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Interview | Beitrag vom 25.10.2019

Künftiges Museum der Moderne in Berlin"Es ist nie eine Frage des Geldes"

Wulf Herzogenrath im Gespräch mit Ute Welty

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Die Fassade zum Scharounplatz wird großflächig verglast. So wird von außen die vielfältige Nutzung wahrnehmbar. Die offene Glasfassade wirkt einladend und verbindet das Museum mit dem umgebenden Stadtraum. Im ersten Obergeschoss ist der zentrale Ausstellungsraum als geschlossener Sichtbetonkubus ablesbar. (Herzog & de Meuron)
Stand der Planungen für das Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum, Herbst 2019. Haupteingang, Ansicht vom Scharounplatz (Nordfassade). (Herzog & de Meuron)

Von 200 auf 450 Millionen Euro: Die geschätzten Baukosten für das in Berlin geplante Museum der Moderne schnellen in die Höhe. Zu teuer? Der Kunsthistoriker Wulf Herzogenrath findet eine ganz andere Frage viel wichtiger.

Am 18. November soll der Bundestag die Finanzierung des künftigen Museums der Moderne in Berlin beschließen. Aktuell nennt Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Summe von 450 Millionen Euro, die der von Herzog de Meuron entworfene Bau kosten soll. Das wäre mehr als doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Schätzungen gehen sogar von bis zu 600 Millionen Euro aus, wenn das Museum, wie vorgesehen, 2026 eröffnen sollte. Die FDP hat unter anderem deshalb eine Verschiebung der Grundsteinlegung beantragt. 

Porträt des Kunsthistorikers Wulf Herzogenrath (imago / Reiner Zensen)Wulf Herzogenrath, Dirketor der Sektion Bildende Kunst an der Adademie der Künste Berlin (imago / Reiner Zensen)

Der Kunsthistoriker und Kurator Wulf Herzogenrath findet indes, dass sich der Einsatz lohnt: "Es ist sicher immer all das wert, wenn die Gesellschaft das möchte. Wir haben das bei der Elbphilharmonie gesehen, wie begeisterungsfähig die Gemeinschaft der Bürger ist  - ob Touristen oder Anwohner. Es ist nie eine Frage des Geldes, sondern des sinnvoll Angewandten."

Die Medien regen sich über Kosten auf, die selbstverständlich sind

Herzogenrath, der in der Berliner Akademie der Künste die Sektion Bildende Kunst leitet, gibt zudem zu bedenken: "Dieses Geld ist ja nicht für die Kultur oder für Kulturarbeit. Es ist für die Bauindustrie, für die Installation vom Klo bis zum Waschbecken." Die Kultur bekomme "keinen Pfennig", so der Experte. "Eigentlich sollten wir darüber nachdenken: Was kostet uns dieses Mehr, damit wir sinnvoll diese Kubikmeter neu und richtig bespielen?"

Herzogenrath weiter: "Jeder Geldgeber, der den Bau hinstellt, weiß, dass da Personal und Inhalte gefüllt und bezahlt werden müssen. Es wundert mich, dass darüber gar nicht diskutiert wird und die Medien sich auch nur aufregen über Kosten, die selbstverständlich sind."

(bth)

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