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Sonntag, 16.06.2019
 
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Kulturnachrichten

Dienstag, 29. Januar 2019

Ben-Witter-Preis 2019 für Axel Hacke

Jury: Der Journalist ist ein Meister der funkelnden Glossen

Der Münchner Schriftsteller und Journalist Axel Hacke bekommt den mit 10.000 Euro dotierten Ben-Witter-Preis 2019. Die Jury ehre damit einen "brillanten Reporter, dessen Texte gänzlich ohne Glutamat auskommen und der zugleich als Welt- und Selbstbeobachter ein Großmeister der kleinen Form ist", teilte die Hamburger Zeit-Verlagsgruppe mit, die den Preis zum 25. Mal verleiht. Axel Hacke gehöre mit seinen frei schweifenden Betrachtungen und funkelnden Glossen zu den wahren Feuilletonisten der Republik, begründete die Jury. Der 1956 in Braunschweig geborene Hacke wurde vor allem durch seine Kolumnen und das "Streiflicht" in der Süddeutschen Zeitung bekannt.

Größtes Online-Lexikon für Deutsche Sprache geplant

Forscher aus vier Wissenschaftsakademien arbeiten zusammen

Der Sprachwissenschaftler Wolfgang Klein will in den kommenden Jahren mit Kollegen der Wissenschaftsakademien in Berlin, Göttingen, Mainz und Leipzig, sowie dem Institut für Deutsche Sprache in Mannheim den deutschen Wortschatz in einem digitalen Wörterbuch erfassen. Das Projekt "Zentrum für digitale Lexikographie der deutschen Sprache" (ZDL) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zunächst für fünf Jahre mit elf Millionen Euro gefördert. Unter anderem sollen Studenten, Lehrer, Journalisten und Deutschlerner in aller Welt von dem kostenlosen Online-Lexikon profitieren, das auf aktuelle Sprachentwicklungen flexibel reagieren kann. Wie groß der deutsche Wortschatz genau ist, weiß niemand. Sicher ist laut Klein nur, dass derzeit mehr als fünf Millionen verschiedene Wörter tatsächlich genutzt werden. "Wir versuchen, schrittweise so viele Wörter wie möglich zu erfassen, die in unseren Daten vorkommen", erläutert Klein. Alle Wörter zu beschreiben, sei aber wegen ihrer Vielzahl unmöglich, da es Jahrhunderte oder gar Jahrtausende dauern würde.

Katharina Thalbach erhält französischen Kultur-Orden

Verdienste als Schauspielerin und Regisseurin

Katharina Thalbach wird mit dem Orden "Officier des Arts et Lettres" geehrt. Am Sonntag wird ihr die Auszeichnung im Berliner Schiller Theater von der französischen Botschafterin übergeben, teilte die Komödie am Kurfürstendamm mit. Laut Mitteilung habe Thalbach gesagt, sie sei "ungeheuer stolz, dass mich la Grande Nation zu ihrem Offizier gemacht hat!". Der Orden wird vom französischen Kulturministerium an Personen verliehen, die sich durch ihr Schaffen im künstlerischen Bereich in Frankreich ausgezeichnet haben. Katharina Thalbach hat sich dort als Schauspielerin und Regisseurin einen Namen gemacht: 1995 stand sie am Pariser Théâtre de Chaillot in der Rolle der Mutter in Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" auf der Bühne. Ein Jahr später inszenierte sie dort „Macbeth. 2017 führte sie auch Regie an der Comédie Française bei Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui".

Berlinale-Jury und Programm stehen fest

Auch Schauspielerin Sandra Hüller gehört zum Entscheidungsgremium

Die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller (u.a. "Toni Erdmann") gehört zur Internationalen Jury der Berlinale. Es habe endlich geklappt, sagte Festivaldirektor Dieter Kosslick am Dienstag in Berlin. Das Gremium unter Leitung der Französin Juliette Binoche entscheidet über die Bären-Preise beim Berliner Filmfestival, das am 7. Februar beginnt. Zur Jury gehören auch US-Filmkritiker Justin Chang, der chilenische Regisseur Sebastián Lelio, die britische Produzentin Trudie Styler und Rajendra Roy, Filmkurator des Museum of Modern Art in New York. Die Berlinale steht in diesem Jahr unter dem Motto "Das Private ist politisch". Der Slogan der 68er Frauenbewegung erfahre neue Aktualität, betonte Kosslick. Das spiegele sich auch in den Themen des Filmfestivals: Kindheit, Familie, Geschlechtergerechtigkeit und Ernährung. Bei der Berlinale werden rund 400 Filme gezeigt. 17 Filme konkurrieren im Wettbewerb um Auszeichnungen.

