Kreuzritter in der Wüste

25.09.2007
Nach dem Kriminalroman "Tijuana Blues" erscheint nun ein weiteres Buch von Gabriel Trujillo Munoz auf Deutsch. Wie sein Vorgänger spielt "Erinnerung an die Toten" im Grenzland zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten; und wieder ermittelt der Menschenrechtsanwalt Miguel Ángel Morgado, der eigentlich in Mexico City lebt, aber immer wieder in die Wüstenregion zurückkehrt, die er kennt wie seine Hosentasche, wo er geboren und aufgewachsen ist.
Von Mexicali nach Calexico, von Tijuana nach San Diego - immer wieder verlagert sich die Handlung von der einen Seite der Grenze auf die andere: Zwar ist diese Grenze zwischen dem Lateinamerika und dem reichen Norden inzwischen die bestbewachte der Welt, aber für das Verbrechen und seine Drahtzieher scheint das nicht zu gelten: In Trujillos Geschichten sind die Übergänge von Strafverfolgern zu Verbrechern, von Politikern zu Mafiosi fließend, und es ist niemals klar, wer eigentlich hinter wem her ist und wer wen manipuliert. Wenn es dem eigenen Vorteil oder der Staatsräson dient - und wer vermag beides schon immer so genau auseinanderzuhalten - gibt ein US-Senator schon mal einen Mord in Auftrag; oder schießen mexikanische Beamte auf missliebige Staatsbürger.

Trujillos Held Morgado - den sein Autor selbst als einen "Kreuzritter" bezeichnet - ist kein klassischer Detektiv, sondern ein moderner Don Quijote, dessen Kampf gegen die Windmühlen der Korruption und der Ungerechtigkeit nicht immer ganz erfolglos bleibt. Auch wenn er an den Verhältnissen, wie sie sind, im Grundsatz nichts ändern kann.

Im vorliegenden Band - der zwei Geschichten enthält, einen ausgewachsenen Kriminalroman und eine längere Erzählung - geht es um falsche Identitäten und gefälschte Tatsachen. In der Erzählung entpuppt sich der ganze Kriminalfall als eine Machenschaft der Geheimdienste zweier Staaten; und im Roman, der dem Band den Titel gegeben hat, ist niemand wirklich der, der er zu sein scheint - nicht einmal das vermeintliche Opfer. Hinter dem jahrzehntelang vertuschten Mord an einem mexikanischen Gouverneur stecken nämlich nicht nur handfeste politische Interessen, sondern auch ein privates Drama. Ob solche Geschichten plausibel sind oder nicht - wer kann es wissen. "Dieses Land", schreibt Trujillo, "ist vollgesogen mit Geheimnissen, Intrigen und Verbrechen, denen man nie auf den Grund kommt."

Rezensiert von Katharina Döbler

Gabriel Trujillo Munoz: Erinnerung an die Toten
Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg
Unionsverlag. Engl. Broschur
256Seiten, Euro 14,90