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Mittwoch, 29.01.2020
 
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Kulturnachrichten

Mittwoch, 29. Januar 2020

Neue Berlinale-Führung stellt Festival-Programm vor

Rund drei Wochen vor der 70. Berlinale stellen die neuen Festivalleiter, die Niederländerin Mariette Rissenbeek und der Italiener Carlo Chatrian, das Wettbewerbs-Programm vor. Eröffnet werden die Internationalen Filmfestspiele von Berlin am 20. Februar mit der Romanverfilmung "My Salinger Year" von Regisseur Philippe Falardeau. Der britische Schauspieler Jeremy Irons leitet in diesem Jahr die Jury und seine Kollegin Helen Mirren wird mit einem Ehren-Bären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Prozess zu linksextremem Onlineportal in Leipzig

Am Bundesverwaltungsgericht hat der Prozess gegen das Verbot der linksextremistischen Online-Plattform "inksunten.indymedia.org" begonnen. Dafür wurde das Gerichtsgebäude in Leipzig von der Polizei abgesperrt. Die Unterstützer der Plattform wollen am Nachmittag gegen das Verbot demonstrieren. Der 6. Senat des Gerichts muss unter anderem die Frage klären, ob das Verbot vom August 2017 durch den damaligen Bundesinnenminister de Maiziere auf Grundlage des Vereinsrechts rechtens war. Fünf Betreiber der Seite haben gegen das Verbot geklagt, weil sie keine Vereinigung im Sinne des Vereinsrechts seien und die Pressefreiheit verletzt sehen. Ob noch heute ein Urteil gefällt wird, ist nicht absehbar.

Kulturausschuss hört Experten zu Hohenzollern-Konflikt

Im Konflikt um mögliche Entschädigungen für die Nachfahren der letzten Monarchie in Deutschland holt sich der Kulturausschuss des Bundestags externen Rat. Dazu werden am Nachmittag sechs Experten angehört. Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg verhandeln mit den Hohenzollern seit 2014 über Rückgaben und Entschädigungen. Mit einer Einigung will der Bund das Risiko eines Klageverfahrens vermeiden. Die Verhandlungen ruhen jedoch, weil Brandenburg einen Prozess um enteignete Immobilien wieder aufgenommen hat. Im aus Sicht des Bundes schlimmsten Fall müssten tausende Objekte an die Hohenzollern herausgeben werden. Dabei geht es aber um weniger als 0,1 Prozent des Sammlungsbestandes.

Einigung im Rechtsstreit um Burg Rheinfels

Im Streit um die Burg Rheinfels gibt es mit den Hohenzollern offenbar eine außergerichtliche Einigung. Das erklärte ein Anwalt der Adels-Familie. Demnach erkennen die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers die Eigentumsrechte der Stadt St. Goar an der Burg Rheinfels, die schräg gegenüber dem Loreley-Felsen über dem Rhein thront, unwiderruflich an. Die Kleinstadt werde künftig eng mit der gemeinnützigen Prinzessin Kira von Preußen-Stiftung zusammenarbeiten, die sozial benachteiligte Jugendliche fördere. Die Burgruine war seit dem 19. Jahrhundert im Besitz der Hohenzollern gewesen. 1924 wurde die Stadt St. Goar Eigentümerin, mit der Auflage, sie nicht zu verkaufen. 1998 schloss die Stadt mit einem Hotel neben der Burgruine einen Erbpachtvertrag über 99 Jahre mit einer Verlängerungsoption über den gleichen Zeitraum.

Jack Fairweather gewinnt Costa Book Award

Der Costa Book Award geht in diesem Jahr an den ehemaligen britischen Kriegsreporter Jack Fairweather für seine Biografie "The Volunteer", zu deutsch "Der Freiwillige". Es ist ein Buch über den Auschwitz-Saboteur Witold Pilecki. Der polnische Widerstandskämpfer hatte sich während des Zweiten Weltkriegs in dem Vernichtungslager internieren lassen. Von dort hatte er Widerstand organisiert und Beweise für den Völkermord an den Juden gesammelt. Das Buch lese sich wie ein Thriller, befand die Jury, dabei handele es sich um Fakten. Die Auszeichnung gibt es in dieser Form seit 1971, sie gehört zu den bekanntesten in Großbritannien. 2006 wurde sie von Whitbread Literary Awards in Costa Book Awards umbenannt.

