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Interview / Archiv | Beitrag vom 31.05.2015

Kritik an FIFA-Geldgebern"Die Sponsoren sind der Schlüssel"

Wolfram Eilenberger im Gespräch mit Sonja Gerth

Nationalflaggen vor einem FIFA-Schriftzug bei der Eröffnung des Weltfußball-Kongresses in Zürich (imago / EQ Images)
Kongress des Weltfußballverbandes FIFA: "Die ganze Struktur der Fifa beruht auf Korruption – und das schon seit Jahrzehnten." (imago / EQ Images)

Wolfram Eilenberger hat sich enttäuscht über das Verhalten der FIFA-Sponsoren gezeigt. Die Geldgeber hätten die Chance, Druck auf den korrupten Verband auszuüben, seien aber zu unentschieden, kritisierte der Philosoph, der auch in der Autoren-Nationalmannschaft kickt.

"Und da muss man sagen, dass insbesondere von Sponsorenseite aus doch ein sehr enttäuschendes Verhalten zu beobachten war in der vergangenen Woche", sagte Eilenberger im Deutschlandradio Kultur.

"Die Sponsoren sind der Schlüssel", ergänzte Eilenberger, "die Sponsoren bringen das Geld, und die FIFA ist eine Geldmaschine. Und solange der Geldhahn läuft, wird sich wahrscheinlich wenig ändern."

Die FIFA selbst hielt er – aus eigener Kraft – für nicht reformfähig.

"Wenn sich in einem Verband (…) eine Kultur der Korruption oder des Dopings über Jahrzehnte eingeschlichen hat, dann ist es so, dass all die, die in leitenden Funktionen sind, in das System verstrickt sind. Und dann sind Transformationen (…) dieser Kultur sehr, sehr schwierig. Und bei der FIFA ist es natürlich so, dass mit einer Abwahl von Herrn Blatter Wichtiges oder Wesentliches nicht geschehen wäre, weil es eben endemisch ist. Die ganze Struktur der FIFA beruht auf Korruption – und das schon seit Jahrzehnten."

Der Philosoph und Chefredakteur des "Philosophie Magazins" Wolfram Eilenberger; Aufnahme vom November 2014 (picture alliance / dpa)Der Philosoph Wolfram Eilenberger; "Solange der Geldhahn läuft, wird sich wahrscheinlich wenig ändern." (picture alliance / dpa)

Natürlich sei auch der europäische Fußballverband UEFA "verstrickt", beispielsweise was die Vergabe der WM 2022 nach Katar angehe.

"Es wäre falsch, die UEFA als Garant einer ethischen Vorgehensweise darzustellen. Andererseits muss man sagen, dass wenn eine Veränderung, die nachhaltig wäre, kommen soll, dann kommt sie sicher aus den europäischen oder nordamerikanischen Verbänden. Und die haben eine besondere Verantwortung, der sie auch jetzt wieder nicht gerecht geworden sind."

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