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Kulturnachrichten

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Berliner Akademie begrüßt Kertesz-Museum

Nachlass von Imre Kertesz steht Forschung offen

Die Berliner Akademie der Künste hat als Bewahrerin zahlreicher Manuskripte, Tagebücher, Briefe und Fotografien des ungarischen Literatur-Nobelpreisträgers Imre Kertesz (1929-2016) die geplante Schaffung eines Kertesz-Museums und -Instituts in Budapest begrüßt. In Budapest war am Vortag bekannt geworden, dass eine regierungsnahe Kulturstiftung Träger des künftigen Instituts und Museums in der ehemaligen Budapester Wohnung von Kertesz sein wird. Die Stiftung für die Erforschung der Geschichte und Gesellschaft Mittel- und Osteuropas (KTTKK) übernahm demnach aufgrund einer Vereinbarung mit der inzwischen gestorbenen Witwe des Schriftstellers dessen gesamten Nachlass. Künftig werde man auch den Berliner Dokumente-Bestand "aufarbeiten", hatte es geheißen. Die Formulierung ließ offen, ob die Budapester Stiftung Ansprüche auf den Nachlass-Bestand im Archiv der Berliner Akademie erhebt. "Der schriftliche Nachlass von Imre Kertesz befindet sich seit 2002 im Archiv der Akademie der Künste in Berlin und steht hier der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung, außerdem ist er weitgehend erschlossen", teilte Archiv-Direktor Werner Heegewaldt mit. Kertesz, der als Jugendlicher in deutsche Konzentrationslager deportiert worden war, schuf mit dem "Roman eines Schicksallosen" (dt. 1996) eines der wichtigsten literarischen Zeugnisse über die Shoah.

Bonner Schauspieldirektorin geht wegen Sparpolitik

Nicola Bramkamp verlängert Vertrag nicht

Die Bonner Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp wird ihren Vertrag nicht verlängern und das Haus 2018 verlassen. Ihren Abschied begründete sie am Donnerstag auch mit der anhaltenden Sparpolitik. Die "stetig fortschreitenden Kürzungen im künstlerischen Bereich" machten eine Fortführung ihres Konzeptes nicht mehr möglich, teilte sie mit. Bramkamp ist seit 2013 Schauspieldirektorin am Theater Bonn. Bramkamps Arbeit im Schauspiel strahle weit über Bonn hinaus. Um die Nachfolge zu regeln, bleibe ausreichend Zeit, sagte Generalintendant Bernhard Helmich. Nach Angaben des Theaters war in der vergangenen Spielzeit 2015/16 die bisher höchste Auslastung unter Bramkamps Leitung erreicht worden. Es sei eine der einnahmestärksten Spielzeiten in der Geschichte des Bonner Schauspiels überhaupt gewesen. Viele Inszenierungen hätten brisante Themen aufgegriffen, etwa die Auseinandersetzung mit der Realität Bonner Muslime, die Rechtsradikalisierung schlagender Verbindungen oder die gesellschaftspolitische Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in einem Bonner Gymnasium.

Post gibt Elbphilharmonie-Marke heraus

Die Marke hat einen Wert von 1,45 Euro

Die Deutsche Post bringt die Hamburger Elbphilharmonie auf eine Briefmarke. Die Marke mit einem Wert von 1,45 Euro soll am 2. Januar im Pavillon der Elbphilharmonie vorgestellt werden, wie die Hamburger Kulturbehörde mitteilte. Im Besucherzentrum des neuen Konzerthauses wird am selben Tag eine Ausgabestelle für Briefmarkensammler eingerichtet. Die Elbphilharmonie soll neun Tage später offiziell eröffnet werden.

Sasha Waltz weiht Elbphilharmonie-Foyers ein

Uraufführung ihrer Performance "Figure Humaine"

Die Choreografien Sasha Waltz wird am Neujahrstag die Foyers der soeben fertig gestellten Hamburger Elbphilharmonie einweihen. Sie wird ihre Performance "Figure Humaine - Menschliches Antlitz" uraufführen, wie bekanntgegeben wurde. Rund 80 Tänzer, Instrumentalsolisten und der Chor Vokalconsort Berlin wirken daran mit. "Eine Schlüsselrolle spielt das gleichnamige, 1943 entstandene Chorwerk von Francis Poulenc. Das ist ein ernstes und schwieriges, am Ende aber auch Hoffnung bringendes Stück", erklärte die in Berlin lebende weltweit gefeierte Künstlerin am Donnerstag auf einem Pressetermin in dem Konzertgebäude. An ihrem mehr als zweistündigen Abend sollen sich einige hundert Zuschauer mit den Interpreten ausgehend vom zehnten Stock über sechs Etagen in die Höhe bewegen.

