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Kulturnachrichten

Dienstag, 11. Dezember 2018

FAZ-Herausgeber Reißmüller gestorben

Er starb im Alter von 86 Jahren

Johann Georg Reißmüller, von 1974 bis 1999 Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), ist tot. Wie die Zeitung mitteilte, starb er am Vortag im Alter von 86 Jahren in Frankfurt am Main. Der 1932 im nordböhmischen Leitmeritz geborene Reißmüller berichtete von 1967 bis 1971 als Korrespondent aus Belgrad. Im Herausgebergremium der FAZ war er vor allem für Außenpolitik zuständig. Sein wichtigstes Thema war das Schicksal Mittel-, Ost- und Südosteuropas im 20. Jahrhundert. In den Jugoslawien-Kriegen von 1991 bis 1999 ergriff Reißmüller mit großem Nachdruck und in vielen Leitartikeln Partei für die katholischen Slowenen und Kroaten und gegen die von ihm als "spätstalinistisch" bezeichnete serbische Führung unter Slobodan Milosevic. Die frühe Anerkennung der von Jugoslawien abgespaltenen Staaten Kroatien und Slowenien durch Deutschland und den Vatikan begrüßte er. Die Universität Zagreb verlieh ihm für sein publizistisches Wirken die Ehrendoktorwürde.

"Bohemian Rhapsody" häufigster gestreamter Titel

Weltweit wurde der Song von Queen mehr als 1,6 Milliarden mal abgespielt

Der Hit "Bohemian Rhapsody" der britischen Rockband Queen ist der am häufigsten auf Streamingdiensten abgespielte Titel des 20. Jahrhunderts. Auf Diensten wie Spotify, Apple Music und YouTube wurde der Titel dem Label Universal zufolge weltweit mehr als 1,6 Milliarden mal abgespielt. Damit liegt er vor "Smells Like Teen Spirit" von Nirvana und "Sweet Child O' Mine" von Guns N' Roses. Queen hatte "Bohemian Rhapsody" 1975 auf dem Album "A Night at the Opera" veröffentlicht. Mit sechs Minuten Länge ist der Titel doppelt so lang wie ein gewöhnlicher Pop-Song. Untypisch sind auch die vielen musikalischen Wechsel von gefühlvoller Ballade zu opernhaftem Drama, Rock-Hymne und ausklingender Coda.

Khashoggi wird "Person des Jahres"

Das "Time Magazine" würdigt einflussreiche Persönlichkeiten des Weltgeschehens

Das "Time Magazine" hat den ermordeten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi gemeinsam mit weiteren Reportern zur "Person des Jahres" gekürt. Das US-Magazin teilte mit, der Titel gehe an die "Wächter im Krieg gegen die Wahrheit". Khashoggi arbeitete als Kolumnist für die "Washington Post" und war ein Kritiker der Regierung in Riad. Er war im Oktober von einem Killerkommando im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet worden. Das "Time Magazine" würdigte außerdem Maria Ressa in den Philippinen, die die Nachrichtenseite "Rappler" betreibt. Ausgezeichnet wurde auch die Redaktion der Zeitung "The Capital Gazette" in Annapolis im US-Bundesstaat Maryland. Ein Attentäter hatte im Juni fünf Mitarbeiter des Blattes erschossen. Ferner würdigte das US-Magazin Kyaw Soe Oo und Wa Lone, die beiden junge Reporter der Nachrichtenagentur Reuters, die seit einem Jahr in Myanmar inhaftiert sind. Sie hatten wegen eines Massakers der Armee an zehn Jungen und Männern der muslimischen Minderheit der Rohingya recherchiert. Insgesamt starben Tausende. Die "Time"-Redaktion würdigt seit 1927 die einflussreichsten Persönlichkeiten des Weltgeschehens.

