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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.08.2016

"Kultur für alle"-Gründer Götz WörnerFür einen Euro ins Museum

Götz Wörner im Gespräch mit Ulrike Timm

Götz Wörner, Gründer der Initiative "Kultur für alle", die einen Kulturpass für Bedürftige herausgibt - im Hintergrund eine Büste von Robert Bosch. (Robert Bosch Stiftung / Tobias Bohm)
Götz Wörner, Gründer der Initiative "Kultur für alle", die einen Kulturpass für Bedürftige herausgibt. (Robert Bosch Stiftung / Tobias Bohm)

Wie sich eine Pleite anfühlt, weiß der ehemals erfolgreiche Musikmanager Götz Wörner sehr genau. Sechs Jahre lang saß er tatenlos in den Parks in Frankfurt am Main. Dann gründete er die Initiative "Kultur für Alle" - und erfand einen Kulturpass für Arme für einen Euro.

Sechs Jahre lang saß der ehemals erfolgreiche Musikmanager Götz Wörner als Hartz-4-Empfänger tatenlos in den Parks seiner Heimatstadt Frankfurt am Main herum. Als er allerdings im Jahr 2008 nicht in ein Jazz-Konzert gehen konnte, weil er nicht genug Geld für den Eintritt hatte, kam ihm eine Idee, die sein Leben verändern sollte: Auch Bedürftige sollten Zugang zu kulturellen Veranstaltungen haben, fand Götz Wörner. Er fand heraus, dass es in Frankfurt am Main außer ihm noch 80.000 andere Menschen gab, die als bedürftig galten. Ihnen und sich selbst wollte er Teilhabe am kulturellen Leben seiner Stadt ermöglichen.

Er erstellte eine Machbarkeitsanalyse und versuchte, die großen kulturellen Institutionen für eine Kooperation zu gewinnen. "Im Prinzip waren alle sehr positiv gesinnt", erinnert sich Götz Wörner. "Aber sie waren unsicher, ob man mir das zutrauen kann. So etwas gab es vorher nicht in Deutschland." Er startete mit drei Partnern, gab eine Pressekonferenz und der Kulturpass war geboren.

"Nicht irgendein Armuts-Pappendeckel"

Götz Wörner gründete die Initiative "Kultur für alle", die den Kulturpass für Bedürftige herausgibt. Für einen Euro kann jetzt jeder, der es sich vorher nicht leisten konnte, in Frankfurt in Museen, Theater und Konzerte gehen. Allein in Frankfurt am Main nutzten das bisher über 11.000 Menschen. Götz Wörner legt Wert darauf, dass der Kulturpass im Format einer Scheckkarte "nicht irgendein Armuts-Pappendeckel" ist, sondern selbst "Kultur transportiert". Daher zeigt die Vorderseite des personalisierten Kulturpasses das Bild "Commedia dell’Arte" von Marc Chagall. "Er ist etwas Schönes, man steckt ihn in den Geldbeutel und wird ständig daran erinnert, dass man ein Recht auf Kultur hat."

Götz Wörner ist es wichtig, dass Bedürftigen der Zugang zu Kulturveranstaltungen nicht umsonst ermöglicht wird. "Kultur soll keine Freibier-Veranstaltung sein", sagt Götz Wörner. "Wenn man den Pass erwirbt, ist das eine bewusste Handlung. Der Pass soll die Würde beider Seiten wahren. Der, der ins Theater geht, hat etwas bezahlt und fühlt sich dann auch besser."

Götz Wörners Geschichte ist auch die eines Mannes, der als Entdecker und Herausgeber lateinamerikanischer Musik in Deutschland ganz oben war, dann durch eine Pleite sehr tief fiel, lange ganz unten war, sich dann aber aus eigener Kraft aus dem Sumpf wieder herauszog.

Götz Wörner vor dem Funkhaus von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Cara Wuchold)Götz Wörner vor dem Funkhaus von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Cara Wuchold)

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