Seit 01:05 Uhr Tonart

Freitag, 18.10.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Kulturnachrichten

Sonntag, 5. Oktober 2014

Russischer Theaterregisseur Juri Ljubimow ist tot

Gründer des Taganka Theaters starb heute mit 97 Jahren in Moskau

Präsident Wladimir Putin würdigte Ljubimow als hervorragende Persönlichkeit. Der Künstler habe sich um die Entwicklung des modernen russischen Theaters verdient gemacht und viele Schauspieler beeinflusst, betonte Putin in einem Schreiben.
Das 1964 von Ljubimow gegründete Taganka-Theater galt in der Sowjetunion als «Hort der Freiheit» im Kampf mit der Zensur. Legendär waren besonders die Auftritte des Sängers Wladimir Wyssotzki (1938-1980) als Hamlet. Aufsehen erregten auch Inszenierungen von Werken Brechts und Shakespeares. 1984 erkannte die Sowjetführung ihm die Staatsbürgerschaft ab und trieb ihn für vier Jahre ins Exil. «Mit dem Genie Ljubimow stirbt der letzte Regisseur einer großen Theatergeneration», sagte der Generaldirektor des Bolschoi Theaters, Wladimir Urin. «Es ist unmöglich, sich die russische Kultur ohne Ljubimow vorzustellen», meinte Kulturminister Wladimir Medinski. Ljubimow war am 30. September 1917 in Jaroslawl rund 300 Kilometer nordöstlich von Moskau geboren worden. Nach einem internen Streit 2011 hatte er sich vom Taganka-Theater zurückgezogen.

Peter Ackroyd wird 65

Einer der vielseitigsten und erfolgreichsten britischen Autoren

Die Welt erklären, viel geringer ist der Anspruch nicht, den Peter Ackroyd an sich selbst hat. Vom alten Ägypten über Rom und Athen bis zum heutigen London, von Shakespeare über Dickens bis Charlie Chaplin: Die Sachbücher und Biografien des Briten umfassen eine riesige Spannbreite. Zusammen mit seinen knapp 20 Romanen haben sie ihn zu einem der bekanntesten zeitgenössischen Autoren auf der Insel gemacht. Jetzt wird er 65 Jahre alt - und denkt überhaupt nicht daran, mal ein bisschen langsamer zu machen. «Ich versuche, mir für meine Leser die Welt der Vergangenheit vorzustellen», so beschreibt er seine Arbeit. Dabei kommt er ohne den Fachjargon der Historiker aus, der das Lesen akademischer Literatur oft ermüdend macht. «Ich interessiere mich eigentlich nicht für professionelle Geschichtsschreibung», sagt Ackroyd. Der rundliche Mann mit den schmalen Lippen und dem wachen Blick schreibt für «normale» Leser, auch ein paar Sachbücher für Kinder sind dabei. «Das hat mir richtig Spaß gemacht», sagt er.

Humboldt-Medaille für Bürgerrechtler

Der Wittenberger Theologe und DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer wird heute in Weimar geehrt

Der 70-Jährige habe sich mit langjährigem zivilen Mut für eine politisch-humane Sache eingesetzt und dabei viele persönliche Nachteile in Kauf genommen, begründete die Gesellschaft die Auszeichnung. Schorlemmer ist eine Symbolfigur der DDR-Opposition. Die Goldene Medaille wird seit 1964 verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog und der Komponist Carl Orff. Die Ehrung bildet den Abschluss der 100. Tagung der Humboldt-Gesellschaft.

Meister der Strichmännchen - A.R. Penck wird 75

Künstler gilt als Vater der «Neuen Wilden».

Wenige große zeitgenössische Künstler sind so unsichtbar wie A.R. Penck. Seit Jahren verweigert sich der Meister der Strichmännchen dem Kunstbetrieb. Heute wird Penck 75 Jahre alt. Schon lange lebt der 1939 in Dresden unter dem Namen Ralf Winkler geborene Maler, Grafiker und Bildhauer in Irland, irgendwo in oder bei Dublin - wo genau, das weiß wohl nur sein Galerist. Mit seinem Künstlernamen verweist Penck, den viele für wegweisend in der zeitgenössischen Malerei in Deutschland halten, auf den Eiszeitforscher und Geologen Albrecht Penck (1885-1945). Das mag mit dem naturwissenschaftlichen Anspruch zusammenhängen, den auch der Künstler Penck an seine Arbeit hat. Er malt nicht einfach an prähistorische Höhlenmalerei erinnernde Strichmännchen und primitivistische Zeichen, sondern reflektiert Mathematik, Kybernetik und Mechanik in seinen Bildern. Kunst ist für Penck, den man mit einem bisweilen etwas zotteligen Vollbart, Strickmütze oder Baseball-Kappe kennt, auf jeden Fall mehr als nur ein schönes Bild. Nach seiner Ausbürgerung 1980 malte Penck große Historienbilder und entwickelte einen unverwechselbaren Stil. Wie Picasso beschäftigte sich Penck mit ethnologischen und archäologischen Werken. Bereits in der DDR thematisierte er immer wieder die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft. Penck war von 1989 bis 2005 Grafik-Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Der Kunsthistoriker Siegfried Gohr, der ebenfalls lange an der Akademie lehrte und Penck seit Jahrzehnten kennt, meint, dass Penck im Westen noch nicht die eigentlich verdiente Anerkennung bekomme habe. Lange vor Keith Haring (1958-1990) habe Penck mit abstrahierten Figuren gearbeitet. Lange vor Basquiat (1960-1988) habe er eine Bilderzeichensprache entwickelt. «Die haben das dann popularisiert», sagt Gohr.

"Grass als Soldat" - im Lübecker Günter-Grass-Haus

Neues Ausstellungskapitel zum 87. Geburtstag von Günther Grass

Die Zeitspanne «Grass als Soldat» sei von den Besuchern des Hauses mit großer Mehrheit aus mehr als 20 Vorschlägen ausgewählt worden, sagte der Leiter des Hauses, Jörg-Philipp Thomsa. Das neue Kapitel der Ausstellung soll am 19. Oktober in einer öffentlichen Feierstunde im Lübecker Theater vorgestellt werden. Der Literaturnobelpreisträger, der bei Lübeck lebt und arbeitet, wird am 16. Oktober 87 Jahre alt. In dem Modul werde auch die Mitgliedschaft von Grass in der Waffen-SS behandelt, sagte Thomsa. «Unter den Exponaten sind einige bislang unveröffentlichte Dokumente», sagte er. In der Feierstunde wird Thomsa eine Einführung in das Thema geben. Anschließend wird der Schauspieler Mario Adorf aus einem Werk von Günter Grass lesen. Adorf hatte in der Verfilmung des Grass-Romans «Die Blechtrommel» die Rolle des Alfred Matzerath gespielt.

Hamburger Filmfest vom Publikum zelebriert

Abschluss machte ein Film über die Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus um Timbuktu

143 Filme, 49 Länder und mehr als 40 000 Gäste: Nach zehn Tagen und einem fulminanten Programm ist das 22. Filmfest Hamburg am Samstagabend mit einer Preisverleihung und der Vorführung des Abschlussfilms «Timbuktu» zu Ende gegangen. Im voll besetzten Cinemaxx-Kino wurden abschließend fünf Preise verliehen. Als bester politischer Film wurde «Children 404» des russischen Regisseure Pavel Loparev, Askold Kurov geehrt. «Children 404 konfrontiert uns mit den Fragen nach gesellschaftlicher Norm und nach der Konstruktion so genannter Randgruppen», begründete die Jury am Abend ihre Entscheidung für den Dokumentarfilm. Der Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung ist mit 5000 Euro dotiert. Für ihren Streifen «Hallåhallå» wurde die schwedischen Regisseurin Maria Blom von den Filmbegeisterten mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Im Rennen um den Nachwuchspreis setzte sich der Thailänder Nawapol Thamrongrattanarit mit «Mary Is Happy, Mary Is Happy» auf der von Julia Westlake moderierten Veranstaltung gegen zwölf Konkurrenten durch. Für seinen Film «Get - Der Prozess Der Viviane Amsalem» zeichnete die Jury Ronit Elkabetz mit dem Art Cinema Award aus. Der undotierte Preis der Hamburger Filmkritik ging für den Film «Hope» an den Franzosen Boris Lojkine.

"Der denkende Bürger" - Soziologe M. Rainer Lepsius gestorben

Der Wissenschaftler starb mit 86 Jahren in Weinheim

Lepsius, von der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» als «Der denkende Bürger» bezeichnet, wurde am 8. Mai 1928 in Rio de Janeiro geboren und hatte in München sowie an der London School of Economics und in den USA studiert. Von 1963 bis 1981 lehrte er an der Universität Mannheim, bevor er an die Universität Heidelberg wechselte. Von 1971 bis 1974 war Lepsius Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, die ihn im Jahr 2000 mit dem Preis für ein herausragendes wissenschaftliches Lebenswerk ehrte. Er zählte zu den Herausgebern der Max-Weber-Gesamtausgabe. Lepsius beschäftigten vor allem die Handlungsspielräume der einstigen DDR-Eliten und die Entscheidungsabläufe in den Institutionen der DDR. Er hatte sich nach der deutschen Einigung auch intensiv bei der Neustrukturierung der Soziologie in den neuen Bundesländern engagiert. Mit einer Denkschrift von 1961 zur Lage der Soziologie und Politischen Wissenschaft gilt er auch als Historiker der deutschen Soziologie seit 1945.

Mireille Mathieu feiert ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum

Sie verkörpert weltweit das französische Chanson

Mireille Mathieu steht trotz ihres hohen Alters immer noch auf der Bühne und startet demnächst eine internationale Jubiläums-Tournee. Mit ihrem charakteristischen Rundschnitt und dem Porzellanteint scheint die Zeit fast spurlos an der Sängerin vorbeigegangen zu sein. Auch sie selbst klingt erstaunt: "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mein 50-jähriges Bühnenjubiläum feiere. Ich singe weiter über die Liebe wie am ersten Tag."
Rund 130 Millionen Alben und 55 Millionen Single hat der "Spatz von Avignon" verkauft, wie Mireille Mathieu von ihren Fans in Deutschland genannt wird. 1200 Chansons nahm die heute 68-Jährige in elf Sprachen auf, darunter in Deutsch, Chinesisch und Finnisch. Zu ihrem 50. Bühnenjubiläum kommt am Montag die Best-Of-CD "Une vie d'amour" in den Handel, die acht neue Chansons umfasst. Ihr Bühnen-Jubiläum wird sie nun vom 24. bis 26. Oktober im Pariser Konzertsaal Olympia begehen, danach startet sie eine Frankreich-Tournee, im März sind auch elf Konzerte in Deutschland und eines in Österreich vorgesehen. Schon am 12. Oktober will sie in der ARD auftreten. "Ich weiß, dass manche sagen, dass ich altmodisch bin", antwortet Mireille Mathieu ihren Kritikern. Aber: "Ich bin seit 50 Jahren da, und das Publikum ist mir treu." Sie singe immer noch "mit derselben Leidenschaft" wie vor 50 Jahren.

«Arabischer Frühling» in Hannover

Theatertreffen blickt auf Rolle der Frau im Nahen Osten

Die ausgewählten Stücke sollten die Rolle der Frauen in den arabischen Gesellschaften thematisieren, kündigten die Veranstalter an. Ab morgen (bis 11. Oktober) stehen beispielsweise Produktionen aus Ägypten, dem Libanon und dem Irak auf dem Spielplan. «Das Theatertreffen ist aktuell wie nie zuvor», sagte Festivalleiter Fettah Diouri. In einer Zeit, in der Frauen wie Vieh auf dem Markt für 300 Dollar verkauft würden, «öffnen wir unsere Bühnen für diese Frauen, damit sie uns Antworten geben auf die Fragen, was eine Araberin ausmacht, wie sie sich fühlt und was in ihr vorgeht». Das Festival wolle auch der Frage nachgehen, was aus dem Arabischen Frühling geworden sei. Dieser begann 2010 mit der sogenannten «Jasmin-Revolution» in Tunesien. «Wir suchen den Diskurs mit Publikum und Theatermacherinnen», betonte Diouri. Mit «Nacht des Südens» eröffnet am Montag ein ägyptischer Beitrag das Festival - mehrere Geschichten sind durch das gemeinsame Thema der Bedrängnis der Frauen im ägyptischen Süden verbunden. Auch ein deutscher Beitrag ist Teil des Festivals. Die Theaterwerkstatt Hannover zeigt das Stück «Die Vagina-Monologe» von Eve Ensler.

Die "Provinziale" - Dokumentarfilme in Eberswalde

Das 11. Internationale Filmfest Eberswalde zeigt uns die Provinz

Eröffnet wurde das Filmfest mit dem ungarischen Film "Besence Open" von Kristóf Kovács - in Anwesenheit des Regisseurs und zweier Protagonisten. Damit wurde auch der Wettbewerb für lange Dokumentarfilme gestartet. Das Filmfest Eberswalde – die „Provinziale" - ist ein Festival für Dokumentarfilme, Kurzspielfilme und Animationsfilme mit Wettbewerben in allen Kategorien. Seit dem Gründungsjahr 2004 hat es eine kontinuierliche qualitative Entwicklung genommen. Mittlerweile verzeichnen die Festivalmacher jährlich mehr als 800 Filmeinsendungen aus der ganzen Welt. Das Thema Provinz ist dabei bindend für die langen und kurzen Dokumentarfilme. Das Filmfest Eberswalde möchte solchen Filmen eine Plattform geben. In diesem Jahr findet das 11. Filmfest Eberswalde vom 4. – 11. Oktober im Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde statt.

Künstlerverband fordert von Ländern mehr Kunst am Bau

Kunst gehört nicht nur ins Museum

An öffentlichen Bauten soll sie für alle sichtbar Visitenkarte des kulturellen Lebens sein. Künstler wünschen sich mehr davon.
Der Bundesverband Bildender Künstler hat von den Ländern mehr Einsatz für Kunst am Bau gefordert. «Der Bund hat hier in vorbildlicher Weise eine Vorreiterrolle übernommen. Es wäre gut, wenn die Länder dem Beispiel folgen würden», sagte Verbandschef Werner Schaub. «Mit mehr als 10 000 Kunstwerken an öffentlichen Bauten hat der Bund inzwischen vermutlich die größte Kunstsammlung Europas, wenn nicht der Welt.» Schaub gehört dem Sachverständigenkreis an, der das Bundesbauministerium seit 2003 in grundsätzlichen Fragen zu diesem Thema berät. Er schlug den Ländern vor, sich mit eigenen Regelungen an dem Leitfaden des Ministeriums zu orientieren.

Filmfestival Cottbus - Direktor Roland Rust tritt zurück

Bisher keine Hintergründe zur Trennung

Das Cottbuser Filmfestival des osteuropäischen Films und sein langjähriger Chef Roland Rust gehen ab sofort getrennte Wege. Das gab die Festival-Geschäftsführung auf der eigenen Homepage bekannt. Wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg meldet, soll es in den vergangenen Jahren zunehmend Spannungen zwischen Rust und dem Veranstalter gegeben haben. Das einzigartige Festival osteuropäischer Filme im Osten Deutschlands entstand 1991 auf Initiative ehemaliger DDR-Filmclubs. Seit 1992 wirkte Rust an der Entwicklung mit. Vier Jahre später stieg er zum Künstlerischen Leiter auf und wurde 2003 auch zum Direktor ernannt.

«Digital vergewaltigt» - Empörung über Berliner Kunstprojekt

Kunstprojekt in Kreuzberg sorgt für Debatte über Datenschutz

Der niederländische Künstler Dries Verhoeven chatted noch bis Mitte Oktober über eine Dating-App für Homosexuelle mit Nutzern aus der Umgebung, berichtete die «Berliner Zeitung». Die Unterhaltungen aus dem Internet werden dafür öffentlich sichtbar an eine Wand am Heinrichplatz projiziert. Die Nutzer bleiben dabei zwar anonym, ihre Fotos waren bis zum vergangenen Wochenende aber wohl nicht ausreichend verfremdet. Am Donnerstag habe ein Besucher bei der Aktion das Foto eines Bekannten erkannt, bestätigte das Theater Hebbel am Ufer, das an dem Kunstprojekt beteiligt ist. Der Mann auf dem Foto hatte sich zuvor - nichts ahnend von dem Projekt - im Internet mit Künstler Verhoeven geschrieben. Nach dem Zeitungsbericht entschuldigte sich das Theater für den Vorfall. Inzwischen seien alle öffentlich sichtbaren Fotos komplett verfremdet. Der Künstler mache nun auch bereits in den Chats auf sein Projekt aufmerksam. Es liege Verhoeven und dem Theater fern, eine wie auch immer geartete Form des Outings zu betreiben. Die Aktion laufe wie geplant bis zum 15. Oktober weiter - danach laden Theater und Künstler zu einer öffentlichen Diskussion ein. Die öffentliche Kunstaktion stelle schwule Männer bloß, hieß es dagegen in der «Berliner Zeitung». Der Erkannte habe sich gedemütigt, hintergangen und «digital vergewaltigt» gefühlt, es sei sogar zum Handgemenge mit dem Künstler gekommen. Das Theater beschrieb das Projekt trotz der Kontroverse als «relevanten Beitrag zu der Frage, wie sich Liebe, Sex und Sehnsucht, nicht nur in der homosexuellen Community, durch den Siegeszug sozialer Medien verändern».

#

Kulturnachrichten hören

Oktober 2014
MO DI MI DO FR SA SO
29 30 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31 1 2

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur