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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 04.01.2017

Kulturhauptstadt Aarhus in DänemarkEndlich die Nummer eins

Von Carsten Schmiester

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Aarhus im Osten Dänemarks ist die zweitgrößte Stadt des Landes. Jüdisches Leben findet dort heute jedoch kaum noch statt. (Deutschlandradio / Tobias Kühn)
Als Kulturhauptstadt 2017 zieht Aarhus die Aufmerksamkeit auf sich. (Deutschlandradio / Tobias Kühn)

Aarhus ist die zweitgrößte Stadt Dänemarks, sie steht im scheinbar ewigen Schatten von Kopenhagen, ist aber deutlich älter und schon im achten Jahrhundert von den Wikingern gegründet worden. Jetzt ist die lebendige Universitätsstadt endlich mal die Nummer eins - wenigstens für ein Jahr.

"Willkommen an Bord der KatExpress 2!"

Mit knapp 70 Kilometern pro Stunde rast eine der schnellsten Katamaran-Fähren der Welt von Seeland nach Jütland. Die Route ist beliebt, sie verkürzt die Fahrstrecke zwischen Kopenhagen und Aarhus um etwa 200 Kilometer, dazu ist die schnelle Querung des Kattegats per Schiff ein Abenteuer und die Einfahrt in den Hafen von Aarhus ein Erlebnis. Alte Gebäude kommen in Sicht, aber auch viele Neubauten und Baukräne. Diese Stadt hat tiefe Wurzeln, doch sie wächst und lebt!   

"Willkommen in Aarhus", rapt "Julaw”, ein junger Aarhusianer und schon eine Größe in der dänischen Musikszene. Der Song steht wie kein anderer für das moderne Bild der Universitätsstadt.

Selbst im Winter sind diese "good vibrations" zu spüren, die positiven Schwingungen, dieses angenehm entspannte Gefühl beim Schlendern durchs "Latin Quarter", dem ältesten Teil der City, wo früher einmal eine Wikingerfestung stand und danach der Kern des heutigen Aarhus gebaut worden ist. Straßen mit Kopfsteinpflaster, kleine, urige, aber auch piekfeine Läden, viele gemütliche Kneipen und schicke Clubs. Knapp 320.000 Einwohner leben im Zentrum der Region Midtjylland, unter ihnen mehr als 40.000 Studenten.

Aarhus steht im ewigen Schatten von Kopenhagen

Aarhus ist die zweitgrößte Stadt Dänemarks, sie steht im scheinbar ewigen Schatten von Kopenhagen, ist aber deutlich älter und schon im achten Jahrhundert von Wikingern gegründet worden. Zugleich ist sie aber auch jünger als die Hauptstadt, nämlich was den Bevölkerungsdurchschnitt angeht. Und nun endlich einmal die Nummer Eins, wenigstens für ein Jahr.

 "Wir haben lange darauf gewartet", rappt "Julaw". Damit meint er den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2017", "jetzt sind wir da". Aarhus eben, gut Ding will Weile haben. Die Stadt hat einige muntere Macher wie "Julaw", die sich nicht scheuen, Stärken und Schwächen der Stadt offen anzusprechen - oder sie zu rappen:

"Du kannst an Aarhus glatt verzweifeln und dich trotzdem total in die Stadt verlieben",

... heißt es in dem Song.

"Die Leute hier sind nicht so schick und so seltsam wie in Kopenhagen, aber sie sind ehrlich. Sie sagen, was sie denken, hören zu und wissen nicht immer gleich alles besser. Hier spürst Du Liebe, und die kommt von innen, deshalb findest Du mich in – Aarhus!"

Die Stadt hat nicht nur ein großes Herz, eine große Uni, einen großen Hafen und große Museen, sie hat auch große Probleme. Das Verkehrschaos rund um den Stadtkern ist eines davon, der nicht abgeschlossene Straßenbahnbau macht die Sache im "Kulturjahr" sogar noch übler, ist aber nicht das Schlimmste! Nach einer aktuellen Statistik leben die ärmsten Dänen im Westen dieser Stadt, viele von ihnen sind Einwanderer. Da gibt es viel Not und wenig Hoffnung – und als Folge unter anderem religiösen Extremismus.

Auch den wollen die Aarhusianer im "Kulturjahr" besser in den Griff bekommen. Schließlich ist "let’s rethink" das Motto, "lasst uns neu denken", und dazu gehört auch der Umgang mit Minderheiten und Zuwanderern.

