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Freitag, 06.12.2019
 
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Kulturnachrichten

Montag, 7. Oktober 2019

Briefe von Proust finden bei Versteigerung keinen Käufer

Ironie des Schicksals: Ausgerechnet Briefe, die zeigen, wie der große Schriftsteller Marcel Proust Kritiker von seinem Werk zu überzeugen versuchte, haben bei einer Auktion in Paris am Montag keinen Käufer gefunden. Die Korrespondenz aus der Zeit zwischen 1913 und 1916 verdeutlicht, wie Proust alles tat, um sicherzugehen, dass seine Bücher als Meisterwerke gefeiert werden. Das Auktionshaus Christie's hatte erwartet, dass die 16 Briefe des französischen Schriftstellers für bis zu 300.000 Euro versteigert werden. Der gut vernetzte und wohlhabende Proust nahm Eigenwerbung sehr ernst. Er band auch Freunde wie Jean Cocteau und seinen jungen Liebhaber Lucien Daudet, den Sohn des gefeierten Romanautors Alphonse Daudet, in seine Öffentlichkeitsarbeit ein.

Deutschlandradio-Mitarbeiter hat unsauber gearbeitet

Anstatt selbst Interviews zu führen, hat ein freier Mitarbeiter des Deutschlandradios O-Töne von anderen Medien als eigene ausgegeben. Man habe die Zusammenarbeit mit dem Journalisten inzwischen einvernehmlich beendet, sagte Dlf-Chefredakteurin Birgit Wentzien. Der freie Mitarbeiter hatte mehr als zwei Jahrzehnte lang Radiobeiträge aus dem europäischen Ausland für Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur geliefert. Bei einer einstellige Zahl an Beiträgen wirft der Sender ihm vor, unsauber gearbeitet zu haben. Er hatte Redaktionen nicht darüber informiert, dass sein Audiomaterial nicht aus eigenen Interviews stammte. Außerdem hatte er in Beiträgen den Eindruck erweckt, selbst vor Ort recherchiert zu haben – obwohl das nicht der Fall war. Aufgedeckt habe die Mängel ein Kollege im Sender. Der betroffene Mitarbeiter habe nachvollziehbar begründen können, warum er diese Fehler „aus einer persönlichen Situation heraus“ gemacht habe. Um ihn zu schützen, habe sich das Haus dagegen entschieden, selbst an die Öffentlichkeit zu gehen. Wentzien kündigte an, das 2014 beschlossene journalistische Selbstverständnis des Hauses noch einmal zu überarbeiten. Im Gespräch seien zum Beispiel Rechercheprotokolle und Ombudsleute, die Beiträge stichprobenartig prüfen könnten.

Ko-Erfinder von "Spirou" gestorben

Der belgische Comiczeichner Philippe Vandevelde, genannt Tome, ist tot. Der Ko-Erfinder der Comicserie "Der kleine Spirou" starb am Samstag im Alter von 62 Jahren. Das teilte der belgische Comicverlag Dupuis mit. Gemeinsam mit seinem Kollegen Jean-Richard Geurts alias Janry kreierte der Brüsseler seinen erfolgreichsten Comic-Helden 1987 auf Basis der Serie "Spirou und Fantasio". Das Duo Tome und Janry schuf gemeinsam mehr als 30 Alben, die in zehn Sprachen übersetzt wurden und sich weltweit millionenfach verkauften. 2018 kam eine Verfilmung von Spirous Abenteuern in die deutschen Kinos. Seit Mitte der 1980er Jahre feierte Tome zudem mit der Comicreihe über den New Yorker Polizisten "Soda" Erfolge.

