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Mittwoch, 05.08.2020
 
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Kulturnachrichten

Sonntag, 2. August 2020

Kretschmann gegen "Sprachpolizisten"

Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann ist strikt gegen Vorschriften für eine geschlechtergerechte Sprache. Von diesem ganzen überspannten Sprachgehabe halte er nichts, sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Natürlich müsse man darauf achten, dass durch die Sprache niemand verletzt werde und Sprache forme das Denken ein Stück weit. Aber jeder sollte noch so reden können, wie ihm der Schnabel gewachsen sei, so Kretschmann. Er sei gegen "Sprachpolizisten".

Orgel von Notre-Dame wird ab Montag ausgebaut

Die beim letztjährigen Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame nur wenig betroffene Große Orgel wird ab Montag ausgebaut und bis 2024 gründlich gereinigt. Das teilte die zuständige Behörde laut französischen Medienberichten mit. Die Orgel von Notre-Dame ist seit 1733 in Funktion. Mit mehr als 8.000 Pfeifen und 115 Registern ist sie das größte Instrument Frankreichs. Bei dem Brand war die Orgel nicht von den Flammen erfasst worden und bekam nur wenig Löschwasser ab. Allerdings wurde sie mit Bleistaub der verbrannten Dächer bedeckt. Staatspräsident Emmanuel Macron wünscht sich einen Wiederaufbau von Notre-Dame bis 2024.

Drastischer Verlust an Museumsbesuchern in Italien

Die Zahl der Besucher in Italiens Museen und Ausgrabungsstätten ist durch die Pandemie um 90 Prozent eingebrochen. Wie die Zeitung "Il Sole 24 ore" berichtet, hat die Besucherzahl im Mai und Juni erst ein Zehntel des Vorjahres erreicht. Seit die Museen ab 18. Mai wieder öffneten, haben demnach bis Ende Juni etwa 455.000 Menschen ein Museum oder eine archäologische Ausgrabungsstätte betreten; 2019 waren es im selben Zeitraum knapp 4,5 Millionen. Fast alle Kulturstätten des Landes mussten um den 10. März herum schließen. Seit Mitte Mai ist Einlass meist nur nach Voranmeldung und mit begrenzten Besucherzahlen möglich.

Teilnehmer für "Corona-Konzert" gesucht

Gut drei Wochen vor Beginn einer Corona-Studie mit Popmusiker Tim Bendzko haben sich mehr als 1400 Teilnehmer gefunden. Bei dem Konzert in der Arena Leipzig am 22. August wollen Forscher der Universitätsklinik Halle herausfinden, wie Großveranstaltungen in Corona-Zeiten gestaltet werden können. Insgesamt werden 4000 Probanden gesucht. Interessierte gesunde Freiwillige im Alter zwischen 18 und 50 Jahren können sich über den Internetauftritt des Projektes "Restart-19" anmelden. Hauptziel der Forscher ist es, ein mathematisches Modell zu entwickeln, mit dem das Risiko eines Corona-Ausbruchs nach Großveranstaltungen in Hallen berechnet werden kann. Während des Experiments sollen strenge Hygieneregeln gelten. Die Konzertbesucher sollen als Probanden der Studie FFP2-Masken tragen. Den ganzen Tag über werden alle fünf Sekunden die Kontakte zu allen anderen Probanden im Umkreis von 30 Metern gemessen.

Waldbrände in Amazonien nehmen weiter zu

Trotz des Einsatzes Tausender Soldaten seit Mai ist die Zahl der Waldbrände in Amazonien auch im Juli weiter gestiegen. Sie lag 28 Prozent über denen vom Juli 2019, berichteten brasilianische Medien. Die Satelliten des staatlichen Klimainstituts Inpe registrierten im Juli 6.803 Feuer. Präsident Bolsonaro zweifelt die Zahlen des regierungseigenen Inpe weiter an. Es handele sich um eine "böse Kampagne" gegen ihn und die Agrarwirtschaft. Umweltminister Salles schlug im April seinen Kabinettskollegen vor, die Corona-Pandemie zu nutzen, um die Umweltstandards zu schwächen. Die Presse sei von Covid-19 abgelenkt.

Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz haben Vertreter der evangelischen Kirche, von Juden und Sinti und Roma heute erstmals gemeinsam vor Ort der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Es gab Kranzniederlegungen im Stammlager und im Außenlager Auschwitz-Birkenau, in dem Sinti und Roma interniert und ermordet wurden. Am Gedenken haben der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, und die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer teilgenommen.

Schauspieler Wilford Brimley gestorben

Der aus den Filmen "Cocoon" und "Die Firma" bekannte Schauspieler Wilford Brimley ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus im US-Staat Utah. Brimley war mit seinem Schnurrbart ein bekanntes Gesicht in mehreren Rollen. Seine bekannteste Darstellung hatte er in "Cocoon" von 1985. In dem Film war er einer von mehreren Senioren, die eine Alien-Kapsel entdecken, die ihnen eine Verjüngung einbringt. Der Streifen von Ron Howard bekam zwei Oscars. Brimley war erst Stuntreiter in Filmen, bis er Charakterdarsteller wurde. Eine klassische Ausbildung hatte er nie.

Zwei Astronauten kehren von der ISS zurück

Zwei US-Astronauten sind nach zwei Monaten an Bord der Internationalen Raumstation mit einer von SpaceX entwickelten Raumkapsel auf dem Rückweg zur Erde. Nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde NASA sollen sie heute Abend unserer Zeit vor der Küste Floridas im Golf von Mexiko landen. Die beiden Astronauten waren die ersten seit fast neun Jahren, die von den USA aus zur ISS geflogen sind - und es ist auch das erste Mal, dass sie von einem privaten Raumfahrtunternehmen befördert wurden. SpaceX hatte zuvor nur Fracht zur ISS transportiert.

Britische Musik-Stars fordern Ende des Rassismus

Mehr als 700 Vertreter der Musikbranche in Großbritannien haben in einem offenen Brief ein Ende des Rassismus gefordert. Zu den Unterzeichnern zählen Künstler wie James Blunt, Lewis Capaldi und Rita Ora, aber auch Manager und Produzenten. Man müsse jetzt zusammenhalten und dürfe sich nicht gegenseitig angreifen, zitierten britische Medien aus dem Schreiben. Die Künstler verwiesen damit auch auf antisemitische Äußerungen des britischen Rappers Wiley auf Twitter. Nach starken Protesten wurde Wiley von den sozialen Medien verbannt. In einem Interview entschuldigte sich Wiley nur halbherzig und begründete seine Äußerungen damit, dass er Streit mit seinem Manager habe. Der Manager, der jüdischen Glaubens ist, beendete die Zusammenarbeit.

Kritik am türkischen Alleingang bei Hagia Sophia

Die Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee hätte aus Sicht des früheren deutschen Botschafters in der Türkei, Martin Erdmann, international abgestimmt werden sollen. Die Entscheidung von Staatspräsident Erdogan und dem Justizsystem mute seltsam an, sagte Erdmann im Interview der Woche des Deutschlandfunks. Da die Hagia Sophia von der internationalen Gemeinschaft als Weltkulturerbe betrachtet werde, seien Alleingänge "nicht zielführend". An den weltweiten Reaktionen könne man erkennen, zu welcher "Verstimmung" das Vorgehen geführt habe. Das erste Freitagsgebet in der Hagia Sophia fand am 24. Juli statt. Am 10. Juli hatte das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei ihren bisherigen Status als Museum aufgehoben. Erdogan unterzeichnete daraufhin ein Dekret zur künftigen Nutzung als Moschee.

Frenetischer Jubel mit Maske in Salzburg

Die Salzburger Jubiläumsfestspiele 2020 sind am Samstagabend mit einer frenetisch bejubelten Neuinszenierung von Richard Strauss' einaktiger Oper "Elektra" eröffnet worden. Das weltgrößte Musik- und Theaterfestival, das in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiert, findet wegen der Corona-Pandemie unter strengen Hygienebestimmungen statt. Es ist eines der wenigen Musikfestivals in Europa, das nicht abgesagt wurde, und dauert bis Ende August.

