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Freitag, 03.07.2020
 
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Kulturnachrichten

Freitag, 3. Juli 2020

Jüngster Generalmusikdirektor dirigiert in Wuppertal

Patrick Hahn wird neuer Generalmusikdirektor der Wuppertaler Bühnen. Der erst 24-jährige Österreicher soll zur Spielzeit 2021/22 die Leitung des 90-köpfigen Sinfonieorchesters übernehmen, teilten die Wuppertaler Bühnen und Sinfonieorchester GmbH mit. Hahn werde damit jüngster Generalmusikdirektor in Deutschland. Er studierte Klavier und Dirigieren an der Kunstuniversität seiner Heimatstadt Graz. Als Dirigent arbeitete er unter anderem mit dem Gürzenich-Orchester Köln, den Düsseldorfer Symphonikern, der Dresdner Philharmonie, den Wiener Symphonikern, der Bayerischen Staatsoper München und der Staatsoper Hamburg zusammen.

Ungarische Regierung unterwirft Filmuniversität

Trotz des Protests hunderter Kunst- und Kulturschaffender soll die angesehene Budapester Universität für Schauspiel- und Filmkunst an eine regierungstreue Stiftung übergeben werden. Ein entsprechendes Gesetz wurde mit den Stimmen des Regierungslagers vom ungarischen Parlament verabschiedet. Kritiker sehen darin einen weiteren Schritt des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban, autonome Kultur-Bereiche zu Gunsten einer völkisch-klerikalen Staatskultur zu verdrängen. Die Stiftung wird über die Führung, Lehre und Ausbildungsrichtlinien der Theater- und Filmuniversität bestimmen. Mehr als 200 Kulturschaffende protestierten in einer Petition gegen die Aufhebung der Universitätsautonomie.

Sanierungs-Kosten für Notre-Dame verdoppeln sich

Die Kosten für die Restaurierung der Pariser Kathedrale Notre-Dame verdoppeln sich allein in der ersten Phase auf mindestens 165 Millionen Euro. Der Aufwand für die Sicherungs-, Konsolidierungs- und Reinigungarbeiten seien neu bewertet worden, berichtet die Zeitung "La Croix". Ursprünglich waren dafür lediglich 80 Millionen Euro vorgesehen. Insgesamt sind bislang 833 Millionen Euro Spenden für den Wiederaufbau der Kathedrale zugesagt. Die Stadt Paris will sich mit etwa 70 Millionen Euro beteiligen. Mitte April 2019 hatte ein Großbrand Teile des weltbekannten Bauwerks zerstört. Nach dem Willen von Staatspräsident Emmanuel Macron soll der Wiederaufbau 2024 abgeschlossen sein.

Buchpreis-Verleihung wegen Corona ohne Publikum

Der Deutsche Buchpreis wird in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ohne Publikum vergeben. Die Preisverleihung finde wie geplant am 12. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit. Die Veranstaltung werde unter anderem über die Website des Deutschen Buchpreises übertragen. Geplant sind Interviews mit Juroren und dem Veranstalter. Die nominierten Titel werden durch Lesepassagen und eingespielte Filme der Deutschen Welle vorgestellt. Am Ende stehen die Bekanntgabe des Romans des Jahres und die Dankesworte des Preisträgers. Am 18. August gibt die Jury die 20 Titel umfassende Longlist bekannt. Die Shortlist mit den sechs Finalisten wird am 15. September veröffentlicht.

Bund stützt 27 freie Musikensembles in Corona-Krise

Der Bund unterstützt 27 freie Orchester und Ensembles in Deutschland finanziell in der Corona-Krise. Die Mittel aus dem Programm "Orchester vor neuen Herausforderungen" umfassen jeweils bis zu 200 000 Euro, teilte das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung mit. Ziel sei es, freien Ensembles und Orchestern so schnell wie möglich den Wiederbeginn ihrer künstlerischen Arbeit zu ermöglichen. Sie seien von der Corona-Krise hart getroffen, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Als ein wichtiger Kreativitätsfaktor der Musikkultur setzten sie Impulse, die oft von anderen Festivals, Theatern und Orchestern aufgegriffen würden, erklärte die CDU-Politikerin.