Aber dieses "let’s rethink" bedeute mehr, sagt Jacob Bundsgaard, 40 Jahre alt, Familienvater, Sozialdemokrat und seit 2011 Bürgermeister von Aarhus.

Eigentlich müsste man sagen, dass er in seinem riesigen Büro im ebenso kühnen wie kühlen Rathaus der Stadt "residiert". Das Haus ist aus Beton gebaut und mit norwegischem Marmor verkleidet. Weite Flure, ein großer überdachter Innenhof, der ein wenig an ein Gefängnis erinnert.

Der Bürgermeister ist entspannt und selbstbewusst

Sehr sachlich das Ganze. Bundsgaard passt da eigentlich nicht hinein. Er ist entspannt, leise, aber durchaus selbstbewusst, was "seine" Stadt angeht und das Programm fürs "Kulturjahr":

"Es wird eine ganze Reihe wichtiger Veranstaltungen geben. Wir erwarten zehntausende Besucher und bieten viele auch kleine und mittelgroße Aktionen, bei denen wir die Kultur in einem sehr weiten Sinn "benutzen", um uns mit Fragen auseinander zu setzen, die Dänemark und Europa beschäftigen: Einwanderung, Lebensqualität in Städten. Wie schaffen wir es, dass Menschen ganz neu und unvoreingenommen miteinander reden? Es geht darum, unsere Lebensart zu überdenken und unsere Weltsicht ..."

Etwa 400 einzelne Programmpunkte sind für das Jahr geplant, etwa die Hälfte davon für Besucher umsonst, obwohl das ganze "Projekt" umgerechnet mehr als 60 Millionen Euro kostet. Und das auch nur, weil die Stadt nicht mehr nennenswert in die Infrastruktur investieren musste.

Altstadt von Aarhus (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)Blick in die Altstadt von Aarhus (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

Museen, Bühnen, öffentliche Plätze – eigentlich sei alles schon vorhanden, was man baulich von einer Kulturhauptstadt erwarte, sagt Jacob Bundsgaard, der Bürgermeister… 

"Wir haben viel mehr Zeit damit verbracht, uns über Inhalte Gedanken zu machen. Damit wollen wir Aarhus im internationalen Vergleich mehr Gewicht geben, mehr Aufmerksamkeit auf unsere Stadt lenken. Zugleich wollen wir erreichen, dass die Kultur- und Geschäftswelt in dieser Stadt besser zusammenarbeitet."

Diese Zusammenarbeit "neu denken", auch das ist Teil seines Programms, das eben nicht nur auf Außenwirkung setzt, sondern zuerst einmal die Stadt  nach vorne bringen will.

Da ist er wieder, wenn auch unausgesprochen: der ewige Schatten von Kopenhagen. Aarhus will sich als Kulturhauptstadt weit mehr als bisher auch als moderner Firmensitz präsentieren, der gerade jungen Unternehmen mehr bietet als die doch etwas "gesetzte" Hauptstadt …

"Wir glauben, dass vor allem die Firmen in Zukunft Erfolg haben werden, die in der Lage sind, kreatives und innovatives Potential zu nutzen, das es in dieser Stadt gibt, auch in der Kulturszene. Wir wollen eine spannende Stadt haben, in der es sich gut leben lässt. Nur so haben wir eine Chance, talentierte Leute aus Europa und der ganzen Welt hierher zu holen, die dann auch Lust haben, in Aarhus zu bleiben."

Davon gibt es schon jetzt sehr viele. Die Stadt wächst, seit sechs Jahren im Schnitt um etwa 4.000 Einwohner pro Jahr, und mit ihr wächst die Kulturszene. Das habe die Menschen geprägt, sagt der Bürgermeister.

"Wenn wir die Leute fragen, was sie an ihrer Stadt besonders mögen, dann hören wir am häufigsten: das kulturelle Leben. Darauf sind wir stolz, und es macht uns glücklich zu sehen, wie reich dieses kulturelle Leben ist. Aarhus ist eine aufstrebende Stadt. Das verpflichtet uns, das Kulturangebot ständig zu erweitern. Wir müssen immer neue Wege finden, den Menschen Kultur nahe zu bringen, damit immer mehr von ihnen etwas davon haben."

