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Kulturnachrichten

Freitag, 31. Januar 2020

Streit in Gedenkstätte für NS-Massaker von Lidice

In der Gedenkstätte für das NS-Massaker im tschechischen Lidice gibt es Streit. Nach dem erzwungenen Rücktritt der Direktorin Martina Lehmannova haben zehn Abteilungsleiter und Kuratoren aus Solidarität gekündigt. In einem offenen Brief beklagen die Mitarbeiter anhaltenden Druck seitens des tschechischen Kulturministers und des Bundes der Freiheitskämpfer. Die Unabhängigkeit wissenschaftlicher Forschung sei in Gefahr, warnten sie. Lidice war der Ort eines brutalen NS-Massakers im Zweiten Weltkrieg. Das böhmische Dorf wurde am Morgen des 10. Juni 1942 nach dem Attentat auf den SS-Führer Heydrich dem Erdboden gleichgemacht. 173 Männer wurden erschossen, die meisten Frauen und Kinder in Konzentrationslager gebracht. Auslöser der aktuellen Kontroverse war eine Reportage im tschechischen Fernsehen. Darin berichtet ein Historiker, dass eine jüdische Frau aus Lidice kurz vor dem Massaker von ihrer Vermieterin an die Gestapo verraten und später in Auschwitz ermordet worden sei. Lehmannova hatte sich dafür ausgesprochen, auch an dieses jüdische Opfer in der Gedenkstätte zu erinnern. Der Vorschlag stieß auf heftige Gegenwehr.

James-Simon-Galerie in Berlin gewinnt Architektur-Preis

Für den Neubau der James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel erhält das Büro von David Chipperfield den Preis des Deutschen Architektur Museums (DAM) 2020. Es handele sich um einen neuen, gelungenen Stadtbaustein, der mit großer Sorgfalt ins Ensemble der Museumsinsel mit Bauwerken wie der Alten Nationalgalerie oder dem Pergamonmuseum eingefügt worden sei, erklärte das Museum in Frankfurt. Das Büro des britischen Architekten errang die Auszeichnung bereits im Jahr 2010 für den Wiederaufbau des Neuen Museums in Berlin am selben Ort. David Chipperfield Architects wurde 1985 gegründet und hat Niederlassungen in London, Berlin, Mailand und Schanghai. Er würdigt seit 2007 herausragende Bauten in Deutschland.

Baden-Württemberg will Dialekt stärken

Die baden-württembergische Landesregierung will das Sprechen von Dialekten fördern. Regionale Mundarten seien ein kultureller Schatz, den es für die Zukunft zu bewahren gelte, betonten Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) in Stuttgart. Experten aus Schule, Wissenschaft und Kultur sollen nun konkrete Ideen zur Dialektförderung erarbeiten. Mit Blick auf Globalisierung und digitale Vernetzung stehe das Dialektsprechen auch für den Wunsch nach einer regionalen Verortung.

Der Künstler Wes Wilson ist tot

Der Plakatkünstler Wes Wilson ist tot. Er starb bereits vergangene Woche 82-jährig in seinem Haus in Missouri. Das berichtet die New York Times. Wilson gehörte in den 60er Jahren zu den bekanntesten Plakatkünstlern in Kalifornien. Er schuf die legendären psychedelischen Poster von bekannten Bands wie the Grateful Dead, Jefferson Airplane und Van Morrison.

Frankfurter Städtische Bühnen werden abgerissen

Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung hat einen Abriss der maroden Theater-Doppelanlage beschlossen. Außerdem beauftragte sie den Magistrat, ein Verfahren für einen Neubau in die Wege zu leiten. Die Kosten für den Neubau am bisherigen Standort Willy-Brandt-Platz werden auf 874 Millionen Euro geschätzt, deutlich teuer wäre eine Sanierung laut Gutachten geworden. Die im Jahr 1963 fertiggestellte Anlage aus Schauspiel und Oper war 1991 nach einem Großbrand für rund 170 Millionen Mark (85 Millionen Euro) bühnentechnisch renoviert worden. Die Klima-, Lüftungs- und Heizungstechnik blieb allerdings ausgespart und ist inzwischen völlig veraltet.

Projektstart: Deutsche Kolonialgeschichte

Die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte soll mit einem großangelegten Projekt in Berlin vorangetrieben werden. Dafür stünden in den kommenden Jahren rund drei Millionen Euro zur Verfügung, sagte Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) bei der Präsentation des Vorhabens. Ziel sei, die Kolonialgeschichte zu dokumentieren und ihre Folgen für die Gegenwart in den Blick zu nehmen. Dazu gehöre neben Fragen der Rückgabe von Kulturgütern und der Aufarbeitung der Herkunft von Museumsbeständen auch, die Grundlagen der heutigen weltweiten Wirtschaftsbeziehungen zum Thema zu machen. Ein Beirat deutscher und internationaler Wissenschaftler unter anderem aus Namibia, der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika, begleite das Projekt, hieß es. Das Thema soll auch mit Festivals und anderen Veranstaltungen in die verschiedenen Berliner Stadtteile getragen werden.

