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Kulturnachrichten

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Literaturnobelpreisträger Dario Fo ist tot

1997 gewann der italienische Dramatiker den Literaturnobelpreis

Der italienische Theaterautor, Regisseur und Satiriker Dario Fo ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Das bestätigte ein langjähriger Freund am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger wird 80

Ihr Nachkriegsklassiker "Maikäfer, flieg!" wurde 2016 verfilmt

Ihre Bücher über starke Mädchen, zankende Eltern und sympathische Außenseiter wurden zu Klassikern und Schullektüre. Mit ihrem Erstlingswerk "Die feuerrote Friederike" schuf Christine Nöstlinger den Prototyp eines emanzipatorischen Kinderbuches mit aufmüpfigem Ton. Damit traf die Wienerin 1970 einen Nerv und legte den Grundstein ihrer bis heute andauernden weltweiten Karriere. Kinder müssten nicht verklärt oder gar belogen werden. Diskussionen über Krieg sollten nicht verheimlicht werden. "Kinder wissen viel mehr als man oft denkt", so Nöstlinger. Insgesamt schrieb die Wienerin über 150 Bücher, die in über 30 Sprachen übersetzt wurden. Etwa "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig", "Nagle einen Pudding an die Wand!" und die Serien "Geschichten vom Franz", "Mini" und "Dani Dachs". Viele der Handlungsstränge drehen sich im heiteren Ton um die Scheidung der Eltern aus Kinderperspektive, um chaotische Familienverhältnisse, Schulängste oder die erste Liebe. Zuletzt kam 2016 ihr autobiografischer Roman "Maikäfer, flieg!" ins Kino. Darin verarbeitete sie ihre Erinnerungen an das zerbombte Wien 1945.

Bayern verkaufte Raubkunst zurück an Nazis

Kultusminister bestätigt fragwürdige Praxis

Die bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben in mehreren Fällen Kunstgegenstände an einstige NS-Funktionäre oder deren Angehörige zurückgegeben oder verkauft, die amerikanische Besatzungsbehörden zuvor beschlagnahmt hatten. Das bestätigte der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) in München im Wissenschaftsausschuss des Landtags. Andere Werke wurden anderweitig versteigert oder verkauft anstatt nach jüdischen Vorbesitzern zu suchen. Noch 1974 wurden - mit ministeriellen Genehmigungen - Objekte aus ehemaligem NS-Besitz verkauft, darunter Kunstgegenstände aus der ehemaligen Sammlung Hermann Görings. Auch sollen die Staatsgemäldesammlungen sich die besten Stücke selbst einverleibt haben. Seit 2007 werden die Sammlungen systematisch nach Werken durchforstet, die möglicherweise im Verdacht stehen, Nazi-Raubkunst zu sein. 239 von 404 bislang untersuchten Werken wurden wegen Raubkunstverdachts auf der Online-Plattform "Lostart" eingestellt.

Cavalli-Chefdesigner geht

Peter Dundas prägte das Label nur drei Saisons

Der norwegische Designer Peter Dundas verlässt nach drei Saisons den italienischen Modekonzern Roberto Cavalli. Die im September auf der Mailänder Modewoche präsentierte Kollektion sei die letzte von Dundas gewesen, zitieren italienische Nachrichtenagenturen aus einer Unternehmensmitteilung. Im März 2015 war Dundas zum Kreativdirektor des Unternehmens mit Sitz in Florenz ernannt worden. Wer Dundas auf dem Posten nachfolgt, ist noch nicht bekannt. Der Konzern selbst hatte den blond gelockten Dundas als einen der "berühmtesten Modeschöpfer seiner Generation" bezeichnet. Er lebt zwischen Florenz und Paris. Bei seiner Arbeit habe er sich von "Instinkt und Spontanität" leiten lassen: Zuletzt hatte er etwa Patchwork-Kleider, Samtanzüge und Schlaghosen entworfen.

