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Freitag, 24.09.2021
 
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Kulturnachrichten

Samstag, 13. Februar 2021

Jochen Schropp: Sender müssen mehr als Stereotype abbilden

Nach dem Aufsehen erregenden queeren Manifest im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" fordert Schauspieler und Moderator Jochen Schropp die TV-Sender zum Handeln auf: "Viele Streamingdienste gestalten ihre Filme und Serien bereits diverser, erzählen neue, aufregende Geschichten", sagte der 42-Jährige dem Portal watson.de. "Jetzt müssen deutsche Sendeanstalten und Produzentinnen und Produzenten auch zeigen, dass sie mehr können als Stereotype abzubilden." Im Magazin der "SZ" hatten sich kürzlich 185 Menschen aus der Schauspielbranche unter dem Stichwort #actout zusammengeschlossen, um mehr Anerkennung und Diversität in Theater und Fernsehen zu fordern.

Performerin Anne Tismer würdigt vergessene Frauen

Die Performerin Anne Tismer denkt, sie sei "als weibliche Person nicht so intelligent", weil das meiste von dem, was sie lerne und lese, "unter männlichen Namen publiziert ist". Sie frage sich immer "Oh Gott - ist das weibliche Gehirn so, dass ich nie irgendwas raufinden kann?", sagte sie im Deutschlandfunk Kultur. Mit "Name her - Eine Suche nach den Frauen +" wurde Tismer zum diesjährigen Theatertreffen eingeladen. Es handelt sich um eine Hommage an Frauen, die Geschichte geschrieben haben, aber unbekannt oder vergessen sind. Dreißig Jahre lang sammelte Tismer Informationen zu diesen Frauen; singend, tanzend, sprechend streift sie 150 Biografien in sieben Stunden. Damit versuche sie, die Namen der Frauen in den "aktiven Wortschatz" zurückzuholen. Derzeit strebt Tismer eine Umschulung an und bereitet sich auf ein Physikstudium vor. Zur Vorbereitung höre sie online Vorlesungen und nehme Nachhilfe.

Schweizer Autorin Helen Meier mit 91 Jahren gestorben

Die Schweizer Schriftstellerin Helen Meier ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Sie sei in der Nacht zum Samstag friedlich in ihrem Altersheim in Trogen nahe St. Gallen eingeschlafen, bestätigte der Heimleiter der Deutschen Presse-Agentur. Meier arbeitete ursprünglich als Lehrerin und in der Flüchtlingshilfe für das Rote Kreuz. Ihr schriftstellerisches Talent wurde erstmals entdeckt, als sie 1984 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teilnahm. Im Jahr 2000 erhielt Meier den Meersburger Droste-Preis. Sie wurde dann zu einer wichtigen literarischen Stimme ihres Landes. In ihren Romanen und Erzählungen veranschaulichte sie stets die Nöte von Außenseitern und Ausgegrenzten, schrieb ihr Biograf Charles Linsmayer. Zuletzt erschien 2019 die Märchensammlung "Der weisse Vogel, der Hut und die Prinzessin", die Meier lange vor ihrem Durchbruch als junge Frau geschrieben hatte.

Juso-Chefin: Länder sollen Zentralabitur aussetzen

Wegen des Unterrichts-Ausfalls in der Corona-Pandemie hat Juso-Chefin Rosenthal die Länder dazu aufgefordert, für ein bis zwei Jahre auf das Zentralabitur zu verzichten. Stattdessen sollten die Schulen die Prüfungs-Aufgaben auswählen, sagte die Vorsitzende der SPD-Nachwuchs-Organisation der "Augsburger Allgemeinen". Die Schulen hätten wegen der unterschiedlichen Situation vor Ort unterschiedlich viel Lernstoff geschafft. Wenn sie weiterhin das gleiche Abitur schreiben müssten, wäre das ungerecht. Rosenthal betonte, sie traue den Lehrkräften zu, weiterhin eine gewisse Vergleichbarkeit der Prüfungen zu erhalten. Bei mündlichen Prüfungen gehe das auch.

Autorin Lange-Müller: Kultur ist "in den Arsch gekniffen"

Die Berliner Schriftstellerin Katja Lange-Müller hat kritisiert, wie die Kultur in der Pandemie behandelt wird. Sie schätze Kulturstaatsministerin Monika Grütters und der Berliner Kultursenator Klaus Lederer, aber es reiche "hinten und vorne nicht", sagte die Autorin dem "Tagesspiegel". "Hier mal ein Körbchen" auszuschütten für wirklich bedrohte Künstler sei ja schön und gut. "Doch im Großen und Ganzen ist die Kultur in den Arsch gekniffen", sagte Lange-Müller. Die genau vor 70 Jahren in Ost-Berlin geborene Schriftstellerin war Funktionärstochter. Wegen "unsozialistischen Verhaltens" wurde sie von der Schule geworfen. 1984 reiste sie aus der DDR nach West-Berlin aus. Sie hat zahlreiche Literaturpreise erhalten.

