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Kulturnachrichten

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Bioethiker und Theologe Johannes Reiter gestorben

Der Mainzer Moraltheologe und Bioethiker Johannes Reiter ist tot. Er starb am Montag im Alter von 76 Jahren, teilte die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Mainz mit. Dekan Stephan Goertz würdigte Reiter, der ab den 1980er Jahren und bis zu seiner Emeritierung 2009 in Mainz lehrte und forschte, als international anerkannten Experten und feinsinnigen Hochschullehrer. Reiter gehörte unter anderem der Internationalen Theologenkommission in Rom an und beriet die Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz. Außerdem engagierte sich Reiter auch in Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestags zu Fragen der Biomedizin, in der Ethik-Kommission der Bundesärztekammer und in der Bioethik-Kommission des Landes Rheinland-Pfalz. 2004 wurde Reiter für seine Verdienste an der Universität und seine ehrenamtliche Tätigkeit in zahlreichen gesellschaftspolitischen Gremien mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Kulturrat fordert Vorbereitung erneuter Öffnungen

Der Deutsche Kulturrat hat dazu aufgerufen, die Wiederöffnung von Museen, Theatern, Konzerthäusern und anderen von coronabedingten Schließungen betroffenen Kultureinrichtungen vorzubereiten. Öffnungen seien zwar erst wieder möglich, "wenn wir die Pandemie deutlich stärker in den Griff bekommen", erklärte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann. Trotzdem müssten bereits jetzt Vorkehrungen dafür getroffen werden. Die Kulturministerinnen und Kulturminister der Länder hätten bereits den Auftrag erhalten, ein Konzept zur Wiederöffnung auszuarbeiten, sagte Zimmermann. Föderale Alleingänge seien in der Krise unpassend.

Steinmeier würdigt Gründungsdirektor des Jüdischen Museums

Zum 95. Geburtstag von Michael Blumenthal haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Verdienste des Gründungsdirektors des Jüdischen Museums Berlin gewürdigt. Steinmeier bezeichnete ihn als eine Persönlichkeit, "deren Biografie und Lebenswerk in beispielloser Weise für Verständigung und Toleranz stehen". Monika Grütters betonte, zu Blumenthals zahlreichen Verdiensten gehöre, dass das Jüdische Museum selbst Geschichte geschrieben habe: "als Ort der Begegnung, als Forum für Verständigung und Toleranz". Blumenthal, der von 1997 bis 2014 an der Spitze des Ausstellungshauses stand, begeht am 3. Januar seinen Geburtstag. Er wurde in Oranienburg bei Berlin geboren. 1939 flüchtete seine Familie vor den Nationalsozialisten nach Shanghai. Blumenthal emigrierte 1947 in die USA, wo er in Politik und Finanzwesen sowie als Finanzminister für den demokratischen Präsidenten Jimmy Carter Karriere machte.

Schwierige Reform der Preußen-Stiftung

Ein Ausstieg der Länder bei der anstehenden Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz käme den Bund teuer zu stehen, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters der Deutschen Presse-Agentur. Sie veranschlagt für den Bund 50 Millionen Euro Mehrkosten, wenn die Länder aus der Finanzierung entlassen werden würden. Probleme sieht der Präsident der Stiftung, Hermann Parzinger, auch im Haus. "Wir haben zu viele Hierarchieebenen", sagte er der dpa. Parzinger mahnte aber, die internationale Bedeutung der Stiftung bei den Reformen zu berücksichtigen. Ein Gutachten des Wisenschaftsrates hatte im Juli den Reformprozess angestossen. Zu der von Bund und Ländern getragenen Stiftung mit rund 2000 Mitarbeitern gehören etwa die Staatlichen Museen Berlin, deren 15 Sammlungen mit 4,7 Millionen Objekten an 19 Standorten präsentiert werden.

Jüdisches Festjahr - 2021 wird bundesweit gefeiert

2021 soll mit einem bundesweiten Festjahr 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gefeiert werden. Ein zu diesem Zweck in Köln gegründeter Jubiläumsverein gab bekannt: fast 500 Projekte hätten sich um eine Förderung beworben, rund 430 weitere würden ohne Förderung realisiert werden. Das bundesweite Festjahr soll sowohl an Holocaust und Antisemitismus erinnern als auch Eindrücke von aktueller jüdischer Kultur vermitteln. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hofft, die Veranstaltungen führten dazu, dass viele Menschen das Judentum als selbstverständlichen Bestandteil Deutschlands akzeptierten. Im Jahr 321 erwähnt ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin erstmalig eine jüdische Gemeinde in Köln.

