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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 01.08.2020

Krimibestenliste AugustDeutschland-Dystopie auf Rang eins

Die Cover der ersten drei Plätz der Krimibestenliste im August stehen auf einer Illustration mit einem Schlapphut und einer Lupe. (Suhrkamp / Blancvalet / Eichborn)
Die Top-Drei der Krimibestenliste im August: Zoë Becks "Paradise City" verbessert sich um drei Plätze, der alte Spitzenreiter, Guillermo Martínez' "Der Fall Alice im Wunderland", ist nun Dritter. (Suhrkamp / Blancvalet / Eichborn)

Gleich sieben Neuzugänge gibt es in der Krimibestenliste vom August. Lee Child steigt mit "Der Bluthund" auf Platz zwei ein, Zoë Beck springt mit "Paradise City" an die Spitze. Aber paradiesisch ist ihr Entwurf von Deutschland in 100 Jahren nicht.

Deutschlandfunk Kultur und die Frankfurter Allgemeine Zeitung präsentieren die besten Krimis des Monats.


Buchcover von Zoë Becks "Paradise City", vor einem Aquarell-Hintergrund. (Suhrkamp / Deutschlandradio)Zoë Beck: "Paradise City" (Suhrkamp / Deutschlandradio)
Deutschland in 100 Jahren. Der Norden unter Wasser, Gesundheits-App KOS wacht, fast alle sind zufrieden. Nur Liina und Kollegen widerstehen, sie arbeiten für die "Wahrheitspresse". Erst recht, als eine Kollegin ermordet wird. Gesund sein oder frei sein? Brennende Fragen, zum Mitfiebern.

Unsere Rezension

Unser Gespräch mit Zoë Beck

1 (4) Zoë Beck: "Paradise City" 
Suhrkamp, Berlin 2020
280 Seiten, 16 Euro


Das Cover von Lee Childs Buch "Der Bluthund" auf orange-weißem Hintergrund. Auf dem Coverfoto läuft ein Mann mitten auf der Straße mit dem Gesicht vom Leser weg durch eine menschenleere Stadtlandschaft.  (Blanvalet / Deutschlandradio)Lee Child: "Der Bluthund" (Blanvalet / Deutschlandradio)

Wyoming. Beim Umsteigen ersteht Reacher antiquarisch einen Westpoint-Ring, ahnt Schlimmes für die Besitzerin. Im entlegensten Bergtal stößt der Einzelkämpfer, mit Kumpels diesmal, auf reine Opioide, Fluch und für manche auch Segen. Reacher ist zarter als sonst, jedenfalls zu den Guten. Echt stark.

Unsere Rezension

2 (-) Lee Child: "Der Bluthund" 
Aus dem Englischen von Wulf Bergner
Blanvalet, München 2020
448 Seiten, 22 Euro


Das Buchcover von "Der Fall Alice im Wunderland" auf orangefarbenem Hintergrund. (Eichborn / Deutschlandradio)Guillermo Martínez: "Der Fall Alice im Wunderland" (Eichborn / Deutschlandradio)

Oxford 1994. Aufruhr in der Lewis-Carroll-Bruderschaft: Doktorandin Kristen hat einen Hinweis auf die verschwundene Tagebuchseite vom Juni 1863, die Aufschluss über Carrolls wahres Verhältnis zu Alice geben könnte. Ganz heißes Thema. Mordanschläge häufen sich. Mitreißender Metakrimi, großer Gehirnspaß.

Unsere Rezension

3 (1) Guillermo Martínez: "Der Fall Alice im Wunderland"
Aus dem Spanischen von Angelica Ammar
Eichborn, Köln 2020
320 Seiten, 16 Euro


Das Cover von William Boyles Buch "Eine wahre Freundin" auf orange-weißem Hintergrund. Auf dem Cover ist eine menschenleere Straße bei Nacht zu sehen, links auf dem Bürgersteig sind Mülltüten abgestellt; rechts ist ein Zaun, der dunkle Schatten auf den hell, von rechts erleuchteten Gehweg wirft. (Polar / Deutschlandradio)William Boyle: "Eine wahre Freundin" (Polar / Deutschlandradio)

Brooklyn, Bronx, Monroe. Drei starke Frauen: Rena, fromme Mafioso-Witwe, verteidigt ihre Ehre mit einem Aschenbecher. Lacy, einst berühmte Pornodarstellerin, nimmt, was sie kriegen kann. Und Renas Enkelin Lucia testet aus, was geht. Superbe Mischung aus Frauensolidarität, Gewalt und Komik.