Der Kulturbegriff ist weit gefasst

Dabei ist der Kulturbegriff weit gefasst. Man will schließlich nicht nur viele Besucher ansprechen, sondern auch die Bevölkerung in Aarhus selbst. Gerade die, die bisher nur wenig miteinander zu tun haben, und die, die schwer bis gar nicht zu erreichen sind, die abgeschottet in ihren eigenen Kreisen leben, die ja auch Kulturkreise sind.

Neu denken – Aarhus will in diesem Jahr ein Vorbild sein, weit über die Grenzen der Stadt und Dänemarks hinaus:

"Viele der großen Themen, Integration, Nachhaltigkeit, erfordern klare öffentliche Positionen. Aber Veränderung fängt in unseren Köpfen an, bei jedem und jeder Einzelnen. Wie sehen wir die Welt, wie offen sind wir anderen gegenüber, wie reden wir übereinander, wie bilden wir Beziehungen? Kultur kann da Begegnungen zwischen Menschen möglich machen. Und zwar so intensiv, wie es sonst vielleicht nur beim Sport passiert. Aber Sport ist nach unserem Verständnis ja auch Teil der Kultur."

Kultur, das sind Menschen. Und die sind verschieden. In Aarhus wie überall auf der Welt. Nur, dass es in dieser Stadt mit knapp 15 Prozent den außerhalb Kopenhagens höchstens Ausländeranteil in ganz Dänemark gibt. Viele Einwanderer sind aus dem Libanon gekommen, aus Somalia, der Türkei, dem Irak und  – bis zur deutlichen Verschärfung des Einwanderungsrechts durch die Regierung – auch aus Syrien. Die meisten von ihnen leben im armen Westen, in der ehemaligen Satellitenstadt Gellerup.

In den 60er Jahren als Modell-Vorstadt auch nach Ideen von Le Corbusier geplant, 1972 mit etwa 2.500 Mietwohnungen in großen Blocks fertig gestellt, später immer mehr verfallen, bis man die Betonburgen Anfang der 90er Jahre sogar abreißen wollte. Das ist aus Kostengründen nicht passiert. Gellerup wurde ein wenig renoviert, ist aber bis heute ein sozialer Brennpunkt, fast 90 Prozent der Bewohner sind Immigranten und deren Kinder. Das klingt nach einer eigenen Welt - und in vieler Hinsicht ist sie das auch, aber es gibt einen Ort, da öffnet sich dieser Stadtteil plötzlich.

Der "Bazar Vest” ist eine der großen ehemaligen Fabrikanlagen, in der früher Heizungen gebaut wurden. Heute pulsiert hier das Leben, es gibt weit über 100 kleine und große Läden, von denen fast alle Einwanderern gehören.

Internationale Kundschaft im "Bazar Vest"

Aber die Kundschaft ist gemischt, jede Woche streifen 30.000 Menschen durch die Gänge und staunen über das Warenangebot: Kleidung, Schmuck, Elektrogeräte und vor allem  Lebensmittel aus allen Ecken der Welt in einer schlicht umwerfenden Vielfalt und Frische.

Ahmet Öcalan ist Däne mit türkischen Wurzeln. Seine Eltern sind vor Jahrzehnten als Gastarbeiter nach Aarhus gekommen. Heute ist er Manager dieser einzigartigen "Multikulti-Mall", die von einem großen dänischen Immobilienunternehmen gegründet worden ist …

"Unsere Kundschaft ist breit gefächert. Am Wochenende sind es übrigens vor allem ethnische Dänen. Aber es kommen auch Leute aus aller Welt, die jetzt in Aarhus und Umgebung leben. Dann die Besucher aus Dänemark, für sie ist diese Mall vor allem eine kulturelle Sehenswürdigkeit. Und Studenten natürlich. Sie kommen hierher, weil es gute Qualität zu guten Preise gibt."

… und dazu das Gefühl, nicht in einer mittelgroßen Stadt im Norden des kleinen Dänemarks zu sein, sondern an einem internationalen Ort - der allerdings durchaus orientalisch geprägt ist. In der Mall halten sich fast nur Männer auf, viele in den kleinen Cafés und  Imbissbuden, während Frauen ihr Mittagessen im Auto auf dem Parkplatz essen.

Zufall, Einzelfall? Oder vielleicht doch Ausdruck eines anderen Rollenverständnisses? Vermutlich beides, aber nichts, was Ahmet  Öcalan von seiner Überzeugung abbringen könnte, dass hier in Gellerup genau das Richtige passiert – "Wandel durch Annäherung".