Preußische Schlösserstiftung mit Einnahmeverlusten

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erwartet für das zu Ende gehende Jahr coronabedingt rund neun Millionen Euro weniger Einnahmen als geplant. Das sei eine dramatische Entwicklung, sagte Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr dem Evangelischen Pressedienst. Aber glücklicherweise hätten Corona-Hilfen das allermeiste ausgeglichen. Da habe die Bundesrepublik wirklich gezeigt, dass sie ein Kulturstaat sei. Die Schlösser in Berlin und Potsdam seien auf den internationalen Tourismus ausgerichtet, der 2020 weitgehend ausgefallen sei. Vogtherr geht nicht davon aus, dass die Besucherzahlen von 2019 schnell wieder erreicht werden können: "Das heißt, wir werden mindestens 2021 noch einmal auf Corona-Hilfen angewiesen sein".

Sevilla sagt auch die Semana Santa 2021 ab

Die traditionelle Osterprozession mit ihren spektakulären Umzügen in der Karwoche findet nicht statt. Der Erzbischof der andalusischen Stadt, Asenjo, sagte zur Begründung, das anhaltend hohe Infektionsniveau durch das Coronavirus und die Prognose für die Verteilung von Impfstoff in den kommenden Monaten, lasse die siebentägige Veranstaltung Ende März nicht zu. Mit rund 1,9 Millionen registrierten Infektionen und knapp über 50.000 Todesfällen hat die Pandemie Spanien schwer getroffen. Die Regierung hofft, dass bis Juni 20 Millionen Menschen geimpft sind.

Wagner-Chefin begrüßt Strukturreformen auf dem Grünen Hügel

Katharina Wagner freut sich, dass Kulturstaatsministerin Monika Grütters veraltete Strukturen erneuern möchte. Seit 2015 alleinige Chefin der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth, stelle sie seit Jahren Fragen, "die der Festspiel-GmbH, deren Mitarbeitern und nicht zuletzt der Leitung ein zeitgemäßes, effektives Arbeiten auf weiterhin höchstem künstlerischen Niveau ermöglichen", zitierte die "Passauer Neue Presse" die Intendantin. Die Kulturstaatsministerin hatte angekündigt, Satzungen und Gesellschafterverträge überprüfen und das Publikum in den Mittelpunkt stellen zu wollen. Der Bund hält wie Bayern und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth 29 Prozent der Anteile an der Gesellschaft. Die Stadt Bayreuth 13 Prozent.

Modeschöpfer Pierre Cardin ist gestorben

Der französische Modeschöpfer Pierre Cardin ist tot. Cardin starb nach Angaben seiner Familie in einem Krankenhaus westlich von Paris. Der Modeschöpfer galt als Pionier der Prêt-à-porter-Mode und als visionärer Designer. Er war einer der Mit-Erfinder der futuristischen Mode und erster seiner Branche, der für die Masse entwarf. Der Designer erfuhr zahlreiche Ehrungen wie etwa die Aufnahme in die französische Ehrenlegion. Pierre Cardin wurde 98 Jahre alt.

EU fordert Freilassung von chinesischer Bloggerin

Die Europäische Union hat von China gefordert, die Bloggerin Zhang Zhan freizulassen. Ein Gericht in Shanghai hatte die 37-Jährige gestern wegen ihrer Berichterstattung über den Anfang der Corona-Pandemie in Wuhan zu vier Jahren Haft verurteilt. Der EU-Außenbeauftragten Borrell forderte auch, dass China weitere Journalisten, Anwälte und Aktivisten freilässt. Borrells Forderung kommt kurz vor der geplanten Unterzeichnung eines großen Investitionsschutzabkommens zwischen der EU und China.

Osman Kavala muss in türkischer Haft bleiben

Der international geschätzte Kulturmäzen Osman Kavala muss weiter im Gefängnis bleiben.

Das türkische Verfassungsgericht lehnte es ab, ihn nach mehr als drei Jahren aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Die Inhaftierung bedeute "keine Verletzung" von Kavalas Rechten, urteilte das höchste Gericht der Türkei. Das Mehrheitsvotum fiel einem Gerichtssprecher zufolge allerdings denkbar knapp aus: Sieben der Richter hätten dafür gestimmt, den 63-jährigen freizulassen. Acht waren dagegen. Vorgeworfen wird Kaval Spionage und Beteiligung am Putschversuch gegen Präsident Erdogan 2016.

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