4 (-) William Boyle: "Eine wahre Freundin" 
Aus dem Englischen von Andrea Stumpf
Polar, Stuttgart 2020
368 Seiten, 22 Euro


Buchcover zu Hideo Yokoyamas "50". (Atrium / Deutschlandradio)Hideo Yokoyama: "50" (Atrium / Deutschlandradio)
Japan, "Präfektur W". Der angesehene Polizist Kaji hat seine an Alzheimer erkrankte Frau auf ihre Bitte getötet und stellt sich zwei Tage später. Polizei, Justiz und Presse wollen den Geständigen knacken: Was hat er nach dem Mord in Tokios Rotlichtviertel getan? Ergreifendes Drama um Regeln, Anstand, Scham.

Unsere Rezension

5 (2) Hideo Yokoyama: "50"
Aus dem Japanischen von Nora Bartels 
Atrium, Zürich 2020
368 Seiten, 22 Euro


Das Cover von Max Annas' Buch: "Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit" auf orange-weißem Hintergrund. Auf dem Cover sind zwei Fotos in verschiedenen Größen zu sehen, Autor und Titel sind in typischer Schreibmaschinenschrift gedruckt. Ein Gummi scheint horizontal und vertikal über das Ensemble gespannt zu sein. (Rowohlt / Deutschlandradio)Max Annas: "Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit" (Rowohlt / Deutschlandradio)

Gera, Jena 1985. Melchior war Bassist einer Punk-Band. Jetzt liegt der 19-Jährige tot im Schuppen. Die Ermittler stöbern in unsozialistischem Familiendreck: Kriegsverbrechen, Diebstahl, Prügel. Freundin Julia erzählt von Aufbruch, Musik, Liebe und Verrat. Hommage an Punk, die Sehnsucht frei zu sein.

6 (-) Max Annas: "Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit"
Rowohlt, Hamburg 2020
336 Seiten, 20 Euro


Das Cover von James Lee Burkes Buch: "Blues in New Iberia" auf orange-weißem Hintergrund. Auf dem Cover-Foto neigen sich Palmen im Wind leicht nach links, im Hintergrund ist eine Laterne zu sehen. (Pendragon / Deutschlandradio)James Lee Burke: "Blues in New Iberia" (Pendragon / Deutschlandradio)

New Iberia. Detective Robicheaux liebt Louisiana "wie eine Religion". Und die wird beschmutzt von einem Serienmörder aus der Mythenfabrik Hollywood: Frauen treiben ans Kreuz genagelt auf dem Meer. Stellen kann das Böse nur, wer den Tod hinter sich gelassen hat. Eine Naturgewalt von einem Roman.

7 (-) James Lee Burke: "Blues in New Iberia"
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger
Pendragon, Bielefeld 2020
592 Seiten, 22 Euro


Das Cover von Joseph Incardonas Buch "One Way Ticket ins Paradies" auf orange-weißem Hintergrund: Das Cover zeigt Palmen vor einem Sonnenuntergang. (Lenos / Deutschlandradio)Joseph Incardona: "One Way Ticket ins Paradies" (Lenos / Deutschlandradio)

"Nomad Island" im Indischen Ozean. Eine Schweizer Mittelklassefamilie, gestresst wie alle, hat den großen Traumurlaub gebucht. All inclusive beginnt mit leisem Horror, aus Glück wird vollversorgter Gutfühlknast, ganz sanft und unnachgiebig. Club Med noir. Horrorfiction für Sesselreisende.

