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Fazit | Beitrag vom 07.11.2019

Kritik am Museum der ModerneVerstellter Blick

Nikolaus Bernau im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Collage zweiter Bilder, die den Blick auf das Kulturforum veranschaulichen. Ohne und mit dem Entwurf für das neue Museum der Moderne. Nach seiner Fertigstellung an der Nordseite der Neuen Nationalgalerie verstellt das geplante Museum in der Bildmitte den Blick nach Norden. (Zeichnungen: Stephan Braunfels)
Nach seiner Fertigstellung an der Nordseite der Neuen Nationalgalerie verstellt das Museum der Moderne den Blick nach Norden. (Zeichnungen: Stephan Braunfels)

Architekt Stephan Braunfels kritisiert den Entwurf für das Museum der Moderne in Berlin. Zu Recht, findet Journalist Nikolaus Bernau: Das Gebäude stelle zwei Architektur-Ikonen ins Abseits: Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie und Scharouns Philharmonie.

In den Schlagzeilen steht das in Berlin geplante Museum des 20. Jahrhunderts – auch Museum der Moderne genannt –  schon seit einiger Zeit. Zuerst stand die Ästhetik des Gebäudes in der Kritik, danach die explodierenden Baukosten, die sich mehr als verdoppelt haben.

Der Architekt Stephan Braunfels erhebt nun in seinem neuen Buch einen weiteren Vorwurf: Das Museum stelle die Neue Nationalgalerie städtebaulich ins Abseits, zudem verstelle es den Blick auf die Berliner Philharmonie.

Braunfels möchte dies mit zwei Zeichnungen belegen, die Aufschluss darüber geben sollen, was der Bau des Museums für die Neue Nationalgalerie bedeutet. Diese fehlen bei dem Entwurf des beauftragten Architekturbüros Herzog & de Meuron und wurden nun von Braunfels' Büro nachgezeichnet und bei der Buchvorstellung präsentiert.

Harsche Kritik an den Architektenkollegen

Unser Architekturkritiker Nikolaus Bernau sieht bei Braunfels verschiedene Motive für den massiven Angriff auf die Architektenkollegen: "Das Eine ist bestimmt ein bis an die Eitelkeit gehendes Selbstbewusstsein. Braunfels weiß, was er gebaut hat, was er kann und wie preiswert er gebaut hat. Seine Pinakothek der Moderne war bis an die Grenze des Erträglichen billig." 

Da gebe es zwar jetzt Folgekosten, aber Braunfels wisse, wie man Tageslichtmuseen baut. "Außerdem ärgert ihn als Architekten, wie mit dem Werk anderer Architekten umgegangen wird. In diesem Fall mit dem Werk von Mies van der Rohe (Nationalgalerie) und Hans Scharoun (Berliner Philharmonie)."

Zudem sieht Bernau bei Braunfels eine "Ebene der Bürgerschaftlichkeit". Deswegen habe Braunfels auf eigene Kosten diese Zeichnungen und ein Buch über die Entwicklung des Kulturforums veröffentlicht. Zwar gehe es in dem Buch natürlich auch um Braunfels' eigene Entwürfe, aber er sehe sich offenbar als ein in der Verantwortung stehenden Bürger, der dafür sorgen müsse, dass Politiker eine gute Entscheidungsgrundlage bekämen.

Ein Entwurf des Museums der Moderne durch die nördliche Glasfront der Neuen Nationalgalerie betrachtet. (Stephan Braunfels)Nach Fertigstellung des Museums der Moderne verstellt diese den Blick aus der Neuen Nationalgalerie auf die Berliner Philharmonie. (Stephan Braunfels)

Bei der zweiten Ansicht könne man sehen, so Bernau, dass die Neue Nationalgalerie zum Anhängsel des Kulturforums werde. "Sie hat ja ihre Hauptzugangstreppe weg vom Kulturforum. Das war schon immer eine Problem, aber das war eine Entscheidung von Mies van der Rohe. Er hat sich entschieden, diese Treppe weg von der Philharmonie zu leiten, um die Autonomie der Neuen Nationalgalerie zu zeigen, um zu zeigen: Das ist nicht nur ein Haus für Kunst, sondern es ist selber ein Kunstwerk." Der Neubau würde aber dieses Kunstwerk ausgrenzen.

Alternatives Grundstück wurde ausgeschlossen

"Diese Perspektivzeichnungen wurden in den letzten drei Jahren immer wieder eingefordert, bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, beim Kulturstaatsministerium, bei den Architekten, aber sie wurden nie geliefert. Jetzt hat sie der Bürger Braunfels, wenn man so will, geliefert. Er hat sie nachgezeichnet."

Natürlich seien das Zeichnungen von einem Kritiker des Projekts, sagt Bernau. "Aber sie sind sehr genau eingemessen." Das Entscheidende sei aber, dass es ein alternatives Grundstück gebe. Dieses sei aber aus politischen Gründen ausgeschlossen worden.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz habe letzte Woche alle Vorurteile bestätigt, indem sie öffentlich bekanntgegeben habe, dass man dort baue, weil es die repräsentativste Stelle sei und weil es die Stelle sei, die die Sammler gewollt haben. "Das sind beides überhaupt keine museologischen Argumente. Es gibt ein Grundstück hinter der Nationalgalerie, das seit 1964 freigehalten wurde. Man kann das geforderte Raumvolumen auch an einer anderen Stelle unterbringen." 

(rja)

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