechen. Auf dem Buchmarkt werden Einbußen bis zu 4,5 Milliarden Euro oder 34 Prozent befürchtet. Besonders hart treffen kann die Krise aus Sicht der Analysten Selbstständige und Unternehmen aus dem Kunstmarkt und den darstellenden Künsten. Nahezu alle Beschäftigten dieses Bereichs würden von Umsatzausfällen betroffen und bis zu 75 Prozent ihrer jährlichen Umsätze verlieren.

Kulturnachrichten hören

Februar 2020
MO DI MI DO FR SA SO
27 28 29 30 31 1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 1

Fazit

Finanzielle Hilfen für KünstlerEin Weg mit Hürden
Mit Hilfe einer Schnur produziert ein Mann hunderte bunter Seifenblasen.  (dpa / picutre alliance / Boris Roessler)

Seit letzter Woche können freie Künstler finanzielle Mittel in der Coronakrise beantragen. Janina Benduski vom Bundesverband Freie Darstellende Künste berichtet über Rückmeldungen von Kreativen und die Solidarität der Öffentlichkeit. Mehr

weitere Beiträge

Kompressor

Der Sekretär Urmöbel des Homeoffice
Wohnraum mit altertümlicher Einrichtung, Oestrich-Winkel, Deutschland, Europa |  (picture-alliance/imageBroker )

Für Menschen, die zu Hause arbeiten, ein großer Vorteil: Im Sekretär ließe Chaos sich dank der Klappe verbergen, sagt der Journalist Nikolaus Bernau, der selbst die Vorzüge dieses Möbels zu nutzen weiß. Schreibtische seien dagegen Symbole der Macht. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur