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Kulturnachrichten

Sonntag, 13. November 2016

Schauspieler Ewan McGregor kritisiert die gegenwärtige Politik

Regiedebüt an der Verfilmung von Philip Roths Roman "Amerikanisches Idyll"

Anlässlich seines Regiedebüts von "Amerikanisches Idyll" kritisierte der Schauspieler Ewan McGregor die "gegenwärtige Politiker-Kaste". Die Politiker "legen nur noch den Rückwärtsgang ein. Sie schauen alle nur noch nach innen. Niemand blickt mehr über die Grenzen hinaus", sagte er in einem Interview für die "Welt am Sonntag". Bei der Brexit-Kampagne habe sich die hässliche Schattenseite unserer Gesellschaft für alle offen gezeigt, meinte der Schauspieler. Bei Trump sei es genauso: mit seinem Rassismus, Pöbeleien und seiner Haltung gegenüber Frauen: "Trumps Aufstieg hat mich und viele andere zu Tode geängstigt. (...) Die Tatsache, dass jemand wie Trump es so weit bringen konnte, zeigt uns, dass in unserem politischen System etwas verdammt falsch läuft", so McGregor weiter. McGregors Verfilmung von Philip Roths Roman "Amerikanisches Idyll" kommt am 17. November in die Kinos. Es ist eine komplexe Geschichte über Rassismus, jüdische Identität, eine Gesellschaft und eine Familie, die auseinanderfallen.

Der "Tatort" ist das größte Fernsehereignis der Deutschen

"Tatort"-Schauspieler Günter Lamprecht über Menschentöten empört

Der "Tatort" gehört neben Fußballländerspielen zu den größten Fernsehereignissen der Deutschen, meldete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Anlässlich des Jubiläums erinnert sich der Schauspieler Günter Lamprecht an seine ehemalige Arbeit am "Tatort" aus Berlin. Er sei für seine Rolle als Kommissar Markowitz nachts bei Polizeieinsätzen mitgefahren: "Ich wollte sehen, wie die Beamten wirklich am Tatort arbeiten und wie sie reden", sagte er im Interview mit dem "Tagesspiegel". Lamprecht sei ein "absoluter Waffengegner": "Die Menschen werden einfach so abgeknallt, getötet, das ist respektlos", sagte er. Vor der Produktion "hatten wir ausgemacht, dass Markowitz nicht schießen wird. Wenn im Drehbuch eine Situation vorgesehen war, in der ich eine Waffe gebraucht hätte, dann hatte ich die nicht mitgenommen oder sogar in der Schublade vergessen", so Lamprecht weiter. Er denkt "immer gerne zurück an die wunderbare Zeit als Kommissar" und ist beim Jubiläum wieder dabei. Der 1000. "Tatort" am heutigen Sonntagabend kommt vom NDR und heißt so wie der erste von 1970: "Taxi nach Leipzig".

Russischer Regisseur gewinnt Hauptpreis beim Cottbuser Filmfest

Feingefühl für menschliche Werte anerkannt

Beim Filmfestival in Cottbus erhält der russische Regisseur Ivan Tverdowsky den mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis. Die Jury würdigt seinen Film "Zoologie", der eine perfekte Verbindung zwischen der künstlerischen Qualität und einem außerordentlichen Feingefühl für menschliche Werte schaffe, wie es in der Begründung heißt. Es geht um die Geschichte einer Zooangestellten, die sich plötzlich in ein Tier verwandelt. Bereits 2014 hatte der Regisseur den Hauptpreis für sein Drama "Corrections Class" bekommen. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 80 000 Euro vergeben. Das Festival besteht seit 1991. Schwerpunkt ist der zeitgenössische osteuropäische Film. In diesem Jahr befasste sich eine Filmreihe speziell mit dem Thema Sozialismus.

