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Interview | Beitrag vom 05.05.2018

Krise im KreißsaalEine Hebamme für fünf Frauen

Susanna Rinne-Wolf im Gespräch mit Marianne Allweiss

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Eine Hebamme im Geburtshaus in Oldenburg  (picture alliance / dpa / Foto: Thorsten Helmerichs)
Eine Hebamme untersucht den Bauch einer werdenden Mutter. (picture alliance / dpa / Foto: Thorsten Helmerichs)

Seit 1992 ist der 5. Mai der Internationale Tag der Hebamme. Genützt hat das den Hebammen in Deutschland wenig: Ihre berufliche Situation hat sich in den letzten Jahren drastisch verschlechtert – wie Susanna Rinne-Wolf vom Berliner Hebammenverband bestätigt.

In unserer Vorstellung sind Hebammen unverzichtbare Begleiterinnen der Geburtsvorbereitung, im Kreißsaal und in der Zeit danach. Doch ihre Arbeitsbedingungen sind in den letzten Jahrzehnten immer härter geworden – spätestens, seit Kliniken Kosten nach Fallpauschalen abrechnen und Frauen ein, zwei Tage nach der Geburt bereits aus der Klinik entlassen werden. Zugleich wird die Personaldecke immer dünner.  

Auch deshalb kommt der Beruf für immer weniger junge Frauen in Frage. Auch die Gebärenden bekommen die Verschlechterung zu spüren. Immer wieder berichten sie von unfreundlicher Atmosphäre und ruppigem Verhalten im Kreißsaal.

Haufenweise Überstunden

Inzwischen sei es normal, dass Hebammen in der Klinik bis zu fünf Gebärende zur gleichen Zeit betreuten, berichtet Susanna Rinne-Wolf, Erste Vorsitzende des Berliner Hebammenverbandes. Vor allem aber: Während Hebammen sich früher im Kreißsaal nur auf die Geburtsbetreuung konzentrieren konnten, kämen heute eine Vielzahl anderer Tätigkeiten hinzu – weil andernorts das Personal fehle.

Hebamme Simone Scherer überprüft mit einem Holzstethoskop als Alternative zur Kardiotokographie die Herztöne des ungeborenen Kindes bei der Medizinstudentin Nadja Schwark. (dpa / Waltraud Grubitzsch)Eine Hebamme überprüft mit einem Holzstethoskop als Alternative zur Kardiotokographie die Herztöne des ungeborenen Kindes. (dpa / Waltraud Grubitzsch)

"Alle möglichen Sachen von Ambulanzen, die mit über den Kreißsaal teilweise laufen, Sprechstunden, Risikosprechstunden, die Anmeldung. Die Kolleginnen berichten von einem massiven Anstieg an Dokumentations- und Administrationsarbeiten. Und dann gibt es sogar noch Sachen wie die Wartung medizintechnischer Geräte. Teilweise müssen die Kolleginnen die Kreißsäle selbst putzen. Alles Zeitfresser, die dann wirklich keine Zeit mehr lassen für eine gute Eins-zu-Eins-Betreuung."

Es braucht deutlich mehr Stellen in den Kliniken

Diese Zustände seien mit der wichtigste Grund, warum immer weniger Hebammen Lust hätten in der Geburtshilfe in Krankenhäusern zu arbeiten. Rinne-Wolf: "Wir wissen, dass Kolleginnen unglaublich viele Überstunden anhäufen." Es brauche deutlich mehr Stellen, um die Tätigkeit wieder attraktiver zu machen.  Denn parallel gebe es heute deutlich mehr Frauen, die gut über ihren Anspruch auf Hebammen-Betreuung informiert seien und diese auch gerne in Anspruch nehmen wollten.

(mkn)

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