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Breitband | Beitrag vom 21.03.2020

KrisenkommunikationAlle Macht der Wissenschaft

Moderation: Teresa Sickert und Tim Wiese

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Das Robert Koch-Institut von außen - eine selbstständige deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten in Berlin (imago images/Christian Ditsch)
Das Robert Koch-Institut, die deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten, informiert täglich über aktuelle Fallzahlen in Deutschland. (imago images/Christian Ditsch)

Der Maßstab für Einschränkungen in der Coronakrise sei die Wissenschaft, mahnte Kanzlerin Merkel. Die Forschung hat derzeit großen Einfluss auf Politik und Medien. Und doch brauche sie noch deutlich mehr Präsenz, meint Wissenschaftsjournalist Christian Schwägerl.

Der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, der im NDR-Podcast alltäglich Updates und Einschätzungen in Sachen Corona teilt, ist das beste Beispiel: Die Wissenschaft hat im Moment großen Einfluss auf Öffentlichkeit und Politik. Der Maßstab für Einschränkungen in der Coronakrise sei die Wissenschaft, nicht der Wunsch des Einzelnen, mahnte Kanzlerin Merkel.

"Das ist das beste Wissen, das wir haben"

"Die Politik kann ja gar nicht anders, als auf die Experten, vor allem aus der Epidemiologie oder der Infektionsbiologie, zu hören", meint auch Christian Schwägerl, Wissenschaftsjournalist und Vorstand von RiffReporter. "Das ist das beste Wissen, das wir haben. Zum Glück wird dieses Wissen genutzt und auch in konkretes Handeln übersetzt."

Gleichzeitig beobachte er aber, sagt Schwägerl, dass die Wissenschaft in der breiten Bevölkerung noch nicht genügend wahrgenommen werde. Das zeige auch ein Blick auf Twitter.

"Da hat Herr Drosten 127.000 Follower, der Top-Journalist auf dem Gebiet, Kai Kupferschmidt, hat 56.000 Follower, und ein Komiker wie Herr Nuhr, der noch vor einer Woche gesagt hat, er würde jetzt gerne Auftritte machen, der hat 830.000 Follower." In den Sozialen Medien gebe es ein gehöriges Ungleichgewicht, da brauche die Wissenschaft noch deutlich mehr Präsenz.

Ein Teil der Bevölkerung scheint entkoppelt

"Es scheint einen großen und möglicherweise wachsenden Teil der Bevölkerung zu geben", so Schwägerl weiter, "der von diesen Botschaften irgendwie entkoppelt ist, die das nicht ernst nehmen, dass es jetzt gerade um Leben und Tod geht, und dass jede Stunde zählt."

Kritik am Wissenschaftsjournalismus nimmt Schwägerl wahr - entscheidend sei aber, dass diesem im Moment eine Systembedeutung zukomme, und dass er als wichtige Kraft wahrgenommen werde. So dürfe Christian Drosten im NDR ja auch nicht ungefiltert seine Meinung von sich geben, sondern müsse sich den Fragen der Journalistinnen stellen.

Bei Drosten sei zu sehen, "dass er auch offen über seine eigenen Lernprozesse spricht". Das sei eine ganz wichtige Botschaft, "dass hier niemand ex cathedra die Wahrheit verkündet, sondern auch sagt, ich lerne selbst dazu. Das tun wir alle, das tun wir auch als Wissenschaftsjournalisten, nur eben mit unseren speziellen Expertisen."

Das überlebenswichtige Wissen der Klimaforscher

Wichtig sei die Erkenntnis, dass der Wissenschaft in Diskussionen auch zukünftig mehr Gewicht zukommen müsse, zum Beispiel in der Klimafrage. "Es besteht ja jetzt die Gefahr - auch durch die wirtschaftlichen Schäden, die diese Pandemie verursachen wird -, dass man, wenn das hoffentlich bald, in einigen Monaten, nächstes Jahr, vorüber ist, die wirtschaftlichen Schäden dadurch aufholen wird, dass man einfach so weiter macht wie vorher, nur mit Faktor oder Geschwindigkeit zehn."

So ernst, wie man jetzt die Infektiologen und Epidemiologen nehme, müsse man auch den Klimaforschern zuhören. "Hier ist jetzt ganz wichtig zu lernen, dass Wissenschaft überlebenswichtiges Wissen bereit hält, dass das nicht irgendwelche Weißkittel sind, die sich über absurde Sachen Gedanken machen, sondern hier geht es um unser Leben und Überleben."

(cwu)

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