Goethe-Institut erhält 15 Millionen Euro mehr

Damit sollen digitale Sprach- und Programmangebote ausgebaut werden

Das Goethe-Institut erhält vom Bundestag und dem Auswärtigen Amt in diesem und im kommenden Jahr 15 Millionen Euro mehr. Es will damit unter anderem seine digitalen Sprach- und Programmangebote ausbauen. "Eine zukunftsorientierte auswärtige Kultur- und Bildungspolitik verlangt noch größeres Engagement im Bereich der Digitalisierung", erklärte Johannes Ebert, Generalsekretär des weltweit tätigen deutschen Kulturinstituts zur Jahrespressekonferenz in Berlin. Die Zahl der Sprachkursteilnehmer weltweit sei 2018 gestiegen und an vielen Orten übersteige die Nachfrage nach Deutschunterricht für Fachkräfte das Angebot. "Daher möchten wir 2019 als Erstes durch ein innovatives Einstiegs- und Fortbildungsprogramm weltweit neue Lehrkräfte rekrutieren und für das Deutschlehren qualifizieren", erklärte Ebert.
Angesichts globaler Krisen und nationalistischer Bewegungen müsse das Goethe-Institut noch stärker die Kräfte von Kultur und Bildung mobilisieren, erklärte Institutsdirektor Klaus-Dieter Lehmann.

"Der Tatortreiniger" geht zu Ende

Die letzte Episode der Kult-Comedy läuft am 19.Dezember

In der kommenden Woche läuft die letzte Episode der NDR-Serie "Der Tatortreiniger". Die Autorin Mizzi Meyer habe entschieden, dass es mit der 31. Folge genug sei, sagte Intendant Lutz Marmor. Die preisgekrönte Comedy-Serie mit Bjarne Mädel als Tatortreiniger Heiko "Schotty" Schotte war 2011 an den Start gegangen, die siebte Staffel wird nun die letzte sein. Hauptdarsteller Mädel hätte wie auch der NDR noch gerne weitergemacht: "Die Entscheidung, uns nun von Schotty zu verabschieden, fällt uns nicht leicht, und ich persönlich hätte gern noch die eine oder andere Sauerei weggemacht", sagte er. Er respektiere aber die künstlerische Konsequenz der Autorin Meyer und des Regisseurs Arne Feldhusen. Die vier letzten Folgen sind am 18. und 19. Dezember jeweils im Doppelpack ab 22 Uhr im NDR Fernsehen zu sehen.

Juliette Binoche wird Berlinale-Jury-Präsidentin

Die französische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin freut sich

Die französische Schauspielerin Juliette Binoche wird Jury-Präsidentin der 69. Berlinale (7. bis 17. Februar). Als Oscar-Preisträgerin sei Binoche eine der profiliertesten internationalen Schauspielerinnen, erklärte Berlinale-Präsident Dieter Kosslick. Sie habe in mehr als 70 Filmen gespielt und sei die erste europäische Schauspielerin, die sowohl auf den Filmfestivals in Berlin, Venedig und Cannes ausgezeichnet worden sei. "Ich freue mich auf dieses besondere Rendezvous mit der gesamten Jury und werde meine Aufgabe mit viel Freude und Sorgfalt angehen", erklärte die Schauspielerin. Binoches Karriere reicht von ihrem internationalen Durchbruch in der Romanverfilmung "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (1988) bis zu jüngsten Filmen, etwa im Berlinale-Wettbewerbsbeitrag "Camille Claudel 1915". Für ihre Rolle der Hana in "Der englische Patient" wurde sie als Beste Nebendarstellerin mit einem Oscar ausgezeichnet.

Deutschland ernennt Immaterielle Kulturerbe

18 Traditionen sind neu in das Verzeichnis aufgenommen worden

Das deutsche Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes ist um 18 Neueinträge erweitert worden. Zu den neu aufgenommenen Kulturformen zählen unter anderem das Drechslerhandwerk, die Helgoländer Dampferbörte sowie das Augsburger Hohe Friedensfest. Als Modellprogramm zur Erhaltung Immateriellen Kulturerbes gilt unter anderem das Welttanzprogramm für den Paartanz. "Der Facettenreichtum Deutschlands als Kulturnation drückt sich gerade im Immateriellen Kulturerbe aus. Nur wer seine eigene Kultur kennt und pflegt, kann sich unbefangen und selbstbewusst auch Neuem stellen", erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Die Kultusministerkonferen und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien haben die Entscheidung über die Neuzugänge auf Empfehlung der Deutschen Unesco-Kommission getroffen.