Robert Wilsons "Tower of Babel" ausgezeichnet

Der ARD-Hörspielpreis 2016 verliehen

Der US-amerikanische Theater- und Opernregisseur Robert Wilson hat für "Tower of Babel" den Deutschen Hörspielpreis der ARD erhalten. Wilson verweise in seiner Collage aus Text, Musik und Sprache auf die verbindende Kraft der Kunst, teilte die ARD am Sonntag in Karlsruhe mit. Der Hauptpreis der ARD-Hörspieltage ist mit 5.000 Euro dotiert sowie einer Ausstrahlung des Gewinner-Hörspiels in den Kulturradios der ARD, des ORF (Österreich), des SRF (Schweiz) sowie in Deutschlandradio Kultur verbunden. Die alleinige Jurorin, Schauspielerin Corinna Harfouch, sprach den Preis Birte Schnöink und Christian Löber für ihre Leistung in "Draußen unter freiem Himmel - Manifest 49" von Michaela Falkner zu. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis für das beste Kinderhörspiel ging an die Autorin Silke Seibold für ihr Hörspieldebüt "Gib's zurück", produziert vom SWR.

Auschwitz-Überlebende und SAP-Gründer auszeichnet

Der Preis für Verständigung und Toleranz 2016 verliehen

Das Jüdische Museum Berlin hat die Zeitzeuginnen Renate Lasker-Harpprecht und Anita Lasker-Wallfisch sowie den Unternehmer Hasso Plattner mit dem diesjährigen Preis für Verständigung und Toleranz geehrt. Die undotierte Auszeichnung wurde am Samstag von Museumsdirektor Peter Schäfer übergeben. Auszeichnung wie Preisträger stünden dafür, die Vergangenheit fruchtbar zu machen, um sich ungeachtet der ethnischen, religiösen und kulturellen Identität für ein respektvolles Miteinander einzusetzen, erklärte Schäfer. Stardirigent Daniel Barenboim würdigte die Autorin und Journalistin Renate Lasker-Harpprecht (92) sowie ihre Schwester, die Cellistin Anita Lasker-Wallfisch (91), als Persönlichkeiten, die "für den Prozess der deutschen Vergangenheitsbewältigung und für die Zukunft unserer Gesellschaft Exemplarisches geleistet" haben. Die beiden in Breslau geborenen Schwestern überlebten in der NS-Zeit die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Bergen-Belsen. Anita Lasker ist eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz. Plattner wurde von seinem langjährigen Unternehmenspartner Henning Kagermann (69) als Unternehmer, Gelehrter und Kreativer, "der Bleibendes geschaffen hat", gewürdigt. Plattner sei ein "Verfechter der aktiven Toleranz, der Verständigung und der Demokratisierung des Wissens". So fördere er über seine eigene Stiftung Wissenschaft, Kultur und soziale Projekte wie etwa den Kampf gegen Aids in Afrika. Mit dem Preis für Verständigung und Toleranz werden seit 2002 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Politik ausgezeichnet, die sich auf herausragende Weise um Verständigung und Toleranz verdient gemacht haben.

Diktatoren schuldig an Riesenmigration der Afrikaner

Neue gemeinsame europäische Afrika-Politik gefordert

"Ich fordere das Ende der Afrika-Politik, wie Europa das (...) durchgeführt hat", sagte der äthiopisch-deutsche Publizist Asfa-Wossen Asserate im Deutschlandradio Kultur. Insbesondere gelte es, eine postulierte Nicht-Einmischungspolitik aufzugeben, die faktisch längst ad absurdum geführt sei: "Allein durch die Hilfe, die man diesen afrikanischen Diktatoren schon seit über 40 Jahren zukommen lässt, hat Europa natürlich immer wieder in Afrika eingegriffen." Angesichts von Millionen junger Afrikaner, die sich bereits aus dem Süden, Westen und Osten Afrikas in den Norden des Kontinents aufgemacht hätten, "um irgendwann diese lächerlichen 60 Kilometer" bis nach Europa zu überwinden, müssten die europäischen Länder endlich zu einer gemeinsamen Afrika-Politik zusammenfinden, sagte Asserate. Ansonsten könnten Diktatoren weiter agieren, so wie sie bisher "brillianterweise den einen europäische Staat gegen den anderen ausgespielt haben" und damit weiter die größten Exporteure von Migration bleiben, unterstrich der Analyst, der aktuell ein Buch zu dem Thema veröffentlicht hat.

Bundestagspräsident Lammert würdigt Heine und Biermann

Lammert: "Zwei große politische Liedermacher"

Anlässlich des 80. Geburtstags von Wolf Biermann am kommenden Dienstag erinnerte Norbert Lammert noch einmal an die Ausbürgerung des Liedermachers aus der DDR vor genau 40 Jahren. Der CDU-Politiker denkt bei Deutschland "mindestens so sehr an Kultur wie an Politik" und dabei an zwei berühmte Dichter und Denker, an Heinrich Heine und Wolf Biermann. Sie seien "Gesinnungsbrüder und Komplizen im Geiste", sagte er im Deutschlandfunk. Er hat zwischen ihnen viele Parallelen entdeckt: Beide wurden in ihrem Heimatland angefeindet. Beide haben sich in ihrem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit nicht beirren lassen. "Man könnte Biermann mit maßvoller Übertreibung für die Reinkarnation Heinrich Heines unter den veränderten politischen Bedingungen Deutschlands und Europas halten. Beide große politische Liedermacher", sagte Lammert.

Die antike Stadt Nimrud zurückerobert

Die assyrische Ruinenstätte frei vom IS

Die irakische Armee hat nach eigenen Angaben die antike Stadt Nimrud von der Terrormiliz Islamischer Staat zurückerobert. Regierungstruppen hätten die Stadt komplett befreit. Nimrud liegt rund 40 Kilometer südlich der IS-Hochburg Mossul und war vor zwei Jahren von den Dschihadisten überrannt worden. Die Stadt ist eine bedeutende assyrische Ruinenstätte. Im März vergangenen Jahres hatte der IS zahlreiche der mehr als 3000 Jahre alten Reliefs mit Bulldozern, Presslufthämmern und Fräsen zerstört. Die Rückeroberung durch die irakische Armee ist Teil einer Großoffensive auf Mossul.

Briefe von Stefan Zweig in Israel aufgetaucht

Das Leben des österreichischen Schriftsteller in neuem Licht

Mehr als 70 Jahre nach Zweigs Tod sind in Israel bisher unbekannte Briefe des österreichischen Schriftstellers aufgetaucht. Es handle sich um eine zwölfjährige Korrespondenz zwischen Zweig und dem jüdischen Autor Hans Rosenkranz, teilte die Israelische Nationalbibliothek mit. Zweig schrieb Rosenkranz zwischen 1921 und 1933 insgesamt 26 Briefe und sechs Postkarten. Die Briefe erlaubten einen neuen Blick auf das "stürmische und faszinierende Leben einer der wichtigsten und bekanntesten Schriftsteller der Welt", sagte David Blumberg, Vorstandsvorsitzender der Nationalbibliothek. Zweig, der immer Weltbürger sein wollte, bekannte sich 1921 in einem Brief an Rosenkranz klar zu seinen Wurzeln: "Ist Judentum Tragödie, so wollen wir sie leben: sie steht vor der Welt als die größte des großen Dichters Gott und ich sehe keine Schande darin, ihr Schauspieler, ihr episodischer Darsteller zu sein." Nach Beginn der NS-Herrschaft 1933 ging Zweig ins Exil. Aus Verzweiflung über den Verlust von Heimat und Sprache nahm er sich 1942 gemeinsam mit seiner Frau Lotte das Leben. Die Briefe wurden von Hanna Jacobsohn, der 92 Jahre alten Stieftochter von Rosenkranz, der Bibliothek überlassen. Sie sollen am 23. November offiziell vorgestellt werden.

Verleihung des Deutschen Karikaturenpreises

Im Mittelpunkt des Wettbewerbs stand das Thema Flüchtlinge

Mit der Preisverleihung endet heute der Wettbewerb zum 17. Deutschen Karikaturenpreis. Die Jury hatte vorab aus über 1000 eingereichten Arbeiten mehr als 250 Werke von Künstlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählt. Im Mittelpunkt stand das Thema Flüchtlinge. Der Wettbewerb wird von der "Sächsischen Zeitung" aus Dresden und dem in Bremen erscheinenden "Weser-Kurier" gemeinsam ausgerichtet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Karikaturen sind in Ausstellungen vom 15. November bis zum 5. Februar im Museum Weserburg in Bremen und in Dresden ab 16. November zu sehen.

