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Kompressor | Beitrag vom 25.09.2019

Künstliche Intelligenz generiert Stock-Fotos"Keine Falten, keine Ecken, keine Kanten"

Lars Bauernschmitt im Gespräch mit Azadê Peşmen

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Eine Collage von verschiedenen Models unterschiedlicher Ethnien, aus denen künstliche Stock Fotos generiert werden. Eine Bildagentur hat 100.000 Porträtfotos von einer künstlichen Intelligenz generieren lassen. (icons8)
Oft täuschend echt, aber noch nicht perfekt: die von der künstlichen Intelligenz erstellten Porträts. (icons8)

Eine Bildagentur hat 100.000 Porträtfotos von einer künstlichen Intelligenz generieren lassen. Diese Stock-Bilder können in der Werbung verwendet werden. Ist das der Beginn vom Ende authentischer Fotos?

Die glückliche Familie auf der Picknick-Decke im Park, die Managerin, die mit Rollkoffer und Coffee-to-go-Becher die Flughafenflure entlang eilt, die Entscheider, die sich gemeinsam über einen Schreibtisch voller Dokumente beugen, mit einem Kugelschreiber in der Hand – Bilder, die das abbilden, gibt es im Netz auf Vorrat. Es sind sogenannte Stock Fotos.

Gekauft werden sie von Webseiten, Zeitschriften oder der Werbe-Industrie, um jede denkbare Gelegenheit und jede Stimmung das passende Bild parat zu haben. Bisher stehen für die Stock-Fotografie Models vor der Kamera. Das könnte sich bald erledigt haben: Die Agentur icons8 hat Bilder veröffentlicht, die eine künstliche Intelligenz (KI) erschaffen hat.

Bilder zum Vergessen

Insgesamt 100.000 Porträts sind entstanden, zusammengestellt aus 29.000 Fotos, die von 69 Models verschiedener Ethnien gemacht worden. Die Bilder werden als Royalty-Free-Bilder angeboten, erklärt Lars Bauernschmitt, Professor für Fotojournalismus an der Hochschule Hannover. Das bedeutet: Sie müssen zwar honoriert werden, können aber in unterschiedlichen Zusammenhängen genutzt werden, ohne sie noch mal extra zu honorieren.

Auf den Bildern seien "sehr hübsche, durchweg junge Menschen, positiv in die Welt schauend" zu sehen. "Kein Profil, keine Falten, keine Ecken, keine Kanten", so Bauernschmitt. Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich habe in dem Zusammenhang einmal von "Bildern zum Vergessen" gesprochen. Sie transportierten keine Information oder Emotion, sondern sollen möglichst schnell vergessen werden, nachdem sie einen guten Eindruck gemacht haben.

Verwendet werden solche Bilder in der Werbung. Im Journalismus werde man sie nicht gebrauchen können, höchstens als Illustration in Symbolbildern. In den KI-Bildern sehe Bauernschmitt keine Konkurrenz zu echten Fotografien. "Es wird weiterhin in bestimmten Segmenten einen großen Bedarf nach authentischen Bildern geben."

(leg)

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