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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 24.04.2015

Künstler Thomas DemandWarum fotografieren Sie Papiermodelle?

Thomas Demand im Gespräch mit Susanne Führer

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Der Künstler Thomas Demand zu Gast bei Deutschlandradio Kultur (Sven Crefeld / Deutschlandradio Kultur)
Thomas Demand zu Gast bei Deutschlandradio Kultur (Sven Crefeld / Deutschlandradio Kultur)

Der Fotokünstler Thomas Demand baut aus Papier Orte nach, die auf Pressefotos dokumentiert sind, fotografiert sie und baut sie wieder ab. Das umstrittene Barschel-Bild, das den Politiker tot in der Badewanne zeigt, hat ihn besonders beschäftigt.

Der gelernte Bildhauer Thomas Demand sieht sich selbst nicht als Fotograf, sondern verortet sich in der Kunst. "Alles, was ich in die Welt setze, ist vielleicht das Echo  dessen, was wir ursprünglich gesehen hatten", sagte Demand im Deutschlandradio Kultur. Er baue Skulpturen und ihn interessiere die naive Vorstellung, was wäre, wenn der Betrachter  in die Bilder hineingehen könnte. "Was wäre, wenn wir Zugang hätten? Was wäre, wenn wir nicht nur aus Bildern von der Welt erfahren, sondern wenn wir an all diesen Orten sein könnten, über die uns die Bilder erzählen", sagte der Berliner Künstler.

Badewanne ohne den Toten

Das Titelbild der Zeitschrift "stern" von 1987 mit dem toten Politiker Barschel in der Badewanne hat Demand in ein inzwischen ebenso berühmtes Foto übersetzt, dass nur noch die Badewanne zeigt -  ohne den Toten. "Dieses Bild hat sich eingebrannt in den öffentlichen Diskurs", sagte Demand. "Und zwar nicht nur wegen der Machenschaften von Herrn Barschel, sondern auch: Darf man das überhaupt zeigen?" Es handele sich um ein Junktim unserer Wahrnehmung unserer eigenen zeitgenössischen Situation und dann Geschichte. Umso länger dieses Ereignis zurückliege, umso fiktionaler werde dieses Ereignis. Desto mehr werde es überlagert von eigenen Erinnerungen.

Nachbau in Lebensgröße

Er habe das Bild des toten Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein in seinem Atelier aus Papier in Lebensgröße nachgebaut. Das ziele nicht so sehr auf die Wahrheitsfindung vom „stern" oder der Staatsanwaltschaft, sondern darauf, dass dieses Bild sich so in der Erinnerung eingebrannt habe. "Mein Bild ist praktisch ein Bild vom Bild", sagte Demand. Er überlege sich beim Nachbau wie das Licht gewesen sei, welche Farbe die Kacheln wohl hatten. Dann versuche er  "das Bild, an das wir uns erinnern" nachzubauen und als dreidimensionalen Ort zu erschaffen.

Das schwierige ist das Wasser

"Auf diesem Umweg besuche ich dann das Badezimmer von Herrn Barschel", sagte er. In dem Hotel in Genf seien heute die Zimmernummern ummontiert, weil in Barschels Suite kein Gast mehr übernachten wollte. Beim Nachbau der Barschel-Badewanne in Lebensgröße ergaben sich für den Künstler besondere Fragen: "Das schwierigere ist eigentlich das Wasser", sagte Demand. "Das Wasser mit dem Schaum, der da drin noch liegt  und diese etwas ebene Badewanne, die zu lange da steht und kalt geworden ist." Die große Herausforderung sei gewesen, dass so hinzubekommen, dass es einerseits nicht illusionistisch sei , aber dem Augen genüge, um wahrzunehmen, dass es sich um Wasser handele, das immer noch in der Badewanne stehe.

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