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Kompressor | Beitrag vom 12.08.2019

Kritikerin zum umstrittenen US-Film "The Hunt" "Auf gar keinen Fall gewaltverherrlichend"

Jenny Zylka im Gespräch mit Shanli Anwar

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Filmplakat von "The Hunt" (Ausschnitt) (Universal)
Menschen machen Jagd auf Menschen: Der Film "The Hunt" ist eine brutale Sozialsatire über die amerikanische Gesellschaft. (Universal)

Reiche US-Amerikaner machen Jagd auf Menschen – der US-Film "The Hunt" provoziere Gewalt behauptet Donald Trump. Nach den Massaker in El Paso und Dayton kommt er vorerst nicht in die Kinos. Filmkritikerin Jenni Zylka findet die Entscheidung heuchlerisch.

"Wir verstehen, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist, um diesen Film zu veröffentlichen." Das teilten die Universal Pictures Studios in den USA mit. Der als satirische Thriller beschriebene Film "The Hunt" (Die Jagd) mit Hilary Swank kommt demnach Ende September nicht in die Kinos. Hintergrund sind die Massaker in El Paso und Dayton. In dem Spielfilm seien "gewaltverharmlosende Szenen" zu sehen. Es geht um einflussreiche Menschen, die andere Leute zum Spaß wie Tiere jagen.

Filmkritikerin Jenni Zylka kann nicht nachvollziehen, dass Universal den Film nicht veröffentlicht. Die Produktionsfirma wolle der Diskussion aus dem Weg gehen, zugleich produziere sie Horrorfilme und ähnliche Filme: "Es ist also heuchlerisch zu behaupten, man würde aus Rücksicht, diesen Film nicht herausbringen."

"Trump geht es darum, abzulenken"

US-Präsident Donald hatte den bereits beworbenen "The Hunt" am Freitag auf Twitter kritisiert, als er davor warnte, ein Film würde Chaos schüren und Gewalt provozieren. "Trump geht es natürlich darum, von den Vorwürfen gegen ihn abzulenken, die in Bezug auf Rassismus in den USA gemacht wurden", erklärt Zylka. "Ihm wird selber immer wieder vorgeworfen, das mit seinen rassistischen Äußerungen salonfähig gemacht zu haben."

Den Vorwurf, der Film sei gewaltverherrlichend, teilt Zylka nicht. Sie nennt drei Aspekte, wie Gewalt in Filmen verherrlicht werden könne: Erstens mit einer Ästhetisierung von Gewalt. Zweitens wenn positive Protagonisten im Film Gewalt ausübten und drittens, wenn Gewalt als einzige Lösung dargestellt werde. Soweit sie den Film beurteilen könne, treffe dies auf den Film nicht zu: "Der Film macht all das natürlich nicht. Der Film ist eine Satire. Die Aussage dieses Films ist auf gar keinen Fall gewaltverherrlichend."

Satire über eine gespaltene Gesellschaft

Doch was, wenn das Publikum die Satire nicht versteht? Kann ein Film Gewalt triggern? Das sei eine alte Diskussion, sagt Zylka. Doch Wissenschaftler hätten gezeigt, dass Gewalt nicht getriggert werden kann, wenn sie nicht schon vorhanden sei.

"Diese Amokläufe finden immer wieder statt. Und so ein Film klagt den Umgang mit Gewalt an. Das ist eine Satire darüber, wie groß der Spalt in der US-Gesellschaft wird. Man kann diesem Film nicht vorwerfen, dass er diesen Spalt verursacht, sondern er zeigt ihn. Und der Film könnte dazu beitragen, diesen Diskurs darüber zu führen."

(mwl)

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