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Frühkritik | Beitrag vom 30.10.2014

KünstlerporträtWenders' Hommage an einen großen Fotografen

Wim Wenders widmet sich dem Lebenswerk des brasilianischen Fotografen Sebastiao Salgado

Von Jörg Taszman

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Wim Wenders steht bei der Premiere des Films "Das Salz der Erde" in der Lichtburg in Essen. (picture alliance / dpa / Marcel Kusch)
Wim Wenders steht bei der Premiere des Films "Das Salz der Erde" in der Lichtburg in Essen. (picture alliance / dpa / Marcel Kusch)

Seinen Spielfilmen ist mitunter die Originalität ausgegangen, doch mit den dokumentarischen Arbeiten überrascht Wim Wenders aufs Neue. Sein Film "Das Salz der Erde" ist eine Ode an den brasilianischen Fotografen Sebastiao Salgado.

Zweifellos gehört Wim Wenders zu den ganz bedeutenden deutschen Filmemachern der letzten 40 Jahre. Aber während ihm in seinen Spielfilmen nach den Triumphen mit "Paris-Texas" und "Himmel über Berlin" vor allem nach der deutschen Einheit ein wenig die Originalität fehlte, kann er mit seinen Dokumentarfilmen immer wieder positiv überraschen. Nach dem wirklich sehenswerten und originellen "Pina" folgt nun mit "Das Salz der Erde" ein weiteres Künstlerporträt über den brasilianischen Fotografen Sebastiao Salgado.

Zermürbte und müde Körper die in den Minen

Vor allem ein Foto aus Salgados Serie "The Mines of Sierra Pelada" von 1986 hat es Wenders angetan. Dichtgedrängte Männer im Schlamm, mehr zermürbte und müde Körper, die in den Minen nach Gold suchen, entfachen eine optische Wucht, die auch auf der großen Leinwand überwältigt. Salgado hat in seinen früheren Schaffensphasen vor allem in Lateinamerika und Afrika das Leid, den Hunger, den Krieg und die Härte des Lebens der ärmeren und verfolgten Menschen eingefangen. Dabei sind Bilder und Serien entstanden, die dem Zuschauer viel abverlangen.

Wenders hatte Zugang zum Archiv von Salgado, der seine Arbeiten auch filmisch begleiten ließ. Als Co-Regisseur wirkt dann auch ein Sohn des Fotografen mit, der seinen Vater auf Expeditionen beispielsweise nach Sibirien begleitet.

Überwältigende Naturdoku

Entstanden ist so ein vielschichtiges auch persönliches Porträt eines sozial und ökologisch stark engagierten Künstlers, der vor allem in Gesprächen mit Wenders auf Französisch über sein Leben und Werk reflektiert. Lange Zeit lebte er mit seiner Frau in Paris, bevor er erst nach Ende der Militärdiktatur wieder in seine brasilianische Heimat zurückkehrte.

Seit einigen Jahren hat er in seiner Heimat ein völlig ausgedörrtes Riesenstück Land , das sich in Familienbesitz befand, wieder aufgeforstet. Da wird der Dokumentarfilm fast zu einer überwältigenden Naturdoku. Und so endet der Film durchaus optimistisch. Mit der Schönheit dieser Erde.

Das Salz der Erde
Regie: Wim Wenders, Juliano R. Salgado
FRAU/ITA/BRA 2014 
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