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Lesart / Archiv | Beitrag vom 23.04.2019

Kulturbrüche in Sri Lanka"Die psychische Konstellation ist fragil"

Sabine Scholl im Gespräch mit Joachim Scholl

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Ein Polizist bei der Entschärfung einer Bombe in der Nähe der Kirche St. Anthony’s Shrine in der srilanischen Hauptstadt Colombo nach den Anschlägen am am 21. April 2019. (Imago / Pacific Press Agency / Pradeep Dambarage)
Angriff auf katholische Kirche: Viele Menschen in Sri Lanka haben die Katastrophen der vergangenen Jahre noch nicht verarbeitet. (Imago / Pacific Press Agency / Pradeep Dambarage)

Die Schriftstellerin Sabine Scholl besuchte vor zwei Jahren Sri Lanka. In dem Land haben viele die Traumata des Bürgerkrieges noch nicht verarbeitet. Das zeigt sich unter anderem in dem Umgang der Religionen untereinander.

–Die Terroranschläge vom vergangenen Sonntag haben Sri Lanka erschüttert. Hunderte Menschen wurden dabei ermordet. Die Schriftstellerin Sabine Scholl besuchte 2017 für drei Monate Sri Lanka. Dort lernte sie Menschen kennen, die die vorherigen beiden Katastrophen – den von 1983 bis 2009 dauernden Bürgerkrieg und den Tsunami 2004 – noch nicht überwunden hatten.

Die Zeit, die seitdem vergangen sei, reichte noch nicht aus, um die Geschehnisse zu verarbeiten, sagt Sabine Scholl im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Scholls jüngster Roman "Das Gesetz des Dschungels" spielt in Sri Lanka.

Auswirkungen sind noch immer spürbar

In vielen Familien in Sri Lanka seien die Auswirkungen des langjährigen Krieges und der Naturkatastrophe noch präsent, sagt Scholl. Mehr als 100.000 Menschen haben jeweils ihr Leben verloren. Wenig werde über die Vergangenheit gesprochen. Denn die Menschen wollen nach vorn schauen: "Man will das Bild zeigen, dass es aufwärts geht", berichtet die Schriftstellerin.

Bei ihren Reisen durch Sri Lanka bemerkte Sabine Scholl den angespannten Umgang mit der muslimischen Minderheit. So sei en passant auf Unterschiede zu dieser Bevölkerungsgruppe hingewiesen worden, als Scholl in einer Stadt war, die eine große muslimische Gemeinde habe. Ingesamt stellt Scholl fest: "Die psychische Konstellation ist nach wie vor fragil."

(rzr)

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