Bayerischen Buchpreis: Ehrung für Joachim Meyerhoff

Der Schauspieler, Regisseur und Autor Joachim Meyerhoff erhält beim Bayerischen Buchpreis 2019 den Ehrenpreis. Ministerpräsident Markus Söder bezeichnete den an der Schaubühne in Berlin engagierten Darsteller als Multitalent. Sein Romanzyklus "Alle Toten fliegen hoch" sei einfühlsam und selbstironisch geschrieben und nehme den Leser mit auf eine packende Reise. Auch sein Roman "Zweisamkeit für Einzelgänger" sei wieder ein Bestseller. Meyerhoff war bis zum Sommer am Wiener Burgtheater. Anfang Juni hatte er seinen Wechsel nach Berlin bekanntgegeben. Er wurde 1967 in Homburg an der Saar geboren und wuchs dann in Schleswig auf. 2017 ernannte ihn die Zeitschrift "Theater heute" zum Schauspieler des Jahres, im selben Jahr bekam er den Nestroy-Theaterpreis. Der Bayerische Buchpreis wird am 7. November in München verliehen. Zu bisherigen Ehrenpreisträgern gehören Tomi Ungerer (2017) und Cornelia Funke (2015).

Tschechische Schauspielerin Chramostova gestorben

Die tschechische Schauspielerin und frühere Dissidentin Vlasta Chramostova ist tot. Sie starb gestern im Alter von 92 Jahren. Das berichten tchechische Medien unter Berufung auf das Nationaltheater in Prag. Chramostova war eine der ersten Unterzeichnerinnen der Petition "Charta 77" von Vaclav Havel gegen die Menschenrechtsverletzungen in der damaligen Tschechoslowakei. Die sozialistischen Machthaber belegten sie mit einem jahrelangen Berufsverbot. Der Schriftsteller Milan Uhde bezeichnete sie als eine tapfere Frau und eine außergewöhnliche Schauspielerin. Kulturminister Lubomir Zaoralek kündigte an, dass Chramostova ein Begräbnis mit staatlichen Ehren erhalten werde. Die Schauspielerin war unter anderem in der Horrorkomödie "Der Leichenverbrenner" von 1969 zu sehen.

Besson weist Vergewaltigungs-Vorwürfe zurück

Der französische Regisseur Luc Besson ("Das fünfte Element") hat Vorwürfe der Vergewaltigung gegen ihn als falsch zurückgewiesen. Er habe in seinem ganzen Leben noch nie eine Frau vergewaltigt, sagte er in einem Fernseh-Interview. Außerdem habe er noch nie eine Frau körperlich oder moralisch zu irgendetwas gezwungen sowie nie einer Frau Drogen verabreicht, so Besson. Ein Richter hatte in der vergangenen Woche entschieden, Ermittlungen wegen Vergewaltigungsvorwürfen einer Schauspielerin wieder aufzunehmen. Die Staatsanwaltschaft hatte diese im Februar eingestellt, da sich nach Untersuchungen die Anschuldigungen nicht erhärtet hätten. Die Frau hatte Besson Medienberichten zufolge vorgeworfen, sie in Paris während eines Treffens in einem Hotel unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben. Er habe über zwei Jahre lang eine emotionale Beziehung zu dieser Person gehabt, räumte Besson in Hinblick auf die Schauspielerin ein. Besson erlangte internationale Bekanntheit durch Kinofilme wie "Léon - Der Profi" und "Im Rausch der Tiefe".

Museum Friedland bekommt Fotografen-Nachlass

Der Nachlass des Bildjournalisten Fritz Paul zum Grenzdurchgangslager Friedland gelangt in den Besitz des Museums Friedland. Ausgewählte Bilder aus der Schenkung sollen im Foyer des Museums gezeigt werden. Paul fotografierte das Lager von 1946 bis in die 1970er Jahre. Er habe dessen Wahrnehmung in den Medien über Jahrzehnte wie kein anderer geprägt, so eine Museumssprecherin. Zu Pauls Motiven zählen neben der Ankunft der Heimkehrer und Aussiedler Porträts der Lagerbewohner und -beschäftigten sowie Szenen aus dem Lagerleben. Das Grenzdurchgangslager Friedland wurde im September 1945 auf Anordnung der britischen Armee als erste Anlaufstelle für Flüchtlinge und Vertriebene in Deutschland eingerichtet. Das 2016 eröffnete Museum Friedland dokumentiert in einer Dauerausstellung dessen Geschichte.