Baugenehmigung für Windpark am Welterbe-Gartenreich

Baustart für kommendes Jahr geplant

Der umstrittene Windpark in der Nähe des zum Weltkulturerbe zählenden Wörlitzer Gartenreich soll im kommenden Jahr gebaut werden. Der Landkreis Wittenberg hat die Genehmigungen für Bau und Betrieb der Windräder erteilt, wie die Projektentwickler VSB (Dresden) und Sabowind (Freiberg) mitteilten. Die Inbetriebnahme sei für den September 2017 geplant. Bis dahin werden in zehn Kilometern Entfernung vom Gartenreich bei Coswig-Luko 12 Windräder errichtet. Sie sollen soviel Strom liefern, wie es dem Jahresverbrauch von 30 000 Haushalten entspricht. Ursprünglich sollten die Anlagen 220 Meter hoch werden. Dies war hochumstritten, weil Gartenreich und Landesregierung die Aberkennung des Welterbetitels wegen Störung der historischen Sichtachsen befürchteten. Alle Beteiligten einigten sich schließlich auf einen Kompromiss: Die Windräder sollten nur 180 Meter hoch werden. Damit sind sie von ebenerdigen Standpunkten vom Gartenreich aus nicht mehr zu sehen.

Parzinger fordert Verteidigung Kultureller Vielfalt

Kultureinrichtungen sind gefragt

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, hat die Kultureinrichtungen in Deutschland dazu aufgefordert, die Vielfalt der Kultur zu verteidigen. Nach dem Anschlag in Berlin müsse der Staat entschlossen handeln. Gleichzeitig trieben Rechtspopulisten ein gefährliches Spiel mit den Ängsten und verbauten Deutschlands Zukunft als weltoffenes Land, erklärte Parzinger am Donnerstag in Berlin. Museen und andere Kultureinrichtungen müssten jetzt zeigen, wie Vielfalt bereichern könne. Als Beispiel nannte Parzinger das Projekte "Multaka", bei dem Iraner und Syrier in ihrer Muttersprache durch die Sammlungen der Berliner Museen führen.

Berliner Weihnachtsmarkt nach Anschlag wieder geöffnet

Trauertafeln aufgestellt

Nach dem Anschlag mit zwölf Toten und fast 50 Verletzten ist der Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin teilweise wieder geöffnet worden. Nach einer kurzen Andacht in der Kirche stellten Vertreter des Schaustellerverbandes und der Gewerbetreibenden zwei Trauertafeln am dem Ort auf, an dem ein Sattelschlepper am Montagabend in die Menschenmenge raste. Zudem stehen vor dem Zugang zum Markt nun mehrere Betonboller. Der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz mit rund 170 Ständen findet bereits zum 33. Mal statt. Der Bereich am unmittelbaren Tatort soll für weitere kriminaltechnische Untersuchungen vorerst gesperrt bleiben.

J.K. Rowling arbeitet an zwei neuen Romanen

Ein Roman erscheint unter Pseudonym

Die britische Erfolgsautorin und "Harry-Potter"-Erfinderin J.K. Rowling (51) arbeitet nach eigenen Angaben an zwei neuen Büchern. Eines solle unter ihrem eigenen Namen herauskommen, das andere unter ihrem Pseudonym Robert Galbraith, schrieb Rowling auf Twitter. Sie wisse aber noch nicht, welches zuerst fertig werde. Ihr letzter Galbraith-Roman "Career of Evil" (2015) erschien 2016 unter dem deutschen Titel "Die Ernte des Bösen". Rowling schrieb außerdem, dass es keinen Roman um Newt Scamander geben werde. "Nur Filme." Der neue Film aus dem Potter-Kosmos, "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind", läuft zurzeit im Kino. Eddie Redmayne spielt darin die Hauptfigur, den Zauberer und Fabelwesen-Experten Newt Scamander. Rowling startete damit eine neue fünfteilige Filmreihe.

