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Fazit | Beitrag vom 31.01.2020

Kulturaustausch nach dem Brexit Goethe-Institut verstärkt Aktivitäten in ländlichen Gegenden

Katharina von Ruckteschell-Katte im Gespräch mit Britta Bürger

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Hunderte Briten mit britischen Flaggen versammeln sich anlässlich des Brexits im Londoner Regierungsviertel. (imago images / PA Images / Matt Crossick / Empics)
Nach dem Brexit wird der Kulturaustausch mit Großbritannien noch europäischer. (imago images / PA Images / Matt Crossick / Empics)

Der Brexit wirkt sich auch auf den Kulturaustausch aus, das hat das Goethe-Institut in London zu spüren bekommen. Man sei nun aber deutlich europäischer aufgestellt als zuvor, sagt die Leiterin des Kulturinstituts, Katharina Ruckteschell-Katte.

Nun hat Großbritannien die Europäische Union verlassen. Der Austritt zieht auf verschiedensten Ebenen schwerwiegende Folgen nach sich. Ab Montag wird über die zukünftigen Beziegungen zwischen London und Brüssel verhandelt. Was aber bedeutet der Brexit für den Kulturaustausch, der auch in Großbritannien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist? Sogar wichtiger als die Landwirtschaft, wie die britische Zeitung "Guardian" schreibt.

"Wir werden diese Nacht nicht feiern, aber auch nicht trauern, sondern einfach den Stier bei den Hörnern packen und das nächste Jahr nutzen, um alle Verbindungen, alle Möglichkeiten so aufzubauen, dass wir dann, wenn der wirkliche Brexit stattfindet, Ende dieses Jahres, dann vorbereitet zu sein", sagt Katharina von Ruckteschell-Katte, die Leiterin des Goethe-Instituts in London. 

Neue Herausforderungen  

Der britische Kulturaustausch sei ein riesiger Wirtschaftsfaktor. Die Insel sei bekannt für Popkultur, Musik, aber auch Film. In Zukunft werde es nun sicher  für britische Künstler und Kulturinteressierte bei der Zusammenarbeit mit europäischen Ländern nicht einfacher werden - ganz im Gegenteil.

Für Kooperationen werde man womöglich zusätzlich bezahlen müssen, auch werde das Organisieren von Tourneen durch Europa künftig schwieriger werden wegen der dann anfallenden Visa- und Zollformalitäten. Aber London werde eine Kulturmetropole bleiben, zeigt sich von Ruckteschell-Katte überzeugt.

"In die Fläche gehen - aufs Land"

Seit mehr als 60 Jahren engagiert sich das Goethe-Institut für den deutsch-britischen Kulturaustausch, es unterhält Büros in London und Glasgow. Als Folge des Brexits werde man nun aber versuchen, mehr in ländliche Gegenden zu gehen, um dort jene Menschen anzusprechen, die man vor dem Brexit-Referendum offensichtlich nicht erreicht habe, sagt von Ruckteschell-Katte. Dort wolle man vor allem junge Leute erreichen, die bisher noch keine Auslandskontakte gehabt hätten.

Kulturelle und bildungspolitische Förderprogramme der EU, wie Creative Europe oder das Erasmus-Programm, sollen künftig wegfallen. Mit dem wichtigen Kooperationspartner British Council könnten EU-Projekte gemeinsam nicht mehr realisiert werden. Dennoch kann von Ruckteschell-Katte dem Brexit auch positive Seiten abgewinnen, da die kulturelle Zusammenarbeit mit Großbritannien und anderen europäischen Ländern deutlich verstärkt werde.

Europäisches Kulturinstitut

Partner und Organisationen wie das Arts Council seien auf das Goethe-Institut zugekommen und wollten nachhaltige gemeinsame Projekte umsetzen, so die Leiterin. "Wir als Goethe-Institut stellen uns dadurch jetzt auch deutlich europäischer auf. Wir sind ein deutsches Kulturinstitut, das eben auch ein europäisches Kulturinstitut ist. Ich denke, das ist wirklich ein schönes Ergebnis dieses doch schrecklichen Brexits."

(ckr)

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