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Kulturnachrichten

Sonntag, 6. Januar 2019

EKD-Kulturbeauftrager sieht "Holo-Kitsch" bei Menasse

Johann Hinrich Claussen: "Mir scheint, er ist sich nicht klar in dem, was er tut."

Der evangelische Kulturbeauftragte Johann Hinrich Claussen wirft dem Schriftsteller Robert Menasse "Holo-Kitsch" vor. Dessen in Diskussionen und Essays geäußerte Behauptung, Walter Hallstein habe seine Antrittsrede als erster europäischer Kommissionschef 1958 am Ort des NS-Konzentrationslagers gehalten, sei eine "geschmacklose Auschwitz-Erfindung", sagte Claussen. Sie sei historisch falsch, moralisch anstößig, weil sie den Holocaust instrumentalisiere, und ästhisch nicht überzeugend. Daher habe Menasse auch wenig Anlass, andere Leute zu kritisieren, sagte Claussen mit Blick auf Menasses Beitrag in der "Welt", wo der österreichische Autor sich zwar für die angeblichen Zitate entschuldigt, aber auch von "künstlicher Aufregung" spricht. Einerseits erzähle Menasse Geschichten und in der Fiktion sei alles möglich und erlaubt; andrerseits vertrete der Autor eines Brüssel-Romans und Träger des Deutschen Buchpreises von 2017 ein politisches Interesse. "In der Ideenpolitik müsste er sich dem Anspruch von Wahrhaftigkeit unterstellen und dem wird er nicht gerecht", so Claussen.

Grütters: Freier Eintritt im Humboldt Forum ist Test

Evaluation nach drei Jahren

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sieht im kostenlosen Zugang zum Berliner Humboldt Forum auch einen Test für andere Museen. "Der freie Eintritt in diesem Haus soll ein Pilotprojekt sein, das nach drei Jahren evaluiert wird", sagte sie in Berlin. "Dann wird man sehen, wie die Effekte im Haus waren, welche Auswirkungen es auf die Publikumsströme hat und wie sich das auf andere Einrichtungen auswirkt." Grütters verwies auf den besonderen Charakter des Forums: "Dieses Haus ist eben kein Museum klassischen Typs, sondern eine interdisziplinäre Bildungseinrichtung mit mehreren beteiligten Akteuren." Auch in dieser Hinsicht sei es ein Pilotprojekt. Das Humboldt Forum im Berliner Schloss soll von Ende 2019 an als Museums- und Kulturzentrum schrittweise öffnen. In dem rund 600 Millionen Euro teuren Bau sollen einmal mehr als 20 000 Objekte aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien zu sehen sein.

Assmann will Debatte um Nationenbegriff

Friedenspreisträgerin bezeichnet Fall Menasse als "Denkzettel" für die Linke

Die Kulturwissenschaftlerin und Friedenspreisträgerin Aleida Assmann hat den Fall Menasse als "Denkzettel" für die Linke und bürgerliche Intellektuelle bezeichnet, die sich nach 1968 nicht um den Begriff der Nation gekümmert hätten. Auch hätten sie sich nicht mit diesem Begriff identifiziert, sagte Assmann der "Welt am Sonntag". Assmann appellierte an die bürgerliche Mitte, sich dringend mit ihrem Verhältnis zur "demokratischen Nation" auseinanderzusetzen und dies nicht Rechtsradikalen zu überlassen. Der österreichische Autor Robert Menasse steht in der Kritik, weil er Zitate des Europapolitikers Walter Hallstein (1901-1982) erfunden hat und dessen Antrittsrede als erster europäischer Kommissionschef 1958 nach Auschwitz verlegt hat - nicht nur im Roman, sondern auch in Reden und Essays. Menasse, Gewinner des Deutschen Buchpreises 2017, zitierte Hallstein fälschlich unter anderem mit dem Satz, die Abschaffung der Nation sei die europäische Idee.

Datenklau bei Politikern blieb BSI tagelang verborgen

Sicherheitsbehörde BSI erfuhr erst am 3. Januar von großem Datenklau

Die Veröffentlichung personenbezogener Daten von Hunderten Politikern und Prominenten im Internet ist in der für IT-Sicherheit zuständigen Behörde nach deren Angaben tagelang unbemerkt geblieben. Erst in der zurückliegenden Woche habe das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) von dem Datenklau erfahren, erklärte die Behörde am Samstag. Nach ersten Hinweisen Anfang Dezember 2018 seien alle Beteiligten noch von einem Einzelfall ausgegangen. Politiker von SPD und Grünen stellten infrage, ob die Behörde schnell genug reagiert habe. Die Grünen-Politikerin Tabea Rößner sagte dem "Handelsblatt", wenn das BSI schon länger von dem Datenklau gewusst habe, sei es "unerklärlich und verantwortungslos, dass das BSI erst so spät tätig wurde". Zahlreiche Betroffene hätten vom Datenklau erst erfahren, als sie von wildfremden Leuten angerufen worden seien. Am Freitag war bekanntgeworden, dass personenbezogene Daten wie Mobilfunknummern und Emailadressen deutscher Politiker und anderer Prominenter im Internet verbreitet worden waren.

Ukraine: Orthodoxe Kirche wird eigenständig

Russland wollte das verhindern

Trotz heftiger Proteste aus Moskau ein historischer Akt für die Ukraine: Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel hat die neue orthodoxe Kirche des osteuropäischen Landes offiziell anerkannt und ihr die vollständige Eigenständigkeit verliehen. Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie unterzeichnete in Istanbul den entsprechenden Erlass. Mehr als 27 Jahre nach der staatlichen Unabhängigkeit löst sich die Ukraine damit auch auf religiösem Gebiet von Moskau. Die ukrainische Kirche wird formal allen anderen bestehenden 14 orthodoxen Landeskirchen gleichgestellt. An der Zeremonie im Thronsaal der Residenz nahmen der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko und Parlamentspräsident Andrej Parubij teil.

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