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Samstag, 07.12.2019
 
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Kulturnachrichten

Samstag, 7. Dezember 2019

"The Favourite" gewinnt Europäischen Filmpreis

Die Königshofgroteske "The Favourite" von Yorgos Lanthimos ist in Berlin von der Europäischen Filmakademie als bester europäischer Film des Jahres ausgezeichnet worden. Das deutsche Drama "Systemsprenger" ging dagegen in zwei wichtigen Kategorien leer aus. In "The Favourite" spielt Olivia Colman die übellaunige Queen Anne, um deren Gunst zwei Frauen buhlen. Colman als beste Darstellerin, der Grieche Lanthimos als bester Regisseur ausgezeichnet. Weitere Preise gab es für Kamera, Schnitt, Kostüm und Maske. Auch als Komödie des Jahres wurde die Satire ausgezeichnet. Das deutsche Drama "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt erhielt eine Auszeichnung für die Musik. Als bester Darsteller wurde der Spanier Antonio Banderas ("Leid und Herrlichkeit", Pedro Almodóvar) ausgezeichnet. Der Ehrenpreis für das Lebenswerk ging an Regisseur Werner Herzog.

Premiere: "Orlando" an der Wiener Staatsoper

Die Komponistin Olga Neuwirth will mit ihrer Oper "Orlando" an der Wiener Staatsoper "androgyne Klänge" schaffen. "Mich interessiert die Travestie des Klanges", sagte Olga Neuwirth der Süddeutschen Zeitung. Die Oper nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der 300 Jahre lang lebt und sich in eine Frau verwandelt. Bei ihr seien schon immer Genres, traditionelle Instrumente und Elektronik vermischt gewesen, so Olga Neuwirth. Schon in der Wahl der musikalischen Mittel spiele sich ab, was die Geschichte von Orlando aussage. "Alles ist andauernd im Übergang, ein ständiges Shifting: Alles ist da, wird aber sofort wieder verändert." "Orlando" ist die erste abendfüllende Oper von einer Frau an der Wiener Staatsoper.

Flussseeschwalbe ist "Seevogel des Jahres 2020"

Der Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur hat die Flussseeschwalbe zum "Seevogel des Jahres 2020" gewählt. Die Küstenbewohnerin stehe exemplarisch für die beiden globalen Umweltkatastrophen unserer Zeit: den Klimawandel und den dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt. In Deutschland hat die Flussseeschwalbe einen festen Platz auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel und gilt seit 2007 mit einem Bestand von 9.000 bis 10.500 Paaren als gefährdet. Auch in den Seevogel-Schutzgebieten an Nord- und Ostsee sei der Rückgang zu bemerken, sagte Mathias Vaagt, Vorsitzender des Vereins Jordsand. Auf der Insel Scharhörn in der Elbmündung habe es Anfang der 1980er Jahre noch bis zu 3200 Brutpaare gegeben, doch seit 2008 brüte dort keine einzige Flussseeschwalbe mehr.

Bibliothek gibt Bücher an Ordensgemeinschaft zurück

Nach 77 Jahren kehren Bücher, die von den Nationalsozialisten geraubt worden waren, in die Bibliothek des Hauses HohenEichen in Dresden zurück. Die 22 Bände werden nach Angaben der Sächsischen Landesbibliothek am Mittwoch an die dortige Ordensgemeinschaft der Jesuiten übergeben. Haus HohenEichen wurde 1921 durch Stiftung der Wettiner-Prinzessin Maria Immaculata von Sachsen gegründet und ist geistliches Zentrum der Jesuiten im Bistum Dresden-Meißen. 1941 ließen die Nazis es schließen, beschlagnahmten und enteigneten das Grundstück samt allen Gebäuden und Inventar. Ein Teil der Bibliothek gelangte als Schenkung der Gestapo 1942 in die Sächsische Landesbibliothek, bis auf die 22 Bände verbrannte er bei der Bombardierung Dresdens 1945.

Nobelpreisgewinner mahnen Klimaschutz an

Drei Gewinner der diesjährigen Nobelpreise haben wenige Tage vor der Verleihung der Auszeichnung in Stockholm dringend Maßnahmen gegen den Klimawandel angemahnt. Esther Duflo, die sich den Wirtschaftsnobelpreis mit zwei zweiteren Ökonomen teilt, sagte unter anderem, der Klimawandel treffe Menschen im Süden unverhältnismäßig stark. «Deshalb ist es auch unsere Verantwortung in der reichen Welt, unseren Konsum einzuschränken». Stanley Whittingham, einer der drei Chemie-Nobelpreisträger, mahnte bei den Maßnahmen Pragmatismus an. «Wir können nicht einfach alles CO2 abstellen», sagte er. Es sei aber an der Zeit, das Problem zu lösen. Didier Queloz, der zu den drei Gewinnern des diesjährigen Physik-Nobelpreises gehört, erinnerte daran, dass der Mensch für den Planeten Erde geschaffen sei und nicht auf einem anderen Planeten überleben könne.

Beethovens "Unvollendete" wird vollendet

Ein Computerprogramm soll mithilfe künstlicher Intelligenz Beethovens 10. Sinfonie zu Ende komponieren, die der berühmte Musiker im Alter nicht mehr abschließen konnte. Dies berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Seit dem Sommer arbeite ein internationales Team aus Musikwissenschaftlern, Komponisten und Informatikern daran, den Algorithmus so zu trainieren, dass er die fehlenden Passagen im Geiste Beethovens nachkomponiert. Die Weltneuheit soll im Beethoven-Jahr 2020 vom Beethoven-Orchester in Bonn uraufgeführt werden. Was dabei herauskommt, weiß noch keiner der Beteiligten. "Der Algorithmus ist unberechenbar, er überrascht uns jeden Tag aufs Neue", sagte Projektkoordinator Mattias Röder, Direktor des Karajan-Instituts, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Im kommenden Jahr wird Beethovens 250. Geburtstag begangen.