Feuer im Amazonas bedrohen historische Felsmalereien

Die Brände am Amazonas drohen in Brasilien jahrtausendealte Felsmalereien zu zerstören. Die Feuer seien am Wochenende im Nationalpark Monte Alegre ausgebrochen, berichtete das Nachrichtenportal G1 unter Berufung auf die Umweltbehörde des Staates Pará. Die von den Flammen bedrohten Felsmalereien erstrecken sich über 200 Meter Länge. Experten zufolge beweisen sie, dass bereits vor mehr als Zehntausend Jahren Menschen in der Amazonasregion lebten. Bereits im Juli und August hatten Waldbrände rund um den Amazonas gewütet, sich zuletzt aber verlangsamt. Papst Franziskus forderte einen besseren Schutz für die Umwelt sowie indigene Völker im Amazonasgebiet.

Filmmusik-Ehrenpreis für Enjott Schneider

Der Ehrenpreisträger des Deutschen Filmmusikpreises 2019 heißt Enjott Schneider. Der 69-jährige Komponist habe sowohl den Spielfilm- als auch den Dokumentarfilmbereich bereichert, hieß es zur Begründung. Mehr als 600 Film-Kompositionen stammen aus seiner Feder - etwa zu "Schlafes Bruder", "Herbstmilch" und "Stauffenberg." Außerdem komponierte er sieben abendfüllende Opern, zehn Oratorien und 16 Orgelsinfonien. Der in Weil am Rhein geborene Komponist hat sich auch als Musikwissenschaftler und Hochschullehrer einen Namen gemacht. Der Deutsche Filmmusikpreis wird während der zwölften Filmmusiktage Sachsen-Anhalt verliehen, die vom 2. bis 9. November stattfinden. Eine neue Kategorie in diesem Jahr sei der Preis für die "Beste Musik im Animationsfilm."

Das Moulin Rouge feiert 130-jähriges Bestehen

Der Pariser Varieté-Club Moulin Rouge hat am Abend sein 130-jähriges Bestehen gefeiert. Tausende Besucher waren für die Feier mit Cancan-Tänzen und einem Feuerwerk auf den abgesperrten Boulevard im Stadtviertel Montmartre gekommen. Das Moulin Rouge wurde im Jahr 1889 eröffnet - im selben Jahr, in dem auch der Eiffelturm in der französischen Hauptstadt fertiggestellt wurde.

Kinderfilmfestival "Schlingel" in Chemnitz eröffnet

In Chemnitz ist am Abend das internationale Kinderfilm-Festival "Schlingel" eröffnet worden. Bis zum kommenden Sonntag stehen über 230 Filme aus 52 Ländern auf dem Programm. Mehr als 100 davon konkurrieren um insgesamt 19 Preise mit einem Gesamtwert von 64.000 Euro. Die Wettbewerbe werden in den Kategorien Kinder-, Junior- und Jugendfilm sowie für Animations- und Kurzfilme ausgetragen.

Archäologen finden in Israel 5000 Jahre alte Stadt

Bei Notgrabungen vor Straßenarbeiten in Zentralisrael sind Überreste einer 5000 Jahre alten Stadt einschließlich eines religiösen Tempels gefunden worden. "Dies ist das frühbronzezeitliche New York unserer Region", beurteilten die Grabungsleiter laut einer Mitteilung der israelischen Antikenbehörde den Fund in En Esur in der nördlichen Scharon-Ebene. Die Stadt, die größte bislang in Israel gefundene aus dieser Zeit, sei einst sorgfältig geplant worden. Sie erstreckte sich über geschätzt 65 Hektar und bot rund 6.000 Bewohnern Platz. Die Funde lassen laut der Behörde erstmals Schlüsse über die Bewohner der Region, ihre Gesellschaftsorganisation und soziale Hierarchie in der frühen Bronzezeit zu. Demnach betrieben sie hauptsächlich Ackerbau. Unter der frühbronzezeitlichen Stadt habe man bei den Grabungen zudem Reste einer rund 7.000 Jahre alten Siedlung freigelegt.

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