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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 31.10.2020

Krimibestenliste NovemberRaubmord, Bestechung und ein verhängnisvoller Seitensprung

Die drei besten Titel im November auf unserer Krimibestenliste (Deutschlandradio)
Die drei besten Krimis im November: "Götter und Tiere" von Denise Mina, "Hope Hill Drive" von Garry Disher und "Heißes Blut" von Un-Su Kim. (Deutschlandradio)

Rasant, hart und philosophisch: Mit dem dritten Band ihrer Alex-Morrow-Reihe hat es Denise Mina aus dem Stand auf Platz eins geschafft. Die Glasgower Ermittlerin hat es diesmal mit einem Blutbad und Korruption in den eigenen Reihen zu tun.

Deutschlandfunk Kultur und die Frankfurter Allgemeine Zeitung präsentieren die besten Krimis des Monats.


Buchcover Denise Mina "Götter und Tiere" (ariadne Verlag /Deutschlandradio)Denise Mina: "Götter und Tiere" (ariadne Verlag /Deutschlandradio)

Glasgow. Ein Raubüberfall mit Todesopfer, ein alternder Labour-Politiker in Seitensprung-Kalamitäten, Polizisten mit Bergen von Bestechungsgeld, ein moralisch unsicherer Erbe – alles ganz normal. Die Serie um Detective Alex Morrow: das hellwache Porträt einer starken Frau und ihrer chaotischen Stadt.

Unsere Rezension

1 (-) Denise Mina: "Götter und Tiere" 
Aus dem Englischen von Karen Gerwig
ariadne im Argumentverlag, Hamburg 2020
352 Seiten, 21 Euro


Das Cover von Garry Dishers Buch "Hope Hill Drive" auf orange-weißem Hintergrund. (Unionsverlag / Deutschlandradio)Garry Disher: "Hope Hill Drive" (Unionsverlag / Deutschlandradio)
Tiverton, South Australia. Alles wie immer: Es wird geklaut, gesoffen, geprügelt. Hirsch, allein auf sehr weiter Flur, ist ein "freundlicher Dorfpolizist". Da wird eine Frau erschossen, zwei Kinder fliehen, Hauptstadt-Cops schaffen Chaos. Große Literatur, entstanden aus Kleinem.

Unsere Rezension

2 (1) Garry Disher: "Hope Hill Drive"
Aus dem Englischen von Peter Torberg
Unionsverlag, Zürich 2020
336 Seiten, 22 Euro

Coverabbildung von Un-Su Kim: "Heißes Blut" (Deutschlandradio / Europaverlag)Un-Su Kim: "Heißes Blut" (Deutschlandradio / Europaverlag)
Busan 1993. Guam – das ist Tradition, Strand, Verbrechen im Kleinformat. Für Old Son managt Huisu seit 20 Jahren dort das Hotel und die Deals, einsam und besonnen achtet er die Regeln. Bis ihm die Selbständigkeit winkt. Großes Sozial- und Gangsterepos: Neu verdrängt Alt, Globalisierung steigert Gewalt.

Unsere Rezension

3 (9) Un-Su Kim: "Heißes Blut"
Aus dem Französischen von Sabine Schwenk
Europaverlag, Berlin/München/Wien/Zürich 2020
582 Seiten, 24 Euro

Coverabbildung Joachim B. Schmidt: "Kalmann" (Deutschlandradio / Diogenes-Verlag)Joachim B. Schmidt: "Kalmann" (Deutschlandradio / Diogenes-Verlag)

Raufarhöfn, Island. Kalmann vergisst viel und rechnet schlecht, aber sein Gammelhai ist der zweitbeste in Island. Als er am Arctic Henge eine Blutlache entdeckt, sagt er gleich Bescheid. Hat ein Eisbär Róbert gefressen? Einfühlsame Variante des Topos "behinderter Detektiv" in grandioser Landschaft.

Unsere Rezension

4 (5 ) Joachim B. Schmidt: "Kalmann"
Diogenes, Zürich 2020
352 Seiten, 22 Euro

Das Buchcover "Alles, was zu ihr gehört" von Sara Sligar ist vor einem grafischen Hintergrund zu sehen.   (Verlag Hanserblau / Deutschlandradio)Sara Sligar: "Alles, was zu ihr gehört" (Verlag Hanserblau / Deutschlandradio)

Callinas, Marin County. "Ob die Narben auf meinen Fotos echt sind?" Fotografin Miranda Brand hat sich den Kopf weggeschossen – oder doch nicht? Archivarin Kate, weggemobbt, traumatisiert, soll ihren Nachlass für Sohn und Kunstwelt erschließen. Psychothriller, Künstlerinnenroman, feines Debüt.

Unsere Rezension

5 (3) Sara Sligar: "Alles, was zu ihr gehört"
Aus dem Englischen von Ulrike Brauns
hanserblau, Berlin 2020
432 Seiten, 16 Euro

Buchcover Robert Brack "Sturmflut" (Ellert & Richter Verlag / Deutschlandradio)Robert Brack "Sturmflut" (Ellert & Richter Verlag / Deutschlandradio)

Hamburg, Februar 1962. Dämme brechen, das Wasser steigt, wer wird überleben? Tresorknacker Lou will mit Goldschatz nach Kuba. Der junge Piet wird zum Lebensretter. Betty bekämpft ihre bösen Erinnerungen mit der Garotte. Die Fluten reißen alles mit. Mittendrin die kleinen Kämpfe ums Überleben. Echt.