Gothaer Alte Meister möglicherweise von DDR verkauft

Im Fall des Gothaer Kunstraubs hat Oberbürgermeister Knut Kreuch versichert, dass alle Beteiligten eine gütliche Einigung wollen. Im Deutschlandfunk Kultur berichtete Kreuch von monatelangen vertraulichen Verhandlungen mit einem Anwalt über eine Vergleichszahlung für die fünf gestohlenen Alten Meister. Die Mandanten des Anwalts behaupteten, dass sie im Jahr 1979/80 einen "Betrag X" an die DDR für die Übernahme dieser Gemälde gezahlt hätten, so Kreuch im DLF Kultur. "Diesen Betrag wollen sie gerne wieder haben." Die Summe richte sich nach dem Wert der Gemälde. Aus diesem errechne sich der Finderlohn in Höhe von 10 Prozent. Für die Finanzierung des Finderlohns hat sich die Stadt Gotha mit der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung zusammengetan. Aktuell werden die Bilder in Berlin auf Echtheit überprüft. Der Gothaer Kunstraub ist seit dem Jahr 2009 verjährt.

Robbie Williams holt Elvis Presley ein

Mit seinem Weihnachtsalbum "The Christmas Present" ist Robbie Williams an die Spitze der britischen Charts geklettert - und liegt bei der Zahl seiner Nummer-eins-Soloalben nunmehr gleichauf mit dem bisherigen Rekordhalter Elvis Presley. "Es ist eine unglaubliche Leistung und bedeutet mir mehr als jedes meiner anderen Alben", erklärte Williams in London. "The Christmas Present" ist Williams 13. Soloalbum, das es als Nummer eins auf die britische Hitliste schaffte. Der 1977 gestorbene US-Sänger Presley stand ebenfalls 13 Mal an der Spitze der britischen Charts - erstmals 1956 und zuletzt postum 2016, als das Royal Philharmonic Orchestra bekannte Stücke des "King of Rock'n'Roll" neu vertonte.

Kranichsteiner Literaturpreis für Nora Bossong

Die Schriftstellerin Nora Bossong hat in Darmstadt den mit 30.000 Euro dotierten Kranichsteiner Literaturpreis 2019 erhalten. Die in Berlin lebende Autorin schreibe Romane, Gedichte, Essays und Reportagen und sei in all diesen literarischen Genres zu Hause, begründete der Deutsche Literaturfonds die Wahl. Bossong beeindrucke durch ihre "Virtuosität und literarische Klugheit". In ihrem Gedichtband "Kreuzzug mit Hund" beschwöre sie z.B. die europäische Idee.

Peter Weibel bleibt an der Spitze des ZKM

Peter Weibel bleibt bis 31. März 2023 wissenschaftlich-künstlerischer Vorstand des Karlsruher Zentrums für Kunst und Medien, ZKM. Wie das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst mitteilte, billigte das heute der Stiftungsrat. Weibels Zukunft war lange ungewiss. Zahlreiche Kunstschaffende und Intellektuelle hatten jedoch eine Petition für eine Vertragsverlängerung unterzeichnet. Dazu zählten Walter Smerling, Vorstandsvorsitzender der Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn, die Künstler Markus Lüpertz und Heinz Mack sowie der Philosoph Peter Sloterdijk. Weibel gilt als einer der wichtigsten Akteure der Medienkunst. Seit 1999 leitet der heute 75-Jährige das ZKM und gehört zu den Köpfen der Karlsruher Schlosslichtspiele, die seit 2015 mehr als 1,5 Millionen Zuschauer anlockten.

Italien und Deutschland wollen Kulturgüter schützen

Italien und Deutschland wollen sich gemeinsam für einen besseren Schutz von Kulturgütern einsetzen. Das haben die italienische Kulturminister Dario Franceschini und die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei einem Treffen in Rom bekräftigt. Europa müsse, so wie bereits Italien und Deutschland, ein eigenes Programm zum Schutz von Kulturgütern vor Naturkatastrophen auflegen, sagte Franceschini laut einer Mitteilung seines Ministeriums. Zudem müsse die Arbeit der sogenannten Kulturblauhelme - spezielle Einheiten zum Schutz des Kulturerbes - stärker unterstützt werden. Die Minister unterschrieben außerdem eine Vereinbarung zur Neuauflage eines literarischen Übersetzerpreises, der künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus verliehen werden soll.

Nobelpreisträger telefonieren mit Austronauten der ISS

Drei der diesjährigen Nobelpreisträger haben sich in einem Telefonat mit Astronauten auf der ISS über große Fragen des Universums ausgetauscht. Die Astronomen Didier Queloz und Michel Mayor sowie der Materialforscher Stanley Whittingham sprachen vom Nobelpreismuseum in Stockholm aus mit den Raumfahrern Luca Parmitano und Jessica Meir. Dabei ging es unter anderem um die Herausforderungen von Weltraumspaziergängen, die Effektivität von Batterien und die Möglichkeit von Leben auf anderen Planeten. Queloz und Mayor zählen in diesem Jahr zu den drei Nobelpreisträgern in der Kategorie Physik, Whittingham ist einer der drei Preisträger in Chemie. Sie erhalten ihre Preise am kommenden Dienstag in Stockholm.

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