Dresden erinnert an Zerstörung der Stadt vor 76 Jahren

In Dresden wird heute an die Zerstörung der Stadt im zweiten Weltkrieg vor 76 Jahren erinnert. Wegen der Corona-Pandemie sind keine großen offiziellen Gedenkveranstaltungen geplant. Es soll aber am Abend eine virtuelle Menschenkette geben - dazu werden Fotos von Dresdnern auf markante Gebäude in der Altstadt wie etwa die Synagoge, die Frauenkirche und das Rathaus projiziert. Während die Stadt auf ein ruhiges Gedenken hofft, stellen sich Polizei und Sicherheitskräfte bereits auf Auseinandersetzungen ein. Denn schon jetzt sind 16 Versammlungen mit bis zu 1000 Teilnehmern angemeldet worden, darunter von Neonazis und der AfD. In der Vergangenheit versuchten Rechtsextremisten immer wieder, den Jahrestag der Zerstörung für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Restaurierung des Olympieion hat begonnen

In Athen hat die Restaurierung des Olympieion, des Tempels des Zeus, begonnen.
Es handele sich um "eines der schwierigsten und wichtigsten Instandhaltungsprojekte" der Stadt, schrieb die griechische Tageszeitung "Kathimerini". Kulturministerin Lina Mendoni geht davon aus, dass das Ausmaß der Schäden erst im Laufe der Arbeiten sichtbar wird. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2023 vorgesehen. Der Tempel des Zeus mit seinen 17 Säulen wurde vor mehr als 2600 Jahren errichtet und war einer der größten Tempel der Antike.

Antijüdische Stereotype in der Literatur

Literatur ist aus Sicht von Kulturwissenschaftlern mitverantwortlich für die Etablierung und Weitergabe antijüdischer Bilder. Ein Experten-Austausch fand am Freitag bei einer Online-Tagung mit dem Titel "Die Wurzeln antijüdischer Stereotype" der Universität Marburg und der Evangelischen Akademie Frankfurt statt. Die Kulturwissenschaftlerin Zohar Shavit von der Universität Tel Aviv sagte, sie habe in der westdeutschen Kinder- und Jugendliteratur einen latenten Antisemitismus gefunden. Auch bei in guter Absicht erstellten Büchern kippe Philosemitismus oft in Antisemitismus um. So hätten jüdische Kinder auf Buchtiteln immer schwarze Haare und dunkle Augen. Laut dem Marburger Literaturwissenschaftler Jan Süselbeck setzt sich die Weitergabe antijüdischer Vorurteile bis in die Gegenwartsliteratur fort, wird aber dort oft nicht erkannt. Er mahnte mehr Aufklärungsarbeit beim Thema Rassismen in der schulischen Erziehung an.

Hohenzollern drohen mit Abzug von Leihgaben

Die Hohenzollern haben mit dem Abzug von Leihgaben aus öffentlichen Museen in Berlin und Brandenburg gedroht. Ihr Verhandlungsführer Jürgen Aretz schrieb in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief an die zuständigen Stellen in Potsdam, die Geschichte Preußens erstrecke sich nicht nur auf Berlin und Brandenburg. Die angesprochenen Kunst- und Kulturgüter könnten auch außerhalb dieser Länder in angemessenem Rahmen ausgestellt werden, so Aretz. Ihre Bereitschaft dazu hätten - vor dem Hintergrund der bekannten Auseinandersetzungen - öffentliche Einrichtungen anderer Bundesländer signalisiert. Die Gesprächspartner von Bund, Ländern und Hohenzollern hatten 2019 in einer gemeinsamen Erklärung vor Abbruch der Verhandlungen festgehalten, beide Seiten seien sich einig, Leihgaben für öffentliche Einrichtungen zu sichern. Die Verhandlungen ruhen, seit das Land Brandenburg einen Prozess um enteignete Immobilien wieder aufgenommen hat. Im aus Bundessicht schlimmsten Fall müssten Tausende Objekte an die Hohenzollern herausgegeben werden.

Hans Zimmer erhält Frankfurter Goetheplakette

Der Filmkomponist Hans Zimmer wird mit der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main geehrt. Der Oscarpreisträger sei ein großer Sohn der Stadt, der mit seinen Werken die ganze Welt erreiche, erklärte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zur Entscheidung des Magistrats. Zimmer sei "eine Hollywood-Ikone und dabei Kulturbotschafter unseres Landes und unserer Stadt". Er werde die Plakette erhalten, sobald es die Corona-Pandemie zulasse und ein Termin gefunden sei, erklärte eine Sprecherin des Kulturdezernats. Der 63-Jährige Zimmer wurde in Frankfurt am Main geboren und verbrachte seine ersten zwölf Lebensjahre in der Stadt. Von ihm stammt die Musik zu Dutzenden Filmen, darunter auch "Rain Man" und "Fluch der Karibik".

Theater-Chef soll Kulturhauptstadt-GmbH aufbauen

In Chemnitz soll der Generalintendant des Theaters, Christoph Dittrich, die neue Gesellschaft für die Europäische Kulturhauptstadt 2025 aufbauen. Diese GmbH solle das geplante Programm umsetzen, Strukturen der Bürgerbeteiligung schaffen und weitere Gelder einwerben, erklärte die Verwaltung der sächsischen Stadt. Chemnitz werde über ein Budget von rund 90 Millionen Euro verfügen können, davon etwa 60 Millionen für die Umsetzung des Kulturhauptstadt-Programms. Im März werde der Stadtrat die Gründung der GmbH beschließen und Dittrich offiziell zum Interims-Geschäftsführer ernennen. Ende des Jahres sollen die Stellen für den künstlerischen Intendanten der Kulturhauptstadt und des Geschäftsführers ausgeschrieben und besetzt werden.

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Fazit

50. Art BaselEin nachgeholtes Jubiläum und mehr Ruhe
Auf zwei Holzbooten sind übergroße schwarz-weiß Porträts angebracht. (Art Basel)

Die 50. Art Basel hätte eigentlich letztes Jahr stattfinden sollen. Nun läuft sie, und immer noch ist Corona ein Thema: Nur wenige Sammler aus Amerika und Asien sind zugegen. Die Messe fühle sich an wie vor 15 Jahren, so die Kritikerin Elke Buhr.Mehr

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