"Ja, wir sind schon stolz auf diese Mall. Sie ist ein sehr multikultureller Platz und als solcher einzigartig im Vergleich mit anderen Shoppingzentren in Dänemark. Hier gibt es große Kontraste, es geht quer durch alle möglichen Abstammungen und Religionen. Auch deshalb fühlen wir uns als internationaler Teil der Kulturhauptstadt 2017. Ein durchaus wichtiger Teil ..."

Erlend Høyersten ist 44 Jahre alt, halb Däne, halb Norweger, schwarze, wuschelige Haare unter einem schwarzen Hut, Totenkopfring am Finger, Tätowierungen am Arm und – seit 2014 Museumsdirektor in Aarhus. Nicht irgendeiner natürlich, eher schon der Museumsdirektor, nämlich der des inzwischen weltbekannten "ARoS”-Kunstmuseums.

Der  moderne Bau im Stadtzentrum ist vor zwölf Jahren eröffnet worden, die Geschichte des Hauses geht aber bis die 60er Jahre zurück. Es ist das älteste öffentliche Kunstmuseum Dänemarks – natürlich wieder einmal außerhalb Kopenhagens – und heute die Nummer Zwei, nach Besucherzahlen aber nur knapp hinter dem "Louisiana Museum” in Humlebæk vor den Toren der Hauptstadt.

Ausstellungsmacher Høyersten bringt das Museum nach vorn

Høyersten ist zuzutrauen, dass er sein Haus an die Spitze bringt. Er ist ein profilierter Kunstkenner, ein ambitionierter Ausstellungsmacher und – cooler Kunstmanager. Sein Büro?  Kreativ, chaotisch. In den Regalen und auf dem Tisch: Bücher, Zeitschriften, Kunstkataloge. Im Hintergund läuft Miles Davis, auf Vinyl natürlich und auf einer ebenso alten wie klanggewaltigen HiFi-Anlage von 1972. Kunst ist alles, alles ist Kunst. Nicht schlecht, und das Museum schon gar nicht:

"Wir haben mit 200.000 Besuchern angefangen. Nach Eröffnung des Regenbogens waren es 400.000, dann 600.000, aktuell sind es 800.000 Besucher. Wir haben unser Publikum geschaffen - und das Publikum hat uns geschaffen. Dieser Dialog hat mit dazu beigetragen, dass die Stadt Aarhus immer interessanter geworden ist."

Das liegt vor allem an den Ausstellungen, aber auch an der Architektur. Auf dem Dach steht dieser "Regenbogen", korrekt: das "Rainbow Panorama", ein Rundgang mit buntem Glas in den Farben des Regenbogens an beiden Seiten, der einen mal blauen, mal gelben, mal roten Blick auf die Stadt bietet - und ein absolutes "Muss" ist für Aarhus-Besucher. Übrigens auch für Bewohner der Stadt, viele von ihnen haben inzwischen durch ARoS den Weg zur Kunst gefunden, sagt Høyersten:

Besucher gehen durch eine Installation auf dem Dach des ARoS Aarhus Kunstmuseum in Arhus (Dänemark). Die zweitgrößte Stadt Dänemarks ist Europäische Kulturhauptstadt 2017. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)Installation auf dem Dach des ARoS Museums (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

"Was mich am meisten überrascht hat, als ich zum ersten Mal hier im Museum war, dass uns so unterschiedliche Menschen besuchen. Wir wissen aus Studien, dass der durchschnittliche Besucher eine Besucherin ist, also weiblich, 45 Jahre alt oder älter, mit guter Bildung und hohem Einkommen. Aber es kommen auch Teenager zu uns, oft allein am Wochenende, und sogar Männer-Gruppen. Wir haben sie halt alle ..."

Kunst ist nicht für die Kunst da, sondern für die Menschen - das ist das Credo des Museumsdirektors. Er will nicht "Elite" sein, im Gegenteil, ihm kommt es auf möglichst breite Akzeptanz an:

"Für uns ist dieser Mix ein wichtiges Erfolgskriterium. Denn wir wollen ja nicht nur für die Stadt von Bedeutung sein. Wenn wir sehen, dass wir ein so großes und unterschiedliches Publikum haben, wenn also nicht nur die gebildeten Bürger zu uns kommen, dann sehen wir auch, dass wir da etwas richtig machen ..."

ARoS beteiligt sich mit einem ehrgeizigen Projekt am Programm des "Kulturjahres”.

