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Sonntag, 25.08.2019
 
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Kulturnachrichten

Dienstag, 1. Januar 2019

Uffizien verlangen Bild von Deutschland zurück

Gemälde wurde von deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg geraubt

Das Ölgemälde "Vaso di Fiori" des holländischen Malers Jan van Huysum (1682-1749) befinde sich bei einer Familie in Deutschland, erklärte der deutsche Direktor der Gemäldegalerie, Eike Schmidt. Diese habe es trotz zahlreicher Anfragen des italienischen Staates immer noch nicht an das Museum zurückgegeben. Das Werk sei jahrzehntelang verschwunden gewesen und erst 1991 nach der Wiedervereinigung aufgetaucht. Verschiedene "Vermittler" hätten sich seitdem mit den italienischen Behörden in Verbindung gesetzt und eine Ablösesumme verlangt. Das Gemälde sei aber im Besitz des italienischen Staates und daher nicht "veräußerbar oder erhältlich", so die Gemäldegalerie.

"Pardon"-Gründer Hans A. Nikel gestorben

Erfinder des Satire-Magazins wurde 88 Jahre alt

Der Publizist, Satiriker und Bildhauer Hans A. Nikel ist tot. Der Erfinder und Verleger des Satire-Magazins "Pardon" sei im Alter von 88 Jahren nach längerer Krankheit gestorben, teilten seine Witwe und ein Freund der Familie mit. Nikel arbeitete zunächst für die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Rundschau". Parallel studierte er bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, den beiden Ikonen der Frankfurter Schule. Nach seiner Zeit bei der 1982 eingestellten "Pardon" hatte der Philosoph und Künstler zurückgezogen gelebt und sich der Bildhauerei gewidmet.

USA und Israel verlassen Unesco

Streit um Ost-Jerusalem zeigt Folgen

Die USA und Israel haben die Unesco mit dem Jahreswechsel offiziell verlassen. Der Prozess wurde bereits vor über einem Jahr ausgelöst, als die US-Regierung im Oktober 2017 diesen Schritt ankündigte und Israel folgte. Die in Paris ansässige Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur wurde kritisiert, weil sie die israelische Besetzung Ost-Jerusalems immer wieder anprangert und umstrittene Kulturstätten als palästinensisches Kulturerbe anerkannt hat. Beide Länder hatten bereits nach dem Beitritt Palästinas zur Unesco ihre Mitgliedszahlungen eingestellt.

Vietnam kontrolliert das Internet

Neues Gesetz schränkt Meinungsfreiheit ein

In Vietnam ist am Neujahrstag ein drakonisches neues Gesetz zur Kontrolle des Internets und seiner Nutzer in Kraft getreten. Es verpflichtet Internetkonzerne, Inhalte zu löschen, die nach Einschätzung der Regierung den Interessen des Staates zuwiderlaufen. Unternehmen wie Google und Facebook werden verpflichtet, auf Aufforderung der Regierung Daten von Nutzern preiszugeben. Die Journalistenorganisation "Reporter Ohne Grenzen" kritisierte das Gesetz als "totalitäres Modell der Informationskontrolle". Nach Angaben des Staatssicherheitsministeriums in Hanoi richtet sich das Gesetz gegen "feindliche und reaktionäre Kräfte", die über das Internet zu Gewalt und Aufruhr anstachelten.

Thielemann-Debüt bei Wiener Philharmonikern

Star-Dirigent startet mit Neujahrskonzert

Christian Thielemann gibt sein Debüt als Dirigent der Wiener Philharmoniker bei einem Neujahrskonzert. Der 59-Jährige Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden ist dem Wiener Orchester bereits seit dem Jahr 2000 eng verbunden. Die Erfahrungen aus der gemeinsamen Zusammenarbeit zahlten sich jetzt bei der Arbeit an Nuancen aus, sagte Thielemann vor dem Konzert. Das Orchester wird mit 17 Stücken - vornehmlich Werken der Strauss-Familie - ins neue Jahr starten, ehe mit dem Donauwalzer und dem Radetzky-Marsch als traditionellen Zugaben zu rechnen ist. Das Konzert wird aus dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereins in mehr als 90 Länder übertragen.