Prominente Helfer bei den Oscars stehen fest

"Wonder Woman"-Darstellerin Gal Gadot und ihr Komödien-Kollege Will Ferrell werden am 9. Februar als Helfer auf der Oscar-Bühne stehen. Dies gab die Filmakademie in Los Angeles bekannt. Zum zweiten Mal in Folge gibt es bei der Oscar-Verleihung keine Gastgeber, die Gala wird allein mit Star-Präsentatoren bestritten. Dazu zählen außerdem Kristen Wiig und Mark Ruffalo sowie die Oscar-Gewinner von 2019 Olivia Colman, Rami Malek und Mahershala Ali.

Entschuldigung wegen Ordens für Al-Sisi

Die Verleihung des St.-Georgs-Ordens des Dresdner Semperopernballs an Ägyptens Präsidenten al-Sisi hat für eine Welle der Kritik und Empörung gesorgt. Noch gestern hatte Ballvereins-Chef Hans-Joachim Frey gesagt, man stehe weiter zu dieser Entscheidung. Heute kam dann die Kehrtwende. In einer Presseerklärung schrieb Frey: „Wir möchten uns für diese Preisverleihung entschuldigen und uns davon distanzieren. Die Verleihung war ein Fehler." Man nehme die Kritik und die vorgebrachten Argumente sehr ernst, so Frey. Er hatte die Auswahl zuvor damit gerechtfertigt, dass der Ball eine kulturelle und keine politische Veranstaltung sei. Al-Sisi sorge in Ägypten für Stabilität, für Kultur und Bildung, und er sei als Präsident der Afrikanischen Union die Stimme Afrikas. Der frühere General und Armeechef war 2013 nach einem Militärputsch an die Macht gekommen und 2014 als Präsident vereidigt worden. Seitdem geht er mit harter Hand gegen Oppositionelle und Kritiker vor, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind stark eingeschränkt.

Türkischer Kulturmäzen Kavala bleibt in Haft

Ein türkisches Gericht hat die Freilassung des seit mehr als zwei Jahren inhaftierten Intellektuellen und Kulturmäzens Osman Kavala erneut abgelehnt. Es bestehe dringender Tatverdacht und Fluchtgefahr, erklärten die Richter am Hochsicherheitsgefängnis Silivri. Sie stellten sich damit erneut gegen eine Forderung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), der im Dezember die Freilassung Kavalas angeordnet hatte. Kavala ist Chef des Kulturinstituts Anadolu Kültür, das auch mit deutschen Institutionen wie dem Goethe-Institut zusammenarbeitet. Den insgesamt 16 Angeklagten wird unter anderem ein Umsturzversuch im Zusammenhang mit den regierungskritischen Gezi-Protesten von 2013 vorgeworfen.

Ruhrfestspiele stellen Programm für 2020 vor

Unter dem Leitgedanken "Macht und Mitgefühl" setzen die Ruhrfestspiele in Recklinghausen in diesem Jahr erneut politische Schwerpunkte. Es sei wichtiger denn je, mit den Mitteln der Kunst einen politischen Blick auf die Welt zu richten, betonte Intendant Olaf Kröck bei der Vorstellung des Programms. Vom 1. Mai bis 13. Juni sind im Ruhrgebiet 90 Produktionen mit prominenten und internationalen Theatermachern und Schauspielern zu erleben. Das Schauspiel "Tao of Glass" von Phelim McDermott mit zehn neuen Kompositionen von Philip Glass eröffnet das Festival. Wolfram Koch und Ulrich Matthes stehen in "Don Quijote" auf der Bühne. Als Koproduktion zeigen die Ruhrfestspiele "Peer Gynt" in einer Inszenierung von John Bock und Lars Eidinger.

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