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Lesart / Archiv | Beitrag vom 12.08.2015

Krimireihe "Berliner Blut"Von Rassismus und globalisierter Ausbeutung

Mechthild Lanfermann im Gespräch mit Frank Meyer

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Mechthild Lanfermann im Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Matthias Horn)
Mechthild Lanfermann im Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Matthias Horn)

Mechthild Lanfermann wählt für ihre Krimis brisante Themen: NS-Vergangenheit, Rechtsextremismus und DDR-Geschichte. In ihrem neuen Buch aus der Reihe "Berliner Blut" geht es um den Abbau des Erzes Coltan. Es ist eine Geschichte über Rassismus und Kolonialismus, erzählt die Autorin.

Im neuen Krimi aus der Reihe "Berliner Blut“ von Mechthild Lanfermann geht es um den Abbau und Schmuggel von Coltan. Dieses Metall wird auch als Gold des 21.Jahrhunderts bezeichnet, weil es einen großen Wert für die Elektronikindustrie hat. Das Buch ist der vierte Teil aus der Reihe um die Radioreporterin Emma Vonderwehr und den Berlin-Kriminalkommissar Edgar Blume.

Es habe sie gereizt, sich mit dem Material Coltan literarisch zu beschäftigen, sagte Lanfermann im Deutschlandradio Kultur. Es werde in jedem Handy und vielen Kleinstgeräten verarbeitet. Und trotzdem wisse man wenig über die "globalisierte Ausbeutung", die damit zusammenhänge:

"Denn dieses Coltan ist ein Erz, das hauptsächlich in Afrika gefunden wurde. Sehr viele Vorkommnisse sind im Ost-Kongo. Und das ist eine sehr umstrittene Gegend, die von Milizen kontrolliert wird. Und trotzdem wird dort abgebaut. Und wir alle profitieren davon."

In dem Roman gehe es auch um eine Gruppe von Künstlern und Journalisten, die gegen diese Machenschaften kämpften und sie öffentlich machen wollten, erzählte Lanfermann. Ihre Hauptfigur Emma Vonderwehr unterstütze diese Gruppe.

Was bedeutet Rassismus heute?

Über die  Ermordung einer Künstlerin kommt auch die Bildende Kunst in das Krimigeschehen hinein. Dazu sei sie auch von einer Berliner Ausstellung über afrikanische Kunst inspiriert worden, meinte Lanfermann. In ihren Büchern baue sie gerne die Realität mit ein:

"Und dort wurde auch noch einmal thematisiert: Was ist Rassismus heute? Was bedeutet Kolonialismus heute? Und da gab es Zusammenhänge, die ich spannend fand. Und so fand ich es gut, Leute zu nehmen, die im Grunde wenig Macht haben. Aber die eine Stimme haben in der Gesellschaft: Künstler, Journalisten, Blogger."

Mechthild Lanfermann: Berliner Blut. Ein Emma-Vonderwehr-Krimi
btb, 352 Seiten, 9,99 Euro

 

Mehr zum Thema:

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(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 22.06.2015)

Theater-Projekt - Coltan-Fieber im Kongo
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