6 (-) Robert Brack: "Dammbruch"
Ellert & Richter, Hamburg 2020
240 Seiten, 12 Euro


Coverabbildung von Marcie Rendon: "Stadt, Land, Raub" (Deutschlandradio / Ariadne)Marcie Rendon: "Stadt, Land, Raub" (Deutschlandradio / Ariadne)

Fargo/Moorhead, etwa 1971. Nachts fährt Landarbeiterin Cash Rüben und spielt Billard, tagsüber geht sie aufs College, verwundet durch eine Kindheit in Zwangspflegschaft. Prostitution, Akademiker und große Städte lernt die Native American erst richtig kennen, als sie einen Essay-Preis erhält. Großartig.

Unsere Rezension

7 (8) Marcie Rendon: "Stadt, Land, Raub"
Aus dem Englischen von Jonas Jakob
Ariadne, Hamburg 2020
238 Seiten, 13 Euro

Das Cover von Max Annas' Buch: "Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit" auf orange-weißem Hintergrund. Auf dem Cover sind zwei Fotos in verschiedenen Größen zu sehen, Autor und Titel sind in typischer Schreibmaschinenschrift gedruckt. Ein Gummi scheint horizontal und vertikal über das Ensemble gespannt zu sein. (Rowohlt / Deutschlandradio)Max Annas: "Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit" (Rowohlt / Deutschlandradio)
Gera, Jena 1985. Melchior war Bassist einer Punk-Band. Jetzt liegt der 19-Jährige tot im Schuppen. Die Ermittler stöbern im unsozialistischen Familiendreck: Kriegsverbrechen, Diebstahl, Prügel. Freundin Julia erzählt von Aufbruch, Musik, Liebe und Verrat. Hommage an den Punk und die Sehnsucht, frei zu sein.

Unsere Rezension

8 (4) Max Annas: "Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit"
Rowohlt, Hamburg 2020
336 Seiten, 20 Euro

Das Cover von Steph Chas Buch: "Brandsätze" auf orange-weißem Hintergrund.Steph Cha: "Brandsätze"

Los Angeles. 1991 wurde die Afroamerikanerin Ava, 15, von der koreanischen Ladenbesitzerin Yvonne erschossen, 2019 wird diese selbst Opfer eines Attentats. Nach einem realen Fall und Mustern en masse erzählt Cha vom Kampf zweier Familien bei dem Versuch, dem Fluch des Rassismus zu entgehen.

Unsere Rezension

9 (2) Steph Cha: "Brandsätze"
Aus dem Englischen von Karen Witthuhn
ars vivendi, Cadolzburg 2020
336 Seiten, 22 Euro

Buchcover Éric Plamondon "Taqawan" (Lenos Verlag / Deutschlandradio)Éric Plamondon "Taqawan" (Lenos Verlag / Deutschlandradio)

Restigouche, Québec. 1981 zerreißen Polizisten die Lachsnetze der Mi’gmac, die fünfzehnjährige Océane wird vergewaltigt. Zwei Einzelgänger, Ranger Leclerc und Mi’gmac William, helfen dem Opfer, klären auf und üben Rache. Knapp, aber oho: Essay über weißen Kolonialismus und strukturelle Gewalt - als Krimi!

Unsere Rezension

10 (-) Éric Plamondon: "Taqawan"
Aus dem Französischen von Anne Thomas
Lenos, Zürich 2020
208 Seiten, 22 Euro


Alles über Mord und Totschlag: Unser Krimiportal informiert über die aktuellen Trends in der Kriminalliteratur und stellt die wichtigsten Neuerscheinungen vor.


Wie funktioniert die Abstimmung?

Die Krimibestenliste wird im Auftrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und von Deutschlandfunk Kultur durch eine Jury aus Kritikerinnen und Kritikern erstellt.

Es sind 19 Spezialistinnen und Spezialisten für Kriminalliteratur aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die aus der laufenden Produktion monatlich jeweils vier Titel vorschlagen, die sie mit sieben, fünf, drei oder einem Punkt bewerten.

Der so gefundene Punktwert pro Titel wird mit der Zahl der für ihn abgegebenen Stimmen multipliziert. Daraus wird die monatliche Liste berechnet.

Jedes Jurymitglied darf insgesamt drei Mal für denselben Titel votieren. Voten für Titel, an deren Entstehung oder Vorbereitung man beteiligt war, sind verboten.

Die Titel dürfen nicht älter als zwölf Monate und keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien sein. Unterschiede zwischen Hardcover, Paperback und Taschenbuch werden nicht gemacht.

Im Durchschnitt kommen fünf Titel neu auf die monatliche Liste. Die Ziffer in Klammern gibt den Rang des Vormonats an.

Die Jury:

Tobias Gohlis, Sprecher der Jury
Volker Albers, "Hamburger Abendblatt"
Andreas Ammer, "Druckfrisch", ARD 
Gunter Blank, "Rolling Stone" 
Thekla Dannenberg, "Perlentaucher" 
Hanspeter Eggenberger, "Tages-Anzeiger" 
Fritz Göttler, "Süddeutsche Zeitung" 
Jutta Günther, "Radio Bremen Zwei" 
Sonja Hartl, "Zeilenkino", "Crimemag", "Deutschlandfunk Kultur"
Hannes Hintermeier, "Frankfurter Allgemeine Zeitung" 
Peter Körte, "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung"
Alf Mayer, "CulturMag", "Strandgut"
Kolja Mensing, "Deutschlandfunk Kultur" 
Marcus Müntefering, "Der Spiegel" 
Ulrich Noller, "Deutschlandfunk Kultur", "Deutschlandfunk", "SWR", "WDR"
Frank Rumpel, "SWR" 
Ingeborg Sperl, "Der Standard" 
Sylvia Staude, "Frankfurter Rundschau" 
Jochen Vogt, "NRZ", "WAZ"
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