Mittwoch, 08.07.2020
 

Kulturnachrichten

Mittwoch, 8. Juli 2020

Studie: Zuwanderer kommen beim Thema Migration selten zu Wort

In der Berichterstattung über Migration und Flucht lassen deutsche Leitmedien laut einer Untersuchung nur selten Migrantinnen und Geflüchtete selbst zu Wort kommen. In gerade einmal 12,3 Prozent der Berichte zum Thema fänden die Gruppen Gehör, schreibt Journalistik-Professor Thomas Hestermann von der Hamburger Hochschule Macromedia in der Studie "Die Unsichtbaren". Wenn Menschen nichtdeutscher Herkunft in der Debatte vorkämen, seien sie meist Randfiguren. Erfolgsgeschichten bildeten die Ausnahme. Die Hochschule hatte fünf auflagenstarke Zeitungen sowie Hauptnachrichten und Boulevardmagazine der acht reichweitenstärksten Sender zwischen Januar und April 2019 vier Mal jeweils eine Woche lang ausgewertet.

Prominente beklagen Klima der Intoleranz

Mehr als 150 Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Journalisten haben in einem offenen Brief in der US-amerikanischen Zeitschrift "Harper's Magazine" fehlende Toleranz in der Debatte um Rassismus und soziale Gerechtigkeit beklagt. Freiheit und Gerechtigkeit seien zwei Seiten derselben Medaille. Das eine sei ohne das andere nicht zu haben, heißt in dem Brief. Zu den Unterzeichnenden gehören Salman Rushdie, Margaret Atwood und Daniel Kehlmann.

Tagebücher bringen neue Erkenntnisse zu NS-Kunstraub

Hans Posse war Adolf Hitlers wichtigster Manager für Raubkunst: Er sollte als Sonderbeauftragter die Kunstsammlung für das geplante "Führermuseum" in Linz zusammenstellen und geraubte Kunst auf die Museen im Deutschen Reich verteilen. Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg hat nun erstmals fünf Tagebücher erforscht und digitalisiert, in denen Posse seine Dienstreisen im Auftrag Hitlers dokumentiert. Dies bringt nach Ansicht von Fachleuten neue Erkenntnisse zum NS-Kunstraub, zur NS-Museumspolitik und für die Provenienzforschung. Von den ersten drei Bänden ist inzwischen jede einzelne Seite im Internet abrufbar - versehen mit leserlichem Text und einordnenden Kommentaren.

Neuer Vorschlag für Potsdamer Garnisonkirche

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert will nach dem Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche diesen mit dem benachbarten Rechenzentrum aus DDR-Zeiten architektonisch zusammenführen. So könne man den Bruch mit der Geschichte der einstigen preußischen Militärkirche in der Architektur deutlich machen, sagte der SPD-Politiker. Einen Antrag der CDU-Fraktion, die gesamte Kirche originalgetreu wieder aufzubauen, hatte eine Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung im Juni abgelehnt.

Filmfest Venedig wegen Coronavirus kleiner als sonst

Die Filmfestspiele in Venedig sollen im September trotz der Corona-Pandemie stattfinden – allerdings kleiner als sonst. Statt 55 sollen 50 Filme in die Auswahl kommen, teilten die Organisatoren der 77. Ausgabe des Festivals mit. Gezeigt werden sollen die Werke in den traditionellen Veranstaltungsorten, aber auch in zwei Außenanlagen. Laut Filmfest-Direktor Alberto Barbera werden keine großen Kassenschlager aus den USA erwartet - entweder weil sie noch nicht fertig sind oder weil sie auch wegen des Oscar-Termins verschoben wurden. Aber die Welt werde gut vertreten sein, zum Beispiel mit Filmen aus China, Indien oder dem Nahen Osten. Die Liste der Wettbewerbsfilme und das ganze Programm werden für Ende Juli erwartet. Die Filmfestspiele in Venedig mit der australischen Schauspielerin Cate Blanchett als Jury-Chefin sind vom 2. bis zum 12. September geplant. Wird der Zeitplan eingehalten, wäre es das erste große Filmfestival, seit die Corona-Pandemie Mitte März die gesamte Branche praktisch zum Erliegen gebracht hat.

Staatliche Unterstützung für in Not geratene Chöre

Kulturstaatsministerin Grütters fordert Chöre auf zu prüfen, ob sie im Rahmen eines Bundesprogramms Corona-Hilfen bekommen können. Die Lage der Chöre sei zurzeit extrem schwierig, sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, sie seien mit am härtesten getroffen. Grütters verwies auf das Bundesprogramm "Neustart Kultur". Darin seien auch 150 Millionen Euro für die überwiegend privatwirtschaftlich organisierte Musikkultur vorgesehen.