Robert-Gernhardt-Preis 2020 für drei Romanprojekte

Der Robert-Gernhardt-Preis geht diesem Jahr an drei Autorinnen und Autoren. Fatma Bahar Aydemir, Sven Amtsberg und Thomas Hettche erhalten die mit insgesamt 36.000 Euro dotierte Auszeichnung, teilte die hessische Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn mit. Den drei Geehrten solle ein größeres literarisches Vorhaben ermöglicht werden. Die Vergabe an drei Personen sei möglich, weil es 2019 nur eine Preisträgerin gegeben habe. Die Auszeichnung ist nach dem Schriftsteller, Zeichner und Maler Robert Gernhardt (1937-2006) benannt, der unter anderem die Neue Frankfurter-Satirikerschule mitgründete.

Estnischer Opernchef wegen Sexvorwürfen suspendiert

Die Estnische Nationaloper hat den Vertrag mit ihrem Generaldirektor Aivar Mäe für zwei Monate ausgesetzt, nachdem ihm mehrere Frauen sexistisches und sexuell übergriffiges Verhalten vorgeworfen haben. Das berichtet der estnische Rundfunk.
In der Wochenzeitung "Eesti Ekspress" hatten mehrere weibliche Angestellte den Opernchef zuvor anonym bezichtigt, sie jahrelang gedemütigt und belästigt zu haben. Mäe bestritt dies zunächst, später bat er öffentlich für sein Verhalten um Entschuldigung. Nachdem die Polizei zu Wochenbeginn ein Ermittlungsverfahren einleitete, rückte die Oper nun von ihm ab. Auch der Vorsitzende des Aufsichtsrats trat zurück.

Akerlund dreht Film über Beatles-Manager Brian Epstein

Das Leben von Beatles-Manager Brian Epstein soll verfilmt werden. Wie das US-Magazin "Variety" berichtet, soll der Film "Midas Man" heißen und vom schwedischen Grammy-Preisträger Jonas Akerlund inszeniert werden. Dieser hat bereits zahlreiche Musik-Videos gedreht, unter anderem für Madonna, U2 und die Rolling Stones. Epstein hatte die Beatles 1961 in Liverpool entdeckt und ihren ersten großen Plattenvertrag unter Dach und Fach gebracht. Nach Hits wie "She Loves You" und "I Wanna Hold Your Hand" brachte Epstein die Beatles 1963 in der Ed-Sullivan-Show in den USA unter und sorgte somit für ihren internationalen Durchbruch. Im Sommer 1967 starb der Beatles-Manager mit 32 Jahren an einer Überdosis Schlaftabletten.

US-Supreme Court beschäftigt sich mit Welfenschatz

In den jahrelangen Streit um den millionenschweren Welfenschatz wird sich jetzt das Oberste Gericht der USA einschalten. Das teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) in Berlin mit. Der Welfenschatz gilt als einer der bedeutendsten Kirchenschätze des Mittelalters. Die Stiftung sieht keine Grundlage für eine Rückgabe und hält die Klage für unbegründet. In dem seit 2008 dauernden Restitutionsverfahren geht es um mehr als 40 Objekte des ursprünglich sehr viel umfangreicheren Schatzes, den das Welfenhaus 1929 verkauft hat. Einige Erben der jüdischen Händler, die 1935 den Schatz weiter verkauften, halten den Verkauf für NS-verfolgungsbedingt. 2015 reichten sie eine Klage auf Herausgabe des Schatzes bei einem US-Gericht ein. 2019 wandte sich die Stiftung an das Oberste Gericht mit der Frage, ob die Klage gegen sie in den USA überhaupt zulässig ist.

Schmidts Tivoli spielt als erstes Theater wieder

Nach fast vier Monaten Corona-Pause hat das "Schmidts Tivoli" auf der Hamburger Reeperbahn wieder geöffnet. "Herzlich willkommen im ersten deutschen Theater, das heute seinen Spielbetrieb wieder aufnimmt", begrüßte Theaterchef Corny Littmann am Donnerstagabend seine Gäste. Zur Premiere schauten auch Prominente wie Panikrocker Udo Lindenberg und Sänger Sasha vorbei. Für die Show "Paradiso" wurde das Theater in eine tropische Oase verwandelt. Die Zuschauer sitzen in kleinen Inseln zusammen, statt der sonst üblichen 620 Zuschauer passen aber nur 255 Zuschauer in den Saal. Damit die Gäste die Abstandsregeln in Corona-Zeiten einhalten können, gibt es drei verschiedene Eingänge und zwei verschiedene Einlasszeiten.