"Wir veranstalten eine extrem große Triennale, was das Ausmaß und das Budget angeht. Hier im Museum geht es los mit umfangreichen Ausstellungen über mehrere Ebenen. Dann weiter in die Stadt hinein und zum Wald und Wasser. Eine vier Kilometer lange Strecke, die wir mit Kunst geradezu bombardieren."

Das Projekt heißt: "Der Garten, das Ende der Zeit, der Anfang der Zeit". Dargestellt wird der Wandel im Verhältnis Mensch-Natur über eine Zeitspanne von 400 Jahren von der Vergangenheit bis in die Zukunft.

"Inhaltlich geht es dabei nicht nur um historische Bedingungen, sondern auch um Ökologie, um Nachhaltigkeit. Wir wollen die Menschen mit der und durch die Kunst dazu bringen, ganz neu über ihre Umwelt nachzudenken und so möglicherweise neue Lösungen zu finden, die diese Welt nun einmal braucht."

Das ARoS ist ein faszinierender Bau vor allem mit moderner Kunst, so wie die Installation ”Callcenter”: In der Mitte eines Raumes hängen viele alte Telefone von der Decke, die in einer besonderen Melodie klingeln, erst beim zweiten Hingucken eine überdimensionale Pistole formen und eine Warnung sein sollen vor den Gefahren manipulierter Massenkommunikation - ein aktuelles Thema also!

Im "Gyngen" treten die Nachwuchs-Bands auf

Nicht nur das ARoS hat im europäischen Kulturhauptstadtjahr viel zu bieten. In einer kleinen Nebengasse der Altstadt versteckt sich der Club "Gyngen" in einem Hinterhof, Teil eines Projektes, das sich "Kulturgyngen" nennt, zu Deutsch "Kulturschaukel". Jede Woche treten hier junge Bands auf, ab zu und auch bekanntere wie das amerikanisch-dänische Ensemble "Shades Of Blue".

Sie passen perfekt in den Club, der auch ein Restaurant ist – und ein soziales Projekt, seit nunmehr 20 Jahren. Mianne Høj arbeitet hier als "booker", macht Termine mit Bands, aber sie kümmert sich wie alle im "Gyngen" auch um die, die es nicht geschafft haben.

"Die Idee ist, Menschen den Weg zurück in den Arbeitsmarkt zu ebnen. Früher ging es vor allem um ehemalige Drogenabhängige, heute sind es junge Arbeitslose mit allen möglichen Problemen. Und dann ist da die Musik, der kulturelle Aspekt, und wir haben die Küche – aber das Soziale steht eigentlich im Mittelpunkt."

Aarhus hat eine sehr lebendige Musikszene. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Aarhus auch als Musikstadt bekannt. Es gibt die große Konzerthalle, das "Train" und die "VoxHall" und viele kleinere Bühnen wie die im "Gyngen", wo man vor allem Anfängern gern beim schwierigen Karrierestart hilft.

"Gyngen hat seinen festen Platz in der Musikszene der Stadt. Es gibt hier viele neue Bands, die müssen sich erst noch live auf der Bühne ausprobieren, und wir machen das möglich. Hier gibt es vor allem Folk- und Weltmusik, aber es kommen ab und zu auch internationale Gäste ..."

Und das scheint Mianne eigentlich auch zu genügen. Klar, die Sache mit der "Kulturhauptstadt" findet sie gut, aber vielleicht ein bisschen zu offiziell und zu groß. Die Leute vom "Gyngen" machen lieber ihr eigenes Ding, schon lange – und mit Erfolg …

"Wir haben uns nicht um Geld für irgendeines der Kulturjahr-Projekte bemüht und sind deshalb frei. Aber wir beteiligen uns am Projekt "Folkmusik neu denken" zusammen mit einer benachbarten Kunst- und Musikhochschule. Die hat Geld aus dem Kulturhauptstadt-Programm bekommen für einen Kurs, bei dem Kinder Folkmusik spielen und ganz alte Melodien neu entdecken."

Mehr wird man in diesem Jahr allerdings nicht vom "Gyngen" und ähnlichen kleinen Clubs hören. Einfach, weil "mehr" gar nicht möglich sei, sagt Mianne:

"Naja, wir haben ja schon ein volles Programm. Vier Gigs pro Woche, das ist die Regel. Und dann vermieten wir Gyngen ja auch noch für private Partys. Viel mehr können wir da eigentlich gar nicht mehr bieten, aber wir hoffen, dass noch mehr Besucher kommen und noch mehr Leben in diese Stadt bringen."

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