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Wortwechsel | Beitrag vom 15.06.2018

Kulturelle Bildung und NachhaltigkeitZum Lernen gehören Emotionen und neue Perspektiven

Moderation: Annette Riedel

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Erstklässler der Katholischen Schule Salvator in Berlin-Reinickendorf beobachten in Berlin Wasserbüffel (picture alliance/ dpa/ Sophia Kembowski)
Natur sehen und verstehen lernen – das ist Voraussetzung für eine Kultur der Nachhaltigkeit. (picture alliance/ dpa/ Sophia Kembowski)

Nachhaltig soll inzwischen vieles sein: Landwirtschaft, Energieerzeugung Wassernutzung, Wirtschaftswachstum – und natürlich auch Bildung. Ihr kommt in dem Zusammenhang eine ganz besondere Rolle zu, vor allem wenn es um kulturelle und künstlerische Zugänge geht.

Bildung muss nicht nur selbst nachhaltiges Lernen zum Ziel haben, will sie effektiv sein. In der Bildung wird außerdem auch Wissen zum Thema Nachhaltigkeit angelegt und zudem Verhalten angebahnt. Beides sind Grundvoraussetzungen für die Gestaltung einer Welt, in der nachhaltiges Tun und Handeln in praktisch allen Lebensbereichen anzustreben ist.

Wie existentiell wichtig das ist, lässt sich mit einem Satz des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, ausdrücken: "Wir können die erste Generation sein, der es gelingt, die Armut zu beseitigen, ebenso wie wir die letzte sein könnten, die die Chance hat, unseren Planeten zu retten."

Künstlerische Zugänge zum Thema Nachhaltigkeit haben unterschätzten Mehrwert

Die UN-Organisation UNESCO hat ein Weltaktionsprogramm "Bildung für Nachhaltige Entwicklung" beschlossen. Nicht weniger als 130 Ziele und 349 Handlungsempfehlungen umfasst der Nationale Aktionsplan Deutschlands für dessen Umsetzung hierzulande. Im Sinne eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses – eines Lernens mit Kopf, Herz und Hand – kommt auch der kulturellen Bildung eine wichtige Rolle zu. Diese wird in der aktuellen Diskussion noch oft unterschätzt. Künstlerische Zugänge zum Thema Nachhaltigkeit können einen erheblichen Mehrwert erzeugen, denn es gilt, nicht nur kognitive Fähigkeiten zu fördern sondern auch affektive und emotionale. 

Wo stehen wir international bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele, wie sie unter dem Dach der Vereinten Nationen beschlossen wurden? Wo ist die Verbindung zwischen kultureller Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung? Welche Rolle kann kulturelle Bildung in dem Kontext spielen – hierzulande und anderswo in der Welt? Über diese und andere Fragen diskutieren: 
 
Heike Molitor, Professorin für Umweltbildung/Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde:

"Was bewegt Menschen eigentlich zu umweltgerechtem, nachhaltigkeitsorientiertem Handeln? Es ist eben nicht das Wissen, was mich treibt, sondern es ist ein emotionaler Zugang. Der erste Reflex ist immer: Man muss es den Menschen nur sagen, dann machen sie‘s. Und genau das – das wissen wir – funktioniert eben nicht; es ist nicht das kognitive Durchdringen. Es braucht einen Perspektivwechsel, und das kann kulturelle Bildung recht gut, mit anderen Methoden und Zugängen als wir das bisher probiert haben."

Heike Molitor, Professorin für Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (Ulrich Wessollek)Heike Molitor, Professorin für Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (Ulrich Wessollek)
Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings:

"Wie prägen kulturell verankerte Aspekte unser Leben? Das ist eine Frage, die können wir einfach nur durch den Kopf, durch den wissensbasierten Naturschutz nicht angehen. Worum es doch geht – und das zeichnet auch gute Kultur aus – ist, dass sie Menschen erreicht, Menschen berührt, dass sie Menschen ins Nachdenken über sich selber bringt. Ich finde den Begriff "Bildung für Nachhaltige Entwicklung" einen ganz, ganz unglücklichen Begriff. Bildung findet nie für etwas statt. Wir wollen nicht instrumentalisieren. Es geht darum, die Menschen in dieser Gesellschaft zu mündigen Staatsbürgern zu machen."

Kai Niebert, Präsident Deutscher Naturschutzring (DNR), aufgenommen vor der Bundespressekonferenz mit einer umweltpolitischen Bilanz der Groko und Forderungen an die künftige Bundesregierung im Jahr 2017 (imago/Jürgen Heinrich)Kai Niebert, Präsident Deutscher Naturschutzring (DNR) (imago/Jürgen Heinrich)
Bärbel Rothhaar, Künstlerin und Co-Leiterin des Bienen-Kunstprojekts "Moabees":

"In meiner künstlerischen Arbeit mit Bienen seit 20 Jahren habe ich immer wieder mal festgestellt, dass ich mich fast selber mehr verändere, als dass ich die Welt verändere. Aber vielleicht ist das ja der erste Schritt, auch die Welt zu verändern, dass man bereit ist, sich selbst zu verändern und den Blick zu weiten und andere mitzunehmen auf diesem Weg. Was uns am meisten am Herzen liegt, ist das eigene Interesse, die eigene Begeisterung für diesen Bereich ‚Bienen‘ auf Kinder zu übertragen. Es geht nicht so sehr um reines Wissen, sondern um dieses spielerische Forschen, mit dem wir gern andere anstecken."

Die Künstlerin Bärbel Rothhaar (Gleeson Paulino)Die Künstlerin Bärbel Rothhaar arbeitet seit 20 Jahren mit Bienen. (Gleeson Paulino)
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates:

"In der Kunst und auch in der kulturellen Bildung wollen wir nicht erziehen. Es geht um einen anderen Zugang, den man zu etwas hat, zum Beispiel sehen zu lernen. Wenn ich dieses Fantastische in der Natur sehe, dann liebe ich es auch, dann zerstöre ich es auch nicht. Dann habe ich einen ganz besonderen Blick dafür. Und das ist das, was wir erreichen können und was der Mehrwert kultureller Bildung ist, dass man eine andere Sicht auf die Natur bekommt."

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats (imago stock & people)Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats (imago stock & people)

Dieser "Wortwechsel" wurde aufgezeichnet im Podewil in Berlin in Kooperation von Deutschlandfunk Kultur mit dem Deutschen Kulturrat.

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