Kunsthalle Schirn zeigt große Magritte-Werkschau

"Magritte. Der Verrat der Bilder"

Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt zeigt ab 10. Februar eine große Werkschau des belgischen Surrealisten Rene Magritte (1898-1967). Unter dem Motto "Magritte. Der Verrat der Bilder" beleuchtet die Ausstellung bis 5. Juni in fünf Kapiteln Magrittes Auseinandersetzung mit der Philosophie, teilte das Museum in Frankfurt mit. Präsentiert würden "Magrittes meisterhafte Bilderrätsel der 1920er- bis 1960er-Jahre", wie etwa das emblematische Selbstbildnis La Lampe philosophique (Die philosophische Lampe, 1936) oder L'Heureux Donateur (Der glückliche Stifter, 1966). Die Ausstellung vereint rund 70 Arbeiten, darunter zahlreiche Meisterwerke aus internationalen Museen, unter anderem dem Musee Magritte in Brüssel, dem Kunstmuseum Bern, dem Dallas Museum of Art, der Tate in London, dem Metropolitan Museum of Art in New York und der National Gallery of Art in Washington D.C. Die Ausstellung steht unter der gemeinsamen Hohen Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck und des belgischen Königs Philippe.

Mödl wieder "kirchlicher Wauwau" für Oberammergau

Theologischer Berater sieht sich aber nicht als Aufpasser bei den Passionsspielen

Der Pastoraltheologe Ludwig Mödl, wird erneut als theologischer Berater für die Passionsspiele im Oberammergau 2020 im Einsatz sein. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx habe ihn gebeten, die Aufgabe wieder zu übernehmen und er habe zugesagt, erklärte Mödl. Für den Priester ist es der dritte Einsatz in dieser Funktion nach 2000 und 2010. "Ich bin kein Aufseher, sondern Berater", definierte Mödl seine Aufgabe. Wichtig sei ihm, dass das Spiel in der theologischen Tradition stehe. Aber nach zehn Jahren ändere sich einfach eine Gesellschaft, deshalb müsse auch wieder neu am Text gearbeitet werden. Christian Stückl, der nach 2020 zum vierten Mal die Spielleitung übernommen hat, charakterisierte Mödls Part einmal scherzhaft als "kirchlicher Wauwau". Dieses Mal wird der Muslim Abdullah Kenan Karaca (27) an Stückls Seite sein. Mödl sagte, er freue sich auf die ab 2017 beginnende Zusammenarbeit. Der aus einer türkischen Familie stammende Jungregisseur habe eine große Kenntnis vom Christentum und verstehe vom christlichen Glauben mehr als vielleicht mancher glaube.

"Der Entwurf war natürlich auch Provokation"

Architektur-Büro Chipperfield verteidigt Pläne für Haus der Kunst in München

In der Debatte um die Umbaupläne sagte Martin Reichert, Architekt und Partner im Büro Chipperfield: "Das Interessante an dem Haus ist gerade seine Janusköpfigkeit. Es ist auf der einen Seite der Inbegriff von Herrschaftsarchitektur, zeigt im Inneren aber eine viel modernere Seite, die sehr sachlich ist". Wenn sein Büro bei der Sanierung nur geringfügige Eingriffe plane, sei es aber weder reaktionär noch ignorant, so der Architekt im Deutschlandradio Kultur. Das Gebäude habe hohen Zeugniswert und müsse erst einmal als Denkmal anerkannt werden. Zum Vorwurf, mit dem Konzept die Nachkriegsgeschichte zu ignorieren, räumte Reichert ein: "Die städtebauliche Einbettung war natürlich auch Provokation." Doch durch die Bepflanzung mit Bäumen sei das Gebäude derzeit "merkwürdig unverordnet und versteckt". Eine Diskussion darüber, ob Bäume gefällt und der Autoverkehr reduziert werden sollten, um das Gebäude wieder an die Prinzregentenstraße anzubinden, sei aber sicherlich in den kommenden Jahren möglich.

