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Wortwechsel | Beitrag vom 27.11.2020

Kultur im LockdownNicht systemrelevant?

Moderation: Hans-Dieter Heimendahl

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Das Kölner Kino Odeon mit der Aufschrift "Kultur ist nicht alles aber ohne Kultur ist alles nichts" (picture alliance/dpa/Flashpic/Jens Krick)
Hart getroffen: Unter dem Corona-Lockdown wird die Rolle der Kultur auf die Probe gestellt. (picture alliance/dpa/Flashpic/Jens Krick)

Die Infektionszahlen steigen und der „Lockdown light“ wird fortgesetzt, auch für die Kultur. Theater, Kinos und Museen bleiben geschlossen. Zwar fließen nun Hilfen für Künstler und Institutionen, aber mit Geld allein ist die Kultur nicht zu retten.

Die Kultur wieder ins Laufen zu bringen, wird unabhängig von der Länge der derzeitigen Einschränkungen, eine Herausforderung sein. Die Pandemie hat uns verändert und sie wird auch die Kulturlandschaft verändert: Denn andere Hör- und Sehgewohnheiten werden sich nicht ohne Weiteres wieder auf den Stand von vor Corona zurückdrehen lassen.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Das neue Infektionsschutzgesetz hat die Kultur besonders gewürdigt. Auch auf der gesetzgeberischen Ebene ist festgelegt worden, dass Theater, Museen und Kinos nicht beliebige Freizeiteinrichtungen oder, wie es die Kanzlerin ausdrückte, "Vergnügungsveranstaltungen" sind. Sie haben einen ebenso hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft wie Schulen und Bibliotheken.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, diese biblische Einsicht hat sich im Gesetzestext der vergangenen Woche niedergeschlagen. Nun müssen dem frommen Worte nur noch Taten folgen.

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So wichtig die Freiheit der Kunst und der Künstlerinnen und Künstler ist, so wichtig ist es, sie zu schützen. Was immer im Lockdown passiert, muss dem besonders schützenswerten Verfassungsrang der Kultur gerecht werden. Die Bereitschaft, die Kultur über die Krise zu retten, mit - wenn auch zäh fließenden - Hilfen, aber auch mit einer wachen Einstellung ihr gegenüber, ist da und wo sie fehlt, muss sie den Diskutierenden zufolge eingefordert werden.

Kultur lässt sich nicht beliebig an- und wieder abschalten

Erschwerend kommt hinzu, dass große Veranstaltungen wie Festivals einen langen, manchmal mehrjährigen Vorlauf haben. Man kann sie nicht einfach an- und wieder abstellen wie einen Wasserboiler. Die Pandemie hat auf die großen Kulturveranstaltungen daher geradezu systemische Auswirkung.

Hier ist es wichtig, dass nicht nur Umsatzausfälle bezahlt werden: Künstler müssen im System bleiben können; sie dürfen nicht gezwungen werden, in fachfremden Jobs dazuzuverdienen; Musiker müssen in Übung, Schauspieler in der Praxis bleiben. Hier gilt es, mittel- und langfristig kreative Formen des Kulturerhalts zu finden.

Vieles hängt an der Kultur

Auch ist Kultur, gerade die großen Veranstaltungen, Plattformen, von denen von Technikern bis zum Catering viele andere Branchen abhängen. Ein weiteres offenes Feld ist das der Digitalisierung: Die meisten Theater und Kunstbetriebe trifft der Zwang zum Streamen wie ein Schlag. Vor allem kleine Institutionen sind darauf nicht eingerichtet. Das alles mitzubedenken, sei die Aufgabe der Stunde.

Geld, da sind sich alle einig, ist genug da. Nur am Bewusstsein für die spezifischen Bedarfe der Kultur und der Kulturschaffenden mangelt es, weniger in der Gesellschaft, als in der Politik: Kultur ist Daseinsvorsorge, wie Wasser, Strom und saubere Luft.

Über diese und einige andere Themen diskutieren
- Susanne Keuchel, Musik- und Kulturwissenschaftlerin und Präsidentin des Deutschen Kulturrates
- Martin Rabanus, Bundestagsabgeordneter und kulturpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion,
- Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele
- Folkert Uhde, Konzertdesigner, Kulturunternehmer und Festivalintendant.
Moderation: Hans-Dieter Heimendahl

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