Maximiliansorden für Tenor Jonas Kaufmann

Ausgezeichnet werden sechs Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst

Startenor Jonas Kaufmann bekommt den Bayerischen Maximiliansorden. Ministerpräsident Markus Söder verleiht die Auszeichnung insgesamt sechs Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst, wie die Staatskanzlei mitteilte. Der Maximiliansorden ist Söders Worten zufolge die höchste Würdigung des Freistaats für exzellente Leistungen in Wissenschaft und Kunst. Damit würden Persönlichkeiten ausgezeichnet, "denen wir wissenschaftlichen Fortschritt und künstlerische Höchstleistungen verdanken und deren Lebenswerk Maßstäbe gesetzt hat". Neben dem Sänger erhalten die Auszeichnung der Klarinettist und Komponist Jörg Widmann sowie der ehemalige Professor für Deutsche Philologie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften an der TU Berlin, Norbert Miller. Im Bereich Wissenschaft geht der Orden an Ingrid Kögel-Knabner, Inhaberin des Lehrstuhls für Bodenkunde am Wissenschaftszentrum Weihenstephan, an die Direktorin am Max-Planck-Institut für Biochemie, Petra Schwille, und an den Würzburger Physikprofessor Laurens Molenkamp.

Werkübersicht mit Beethoven-Bezug online

Das Verzeichnis des Bonner Beethoven-Haus' umfasst bislang rund 500 Titel

Das Beethoven-Haus Bonn stellt eine Übersicht zu Kompositionen mit starkem Beethoven-Bezug ins Internet. Im Forschungszentrum Beethoven-Archiv tragen die Wissenschaftler Werke seit 1870 bis heute zusammen, deren Urheber unter dem Einfluss von Bonns bekanntestem Komponisten standen, wie die Einrichtung mitteilte. Eine erste Version des Dokuments "Komponieren nach Beethoven" steht bereits auf der Seite des Forschungszentrums. Das Verzeichnis umfasst derzeit schon rund 500 Titel. Musikkenner können laut Beethoven-Haus auch Neues entdecken, ergänzende Informationen einreichen oder weitere Kompositionen nennen.

Philosoph Robert Spaemann gestorben

"Wenn wir Gott wegnehmen (...), dann bricht das Denken zusammen"

Robert Spaemann, einer der führenden konservativen Philosophen im deutschsprachigen Raum, ist tot. Der vielfach ausgezeichnete Gelehrte starb gestern mit 91 Jahren in seinem Haus in Stuttgart. Spaemann zählte neben Jürgen Habermas und Peter Sloterdijk zu den bekanntesten deutschen Denkern der Gegenwart. Im Mittelpunkt seines Denkens stand ein christlicher Glaube, der sich der geistigen Auseinandersetzung mit der vernunftgeprägten Moderne nicht verschließen, aber Modeströmungen nicht unterwerfen soll. In die politischen Debatten der Bundesrepublik mischte sich der einstige Linkskatholik unter anderem mit seiner Kritik der Wiederbewaffnung und einer grundsätzlichen Ablehnung der Atomkraft ein. Prägend für sein Denken war auch das Erleben während der NS-Zeit, "wie man die Juden behandelte. Das war so widerlich, dass es keiner besonderen Leistung, keiner Anstrengung bedurfte, um sich davon abzuwenden".