Schriftsteller Edgar Hilsenrath gestorben

Autor von "Der Nazi & der Friseur" wurde 92 Jahre alt

Der Schriftsteller Edgar Hilsenrath ist tot. Der jüdische Autor starb im Alter von 92 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung, wie sein französischer Verlag Le Tripode mitteilte. Hilsenrath wurde 1926 in Leipzig geboren und floh 1938 mit seinen Eltern vor den Nazis in ein Ghetto nach Rumänien. Später wurde er in die Ukraine verschleppt. 1951 zog Hilsenrath in die USA und begann mit dem Schreiben. Sein Erstlingswerk "Nacht" über den Überlebenskampf im Ghetto erschien 1964 zunächst nur auf englisch und wurde ein großer Erfolg. 1975 kehrte Hilsenrath nach Deutschland zurück. Weitere bekannte Werke sind "Der Nazi & der Friseur", "Das Märchen vom letzten Gedanken" und "Die Abenteuer des Ruben Jablonski". Hilsenraths letztes Buch, "Terminus Berlin", erschien 2006.

Kulturhauptstädte in Plowdiw und Matera

Bulgarien schmückt sich erstmals mit dem Titel

Die beiden "Kulturhauptstädte Europas" liegen in diesem Jahr in Bulgarien und Italien. Die bulgarische Stadt Plowdiw ist die zweitgrößte bulgarische Stadt und reich an antiken Sehenswürdigkeiten. Thraker, Römer und Türken prägten die jahrtausendealte Geschichte der Stadt. Auch Matera in Süditalien punktet mit antiken Nachlässen. Die an den Felsenhängen liegenden antiken Höhlensiedlungen gehören bereits zum Weltkulturerbe. Nach Florenz (1986), Bologna (2000) und Genua (2004) ist Matera bereits die vierte italienische Kulturhauptstadt Europas. Bulgarien schmückt sich erstmals mit dem Titel.

Zahl der getöteten Journalisten 2018 gestiegen

Gefährlichstes Land für Journalisten war Afghanistan

In diesem Jahr sind nach einem Bericht der Internationalen Journalisten-Föderation weltweit 94 Journalisten getötet worden. Das seien zwölf mehr als im Jahr 2017, heißt es in einem Bericht des Dachverbandes. Damit geht der Trend wieder nach oben. Seit 2012, als 121 tote Journalisten gezählt wurden, war ihre Zahl jedes Jahr stetig gesunken. Gefährlichstes Land für Journalisten 2018 war Afghanistan, wo 16 Journalisten ums Leben kamen, gefolgt von Mexiko mit elf. Neun Tote wurden im Jemen gezählt und acht in Syrien. Prominentestes Todesopfer war der saudische Journalist Jamal Khashoggi, der im Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul ermordet wurde.

Venedig kostet demnächst Eintritt

Tagestouristen sollen 2,50 bis 5 Euro zahlen

Italiens Haushaltsplan für 2019 hat auch Folgen für Venedig-Touristen: Das Gesetz sieht ein Eintrittsgeld von 2,50 bis 5 Euro für jeden Besucher vor, der "mit einem beliebigen Beförderungsunternehmen" in die Lagunenstadt reist. Wie italienische Medien berichten, soll das neue Venedig-Ticket die bisherige Beherbergungstaxe ersetzen und von Tagestouristen erhoben werden. Die Regierung in Rom hatte den überarbeiteten Haushaltsplan gestern mit einer Vertrauensfrage durch das Parlament gebracht. Heute sollten die Abgeordneten endgültig über das Gesetz abstimmen. Details zum Venedig-Ticket sind noch unklar. Laut den Berichten soll es voraussichtlich als Zuschlag von Bus-, Fähr- und Fluggesellschaften wie auch Kreuzfahrtunternehmen erhoben werden. Venedig diskutiert seit längerem eine Regulierung des Besucherzustroms. 2017 wurden nach Angaben der Regionalregierung 9,5 Millionen Touristen verzeichnet.

Strukturfonds für Museen in Afrika gefordert

Hilfen für Institutionen in Herkunftsländern kolonialer Kunst angeregt

Die Rückgabe von Kulturgütern aus deutscher Kolonialzeit sollte aus Sicht der Stiftung Preußischer Kulturbesitz begleitet werden von Hilfen an Institutionen der Herkunftsländer. "Es bräuchte einen Strukturfonds zur Unterstützung von Museen in Afrika und anderen Teilen der Welt", sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger der Deutschen Presse-Agentur. Kooperationspartner deutscher Museen benötigten Hilfe zur Lösung infrastruktureller Probleme oder beim Kulturerhalt durch Restaurierung, Konservierung oder Digitalisierung. Häufig fehle es an technischer Ausstattung. "Hier könnte mit überschaubarem Aufwand sehr viel erreicht werden.", sagte Parzinger.

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