Serebrennikow nach Urteil: Kann Geldstrafe nicht zahlen

Der russische Starregisseur Kirill Serebrennikow kann nach eigenen Angaben die von einem Gericht wegen angeblichen Betrugs verhängte Geldstrafe nicht aus eigenen Mitteln zahlen. Er könne das Land nicht verlassen, bis er dem Kulturministerium das Geld gezahlt habe, das er definitiv nicht habe, sagte Serebrennikow in einem Interview mit "The Hollywood Reporter". Zahlreiche Kulturschaffende unter anderem aus Deutschland, Österreich und Frankreich hätten ihm Unterstützung angeboten. Das Gericht hatte Serebrennikow und drei Mitarbeiter vergangene Woche schuldig gesprochen, 129 Millionen Rubel (1,6 Millionen Euro) an staatlichen Fördergeldern veruntreut zu haben. Der auch in Deutschland bekannte Film- und Theatermacher bekam eine Bewährungsstrafe. Zudem sollten er und sein Team die angeblich veruntreute Summe zurückzahlen. Der Regisseur hatte die Vorwürfe stets bestritten.

Kunstmuseum in Aahus plant unterirdische Erweiterung

Das Kunstmuseum Aros im dänischen Aahus plant einen Erweiterungsbau unter der Erde. Museumsdirektor Erlend Høyersten präsentierte das Projekt, das den Titel The Next Level trägt. Der Erweiterungsbau, der in Zusammenarbeit mit den Architekten Schmidt Hammer Lassen entwickelt wurde, besteht demnach aus mehreren Elementen: einer unterirdischen Galerie auf 1000 Quadratmetern, einer halbunterirdischen Kuppel namens The Dome des amerikanischen Künstlers James Turrell und einem temporären Pavillon für Ausstellungen und Konzerte. Die Baukosten werden auf knapp 200 Millionen dänische Kronen (knapp 27 Mio Euro) geschätzt und zu mehr als der Hälfte mit privaten Mitteln finanziert, wie es hieß. Die Eröffnung ist den Angaben zufolge für 2023 geplant.

Pinakotheken sollen Raubkunst-Gemälde zurückgeben

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sollen ein von den Nationalsozialisten geraubtes Gemälde an seine rechtmäßigen Besitzer zurückgeben. Das hat die Limbach-Kommission entschieden. Die Staatsgemäldesammlungen teilten auf Anfrage mit, dass die Begründung nun intern ausgewertet werden solle. Nach Empfehlung der Kommission soll das Gemäldes "Das Zitronenscheibchen" von Jacob Ochtervelt an die Erben eines Berliner Bankiers zurückgegeben werden. Sollten die Erben das Gemälde innerhalb der kommenden zehn Jahre verkaufen, soll der Freistaat Bayern zur Hälfte am Erlös beteiligt werden. Das Gemälde ist um das Jahr 1667 entstanden und war im Besitz der jüdischen Familie, bis das Bankhaus von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde.

Gedenkstättenleiter nach NS-Vergleich unter Druck

Wegen umstrittener Äußerungen auf Twitter gerät der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, zunehmend unter Druck. Nach Politikern von Linken und Grünen brachte auch Landeskulturministerin Barbara Klepsch (CDU) ihr Befremden zum Ausdruck. Reiprich hatte am Montag mit Blick auf die Ausschreitungen gegen Polizisten und Plünderungen in Stuttgart am vorletzten Wochenende getwittert: "War da nun eine Bundeskristallnacht oder 'nur' ein südwestdeutsches Scherbennächtle?" Tags darauf sorgte er auf derselben Plattform weitere Irritationen, in der er weiße Menschen als bedrohte Minderheit darstellte. Reiprich war bereits früher wegen seiner Amtsführung in die Kritik geraten. Die Stiftung hatte vergangene Woche sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt noch in diesem Jahr bekanntgegeben.

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