Bratschisten streiten vor Gericht um wertvolle Viola

Instrument stammt nicht aus Ravenna, sondern aus dem Vogtland

Der Streit zwischen zwei Musikern um eine Viola beschäftigt das Oberlandesgericht München. Ein Bratschist der Berliner Philharmoniker sieht sich beim Kauf der vermeintlich wertvollen Bratsche getäuscht. Der Mann hatte einem Berufskollegen, der bei den Berliner und Münchner Philharmonikern spielte, 2013 die Viola mit der Inschrift "Luigi Mingazzi Ravenna 1923" für stolze 60 000 Euro abgekauft. Zwei Jahre später ergab jedoch ein Privatgutachten, dass die Bratsche gar nicht von dem Meister aus Ravenna, sondern aus dem Vogtland stamme. Nun will der Philharmoniker den Kaufpreis um 40 000 Euro gemindert sehen. Sein Berufskollege hält jedoch ein anderes Gutachten dagegen. Zudem hätten die Musiker nie vereinbart, dass es sich um eine Mingazzi handelt. Das Landgericht Traunstein sah dies auch so und wies die Klage ab. Doch vor dem Münchner Oberlandesgericht könnte sich der Fall nun wenden: Wenn der Kläger für eine Bratsche 60 000 Euro zahle, dann sei klar: "Ich kaufe hier eine Mingazzi", sagte der Vorsitzende Richter Wilhelm Schneider.

Vice will einen TV-Sender in Deutschland starten

Viceland ist bereits in den USA und Großbritannien auf Sendung

Der amerikanische Medienkonzern Vice plant in Deutschland einen eigenen TV-Sender. "Deutschland ist ein besonderer Markt: mächtig, intelligent. Deshalb nehmen wir uns Zeit", sagte der Gründer und Vice-Chef Shane Smith der Wochenzeitung "Die Zeit" . "Aber: Wir werden innerhalb der nächsten zwölf Monate einen eigenen Fernsehsender in Deutschland haben." In Amerika und Großbritannien gibt es den neuen Sender Viceland bereits. Der Disney-Konzern hält an Vice einen Anteil von 18 Prozent. "Ich bin für Disney ein Labor, ein Experimentiermotor. Wenn ich scheitere, ist es nicht schlimm", sagte der 46-jährige Vice-Chef. Eine Kooperation mit Unternehmen wie Facebook oder Google sind für Smith keine Alternative: "Facebook und Google werden von Ingenieuren gesteuert. Für jemanden, der sich für Inhalte interessiert, ist es schwierig, wenn der Boss oder Partner ein Ingenieur ist."

Studie: 84 Prozent der Deutschen sind online

Fast 100 Prozent der 14- bis 29-Jährigen nutzen das Internet via Smartphone

Das Smartphone hat einer Studie zufolge 2016 erstmals den Spitzenplatz bei den meistgenutzten Geräten für den Internetzugang erobert. 66 Prozent der Deutschen und nahezu jeder 14- bis 29-Jährige gehen über das Mobiltelefon ins Netz, wie eine aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie ergibt. Damit liegt das Smartphone noch vor dem Laptop, den 57 Prozent für den Internetzugang nutzen. Nachdem die Internetverbreitung insgesamt in den vergangenen Jahren nur noch leicht zugenommen hatte, verzeichnen die Statistiker nun wieder einen deutlichen Zuwachs: Laut der Studie stieg die Zahl der Internetnutzer 2016 um zwei Millionen auf 58 Millionen, dies entspricht 84 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung und einem Plus von vier Prozentpunkten. Im Durchschnitt verbringen die Deutschen täglich zwei Stunden und acht Minuten im Netz - 20 Minuten mehr als im Vorjahr. Dabei entfällt der größte Teil der Internettätigkeiten auf Kommunikation (39 Prozent) und Medien (25 Prozent). Zu den meistgenutzten Diensten in Deutschland zählen Facebook und WhatsApp: Gut jeder Fünfte ist der Untersuchung zufolge täglich auf Facebook, und sogar fast die Hälfte der deutschsprachigen Bevölkerung nutzt täglich WhatsApp.

MDR-Nachrichten künftig täglich in Gebärdensprache

Erste Landesrundfunkanstalt, die diesen Service anbietet

Als erste Landesrundfunkanstalt sendet der MDR ab Januar seine Hauptfernsehnachrichten täglich mit Gebärdensprache. Zuschauer können dann beide Ausgaben von "MDR aktuell" um 20.15 Uhr und 21.45 Uhr über Livestream mit Gebärdendolmetscher sehen, wie der Sender nach einem Treffen mit Behindertenverbänden bekannt gab. Bislang gibt es in Deutschland diesen Service nur für die "Tagesschau" und das "heute-journal". Im Zuge der Ausweitung seines barrierefreien Programms bietet der mitteldeutsche Sender ab kommenden Jahr auch Hörbeschreibungen der "Silbereisen-Feste" sowie den ersten wöchentlichen Nachrichtenüberblick in leichter Sprache für Menschen mit kognitiven Behinderungen.

Keine klaren Favoriten für Literaturnobelpreis

Auszeichnung ist mit acht Millionen Schwedischen Kronen dotiert, etwa 830.000 Euro

Als letzter der sechs Nobelpreise wird an diesem Donnerstag in Stockholm der Literaturpreis 2016 vergeben. Klare Favoriten gibt es in diesem Jahr nicht. Spekulationen ranken sich vor allem um Romanciers, die auch in den Vorjahren schon als heiße Kandidaten galten: Auf der Liste ganz oben stehen der Kenianer Ngugi wa Thiong'o, der Japaner Haruki Murakami und der US-Amerikaner Philip Roth. In Online-Wettbüros wie "Ladbrokes" taucht auch der exil-syrische Dichter Adonis auf, der aber wegen seiner politischen Haltung umstritten ist. Aus Sicht vieler Kritiker hat sich Adonis zu wenig vom Assad-Regime distanziert. Als Anwärter auf den Literaturnobelpreis wird zudem der norwegische Dramatiker Jon Fosse genannt, dessen Sprache als karg, kraftvoll und poetisch gerühmt wird. Im vergangenen Jahr ging die weltweit höchste Literaturauszeichnung an die weißrussische Journalistin und Autorin Swetlana Alexijewitsch. Der Literaturnobelpreis wird von der Schwedischen Akademie in Stockholm verliehen, die 18 Mitglieder hat.

85 Länder im Rennen um den Auslands-Oscar

Für Deutschland ist "Toni Erdmann" von Maren Ade nominiert

Der sogenannte Auslands-Oscar ist diesmal heiß umkämpft: 85 Länder bewerben sich für 2017 um den Oscar in der Sparte "nicht-englischsprachiger Film". Dies teilte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences im kalifornischen Beverly Hills mit. Im vorigen Jahr hatten nur 81 Länder ihre Beiträge für den Auslands-Oscar eingereicht. Für Deutschland geht der Film "Toni Erdmann" von Regisseurin Maren Ade um eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung ins Rennen. Bei den Kandidaten für die 89. Oscar-Verleihung ist erstmals ein Beitrag aus dem Jemen dabei. Spanien schickt Pedro Almodóvars Frauendrama "Julieta" in den Wettbewerb. Österreich setzt auf den Episodenfilm "Vor der Morgenröte" über die Exiljahren des Schriftstellers Stefan Zweig in Nord- und Südamerika. Italien ist mit der Flüchtlingsdoku "Fuocoammare" von Regisseur Gianfranco Rosi vertreten. Polens Kandidat ist "Powidoki" ("Nachbilder"), das letzte Werk des am Sonntag im Alter von 90 Jahren gestorbenen Film- und Theaterregisseurs Andrzej Wajda. Am 24. Januar gibt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences bekannt, welche fünf Filme der 85 Bewerber in die Endauswahl kommen. Die Preisverleihung geht dann am 26. Februar über die Bühne.

Ökumenischer Predigtpreis für seelsorgerliche Predigt

Mit der Auszeichnung will Verlag die Redekunst in Kirchen fördern

Der ökumenische Predigtpreis für die beste Predigt des Jahres geht an die Pfarrerin Ulrike Scheller aus Sachsen-Anhalt. Sie habe mit ihrer seelsorgerlichen Predigt über einen Text des Lukas-Evangeliums ihrer Gemeinde in Bad Lauchstädt Mut zugesprochen, erklärte der Verlag für die Deutsche Wirtschaft. Scheller habe das Gedicht "Ella im Himmel" des polnischen Literaturnobelpreisträgers Wislawa Szymborska zur Grundlage ihrer Predigt gemacht, um zu verdeutlichen, dass Gottes Wort auch durch unüberwindbare Sorgen des Lebens trage. Darüber hinaus werden die beiden emeritierten Hochschulprofessoren Gerd Theißen und Gunda Schneider-Flume für ihr Lebenswerk geehrt, wie der Verlag bereits im Mai bekanntgegeben hatte. Die mit einer Bronzeskulptur verbundene Auszeichnung wird alljährlich am Buß- und Bettag, in diesem Jahr am 16. November, in der Bonner Schlosskirche verliehen. Mit dem ökumenischen Predigtpreis will der Verlag für die Deutsche Wirtschaft seit dem Jahr 2000 die Redekunst in den Kirchen fördern. Zu den bisherigen prominenten Trägern zählen unter anderen Isa Vermehren, Margot Käßmann, Hanns Dieter Hüsch, Walter Jens, Eberhard Jüngel, Horst Hirschler, Walter Klaiber und Rolf Zerfass.

Ernst-Lubitsch-Preis für Peter Simonischek

Auszeichnung für die beste komödiantische Leistung

Burgschauspieler Peter Simonischek erhält für seine Rolle in "Toni Erdmann" den diesjährigen Ernst-Lubitsch-Preis des Clubs der Filmjournalisten Berlin für die beste komödiantische Leistung. Mit der Darstellung eines kauzigen Klavierlehrers in Maren Ades Tragikomödie habe der Grazer eine Glanzleistung abgelegt, befand die Jury laut Mitteilung. Der undotierte Preis wird am 29. Januar 2017 im Berliner Babylon Kino vergeben. Die Auszeichnung erinnert an den Berliner Regisseur Ernst Lubitsch, der 1922 in die USA emigrierte. Bisherige Preisträger waren etwa Heinz Rühmann, Loriot, Mario Adorf, Dieter Hallervorden und zuletzt Anke Engelke.

Urheberrechtsstreit: Museum gewinnt vor Gericht

Museumsbesucher hatte Artefakte fotografiert und bei Wikimedia eingestellt

Es geht um die Rechte an Fotos von Kunstwerken, die selbst keinen Urheberschutz mehr beanspruchen können: Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen haben sich im Streit um die unabgesprochene Veröffentlichung von Bildern im Online-Lexikon Wikipedia vor Gericht gegen einen Besucher durchgesetzt. Das Landgericht Stuttgart bestätigte eine entsprechende Mitteilung. Nach dem Urteil entscheidet allein das Museum darüber, wer Fotos von Ausstellungsgegenständen ins Netz stellen darf - sofern das Museum auch das Eigentumsrecht an den Gegenständen besitzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ein Besucher hatte Gegenstände wie antike Vasen und Münzen abfotografiert und die Bilder auf die Mediendatenbank Wikimedia des Onlinelexikons Wikipedia hochgeladen. Zudem scannte er Fotografien von Kunstobjekten ein, die das Museum für eigene Publikationen in Auftrag gegeben hatte. Mit der Veröffentlichung bei Wikipedia und der dort verwendeten Creative-Commons-Lizenz war auch eine unentgeltliche kommerzielle Nutzung möglich. Hiergegen ging das Museum vor.

Luthers Einfluss auf Kirchenmusik überschätzt

Wissenschaftler: Lutherische Kirchenmusik maßgeblich von Musik aus Ländern der Gegenreformation beeinflusst

Der Freiburger Musikwissenschaftler Konrad Küster hält den Einfluss Martin Luthers (1483-1546) auf die Kirchenmusik für überschätzt. Wesentlich beeinflusst seien die Lieder in evangelisch-lutherischen Gottesdiensten vor allem durch italienische Musik und norddeutsche Orgelmusik, sagte Küster bei der Präsentation neuer Forschungsergebnisse in Hamburg. In seinem Werk "Musik im Namen Luthers" hat Küster zum Reformationsjubiläum 2017 die 500-jährige Kulturgeschichte der evangelischen Kirchenmusik dargestellt. Luther habe für die neue Form des Gottesdienstes keine Veränderung der musikalischen Gestaltung vorgesehen, betonte Küster. Gemeindelieder seien zu Luthers Zeit gar nicht vorgesehen gewesen, doch habe man die Gottesdienstbesucher angehalten, die Psalmgesänge nach besten Kräften mitzusingen. Schon vor Luther hatte sich die norddeutsche Orgelmusik vor allem an den Küsten im heutigen Schleswig-Holstein und Niedersachsen entwickelt. Für die Entfaltung dieser Musiktradition nach der Reformation war es aus Sicht Küsters ein Segen, dass der norddeutsche Reformator Johannes Bugenhagen (1485-1558) keine Bedenken dagegen hatte. Dadurch habe sie eine kreative Dynamik entwickelt und die Kirchenmusik in ganz Deutschland nachhaltig beeinflusst. Eine solch prägende Kraft habe sich dagegen in Thüringen und Sachsen aufgrund kirchlicher Vorbehalten gegen die Orgelmusik nicht entwickeln können. Ebenso prägend für die lutherische Kirchenmusik sei im 17. Jahrhundert die italienische Oper mit ihren eingängigen Melodien gewesen, sagte Küster.

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