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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 13.11.2020

Kultureinrichtungen"Mehr als Freizeit, mehr als Zerstreuung"

Ulrich Khuon im Gespräch mit Anke Schaefer

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Jeremy Mockridge, Franziska Machens, Paul Grill bei einer Fotoprobe des Theaterstücks "Maria Stuart" im Deutschen Theater. (picture alliance / dpa / Geisler-Fotopress / Sebastian Gabsch)
"Wir spielen ja nicht für uns": Fotoprobe zum Theaterstück "Maria Stuart" im Deutschen Theater. (picture alliance / dpa / Geisler-Fotopress / Sebastian Gabsch)

Die Gleichstellung von Kulturstätten mit Freizeiteinrichtungen im Infektionsschutzgesetz ist im Kulturbereich kritisch aufgenommen worden. Auch der Dramaturg Ulrich Khuon verweist auf Unterschiede und spricht von einem "Mehrwert", den die Kultur habe.

Dass Kulturstätten mit Freizeiteinrichtungen im neuen Infektionsschutzgesetz gleichgesetzt werden, hat im Kulturbereich für Unruhe und Unmut gesorgt. Der Dramaturg Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters, formuliert es so: "Kultur ist auch Freizeitgestaltung, aber es ist mehr als Freizeit, mehr als Zerstreuung."

Grundrecht auf kulturelle Teilhabe

Es gebe ein Grundrecht auf kulturelle Teilhabe, und auch einen öffentlichen Auftrag und die entsprechende Finanzierung, betont Khuon: "Insofern hat sich die Gesellschaft schon was dabei gedacht." Daraus gehe dann aber auch hervor, dass es "Differenzen" zu Fitnessstudios, Wettbüros und Minigolf-Anlagen gebe. "Wenn uns der Staat oder die Gesellschaft eine Aufgabe gibt, dann wäre es auch ganz gut, wenn sie uns die Aufgabe auch ausführen lässt", sagt Khuon.

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Man müsse die Kultur eher im Kontext mit Schulen statt mit Freizeiteinrichtungen diskutieren, meint der Dramaturg. "Kulturelle Bildung ist nämlich: Lebenslang den Geist und die Herzen offenhalten für das, was Gesellschaft, Gemeinschaft ausmacht." Bei aller Wertschätzung für Fitnessstudios dürfe man schon mal sagen, dass Kultur hier noch einen Mehrwert habe.

Durchdringungen und Verbindungen

"Die Kultur arbeitet an Durchdringungen, an Verbindungen", betont der Präsident des Deutschen Bühnenvereins. Man sollte immer wieder nach Wegen suchen, wie dieser gesellschaftliche Auftrag auch unter Pandemiebedingungen realisiert werden könne. Das Spielen für Menschen am Theater sei "kein egoistischer Vorgang": "Wir spielen ja nicht für uns." Man könne darauf vertrauen, "dass die Kunst uns zu sozialeren Menschen macht", sagt Khuon.

(ahe)

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