Deutsche kaufen immer weniger Bücher

Nur noch jeder zweite Haushalt kauft Bücher oder E-Books

Die Deutschen kaufen weit weniger Bücher als vor zehn Jahren. Wie das Statistische Bundesamt berichtete, kaufte im Jahr 2017 nur noch etwas mehr als die Hälfte der privaten Haushalte in Deutschland Bücher inclusive E-Books. Vor zehn Jahren habe der Anteil noch bei 65 Prozent gelegen. In absoluten Zahlen bedeutet das: Vor zehn Jahren waren 23,4 Millionen Haushalte. Im vergangenen Jahr nur 20,2 Millionen. Zudem gaben sie durchschnittlich weniger Geld dafür aus. Der Anteil der E-Book-Käufer wächst unterdessen weiter. 1,6 Millionen Haushalte kauften 2017 elektronische Bücher. Das entspricht einem Anteil von acht Prozent unter den Haushalten, die überhaupt Bücher gekauft haben. 2014 waren es 1,1 Millionen Haushalte gewesen. Das hatte einem Anteil von fünf Prozent entsprochen.

Kunsthalle Mannheim findet NS-Raubkunst

25 Verdachtsfälle und ein bewiesener in der grafischen Sammlung entdeckt

Die Kunsthalle Mannheim hat ihre grafische Sammlung auf NS-Raubkunst durchforsten lassen - und ist fündig geworden. Der größte Teil der 2253 Inventarnummern, die das Museum von 1933 an erworben hatte, ist nach Angaben der Kunsthalle unbedenklich. Doch in 25 Fällen bestehe der Verdacht, dass die Nazis die Kunstwerke ihren Besitzern gestohlen haben oder diese ihre Kunstwerke unter Zwang verkaufen mussten. In einem Fall sei gewiss, dass es sich um Raubkunst handele, geht aus dem Abschlussbericht des Provenienzforschers Mathias Listl hervor. Dabei handelt es sich um die Radierung "Der Trinker" von Wilhelm Leibl. Diese habe die Kunsthalle 1944 von der Mannheimer "Verwertungsstelle volksfeindlichen und jüdischen Vermögens" erworben. Die 25 Druck- und Originalgrafiken wurden ausnahmslos zwischen 1933 und 1945 von Kunsthändlern angekauft, die aktiv in den nationalsozialistischen Kunstraub involviert waren und von diesem profitiert haben. Seit November 2011 untersucht die Kunsthalle Mannheim ihre Bestände systematisch nach NS-Raubkunst.

Stolpersteine in Rom gestohlen

Steine erinnerten an Nazi-Opfer

Unbekannte haben im Zentrum Roms 20 sogenannte Stolpersteine gestohlen, die zum Gedenken an italienische Holocaust-Opfer in eine Straße eingelassen waren. Die Messingtafeln des Künstlers Gunter Demnig seien in der Nacht zum Montag im Stadtteil Monti aus dem Pflaster entfernt worden, berichtete die jüdische Gemeinde in Rom auf ihrer Webseite "Shalom". Demnigs Stolpersteine erinnern an Opfer der NS-Zeit vor ihrem "letzten selbstgewählten Wohnort". Seiner Webseite zufolge liegen Stolpersteine inzwischen in 1265 Kommunen in Deutschland sowie in mehr als 20 Ländern Europas.

Neue Pinakothek schließt bis 2025

Museum soll saniert werden

Die Neue Pinakothek in München wird ab dem 31. Dezember voraussichtlich bis 2025 geschlossen sein. In dieser Zeit soll das Museum, in dem Werke von Künstlern wie Vincent van Gogh, Gustav Klimt oder Caspar David Friedrich hängen, generalsaniert werden. Zu den Kosten des Bauvorhabens machte Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) keine Angaben. Zum Abschied sei der Eintritt ab dem 17. Dezember in den letzten beiden Wochen frei, sagte Sibler. Auf die wichtigsten Werke der Neuen Pinakothek, die vor allem Kunst des 19. Jahrhunderts zeigt, müssen Besucher aber nicht verzichten. Ab dem Frühjahr zeigt die Sammlung Schack eine Auswahl, weitere Gemälde und Kunstobjekte ziehen im Sommer in den Ostflügel der Alten Pinakothek.

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Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

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