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Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.07.2019

Kulturkampf in PolenStreit um Polin-Museum in Warschau

Martin Sander im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Im Vodergrund eine Statue, dahinter das Museum aus Glas. (imago images / BE&W)
Das Polin-Museum der Geschichte der polnischen Juden. (imago images / BE&W)

Der Leiter des Polin-Museums in Warschau wurde von einer Berufungskommission mit deutlicher Mehrheit in eine neue Amtszeit gewählt. Trotzdem will Polens Kulturminister ihn nicht ernennen. Um das jüdische Museum ist ein Streit entbrannt.

Rund drei Millionen Juden lebten vor dem Zweiten Weltkrieg in Polen. 2014 wurde das Museum zur Geschichte der polnischen Juden im Zentrum von Warschau eröffnet, ein bedeutender Schritt. Die EU hat das honoriert und das Polin-Museum 2016 mit dem Europa-Nostra-Preis für die Bewahrung kulturellen Erbes ausgezeichnet. Und weil das Haus auch für Debatten, Filmfestivals und Konzerte offen steht, gehört es inzwischen zu den bestbesuchten Kultureinrichtungen in Warschau. Anteil an diesem Erfolg hat der Leiter des Museums Dariusz Stola. Obwohl er in eine neue Amtszeit gewählt wurde, weigert sich der Kulturminister seit zwei Monaten seine Ernennungsurkunde zu unterschreiben.

"Er hat katholischen Medien erklärt, Dariusz Stola hätte eine Konferenz sabotiert, die dem Andenken an Lech Kaczynski galt", erklärt der Journalist Martin Sander. Allerdings sei das offenbar "eine Ausrede des Ministers gewesen". Denn Kaczynski habe sich seinerzeit für das Museum eingesetzt. "Und das Polin-Museum hat dementiert, dass eine solche Konferenz stattfinden sollte", so Sander.

Stola in Regierungskreisen unbeliebt

Es handele sich also nur um einen Vorwand des Ministers. "Die wahren Gründe sind, dass Dariusz Stola extrem unbeliebt ist in national-konservativen Kreisen, weil er die komplizierte jüdisch-polnische Nachkriegsgeschichte und damit auch den Antisemitismus der Nachkriegszeit zum Thema gemacht hat. Deswegen kann man ihn in der Regierung nicht leiden", so Sander.

Ohne Weiteres könne der Minister Stola allerdings nicht absetzen, erklärt Sander, da mehre Gruppen mitentscheiden dürften: "Und zwar gibt es da ja drei Teile: Das Kulturministerium bildet nur einen. Sehr wichtig ist die Stadt Warschau und die ist ja in der Hand der liberalen Opposition, und dann gibt es noch private Geldgeber."

Der Minister habe also nur begrenzt Einfluss. "Aber den wenigen, den er hat, den nutzt er jetzt aus", so Sander. In Polen möchte die Regierungspartei schon seit längerem, dass auch in den Museen ein patriotischer Kurs durchgesetzt wird. "Da passen kritische Töne nicht rein", sagt Sander.

So gibt es zwischen Museen und Politik immer wieder Streit. Zuletzt wollte Polens Regierung ihr Geschichtsbild im Westerplatte-Museum in Danzig durchsetzen.

(nho)

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