"Gendersternchen" ist Anglizismus des Jahres

Wortendung umfasst alle Geschlechter

Zum Anglizismus des Jahres hat eine Jury um den Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin den Begriff "Gendersternchen" gekürt. Das Wort bereichere den deutschen Wortschatz, habe mit der sprunghaften Verbreitung im Sprachgebrauch und mit dessen zentraler Bedeutung zu tun, die es in der Auseinandersetzung über die sprachliche Gleichbehandlung aller Geschlechter eingenommen habe, so die sechsköpfige Jury. Der Begriff "Gendersternchen" bezeichnet das typografische Zeichen (*), das bei Personenbezeichnungen zwischen der männlichen und der zusätzlich angefügten weiblichen Endung gesetzt wird, um neben Männern und Frauen auch Menschen mit anderer geschlechtlicher Identität miteinzubeziehen - zum Beispiel Freund*in. Das Wort "Framing" wurde als Publikumsliebling gewählt, "nice" erhielt den "Sonderpreis gesprochene Sprache".

Warenarchiv der WMF wird Kulturdenkmal

Baden-Württemberg gewährt historischem Geschirrfundus besonderen Schutz

Das historische Warenarchiv der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) ist mit seinen mehr als 11 000 Einzelstücken, darunter versilberte Kuchengabeln und Eierbechern bis hin zu Reiterstandbildern und einem großen Kirchenportal, in das Denkmalbuch des Landes Baden-Württemberg aufgenommen worden. Damit zählt der WMF-Fundus mit seinen Serien- und Einzelstücken aus der mehr als 150 Jahre währenden kunstgewerblichen und industriellen Produktion zu den Kulturdenkmälern von besonderer Bedeutung, die zusätzlichen Schutz verdienen. Prunkstück der WMF-Sammlung ist eine 1913 fertiggestellte, sechs Meter hohe Nachbildung des Ostportals des Baptisteriums von Florenz, der sogenannten Paradiestür. Zu den bekanntesten Exponaten gehören Haushaltsutensilien aus Cromargan wie Butterdosen, Bestecke und Eierbecher.

Wirbel um Karl-Valentin-Orden für Andreas Gabalier

Museumsdirektorin: Die Haltung des Musiker ist rechtspopulistisch

Die geplante Verleihung des Karl-Valentin-Ordens an den österreichischen Musiker Andreas Gabalier in München stößt auf Kritik. Dessen Kunst habe nichts mit der von Karl Valentin zu tun, sagte die Direktorin des Münchner Valentin-Karlstadt-Musäums, Sabine Rinberger. Sie distanziere sich von der gesellschaftspolitischen Haltung Gabaliers, die rechtspopulistisch, homophob und frauenfeindlich sei. Die Faschingsgesellschaft Narrhalla, die den Orden verleiht, hatte die Ehrung damit begründet, dass sich der Komiker Valentin (1882-1948) als Volkssänger betrachtet habe und Gabalier ein "Volkssänger 2.0" sei. Der Sänger verstehe es wie kein anderer, volkstümliche Musik mit Stadionrock zu verbinden. "Texte von Künstlern sind vielseitig auslegbar und werden offensichtlich von bestimmten Personen je nach Neigung unterschiedlich wahrgenommen", erklärte das Vereinspräsidium. Man könne darum negative und oberflächliche Interpretationen weder nachvollziehen noch bestätigen. Von Gabalier gab es bisher keine Stellungnahme zur Kritik an der Ordensverleihung.

Prager "Mozart-Villa" wird nationales Kulturdenkmal

Salzburger Komponist schuf dort Teile aus "Don Giovanni"

Die Villa Bertram in Prag ist zum nationalen Kulturdenkmal erklärt worden. Dieser Status könnte die Finanzierung einer Wiederbelebung des verfallenden Gebäudes erleichtern, zitierte Radio Prag Tschechiens Kulturminister Antonin Stanek. Der klassizistische Prachtbau gehört der Mozart-Gemeinde, steht jedoch seit zwei Jahren leer. Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) war bei seinen Aufenthalten in Prag in der sogenannten Bertramka im heutigen Stadtteil Smichov Gast der Sopranistin Josepha Duschek. Das Haus hat auch darum den Beinamen "Mozart Villa", weil der Komponist dort auch Teile seiner Oper "Don Giovanni" geschaffen haben soll. Der Namensgeber der im klassizistischen Stil gestalteten Villa , Franz von Bertram, erwarb das Grundstück 1743, ließ die ursprüngliche Bebauung abreißen und errichtete dort seine Sommerresidenz.

"Goldene Blogger" 2018 in Berlin ausgezeichnet

Jury würdigt in 18 Kategorien die Arbeit von Netzaktivisten

Mit dem Blog "Sterben üben" ist die Journalistin Jasmin Schreiber zur Bloggerin des Jahres 2018 gewählt worden. Für ihre Geschichten über die Tätigkeit als Sterbe- und Trauerbegleiterin erhielt Schreiber bei der Verleihung der "Goldenen Blogger" die meisten Online-Votes. "Der Preis feiert Authentizität", sagte die Journalistin Christiane Link, Mitorganisatorin der Preisverleihung, die zum zwölften Mal stattfand. Zum Hashtag des Jahres wurde #wirsindmehr gewählt. Der als Protestnote nach Übergriffen in Chemnitz entstandene Hashtag stehe für die breite Debatte über Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Hass, hieß es. Und per Videobotschaft bedankte sich Dieter Bohlen für den Titel als Bester "Social Celebrity". Die Anti-Auszeichnung als "Blocker des Jahres" nahmen zwei Offiziere der Bundeswehr für den Streit mit den Organisatoren der Internetkonferenz re:publica entgegen. Die Bundeswehr hatte sich öffentlich darüber empört, dass Soldaten in Uniform bei der Veranstaltung unerwünscht waren und dass ihr ein Rekrutierungsstand verwehrt worden war. Insgesamt wurden Blogs, Instagram- und Twitter-Auftritte in 18 Kategorien ausgezeichnet.