NS-Vorwürfe: Grütters stützt Berlinalechefs

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich nach NS-Vorwürfen gegen den früheren Chef der Filmfestspiele, Alfred Bauer, klar hinter die aktuelle Berlinale-Direktion gestellt. Diese hatte einen nach Bauer benannten Preis ausgesetzt. Die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit sei Teil des nationalen Selbstverständnisses - das gelte nicht nur für die Politik, sondern auch für wichtige gesellschaftliche Akteure, sagte Grütters in Berlin. Wenn sich die Erkenntnisse erhärten sollten, werde es künftig keinen nach Alfred Bauer benannten Preis mehr geben, so Grütters. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte berichtet, Bauer sei ein "hochrangiger Funktionär der NS-Filmbürokratie" gewesen. Die Filmfestspiele in Berlin hatte er von 1951 bis 1976 geleitet. Der Fall soll nun mit externer fachwissenschaftlicher Unterstützung aufgearbeitet werden.

Jahrtausende alte Sarkophage in Ägypten entdeckt

Ägyptische Archäologen haben knapp 3000 Jahre alte Gräber von Hohepriestern mit mehreren Stein- und Holzsarkophagen entdeckt. 16 Gräber mit insgesamt 20 Sarkophagen, darunter einige mit eingravierten Hieroglyphen, seien in der Ausgrabungsstätte Al-Ghoreifa, rund 300 Kilometer südlich von Kairo, gefunden worden. Das teilte das ägyptische Antikenministerium mit. Sie enthalten demnach die sterblichen Überreste mehrerer Hohepriester des Mondgottes Thot sowie bedeutender Würdenträger Oberägyptens, die vor knapp drei Jahrtausenden dort bestattet wurden. Ein Sarkophag war dem Himmelsgott Horus gewidmet. Archäologen entdeckten außerdem 10.000 blaue und grüne Grabfiguren aus Ton sowie 700 Skarabäus-Amulette, einige davon gänzlich aus Gold. Die ägyptische Regierung fördert seit einigen Jahren archäologische Ausgrabungen, um dem Tourismus im Land nach dem arabischen Frühling 2011 wieder neuen Schwung zu verleihen.

Vogler bleibt Intendant der Dresdner Musikfestspiele

Der Cellist Jan Vogler bleibt Intendant der Dresdner Musikfestspiele. Er habe seinen Vertrag für weitere fünf Jahre bis 2026 verlängert, teilten die Musikfestspiele in Dresden mit. Der 55-jährige hatte die Leitung des Musikfestivals 2009 übernommen. Er konzertiert zudem weltweit als Cellist. Der Musiker habe die Festspiele kontinuierlich zu einem der bedeutendsten und erfolgreichsten Klassikfestivals in Europa ausgebaut, hieß es. Die Einnahmen aus Kartenverkäufen und Sponsoring haben sich den Angaben zufolge unter seiner Leitung verfünffacht. Dresdens Oberbürgermeister Hilbert lobte die "fantastische Entwicklung" der Musikfestspiele. Dem Festival gelinge es immer stärker, verschiedene Gruppen der Bevölkerung anzusprechen. In diesem Jahr finden die Dresdner Musikfestspiele vom 12. Mai bis 12. Juni statt. Es spielen die New Yorker Philharmoniker ebenso wie Rocklegende Sting.

Der Bundestag debattiert über auswärtige Kulturpolitik

Der Bundestag debattiert in seiner heutigen Sitzung über die auswärtige Kulturpolitik. Union und SPD wollen sie als eine zentrale Säule der deutschen Außenpolitik verankern. Außerdem soll der Jugendaustausch weiter verstärkt werden. Bundesaußenminister Heiko Maas betonte die Rolle der auswärtigen Kulturpolitik. Ihre Bedeutung für Verständigung und die Sicherung von Frieden werde vielfach unterschätzt. Bildung sei die beste Immunisierung gegen dumpfe Vorurteile und Ressentiments, sagte der SPD-Politiker. Im Haushalt des Auswärtigen Amts sind rund 1,1 Milliarden Euro für auswärtige Kulturpolitik bereitgestellt.

Karliczek sieht Rechtschreibung als Teil der Kultur

Bundesbildungsministerin Karliczek hat den Stellenwert von Rechtschreibung betont. Damit widersprach sie Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Kretschmann. Sprache und Rechtschreibung seien Teil der Kultur. Die Beherrschung der Muttersprache in Wort und Schrift sei eine elementare Voraussetzung für das Leben, sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft. Kretschmann hatte vor kurzem gesagt, dass die Bedeutung der Rechtschreibung abnehme. Es werde nur noch selten handschriftlich geschrieben, so der Grünen-Politiker.

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