Grütters gibt mehr Geld für Kunst aus

In der Corona-Pandemie wird einem Zeitungsbericht zufolge auch die Kunstsammlung des Bundes erweitert. Dafür habe Kulturstaatsministerin Monika Grütters den diesjährigen Ankaufetat der Sammlung zeitgenössischer Kunst innerhalb des Programms "Neustart Kultur" um 2,5 Millionen Euro auf drei Millionen Euro erhöht und damit versechsfacht, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Mit dem Geld sollen in diesem Jahr 150 Kunstwerke für die Sammlung erworben werden. Eine unabhängige Ankaufkommission werde sowohl bei Kunstmessen als auch bei Künstlern direkt und in Galerien entsprechende Werke aussuchen. Der Wert eines erworbenen Kunstwerks werde im Regelfall 20.000 Euro nicht überschreiten; eine Bewerbung von Künstlern dafür sei aber nicht möglich. Grütters zufolge sollen in diesen schwierigen Zeiten vor allem kleinere Galerien profitieren und durch den Direkterwerb in Ateliers Künstler "ermutigt und unterstützt werden".

"Frankfurter Rundschau" feierte Geburtstag

Die Tageszeitung "Frankfurter Rundschau" feierte am Samstag den 75. Jahrestag ihres Bestehens. Das Blatt war 1945 kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegründet worden - dem Verlag zufolge als dritte deutsche Tageszeitung der Nachkriegsgeschichte überhaupt. Der Medienforscher Horst Röper würdigte die "Frankfurter Rundschau" im Deutschlandfunk Kultur als "eine sehr eigenständige Zeitung, und auch eine besondere, insofern, als dass sie bei den überwiegend konservativen Tageszeitungen in Deutschland eine linksliberale Stimme war." Diese Stellung habe sie aber verspielt, nicht zuletzt aufgrund betriebswirtschaftlichen Versagens, so Röper. Inzwischen habe sich das Blatt als Regionalzeitung für den Frankfurter Raum und Umgebung wieder etabliert. "Aber die bundesweite Stimme im publizistischen Bereich fehlt uns da etwas. Da ist nichts nachgekommen, was der alten FR in ihrer Bedeutung heute entsprechen könnte", betonte Röper.

Staatsrechtler Battis gegen Umstrukturierung der SPK

Der Berliner Staats- und Verwaltungsrechtler Ulrich Battis hält die vom Wissenschaftsrat vorgeschlagene Umstrukturierung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für falsch. In einem vor wenigen Wochen vorgestellten Gutachten hatte das Gremium eine Aufteilung der SPK in vier Sparten vorgeschlagen. "Wenn ich vier neue Institutionen gründe, kostet das ein Unmenge mehr", sagte er der "Berliner Morgenpost" am Samstag. Battis schlägt stattdessen vor, bei dem jetzigen Stiftungsmodell zu bleiben und die innere Organisation der Stiftung zu verbessern. Dafür müsse zunächst ein richtiges Kulturministerium des Bundes geschaffen werden. Das sei ein längst überfälliger Schritt und verfassungsrechtliche Normalität. Kulturstaatsministerin Grütters nehme nach außen hin ganz eindeutig die Funktion einer amtierenden Ministerin wahr. Ohne es bisher zu sein, so Battis.

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Fazit

Ex-König Juan Carlos I. im ExilEin kompromittiertes Haus
Juan Carlos I. winkt den Anwesenden zu. (imago / Mario Ruiz)

Juan Carlos I., Ex-König von Spanien, hat in einer Nacht-und-Nebel-Aktion seine Heimat verlassen. Gegen ihn wird wegen mutmaßlicher Geldwäsche ermittelt. Der Historiker Leonhard Horowski hält es nicht für ausgeschlossen, dass die spanische Monarchie untergeht.Mehr

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