Kollwitz-Preis 2017 an Katharina Sieverding

Künstlerin ist für großformatige Fotos bekannt

Die Fotografin Katharina Sieverding erhält den Käthe-Kollwitz-Preis 2017. Geehrt werde damit die Künstlerin, die seit den 1960er Jahren das Zeitalter der großformatigen Fotokunst eingeleitet habe, teilte die Akademie der Künste in Berlin mit. Ihr Grundthema seit ihrer Zeit als Beuys-Schülerin sei die Frage der Identität. Wie die Akademie weiter mitteilte, standen Film und Fotografie von Anfang an im Zentrum ihres Schaffens. In ihren Werken befasst sich Sieverding mit dem Zusammenhang zwischen mikroskopischen und makroskopischen, individuellen und globalen Prozessen.

Ungarn: Kertesz-Nachlass an regierungsnahe Stiftung

Seine Wohnung wird zum Museum

Der Nachlass des Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Imre Kertesz geht an eine regierungsnahe ungarische Stelle. Die Stiftung für die Erforschung der Geschichte und Gesellschaft Mittel- und Osteuropas werde ein Imre-Kertesz-Institut gründen, hieß es in einer Mitteilung der Einrichtung. Der Autor von "Roman eines Schicksallosen" war im März dieses Jahres gestorben. Das neue Institut werde vom kommenden Jahr an das Andenken an Kertesz pflegen. Insbesondere werde es die im Kertesz-Archiv der Berliner Akademie der Künste aufbewahrten Handschriften aufarbeiten und für die Publikation vorbereiten. In der Budapester Wohnung, in der Kertesz von 1954 bis 1995 lebte, soll ein Museum eingerichtet werden.

Szenen aus "Die Stadt ohne Juden" wiederentdeckt

Flohmarkt-Fund in Paris

Verschollene Passagen des österreichischen Stummfilms „Die Stadt ohne Juden“ sind wieder aufgetaucht und werden restauriert. Der Film aus dem Jahr 1924 nach einer Romanvorlage des jüdischen Schriftstellers und Journalisten Hugo Bettauer ahnte den Ausbruch des Holocaust voraus. Die Filmrollen waren auf einem Pariser Flohmarkt entdeckt worden. Ermöglicht wird die Restauration durch eine Crowdfunding-Initiative, die öffentliche Gelder ergänzt.

Breloer will Zweiteiler über Bertolt Brecht drehen

Burghart Klaußner spielt Brecht, Adele Neuhauser Helene Weigel

Filmemacher Heinrich Breloer will sich nach Thomas Mann nun mit Bertolt Brecht einem weiteren großen Literaten widmen. Für Mai ist der Drehstart in Prag und Umgebung für die ARD-Koproduktion geplant, wie das Erste in München mitteilte. Der Zweiteiler soll das Leben des bis heute meistgespielten deutschen Dramatikers des 20. Jahrhunderts erzählen. Das Drehbuch stammt von Breloer, der auch Regie führt. Bereits seit fünf Jahren liefen die Recherchen für die Produktion, heißt es. So traf Beloer viele Zeitzeugen Brechts. Burghart Klaußner und Adele Neuhauser stellen Bertolt Brecht und seine Ehefrau Helene Weigel dar. Kameramann ist Gernot Roll. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.

Intendantenstreit in Rostock geht weiter

Theater geht in Berufung

Die Volkstheater Rostock GmbH wird gegen das Urteil zur Weiterbeschäftigung des Intendanten Sewan Latchinian Berufung einlegen. Das Landgericht Rostock hatte vergangene Woche entschieden, dass die fristlose Kündigung Latchinians von Juni 2016 unwirksam war, das Anstellungsverhältnis bestehe ungekündigt fort. "Das ganze Urteil ist ein Desaster, auch für die Gerichtsbarkeit", sagte Oberbürgermeister Roland Methling. Das Landgericht hatte festgestellt, dass es zwar eine Pflichtverletzung seitens Latchinians gegeben habe. So habe dieser mit einer Mail an den Betriebsrat gegen die Verschwiegenheitspflicht verstoßen. Dennoch sei es dem Volkstheater zuzumuten, das Anstellungsverhältnis mit seinem umstrittenen Intendanten fortzusetzen. Die öffentlich geäußerte Kritik Latchinians an der Geschäftspolitik sei vom Grundrecht auf Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt.

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