Filminstitut und Filmmuseum mit gemeinsamer Marke

Zum 70igsten Jubiläum der Frankfurter Einrichtungen

Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt am Main und seine Partnerorganisationen rücken näher zusammen. Statt einzelner Namen für die verschiedenen Institutionen soll es künftig nur noch eine Dachmarke mit einheitlichem Design geben, wie Direktorin Ellen Harrington erklärte: Deutsches Filminstitut und Filmmuseum, kurz DFF. Ziel sei, die vielfältigen Aktivitäten des Hauses besser sichtbar zu machen. Dazu gehören neben dem Museum auch ein Kino, Archive, Festivals, digitale Plattformen, Forschung und Bildungsprogramme. 2019 soll das geplante Fassbinder-Center Wirklichkeit werden. Damit wird der Nachlass des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder für Forschung und die Allgemeinheit zugänglich. Der schriftliche Nachlass umfasst Drehbücher, Finanzierungspläne, Drehpläne, Verträge, Produktionsakten und Korrespondenzen. Dazu kommen als Dauerleihgabe das Werk-, Foto-, Audio- und Videoarchiv.

Prozess um weggeworfene Gerhard-Richter-Skizzen

Angeklagter nahm Skizzen aus dem Papierkorb an sich

Ein Mann, der weggeworfene Skizzen des Malers Gerhard Richter aus dessen Altpapiertonne gefischt haben soll, muss sich nun wegen Diebstahls vor Gericht verantworten. Die für diese Woche angesetzte Verhandlung in dem Fall wurde jetzt allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben, da Richter erkrankt sei, teilte das Amtsgericht Köln mit. Der 49 Jahre alte Angeklagte wird nach Angaben des Gerichts beschuldigt, aus der Altpapiertonne vor Richters Haus in Köln vier Entwürfe an sich genommen zu haben. Anschließend habe er versucht, die Werke zu Geld zu machen, und dafür Kontakt mit einem Auktionshaus aufgenommen. Der Wert der Werke wurde auf 60.000 Euro geschätzt. Das Gericht habe nun die Frage zu klären, ob der Müll immer noch als Eigentum dessen betrachtet werden müsse, der ihn vor die Tür gestellt habe. Hier gebe es einen Unterschied zwischen einem Joghurtbecher und einem Werk von Richter, so die Sprecherin des Gerichts.

Studie: Songtexte seit den 1950ern immer düsterer

US-Studie hat 6.000 Hits ausgewertet

Songtexte in der Unterhaltungsmusik sind seit den 1950er Jahren tendenziell wütender und trauriger geworden. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie der Lawrence Technological University in Southfield (Michigan) hervor. Die Forscher haben die Texte von 6.000 Hits der Billboard-Hot-100-Charts aus sieben Jahrzehnten per Computer analysiert. Die Hitparade des Magazins «Billboard» beruht darauf, welche Lieder sich gut verkaufen und im Radio beziehungsweise bei Streaming-Diensten viel gespielt werden. Eine automatisierte Stimmungsanalyse von Songs, die zwischen 1951 und 2016 veröffentlicht wurden, sollte laut Mitteilung erfassen, welches Gefühl die Wörter und Phrasen des Textes transportieren. Demnach waren die Texte der 1950er Jahre eher fröhlich - und wurden seither tendenziell immer zorniger. Ausdrücke von Traurigkeit, Ekel und Angst hätten in Songtexten ebenfalls zugenommen. Die Veränderungen hätten vor allem damit zu tun, "was Musikkonsumenten jedes Jahr hören wollen", erklärte Mitautor Lior Shamir. Allerdings: Warum die Menschen offenbar immer mehr wütende oder traurige Texte hören wollen, haben die Forscher nicht ergründet.

Facebook-Tausch: Boris Palmer und Hasnain Kazim

Politiker und Journalist wollen mit einwöchigem Experiment die Filterblase verlassen

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer und der „Spiegel"-Redakteur Hasnain Kazim übernehmen ab Montag für eine Woche wechselseitig ihre Profile bei „Facebook". Den Tausch hatten sie am Ende eines öffentlichen Streitgesprächs vereinbart. Für beide ist es, nach eigener Aussage, der Versuch, die eigene Filterblase zu verlassen und ein anderes Publikum zu erreichen.

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