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Interview | Beitrag vom 14.04.2021

Krankenhauspersonal in der CoronakriseWohin mit Angst und Sorge?

Andreas Igl im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Auf einer Intensivstation stehen Ärzte und Pfleger in mit Schutzmasken am Bett eines Covid-Intensivpatienten.  (imago / Max Stein)
"In der ersten Welle hatten wir noch Vertrauen, dass wir das hinkriegen", so eine Intensivkrankenschwester. Dieses Vertrauen schwindet offenbar immer mehr. (imago / Max Stein)

30 Stunden Arbeiten am Stück, immer jüngere Patienten - und kein Optimismus mehr: Viele Mitarbeitende des Gesundheitssystems sind verzweifelt. Und sie wissen nicht, wohin mit dem Erlebten, sagt Andreas Igl von der Telefonberatung PSU-Helpline.

Sterben – Kämpfen – Hoffen – Glauben: Die Titel der Folgen der vierteiligen ARD-Dokumentation "Charité intensiv: Station 43" beschreiben den Arbeitsalltag von medizinischem Personal auf den Coronastationen deutscher Krankenhäusern. Pfleger, Ärzte und Krankenschwestern arbeiten derzeit oft bis zum Anschlag – und darüber hinaus.

Viele können einfach nicht mehr, weiß Andreas Igl, Experte für Krisenmanagement und psychosoziale Unterstützung (PSU). Er leitet die PSU-Helpline – eine telefonische Anlaufstelle für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Gesundheitssystems, die Unterstützung und Hilfe brauchen. 

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Sie erzählen nicht nur von derzeit "unglaublich anstrengenden Arbeitsbedingungen" und einer starken Auslastung der Kliniken, sondern auch von einer psychisch sehr belastenden Situation.

"In der ersten Welle hatten wir einfach noch Vertrauen, dass wir das hinkriegen und waren auch noch mit Optimismus unterwegs", berichtet Igl vom Gespräch mit einer Intensivkrankenschwester. "Und jetzt sehen wir irgendwie kein Ende, und es macht auch einen Unterschied, wenn wir feststellen, ein 87-Jähriger wird demnächst versterben. Das fühlt sich anders an als die 40-jährige Mutter, die vielleicht noch vor zwei Tagen auf der Normalstation gewesen ist, jetzt in Bauchlage beatmet ist, man weiß, da gibt es zwei Kinder mit acht und zehn Jahren."

Die eigene Angst wegdrücken

Wenn man dann noch miterlebe, dass auch die eigenen Kollegen infiziert würden und zum Teil schwer erkrankten – so zitiert Igl die Krankenschwester –, sei es "auch wieder unglaublich anstrengend, diese Sorge und Angst um die eigene Gesundheit oder auch die Gesundheit der Angehörigen, der Familie zu Hause, einfach wegzudrücken".

Die PSU-Helpline ist täglich von 9 bis 21 Uhr unter der Telefonnummer 0800 0 911 912 zu erreichen. Das Angebot richtet sich an alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Gesundheitssystems. Die telefonische Beratung ist kostenlos und vertraulich.
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