8 (-) Joseph Incardona: "One-Way-Ticket ins Paradies"
Aus dem Französischen von Lydia Dimitrow
Lenos, Basel 2020
310 Seiten, 22 Euro


Das Cover von Lauren Wilkinsons Buch "American Spy" auf orange-weißem Hintergrund. Das Cover zeigt schematisch eine Schwarze Frau in einem Ringelshirt, die ein Tuch mit Sternen über die linke Schulter trägt, so dass die Gesamtansicht an die US-Flagge erinnert. Der Hintergrund ist monochrom gelb. (Tropen / Deutschlandradio)Lauren Wilkinson: "American Spy" (Tropen / Deutschlandradio)

USA, Burkina Faso. Ein überlebter Mordanschlag zwingt Marie Mitchell, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Die CIA engagierte die ehrgeizige Afroamerikanerin als Honigfalle für den charismatischen Präsidenten von Burkina Faso. Nicht eingeplant im Kalten Krieg: die Liebe. Obama hat es gern gelesen.

9 (-) Lauren Wilkinson: "American Spy"
Aus dem Englischen von Jenny Merling, Antje Althans, Anne Emmert und Katrin Harlaß
Tropen, Stuttgart 2020
352 Seiten, 16 Euro


Das Cover von Tommie Goerz' Buch "Meier" auf orange-weißem Hintergrund. Auf einem Flachdachgebäude steht auf dem Cover in schwarzen Großbuchstaben "Meier". im Vordergrund ist auf ganzer Höhe des Covers ein Drahtzaun zu sehen. (ars vivendi / Deutschlandradio)Tommie Goerz: "Meier" (ars vivendi / Deutschlandradio)

Franken. Zehn Jahre hat Meier unschuldig gesessen für Mord. Jetzt ist er raus, repariert Autos und hebt abgesunkene Scheunen. Schön ist das Leben, schöner die Rache. Im Knast hat er gelernt, wie man Täuscher und Betrüger aufs Kreuz legt. Knochentrocken serviert, die Ballade vom zufriedenen Knacki.

10 (-) Tommie Goerz: "Meier"
ars vivendi, Cadolzburg 2020
164 Seiten, 12,99 Euro


Alles über Mord und Totschlag: Unser Krimiportal informiert über die aktuellen Trends in der Kriminalliteratur und stellt die wichtigsten Neuerscheinungen vor.


Wie funktioniert die Abstimmung?

Die Krimibestenliste wird im Auftrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und von Deutschlandfunk Kultur durch eine Jury aus Kritikerinnen und Kritikern erstellt.

Es sind 19 Spezialistinnen und Spezialisten für Kriminalliteratur aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die aus der laufenden Produktion monatlich jeweils vier Titel vorschlagen, die sie mit sieben, fünf, drei oder einem Punkt bewerten. Der so gefundene Punktwert pro Titel wird mit der Zahl der für ihn abgegebenen Stimmen multipliziert. Daraus wird die monatliche Liste berechnet.

Jedes Jurymitglied darf insgesamt drei Mal für denselben Titel votieren. Voten für Titel, an deren Entstehung oder Vorbereitung man beteiligt war, sind verboten. Die Titel dürfen nicht älter als zwölf Monate und keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien sein. Unterschiede zwischen Hardcover, Paperback und Taschenbuch werden nicht gemacht.

Im Durchschnitt kommen fünf Titel neu auf die monatliche Liste. Die Ziffer in Klammern gibt den Rang des Vormonats an.

Die Jury:

Tobias Gohlis, Sprecher der Jury
Volker Albers, "Hamburger Abendblatt"
Andreas Ammer, "Druckfrisch", ARD 
Gunter Blank, "Rolling Stone" 
Thekla Dannenberg, "Perlentaucher" 
Hanspeter Eggenberger, "Tages-Anzeiger" 
Fritz Göttler, "Süddeutsche Zeitung" 
Jutta Günther, "Radio Bremen Zwei" 
Sonja Hartl, "Zeilenkino", "Crimemag", "Deutschlandfunk Kultur"
Hannes Hintermeier, "Frankfurter Allgemeine Zeitung" 
Peter Körte, "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung"
Alf Mayer, "CulturMag", "Strandgut"
Kolja Mensing, "Deutschlandfunk Kultur" 
Marcus Müntefering, "Der Spiegel" 
Ulrich Noller, "Deutschlandfunk Kultur", "Deutschlandfunk", "SWR", "WDR"
Frank Rumpel, "SWR" 
Ingeborg Sperl, "Der Standard" 
Sylvia Staude, "Frankfurter Rundschau" 
Jochen Vogt, "NRZ", "WAZ"

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