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Interview / Archiv | Beitrag vom 20.05.2020

Krankenstand bei LehrkräftenAn Normalbetrieb ist nicht zu denken

Hans-Peter Meidinger im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Unterricht in einer Grundschule in München (imago/Sven Simon)
Bild aus vergangenen Tagen: Ziel ist es, dass der Präsenzunterricht wieder Normalität wird. (imago/Sven Simon)

Schrittweise beginnt der Schulbetrieb wieder. Doch es gibt neue Probleme: In manchen Bundesländern ist der Krankenstand bei den Lehrern hoch - bei ohnehin schon dünner Personaldecke. Der Deutsche Lehrerverband fordert Unterstützung von der Politik.

Die Schulen in Deutschland sind wieder geöffnet, Schüler und Schülerinnen kehren stufenweise zurück, um wieder ein bisschen Normalität in den Schulalltag zu bekommen. Wie gut das gelingt, hängt auch davon ab, wie viele Lehrkräfte überhaupt zur Verfügung stehen.

Wegen geteilter Gruppen bräuchte man theoretisch mehr Pädagogen als bei einem normalen Schulbetrieb. Doch dabei treten Probleme auf. Denn es wird zusätzlich eng, wenn, wie zuletzt in Nordrhein-Westfalen, 30 Prozent der Lehrkräfte nicht in der Schule unterrichten können, weil sie – altersbedingt oder wegen Vorerkrankungen - einer Risikogruppe angehören oder sich krankgemeldet haben.

Klassen nicht im Stich lassen

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte hat in dem Zusammenhang kritisiert, dass zu viele Lehrerinnen und Lehrer aus Angst vor Corona eine Befreiung vom Unterricht anstreben. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Hans-Peter Meidinger, widerspricht dem vehement:

"Wir haben derzeit etwa zwölf Prozent unter den Lehrkräften, die über 60 sind. Nach den derzeitigen Richtlinien müssen die nicht in die Schule kommen. Und dann kommen noch die mit Vorerkrankungen hinzu. Aber was man auch sehen muss: Viele, die über 60 sind, kommen trotzdem in die Schule, weil sie ihre Klassen nicht im Stich lassen wollen."

Konzept für das kommende Schuljahr

Außerdem habe es gerade während der schwierigen Zeit des Homeschoolings relativ wenige Krankmeldungen gegeben, betont Meidinger, der selbst Rektor eines Gymnasiums in Bayern ist. Angesichts der aktuellen angespannten Lage müsse nun geklärt werden, wie viel Schichtunterricht in den Schulen überhaupt möglich sei.

Denn schon jetzt sei wegen der besonderen Vorsichtsmaßnahmen personell "das Ende der Fahnenstange" erreicht. Von der Politik wünsche er sich ein verbindliches Konzept für das kommende Schuljahr.

Für dieses sieht Meidinger bereits die größten Herausforderungen: "Wie gehen wir um mit den Schülerinnen und Schülern, die durch das Homeschooling abgehängt worden sind; und wie regeln wir das mit dem Gesundheitsschutz?"

(mkn)

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