Filmfestival Cottbus: Preis für Attila Till

Für den Film "Tiszta Svivel, Kills on wheels"

Beim 26. Filmfestival Cottbus geht der Preis der Ökumenischen Jury an den Beitrag "Tiszta Svivel, Kills on wheels" des ungarischen Regisseurs Attila Till. Er handelt von einem ehemaligen Feuerwehrmann, der nach einem Arbeitsunfall querschnittsgelähmt ist und Auftragskiller wird, wie das Preisgericht mitteilte. Zur Begründung seiner Wahl führte die Jury an, dass es in dem Film "letztlich nicht um Killer geht, sondern um die Macht des menschlichen Geistes, den Willen zu leben und die Leidenschaft, niemals aufzugeben". Der Beitrag nehme mit großem Respekt die Situation von behinderten Menschen ernst. Zur Jury gehörten der Sprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner, der Dozent und Therapeut Gratis Lidums (Riga), die Filmredakteurin Charlotte Timmermans (Antwerpen) sowie die Journalistin und Theologin Rita Weinert (Hamburg). Das bis diesen Sonntag dauernde Cottbusser Festival gilt als weltweit wichtigstes Forum des osteuropäischen Films.

Bassist Victor Bailey tot

Ex-Mitglied von Weather Report starb mit 56 Jahren

Victor Bailey starb an den Folgen der Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung im Alter von nur 56 Jahren. Die Erkrankung behindert die Fortleitung von Nervenimpulsen und lässt dadurch die Muskulatur verkümmern. Bailey kämpfte mehr als zwei Jahrzehnte gegen die Krankheit, zuletzt war er an den Rollstuhl gefesselt. Bekannt wurde Victor Bailey in den 1980'er Jahren als Bassist der Jazz-Fusion-Gruppe Weather Report. Außerdem spielte er mit Musikern der unterschiedlichsten Genres zusammen, wie z.B David Gilmour, Sting, Sonny Rollins, Pharoah Sanders aber auch LL Cool J, Lady Gaga und Madonna. Auch als Lehrer engagierte er sich, unter anderem am Berklee College of Music.

Berlin: Kathedralenumbau erst bei sicherer Finanzierung

22 Millionen Euro fehlen noch

Der 60-Millionen-Euro-Umbau der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale beginnt erst bei einer verlässlichen Finanzierung. Der Diözesanvermögensverwaltungsrat, das höchste Finanzgremium des Erzbistums Berlin, werde dann "grünes Licht" geben, wenn sie "voll gesichert" sei, sagte der frühere Bundesverwaltungsrichter Hans-Jürgen van Schewick in Berlin. Er sprach vor dem Diözesanrat der Katholiken, den er in dem Finanzgremium vertritt. Nach van Schewicks Angaben gibt es bei dem Projekt noch 22 Millionen Euro "offene Finanzierungsrisiken".
Erzbischof Heiner Koch habe jetzt jedoch eine Entscheidung treffen müssen, um staatliche Fördermittel beantragen zu können. Die Bauarbeiten können nach Angaben des Erzbistums frühestens 2018 beginnen.

Leonard Cohen in Montréal beigesetzt

Bei der Beerdigung wurde aus seinem letzten Album zitiert

Die Musiklegende Leonard Cohen ist auf einem jüdischen Friedhof in seiner Geburtsstadt Montreal beigesetzt worden. Dies berichtete die Zeitung "La Presse" unter Berufung auf den Rabbiner Adam Scheier. Auf Cohens Website hieß es, dass in Los Angeles eine Trauerfeier für den verstorbenen Künstler stattfinden solle. Einen Termin gibt es bisher nicht. Cohen sei neben seinen Eltern, Großeltern und Urgroßeltern begraben worden, berichtete der Rabbiner. Während der Trauerzeremonie seien die Zeile "Hineni, Hineni, my Lord" ("Ich bin bereit, Herr") und andere Zitate aus dem Lied "You Want It Darker" von Cohens jüngstem Album vorgetragen worden. Trauernde Fans versammelten sich vor Cohens Haus in Montreal.

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Fazit

Solidaritätslesung für HongkongJeder ist die Revolution
Die Künstlerin Alice Kahei Yu aus Hongkong sitzt hinter einem Blumenstrauß auf dem Pflaster, sie trägt eine Sonnenbrille und auf ihrem Pullover steht "Steht Hongkong bei" (Tomas Fitzel)

Die Proteste in Hongkong gegen den wachsenden Einfluss der chinesischen Regierung finden weltweite Aufmerksamkeit und Unterstützung. In Berlin organisierte die deutsche Sektion der Schriftstellervereinigung P.E.N. eine spontane Solidaritätslesung.Mehr

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