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Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 17.07.2020

Künstliche Intelligenz in der MedizinWie Technik das Verhältnis von Arzt und Patient wandelt

Moderation: Annette Riedel

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Ein Mann in Anzug und mit Maske zeigt auf einen an die Wand projizierten CT-Scan des Lungen/Brustbereichs. (Getty Images / Visual China Group / China News Service / Wang Lei)
In China wird ein KI-System zur Schnellerkennung von CoVId-19 anhand von CT-Scans vorgestellt. (Getty Images / Visual China Group / China News Service / Wang Lei)

KI könnte künftig bis zu 20 Prozent der ärztlichen Aufgaben übernehmen. Das könnte dazu führen, dass wir die beste Medizin bekommen, die wir je hatten. Oder: Die digitalen Systeme führen zu einer wachsenden Entmenschlichung von Medizin und Pflege.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz eröffnet große Chancen für eine bessere Medizin. Aber er wirft auch viele Fragen auf: ethische, juristische, technische und psychologische.

KI hat für Ärzte und Patienten dann einen Mehrwert, wenn die algorithmischen Systeme die Mediziner nicht ersetzen, sondern ergänzen. Wichtig sei vor allem, dass Verantwortung und letzte Entscheidung "bei menschlichen Akteuren verbleiben", betont die Rechtsmedizinerin Fruzsina Molnàr-Gabor.

Vertrauen und Akzeptanz

Der Arzt Lars Pape verweist genauso wie der Psychologe Markus Langer auf die Bedeutung, die Vertrauen und Akzeptanz für eine gelungene Patienten-Arzt-Beziehung haben. Für Akzeptanz bedürfe es vor allem der "Transparenz". Damit beide, Arzt und Patient, den Einsatz von KI-gestützten Systemen nicht als "Kontrollverlust" erlebten, müsse die "Erklärbarkeit von Entscheidungen" beim Zusammenspiel von Mensch und Maschine verbessert werden, sagt Langer.

Roboter-Einsatz in der Pflege

Speziell in der Pflege können KI und und intelligente Maschinen Pflegekräfte von einigen Aufgaben entlasten, aber deren Tätigkeiten (noch) längst nicht vollständig übernehmen. Er würde eine Entwicklung in diese Richtung dennoch nicht "völlig abschreiben", betont der KI-Forscher Antonio Kriger.

In "fernerer Zukunft" sei das durchaus vorstellbar - zumal es manchen Menschen lieber sei, "von einem neutralen robotischen System als von einem schlechten Pfleger" betreut zu werden. Der aktuelle Mangel an Pflegekräften lasse sich damit aber nicht beheben.

Datenspenden so wichtig wie Blutspenden

Auf das Potenzial von KI-gestützten Systemen zur "Überwindung von zeitlichen und örtlichen Distanzen" und damit auch für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum verweist der Experte für biomedizinische Technik, Werner Nahm.

Allerdings könnten algorithmische Systeme immer nur so gut sein, wie die Daten, mit denen sie gespeist werden: "Eine Datenspende müsste genauso wertvoll angesehen werden wie eine Blutspende." Wichtig sei auch ein leichterer Zugang zu Patientendaten.

Beim Datenschutz genau hinschauen

Allerdings dürfe der Datenschutz dabei nicht vernachlässigt werden. Zwar sei es richtig, dass Deutschland gegenüber Wettbewerbern wie etwa China hinterher hinke - nicht zuletzt wegen strenger Datenschutzregeln.

Aber die Deutschen "müssen nicht die Ersten sein", findet Nahm. So könne man vielleicht "Fehler anderer vermeiden".

(AnRi)

Es diskutieren:

Markus Langer, Arbeits- und Organisationspsychologe, Universität des Saarlandes
Fruzsina Molnàr-Gabor, Medizinrechlerin, Heidelberger Akademie der Wissenschaft
Werner Nahm, Professor am Institut für Biomedizinische Technik des Karlsruher Instituts für Technologie
Lars Pape, stellvertretende Direktor der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover
Antonio Krüger, Professor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz

Die Diskussion wurde in Kooperation mit der Volkswagen-Stiftung beim Herrenhäuser Forum in Hannover aufgezeichnet.

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