Schauspieler und Regisseur Pavel Fieber gestorben

Der Schauspieler und Regisseur Pavel Fieber ist tot. Der 78-Jährige starb in Würzburg, wie Fiebers Schauspielagentur aus Niederkassel bei Köln mitteilte. Fieber, der 1997 als Generalintendant nach Karlsruhe ans Badische Staatstheater kam und bis 2002 amtierte, arbeitete bundesweit sowie in Österreich an zahlreichen Theatern. 1941 in der früheren Tschechoslowakei geboren und in Österreich sowie Bayern aufgewachsen, begann Fieber seine Schauspiel-Ausbildung nach einem Psychologiestudium am Wiener Max-Reinhardt-Seminar. Nebenbei erhielt er an der Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Wien eine Gesangsausbildung.

Wissenschaftsrat für Auflösung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Der Wissenschaftsrat empfiehlt eine Auflösung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Dachorganisation von Museen und anderen kulturellen Einrichtungen. Die Vielzahl der Institutionen führten zu einer "strukturellen Überforderung" der Stiftung, heißt es in einem Papier des Gremiums. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte es mit der Evaluation der Stiftung beauftragt. "Möglicherweise werden nicht alle Empfehlungen 1:1 umgesetzt werden können", sagte Grütters in Berlin, "aber ich sehe bei allen Beteiligten eine große Offenheit und Bereitschaft, sich gut begründeten, auch weitreichenden Veränderungen zu stellen". Der Wissenschaftsrat ist für Bund und Länder das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland. Zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit rund 2000 Mitarbeitern gehören die Staatlichen Museen Berlin, die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv, das Ibero-Amerikanische Institut und das Staatliche Institut für Musikforschung.

Kanada ein Jahr später Ehrengast bei Buchmesse

Der Auftritt Kanadas als Ehrengastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wird "physisch" auf 2021 verschoben. Bei der digitalen Buchmesse 2020 werde das nordamerikanische Land aber stark vertreten sein, teilten die Organisatoren mit. Aufgrund der durch die weltweite Covid-19-Pandemie veränderten Rahmenbedingungen habe das kanadische Organisationskomitee darum gebeten, den Auftritt um ein Jahr verschieben zu dürfen, hieß es. Die für die kommenden Jahre vorgesehenen Gastländer der Frankfurter Buchmesse - Spanien, Slowenien und Italien - hätten zugestimmt, ihren Auftritt ebenfalls um jeweils ein Jahr zu verschieben.

Bündnis aus Kulturszene sorgt sich um Standort Berlin

Ein Bündnis aus der Kulturszene sorgt sich um die Zukunft des Szenestandorts Berlin nach der Corona-Krise. In einem offenen Brief an Senat und Abgeordnete macht es sich stark für "strukturelle Änderungen und Erleichterungen, die das urbane Leben Berlins nach der Pandemie aus einem tödlichen Eindämmungsschlaf erwecken". So sollte die Umsatzsteuer auf sieben Prozent gesenkt und die Gewerbesteuer halbiert werden. Schankvorgärten sollten bis zwei Uhr öffnen können, Gaststätten öffentliche Straßen für besondere Gelegenheit nutzen dürfen. Unter den rund 30 Erstunterzeichnern sind etwa Sternekoch Tim Raue, der Club "Watergate" oder der Fotograf und neue Besitzer der Gaststätte "Clärchens Ballhaus", Yoram Roth.

Schriftstellerin Elke Erb erhält Georg-Büchner-Preis

Die Schriftstellerin Elke Erb bekommt den Georg-Büchner-Preis 2020. Dies teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt mit. Mit Elke Erb ehre die Akademie ein unverwechselbares und eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk, dessen Anfänge 1975 in der DDR lägen und das sich nach deren Ende unbeirrt bis in die Gegenwart fortgesetzt habe, hieß es zur begründung. "Für die unverdrossene Aufklärerin ist Poesie eine politische und höchstlebendige Erkenntnisform", urteilte die Jury. Die 82 Jahre alte Erb lebt in Berlin. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Sie ist seit 1951 die elfte Frau, die den Preis bekommt. Die Verleihung ist für den 31. Oktober in Darmstadt geplant.

Kulturnachrichten hören

Dezember 2017
MO DI MI DO FR SA SO
27 28 29 30 1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur