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Kulturnachrichten

Montag, 9. Dezember 2019

Ungarn will Gesetz für "Lenkung" der Kultur

Ungarns Regierung hat einen umstrittenen Gesetzesentwurf zur verstärkten Kontrolle der Kultur eingereicht. Die Vorlage, die der stellvertretende Ministerpräsident unterzeichnete, sieht die Schaffung eines Nationalen Kulturrates vor, der die "Basis für die strategische Lenkung der kulturellen Sektoren durch die Regierung gewährleisten" soll. Ein früherer Entwurf hatte heftige Proteste unter Kulturschaffenden ausgelöst. Die neue Fassung sieht unter anderem vor, dass Intendanten von Stadttheatern, die Förderungen vom Staat erhalten, künftig nur mit Zustimmung des zuständigen Ministers möglich ist. Bisher entscheiden die Gemeinden alleine. Das Gesetz soll bereits am Mittwoch ohne wesentliche Debatte verabschiedet werden. Zehntausende Ungarn haben eine Online-Petition gegen das Vorhaben unterschrieben. Kulturschaffende riefen zu einem Protest für heute im Zentrum von Budapest auf.

Kollegen trauern um 21-jährigen Rap-Star Juice Wrld

Der US-Rap-Star Juice Wrld ist tot. Der 21-Jährige erlitt am Sonntag am Flughafen seiner Heimatstadt Chicago einen Krampf-Anfall und starb wenig später, wie Rettungskräfte und das Promi-Portal TMZ berichteten. Zahlreiche Musikerkollegen betrauerten den Musiker in den sozialen Netzwerken, wie die Rapper LL Cool J und Meek Mill. Mill schrieb auf Instagram: "Du kennst unsere Herzen. Millionen Fans vermissen dich schmerzlich". Jarad Anthony Higgins, wie der Künstler mit bürgerlichem Namen hieß, hatte 2018 seinen Durchbruch mit dem Track "Lucid Dreams". Großen Erfolg konnte er auch in diesem Jahr mit seinem Album "Death Race for Love" verbuchen. Er zählte zur Generation der sogenannten SoundCloud Rapper, die zuerst auf Streaming-Plattformen im Internet Berühmtheit erlangen. Ob die die Todesursache mit seinem Drogenkonsum zu tun hat ist bisher unklar. In einem Interview mit der "New York Times" hatte er eingeräumt, dass er als Teenager sehr viel Xanax genommen habe, dass er seinen Drogen-Konsum aber drosseln wolle.

"Marriage Story" führt Golden-Globe-Nominierung an

Die Netflix-Produktion "Marriage Story" mit Scarlett Johansson und Adam Driver ist in diesem Jahr der Film mit den meisten Golden-Globe-Nominierungen. Der Streifen wurde in sechs Kategorien nominiert. Der Gangster-Film "The Irishman", ebenfalls eine Netflix-Produktion, hat Chancen auf fünf Preise. Beide konkurrieren in der Kategorie "bestes Filmdrama" gegen den Kriegsfilm "1917", die Comic-Verfilmung "Joker" und "Die zwei Päpste". In der Kategorie beste Kömödie oder Musical wurden "Dolemite is My Name", "Jojo Rabbit", "Knives Out", "Once Upon a Time in Hollywood" und "Rocketman" nominiert. Die Golden Globes werden am 5. Januar in Beverly Hills verliehen. Die Preise werden für Filme und Fernsehsendungen vergeben.

Jazztrompeter Herbert Joos gestorben

Der Jazztrompeter Herbert Joos ist tot. Joos wurde 1940 in Karlsruhe geboren, studierte dort später auch Kontrabass an der Hochschule für Musik und erhielt Trompetenunterricht. Mitte der 1960er-Jahre schloss er sich dem "Modern Jazz Quintett Karlsruhe" an, erste Solo-Aufnahmen folgten (u.a. "The Philosophy of the Flügelhorn"). Große Anerkennung erfuhr Joos im legendären "Vienna Art Orchestra", dessen Mitglied er drei Jahrzehnte lang war. Joos habe einen wunderbaren samtenen Ton in seinem Trompetenspiel gehabt, sagte heute der Komponist und Jazzmusiker Bernd Konrad, der jahrzehntelang mit Joos in einer eigenen Band zusammengespielt hat. 2017 erhielt Joos den Landesjazzpreis von Hessen für sein Lebenswerk. Herbert Joos starb nach schwerer Krankheit am Wochenende im Alter von 79 Jahren in Baden-Baden.

Bischöfe verschärfen Leitlinien zu sexuellem Missbrauch

Die katholischen Bischöfe haben ihre Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche erneut verschärft. Wie die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mitteilte, soll die überarbeitete Fassung erstmals als "Ordnung" verbindlich bundesweit in allen Bistümer gelten. Darin werden Missbrauchsfälle künftig als "Verbrechen" bezeichnet und es ist von "Betroffenen" statt von "Opfern" die Rede. Zudem werden auch Ehrenamtliche und Praktikanten als mögliche Täter aufgenommen. Die kirchliche Rechtsvorschrift gilt ab Januar und regelt auch Fälle, in denen Verstorbene des Missbrauchs beschuldigt werden. Für die zuständigen kirchlichen Stellen besteht nun die Pflicht zur Aufarbeitung. Auch die Rahmenordnung zur Prävention gegen Missbrauch wurde überarbeitet.

Autor Emanuel Maeß erhält Mara-Cassens-Preis

Der Schriftsteller Emanuel Maeß wird vom Literaturhaus Hamburg mit dem Mara-Cassens-Preis für sein Debütwerk "Gelenke des Lichts" ausgezeichnet. Der Roman sei auf faszinierende Weise aus der Zeit gefallen - ohne dabei weltfremd zu sein, heißt es in der Begründung der Jury. Maeß' Sprache sei von einem "Welterleben tiefer Innerlichkeit" geprägt, bei aller Dichte komme sie leicht und elegant daher. Der Roman beschreibt die Entwicklung eines jungen Pfarrersohnes - von der ländlichen DDR des Jahres 1980 bis in die 2000er-Jahre. Emanuel Maeß wurde 1977 in Jena geboren und lebt in Berlin. Sein Roman stand in diesem Jahr auch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Der mit 15 000 Euro dotierte Mara-Cassens-Preis wird Emanuel Maeß am 7. Januar im Literaturhaus Hamburg verliehen.

Bayern fördert Theaterumbau in Oberammergau

Der Freistaat Bayern wird den Umbau des Oberammergauer Passiontheaters finanziell unterstützen. Das teilte Finanzminister Albert Füracker (CSU) in München mit. Rund 90000 Euro würden zur Verfügung gestellt und sollen zur Bewahrung dieses kulturellen Erbes beitragen. Im kommenden Jahr finden die Oberammergauer Passionsspiele zum 42. Mal statt. Bis zur Premiere im Mai sollen die Baumaßnahmen, die unter anderem eine neue Beleuchtung umfassen, an der Freilichtbühne durchgeführt werden, heißt es in der Mitteilung. Die Passionsspiele in Oberammergau gehen auf ein Gelübde aus dem Jahr 1633 zurück. Damals versprachen die Oberammergauer, in jedem zehnten Jahr das Leiden und Sterben Christi aufzuführen, wenn niemand mehr an der Pest sterben sollte. Im kommenden Jahr werden mehr als 2.000 einheimische Laiendarsteller, Sänger und Musiker auf der Bühne stehen. Das ist fast die Hälfte aller Bewohner von Oberammergau.

"Star Trek"-Schauspieler René Auberjonois gestorben

Der aus der Kultserie "Star Trek: Deep Space Nine" bekannte US-Schauspieler René Auberjonois ist tot. Er sei am Sonntag gestorben, hieß es auf seiner Homepage und auf seinem Twitter-Profil. Auberjonois' Sohn Remy teilte dem Portal "Entertainment Weekly" mit, dass sein Vater an Lungenkrebs gelitten habe. Nach einer Schauspielausbildung zum Bachelor of Arts stand René Auberjonois ab 1964 als Broadway-Darsteller auf der Bühne und gewann für seine Rolle im Musical "Coco" einen Tony Award. Erstmals im Kino zu sehen war er im Kultfilm MASH (1970) von Regisseur Robert Altman. Danach folgten weitere Film- und Fernsehrollen, u.a. in "Die Hindenburg" (1975) und "King Kong" (1976). Von 1993 bis 1999 spielte er die Figur des Sicherheitschefs Odo in der Star Trek Serie "Deep Space Nine", ab 2004 verkörperte er einen Anwalt in der TV-Serie "Boston Legal". Zudem arbeitete er als Synchronsprecher für verschiedene Zeichentrickproduktionen. René Auberjonois wurde 79 Jahre alt.

"Sesamstraße"-Darsteller Caroll Spinney ist tot

Er spielte Jahrzehnte die "Sesamstraße"-Figuren Bibo und Oscar - jetzt ist US-Schauspieler Caroll Spinney gestorben. Das teilte die Organisation Sesame Workshop mit. Der 85-Jährige habe schon länger an der Bewegungsstörung Dystonie gelitten, hieß es. Sie seien Spinney immens dankbar für alles, was er für die Kindersendung und für Kinder in aller Welt getan habe, betonte Mitbegründerin Joan Ganz Cooney in der Mitteilung. In den 1960er Jahren war der Puppenspieler und Komiker Spinney auf "Sesamstraße"-Erfinder Jim Henson getroffen. In den ikonischen Rollen des großen, gelben Vogels Bibo und des griesgrämigen Oscar aus der Mülltonne arbeitete Spinney ab der ersten Sendung im Jahr 1969 mit.

Unesco berät in Kolumbien über Anträge zu Welterbe

Experten der Unesco beraten ab Montag in Kolumbien über mehr als 40 mögliche Neuzugänge für die Liste des immateriellen Kulturerbes. Die Schweiz und Frankreich bewerben sich mit der Tradition des Bergsteigens in den Alpen. Ägypten und gut ein Dutzend weitere arabische Länder wollen die Kultivierung der Dattelpalme als Kulturerbe anerkennen lassen, Thailand seine Massagekunst. Einen deutschen Antrag gibt es in diesem Jahr nicht. Die ersten Entscheidungen des in Bogotá tagenden UN-Komitees werden ab Dienstag erwartet. Die Liste des immateriellen Kulturerbes umfasst fast 430 Titel aus Bereichen wie Tanz, Theater, Musik und Handwerk.

Nominierungen für Golden Globes werden verkündet

In Hollywood werden am Montag die Nominierungen für die 77. Golden Globe Awards bekanntgegeben. Die Auszeichnungen des Verbands der Auslandspresse in 25 Film- und Fernsehkategorien gelten nach den Oscars als die wichtigsten amerikanischen Filmpreise. Zu den Filmfavoriten zählen unter anderem "The Irishman", "Joker" und "Once Upon a Time... in Hollywood". Die Trophäen in Form einer goldfarbenen Weltkugel werden am 5. Januar in Beverly Hills verliehen.

Libanese spendet ersteigerten Hitler-Besitz an Israel

Er wollte nicht, dass die Sachen in die falschen Hände geraten: Ein libanesischer Geschäftsmann, der bei einer Versteigerung in München Gegenstände aus dem Besitz von Adolf Hitler für 600.000 Euro gekauft hat, ist in Israel mit höchsten Ehren empfangen worden. Abdallah Chatila, der die Objekte gezielt für Israel ersteigert hatte, traf Staatspräsident Rivlin in Jerusalem. Die Versteigerung von Gegenständen aus dem Besitz ranghoher Nazis im vergangenen Monat hatte Kritik auch von Seiten jüdischer Organisationen ausgelöst. Der in der Schweiz lebende Libanese hatte insgesamt zehn Gegenstände erworben, darunter Hitlers Faltzylinder, eine Ausgabe von "Mein Kampf", eine Zigarrenkiste, Briefe und eine Schreibmaschine. Die Objekte sollen in der Gedenkstätte Yad Vashem aufbewahrt, aber vorerst nicht ausgestellt werden.

Der Schauspieler Wolfgang Winkler ist tot

Wolfgang Winkler starb im Alter von 76 Jahren an einem Krebsleiden, wie der Intendant des Neuen Theaters Halle, Matthias Brenner, mitteilte. Bekannt wurde der Schauspieler durch seine Rolle in der Serie Polizeiruf 110. Mit Jaecki Schwarz an der Seite spielte er 17 Jahre lang den Hauptkommissar Schneider. Winkler wirkte in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen mit und war außerdem lange am Landestheater Halle zu sehen.

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Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

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