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Im Gespräch | Beitrag vom 03.08.2018

Künstler Volker März"Meine Kunst ist wie ein großer Salat"

Moderation: Britta Bürger

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Volker März steht in einem Museum und begrüßt Pressevertreter bei einer Ausstellung (Caroline Prange)
Der Künstler Volker März (Caroline Prange)

Sein liebster Werkstoff ist der Ton: Mit ihm stellt Künstler Volker März Figuren wie Franz Kafka, Marilyn Monroe oder wilde Fantasiewesen nach. Doch daneben ist die politische Provokation seine Spezialität.

Seine Kunst provoziert und amüsiert. Für Volker März selbst ist sie wie "ein großer Salat": Gute, sorgsam ausgewählte Zutaten, bunt gemischt – ein wichtiges Lebensmittel. Kunst und Leben will März auch gar nicht trennen; er ist Maler, Bildhauer, Musiker und Autor. Derzeit ist seine Schau "Der Affe fällt nicht weit vom Stamm" im Georg Kolbe Museum in Berlin zu sehen.

"Das ist fast wie Voodoo"

Manche nennen Volker März' Kunst "ein Gesamtkunstwerk" – für ihn ist sie schlicht sein Leben. Und zu seinem Leben gehört ein Werkstoff untrennbar dazu: Ton.

"Das ist für mich wirklich eine existentielle Arbeit, die sehr mit Freude verbunden ist. Jeder, der schon einmal den Finger in Ton hatte, weiß, wie erotisch das ist, und wie glücklich das einen machen kann."

Volker März_Wie ich einem Hasen den toten Beuys erkläre (im Kolbe Depot) (Foto: Volker März)Volker März: Wie ich einem Hasen den toten Beuys erkläre. (Foto: Volker März)

Hunderte kleiner Tonfiguren bevölkern die Museumsräume: Darunter Franz Kafka, Angela Merkel, Marilyn Monroe, aber auch Phantasiefiguren mit Affenköpfen, Esel – eine illustre und anregende Gesellschaft. Er sei selbst mitunter überrascht, wenn er sie in einer neuen Zusammenstellung sieht: "Manchmal, wenn ich sie angucke, dann sage ich: 'Du bist aber ein Schöner.' Und was man damit alles machen kann, ist für mich immer wieder ein Wunder. Und ich sage manchmal auch: 'Das ist fast wie Voodoo.'"

Lustvoll Tabus brechen

März' Kunst ist auch stark politisch geprägt. Immer wieder arbeitet er sich an der deutschen Vergangenheit ab und bricht dabei lustvoll Tabus. "Die Geschichte, die mir gelehrt wurde – in der Schule, im Fernsehen, manchmal auch im Radio –, der gilt es, ab einem gewissen Alter zu misstrauen. Und das war bei mir schon von Kindesbeinen an. Und dann waren Menschen wie Hannah Arendt, Kafka und Walter Benjamin und andere Leute für mich ganz wichtige Fenster, um tatsächlich durch die vorgegebene Geschichte durch zu gucken und einen anderen Blickwinkel zu bekommen."

Für Aufsehen sorgte 2008 sein Entwurf für die neu gebaute Pinakothek der Moderne in München: Er wollte sie mit der Leuchtschrift "Auschwitz ist menschlich" versehen. "Dieser Satz hat wirklich zehn Jahre einen unglaublichen Sprengstoff beinhaltet."

"Man war unter Nazis"

Volker März, 1957 in Mannheim geboren, erlebt das Schweigen der Kriegsgeneration, zu der auch seine Eltern gehören.

Den Umzug der Familie nach Bayern empfindet er als "wahre Hölle": "Die Prügelstrafe war abgeschafft, aber man wurde noch täglich in der Schule geschlagen. Und ich bin vom Einserschüler zum Fünferschüler abgekippt. Man hat sich nicht mal getraut – Augsburg war das – an das Haus von Brecht 'ne Gedenktafel anzubringen, dass der gute Mann da geboren wurde. Da war man noch unter Nazis, das war noch sehr spürbar."

Der Wunsch, die Welt zu verändern

Umso befreiender ist seine Entscheidung, zum Kunststudium nach Westberlin zu gehen: "Es war eine sehr intensive und schöne Zeit; unter uns Studierenden war eigentlich jeden Tag Party. Und wir waren sehr unangepasst und wir waren ziemlich sicher, dass wir die Welt verändern werden. Ja, hat nicht ganz geklappt, aber es war ein Abenteuer."

UNOS UNITED Performance im Rahmen der Ausstellung "Der Affe fällt nicht weit vom Stamm" von Volker März im Georg-Kolbe-Museum. (©Bildarchiv Georg Kolbe Museum / Foto: Caroline Prange)UNOS UNITED Performance im Rahmen der Ausstellung "Der Affe fällt nicht weit vom Stamm" von Volker März im Georg-Kolbe-Museum. (©Bildarchiv Georg Kolbe Museum / Foto: Caroline Prange)

Volker März lebt und arbeitet immer noch in Berlin. Den großen Kunstrummel lehnt er ab, will sich nicht prostituieren: "Ich bin nicht der, der sobald er so ein Erfolgsprodukt hat, was er gut verkaufen könnte, das weiter produziert. Sondern ich versuche, einfach weiter kreativ zu bleiben und immer neue Ansatzpunkte zu finden, eben auch politisch zu sein."

Damit könne er zwar nicht so viel Geld verdienen, aber darum gehe es ihm auch nicht. Ihm geht es um den Kontakt zu Menschen. Deshalb steht in der Ausstellung auch seine Telefonnummer – jeder, der mag, kann ihn anrufen. Und seine Kunst erstehen, "für'n Appel und 'n Ei."

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