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Lesart / Archiv | Beitrag vom 16.08.2016

Kulturgeschichte Literarische Diebesgestalten

Andreas Gehrlach im Gespräch mit Joachim Scholl

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Deckenmalerei "Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies" von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle in Rom (picture-alliance / David Ebener)
Evas Diebstahl eines Apfels und dessen Folgen hat Michelangelo an der Decke der Sixtinischen Kapelle in Rom verewigt. (picture-alliance / David Ebener)

Eva stibitzte vom Baum der Erkenntnis: Deshalb hat der Autor Andreas Gehrlach sie zu einer der Hauptfiguren in seinem Buch "Diebe" gemacht. Er widmet sich darin der kulturgeschichtlichen Betrachtung des Stehlens und kommt zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Evas Diebstahl eines Apfels im Paradies, macht sie zur ersten Diebin in einer Reihe berühmter Gesetzesbrecher, denen sich der Autor Andreas Gehrlach in seinem neuen Buch "Diebe. Die heimliche Aneignung als Ursprungserzählung in Literatur, Philosophie und Mythos" widmet.

Promotheus als kleiner Gauner

Auch Prometheus kommt darin eine zentrale Rolle zu, weil er den Göttern das Feuer stahl. Er sei aber eher ein kleiner Gauner gewesen, sagt  Andreas Gehrlach im Deutschlandradio Kultur und widerspricht damit dem in der Literatur verbreiteten Heldenbild. "Jemand, der sich eher unscheinbar von dem Sonnenwagen mit ein bisschen Glut wegschleicht und was gestohlen hat, was sehr wichtig war für die Menschen."

Kleptomane Tendenzen bei Rousseau 

Auch in Augustinus oder in George Jacques Rousseau spürt der Autor literarische Diebesgestalten auf. "Rousseau hat sehr viel gestohlen", sagt Gehrlach. "Man könnte sogar fragen, ob es nicht ein bisschen kleptomane Tendenzen bei ihm sind, was er tatsächlich ganz grundlegend gestohlen hat, sind die 'Konfessionen' selbst, denn den Titel hat er schon von Augustinus übernommen, der eben  ja auch seinen Diebstahl und sein Leben  eben unter diesem Namen der 'Confessiones' beschreibt." Gehrlach würdigt deshalb Rousseau als "Vater aller literarischen Diebe" und zeichnet anhand vielzähliger Beispiele die westliche Kulturgeschichte des Diebstahls von der Antike bis in die postmoderne Philosophie nach.

Andreas Gehrlach: Diebe
Die heimliche Aneignung als Ursprungserzählung in Literatur, Philosophie und Mythos
Wilhelm Fink Verlag, 54 Euro

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